Antibiotika-Resistenzen

07.12.2017 19:51

So, 28 Fuhren Pferdescheisse rangekarrt, Schwarzwurzeln rausgebuddelt und ansonsten alles winterfest gemacht. Jetzt kann es meinswegen kalt werden und Schnee geben. Soweit ist erstmal alles in Sack und Tüten.

Gestern habe ich diesen Artikel bei Telepolis gefunden:

Die britische Statistikbehörde senkt die Aussichten aufgrund weniger optimistischen Aussischten auf den medizinischen Fortschritt und die zunehmende Antibiotika-Resistenz.

In einem neuen Bericht über die Lebenserwartung auf der Grundlage von Daten aus dem Jahr 2016 kommt die britische Statistikbehörde zu "weniger optimistischen Ausblicken". Die Lebenserwartung steigt zwar weiter, aber geringer als 2014 projiziert. Die Mortalitätsraten waren 2015 und 2016 höher als vorhergesagt, zudem habe sich die Mortalität bei Menschen in höherem Alter weniger verbessert.

www.heise.de/tp/features/Antibiotika-Resistenz-soll-weiteren-Anstieg-der-Lebenserwartung-bremsen-3911694.html

Also auch hier haben wir quasi das Ende des "Wachstums" erreicht. Geht eben nicht mehr endlos weiter und das, was erst zum Wachstum, hier der Lebenserwartung, beigetragen hat, fällt uns jetzt zunehmend auf die Füße.

Ist ja fast überall so.

Und die Antibiotikaresistenzen sind ja hausgemacht. Wo entstehen die? Na vor allem in der Massentierhaltung. Dort braucht es ja Unmengen an Antibiotikas, um es überhaupt erst zu ermöglichen, das Tiere auf so engem Raum zusammenleben.

Aufhorchen lässt, dass die Statistiker erstmals als einen konkreten Grund für die sinkende Lebenserwartung die zunehmende Antibiotika-Resistenz nennen. Schon vorher war die projizierte Lebenserwartung bzw. die weitere Zunahme des Lebensalters gesenkt worden. Begründet haben die Statistiker den erwarteten Einfluss der Antibiotika-Resistenz auf die Mortalität nicht weiter, allerdings gibt es seit vielen Jahren Warnungen, dass sich durch unnötige Verschreibungen und falsche Einnahme von Antibiotika und durch den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung multiresistente Keime immer weiter verbreiten und die Gefahr besteht, dass die Superwaffe gegen gefährliche Infektionen, die neben anderen Gründen (Hygiene, Ernährung, Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, medizinische Fortschritte etc.) ein entscheidender Faktor für die steigende Lebenserwartung war, nicht mehr greift (Warnung vor Bakterien, die gegen alle Antibiotika resistent sind).

Man mus sich auch mal vor Augen halten, was gesunde Ernährung für einen Einfluss auf den Antibiotikabedarf hat. Als Kochkost-Kind,-Jugendlicher und junger Erwachsener war ich oft krank und benötigte Antibiotikas. Mit der Rohkost hat sich das dramatisch verbessert. 2013 musste ich wegen einer berufsbedingten Borrelien-Infektion mal länger Antibiotika nehmen und 2011 wegen einer stressbedingten heftigen Erkältung (ich meine mich aber zuerinnern, dass ich die nur aus der Apotheke geholt hatte, aber nicht nahm). Ansonsten null Bedarf an dem Zeug.

Moment: in Costa Rica habe ich mal eine Antibiotikacreme benutzt, weil ich eine Staphylokokkeninfektion der Haut hatte.

Aber das wars dann auch.

Na gut, unter Rohkost laufen Erkältungen zumeist auch weniger stark ab und man braucht da auch keine Antibiotikas. Früher hiess es ja: "Eine Erkältung dauert mit Arzt 14 Tage und ohne zwei Wochen." Mit Rohkost (und einem tolerierbaren Stresslevel) wird man zum einen generell weniger krank und die Krankheiten verlaufen auch weniger dramatisch. So meine Erfahrungen. Wieso man da immer schnell ABs verschreibt, ist mir aus medizinischer Sicht schleierhaft. Zumeist braucht es einfach Ruhe, viel Schlaf und eine heisse Wanne ab und an.

Aber man sieht auch hier, wie eben dieser ungesunde Zwang zum Wirtschaftswachstum eben auch dazu führt, dass Antibiotikas vermehrt verschrieben werden. Weil auch der Verkauf dieser Produkte unterliegt dem Zwang zum ewigen Wachstum. Und das führt eben dazu, dass Ärzte es schneller verschreiben und Landwirte es massenhaft bei der Tierzucht einsetzten (und man es in Ländern mit geringeren Produktionsstandards produzieren lässt, was ebenso viele Probleme verursacht, siehe letzter Absatz).

Ja gut, und dann gibt es eben irgendwann Resistenzen. Und wenn man dann eben mit 75 eine Infektion bekommt im Krankenhaus nach der zweiten Hüft-OP, die man heute vielleicht gerade so noch beherrschen kann, dann ist in Zukunft eben Feierabend.

Bislang sind keine Alternativen in Sicht, es könnten wieder tödliche Seuchen wie vor der Zeit der Antibiotika ausbrechen. Auch Viren und Pilze könnten Resistenzen gegen Medikamente ausbilden. Die WHO bezeichnet die Antibiotika-Resistenz als "eine der größten Bedrohungen der globalen Gesundheit, der Lebensmittelsicherheit und der Entwicklung".

Da zucke ich mal ganz fatalistisch mit den Schultern. Und sage: die kommen aus dem Loch nicht mehr raus. Wie soll denn die Massentierhaltung ohne Antibiotikas überhaupt gehen? Die Lachszucht, Garnelen, Schweine, Pangasius, Hühner? Wie will man denn überhaupt erschwingliche Lebensmittel für die Masse produzieren ohne Antibiotikas? Geht doch gar nicht.

Sowie man anfängt, es richtig zu machen, wirds teurer.

Und wenn man es teurer macht, dann fangen die Leute an zu hungern. Viele Hartz4er haben jetzt schon Probleme.

Darüber hinaus haben die Menschen sofort weniger Geld in der Tasche, um die anderen Konsumgüter zu kaufen. Deswegen brauchen die das Zeug ja so dringend. Damit die billig produzieren können. Und deswegen sind die ja sofort in Panik, wenn wieder irgendwo eine Tierseuche ausbricht. Gerade die Leute, die wissen wie es läuft, Stichtwort Robert-Koch-Institut, scheinen schon drauf zu warten, dass da irgendwann wieder was richtig Großes aus den Tierfabriken überschwappt.

In den Kommentaren zum Artikel finden sich oft auch gute Infos. Das zum Beispiel:

Tiermast, zu viel Antibiotikaverschreibungen etc. sind nciht das Problem

Sondern das hier:
https://www.youtube.com/watch?v=mBog5xT5Ybk

[Die Story im Ersten: Der unsichtbare Feind]

Gucken lohnt sich. Ich jedenfalls habe nun so ueberhaupt keine Lust mehr auf Asien- und vor allem Indienreisen, wo man von dort doch mit ca 70%er Wahrscheinlichkeit mit einem multiresistenten Keim zurueckkommt.

Zum Inhalt ganz kurz gesagt: Multiresistente Keime und Supererreger entstehen hauptsaechlich in den Antobiotikaproduktionsstaetten in Indien. Praktisch alle Pharmakonzerne weltweit lassen dort guenstig produzieren. Mit Antibiotika verseuchte Abwaesser landen in der freien Natuer, wo sich dann unweigerlich Keime mit Resistenzen bilden. Durch die oertlich begrenzte massenhafte Produktion entstehen sogar Erreger, die gegen jedes Antibiotikum, das es gibt, resistent sind. Sie sind dort schon zuhauf in der freien Natur nachweisbar. D.h. die Produktion der Antibiotika selbst leitet Resistenzbildung ein. Schoen schizophren. Helfen wuerde es, die Produktion einzelner Antibiotika als Arzneimittelkonzern wieder national voranzutreiben und auf harte Standards zu setzen, um einen Ausbruch zu vermeiden. Aber es ist halt so billig, in Indien zu produzieren, was kuemmert die Pharmas, was drumrum passiert...

Also das Hauptproblem: wie immer Gewinnsucht und Gier.

[Anm Video: beim Lübbert war ich damals kurz wegen meiner Leishmaniose]

Tja, im Post-Antibiotikazeitalter wird die Rohkost umso wertvoller werden. Derzeit kann man ja mehr oder weniger leben wie man will und wenn man krank wird, gibts eben Antibiotikas, Herzmittel, Blutdrucksenker, Schmerzmittel usw usw.

Wenn aber die Antibiotikas nicht mehr funktionieren, dann wird man eben auf der Seite des Immunsystems stärkend eingreifen müssen. Und dann wird eine gesunde Ernährung, die eben auch entzündungshemmend wirkt, enorme Vorteile bringen. Dann wird die Theorie der "Instincto" nochmal ganz anderes Gewicht bekommen.

Ich weiss aber nicht, ob man sich das wünschen soll, dass es SO kommt...

Man muss sich auch bewusst machen: diese multiresistenten Keime kann man sich auch im Supermarkt zuziehen. Stichwort Hühnchen- und Putenfleisch (bei Bio öffensichtlich bisher noch nicht). Wenn man Pech hat, ist das Zeug belastet und man hat eine kleine Wunde am Finger...das kann das Ende bedeuten. Zumal wenn man ein schwaches Immunsystem hat. Deswegen stehen auf den Verpackungen immer Warnhinweise, ja nicht roh verzehren, alles was damit in Berührung kam abwaschen usw...

Kommen die Menschen nun auf die Idee, das zu ändern, die "Produktionsbedingungen" zu ändern? Nein, geht nämlich nicht. Gesunde Hühner leben in kleinen Gruppen, haben Auslauf, abwechslungsreiches Futter und einen geräumigen Stall. Wer das möchte, muss selber welche halten oder sehr teuer einkaufen.

Ergo: so kann man die Masse nicht mit billigem Hühnchen versorgen.

Und deswegen ändert sich da auch nichts.

Und jetzt muss man mal überlegen: zunehmende Antibiotikaresistenzen, zunehmende Gefahr von Tierseuchen, die auf den Menschen überspringen, zunehmend schwächliche Kinder aufgrund von falscher und trostloser Ernährung (hier hat sich vor Kurzem eine Kindergärtnerin erst beschwert, was die Kinder mit in den Kindergarten bekommen: Milchschnitte, Mars, Kinderbueno... all den Schrott, und Gemüse isst da keiner mehr, kein Wunder, auch das Mittagessen ist zumeist Fertigfraß vom Billigstanbieter) und zunehmende Verstädterung.

Das ist die Bühne für ein Desaster.

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