2015 - und auch hier bleibt die Zahngesundheit das große Thema

04.01.2015 15:17

Wir können und drehen und wenden wie wir wollen, aber Rohkost und Zahngesundheit bleibt eine konstante Problematik. Auch bei den Rohköstlern sind Karieserkrankungen nicht unüblich und manche haben sogar erst durch die Rohkost ihre Zähne "ruiniert". Ist also die Rohkost an sich "schädlich"? - Wohl kaum, wohl aber diese konfuse Rohkosternährung, die sich zu einem Großteil aus süßen Produkten zusammen setzt. Hier kann man auch in der Rohkosternährung das Zerstörungswerk des Zuckers bewundern und bestaunen.

Eine Rohkost ohne diese süssen Produkte erscheint aber so unsexy, dass man hier wieder in einer Falle gelandet ist. Zurück zur Kochkost ist auch keine wirkliche Lösung, aber eine Rohkost, die nun wirklich auch die Zahngesundheit dient und erhält ist so unattraktiv, dass man sie nicht wirklich in Betracht zieht. Das sind meine Erfahrungen nach 15 Jahren Rohkostszene.

Ich habe vor einiger Zeit einmal einen Bericht über das äthopische Volk der Bench gesehen, die ausserordentlich gesunde Zähne haben. Im Filmbeitrag wurde es auf das fluoridhaltige Wasser zurückgeführt, welches diese Menschen reichlich trinken. Jetzt habe ich aber mal gegoogelt und eine Disseration über dieses volk gefunden. Und siehe da: die Ernährung ist weitestgehend ohne süße Speisen.

Vielfach betreiben die Bench heute noch Subsistenzwirtschaft und konnten sich damit auch in schlechten wirtschaftlichen Zeiten ausreichend ernähren. Angebaut werden vorwiegend Ensete, eine einheimische, nicht fruchttragende Bananenform, Sorghum, Mais, Gerste und Wurzelgemüsesorten (Straube 1963; Baumann 1979). Der Ensete kommt dabei nicht nur als Grundnahrungsmittel die
größte Bedeutung zu, denn es sind alle Pflanzenteile verwertbar. Aus den Wurzelknollen wird direkt nach dem Aufblühen der Pflanze Mehl gewonnen. Das fermentierte Bananenmehl dient im Weiteren zur Herstellung von Brot und anderen Backwaren. Die inneren Scheinstämme der Pflanze können gegart und als Gemüse verzehrt werden. Auch die Blätter werden genutzt: als Tiernahrungsmittel
oder als Dachbedeckung und aus den Blattscheiden lassen sich Seile, Matten und Säcke herstellen. Die Ensete wird selbst von den Einheimischen als älteste Kulturpflanze bezeichnet (Straube 1963). Auffällig ist, dass die Bench zwar auch Zuckerrohr anbauen, aber diesen nur zu Verkaufszwecken nutzen. Süße Geschmacksrichtungen sind verpönt – die Bench haben nach eigenen Angaben keine traditionellen Süßigkeiten (mündliche Mitteilung R. Garve 2010). Neben dem Anbau von Kulturpflanzen sind folgende Nutztiere von Bedeutung: Ziegen, Schafe, Esel und Rinder. Diese wurden früher nicht nur zum Verzehr, sondern auch zur Herstellung von Kleidungsstücken genutzt. Die traditionelle Kleidung bestand aus Lederschurzen oder Lederriemen und Hüten in Kombination mit Zweigen oder Gräsern, da die Produktion von Stoffen lange Zeit unbekannt war (Staube 1963; Lange 1975; Baumann 1979). Heute ist die alte Tracht weitgehend von Stoffkleidung verdrängt worden.

d-nb.info/1019786191/34

Vor diesem Hintergrund finde ich die Auswanderungstendenzen in die Tropen, um dort "mal richtig" Durian und all die gazen Zuckerfrüchte zu futtern fast lachhaft. Und wenn ich mir auch ansehe, was auf Orkos an Trockenprodukten anbietet, muss die Frage erlaubt sein, ob das K im Namen nicht irgendwie für Karies steht. 

Das Volk der Bench benutzt darüber hinaus noch Zahnputzhölzer und trinkt eben dieses Fluoridhaltige Wasser. Was die in alternativen Kreisen so verbreitete Fluoridangst in einen etwas anderen Licht erscheinen lässt. Ich persönlich benutzte ein - bis zweimal täglich eine fluoridhaltige Zahncreme und einmal die Woche Elmex- Gele. Das fluoridhaltige Zahncreme tatsächlich den Unterschied machen kann, ist ja, auch wenn es die alternative Szene nicht wahrhaben will, lange bekannt. 

So jedenfalls macht die Rohkost (wie eigentlich auch die westliche Zivilisationskost an sich) eigentlich keinen Sinn. Und im Grunde ist diese typische Rohkosternährung ja eine reine Luxuskost. Entweder lässt man sich die Früchte liefern, was reinster Luxus ist, oder man macht Urlaub in den Tropen, was auf das Selbe hinausläuft.

Wenn ich mich noch zurückerinnere an meine Kindheit, die ich ja in der DDR, und dort auf dem Dorf erlebte, so muss man schon sagen, dass vor diesem Hintergrund JEDE Rohkost schon fast Luxus ist. Damals haben wir im Winter monatelang hausgeschlachtete Leberwurst und saure Gurke als Essen in der Schule gehabt. Die ersten frischen Sachen waren Radieschen im Mai und Erdbeeren im Juni. Als frische Sachen gab es geriebenen Rot- oder Weisskohl.

Wenn ich mir auch die vielen Rohkostfamilien ansehe, die ich nun über die Jahre gesehen habe, dann braucht mir auch NIEMAND mehr mit Instinkt kommen. Wenn man die Kids frei wählen lässt, dass haben mir viele bestätigt, dann essen sie irgendwann nur noch Süßkram. Gesundheit, insbesondere auch Zahngesundheit, wird meiner Beobachtung nach einzig und allein über eine Familien-Ernährungstradition vererbt. Und wenn die schon ungut ist, dann hilft auch kein Instinkt mehr weiter. Wenn da eben oft kariogen wirkende Produkte gereicht werden, muss man sich eben nicht wundern, dass trotz Rohkost Karies auftritt.

Die besondere Ernährung der Bench mit nicht-kariogenen Nahrungsmitteln kann eine der Ursachen für die niedrige Kariesprävalenz des Volkes sein. Hinzu kommen Gewohnheiten der Mundhygiene und die Fluoridaufnahme über das Trinkwasser (...).

Aber wie gesagt, ich merke es ja immer wieder, die Art der Rohkost, die ich so praktiziere derzeit, also wirklich ohne süße Früchte und Honig nur zu therapeutischen Zwecken, dafür mit Rot- und Weisskohl, Rosen- und Blumenkohl, Sellerie und Kohlrüb, Radieschen und Rettich ist für 99% der Rohies vollkommen unsexy. LOL, da mache ich mir absolut keine Illusionen.

Aber wie sagte Sven Rohark ganz deutlich: Wenn Karies auftritt, dann stimmt da nicht irgendeine Kleinigkeit nicht, sondern dann stimmt da etwas Grundsätzliches nicht.

Bei den Bench sieht man eben auch, dass es schlussendlich nicht die nur die reinen Instinkte sind, die wirken, sondern eben Ernährungstraditionen. Süßspeisen, die ja eigentlich vom Instinkt oft präferiert werden, sind da eben verpönt, also kulturell wird hier "gegengesteuert". Und das Ergebnis sind eben fast kariesfreie Gebisse.

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