Apropos Energien

07.07.2016 16:09

Um nochmal auf das Thema „Energien“ zu sprechen zu kommen, die sich bei der Rohkost im Vergleich zur Kochkost ändern (und somit einfach auch erstmal trennende Gefühle zur Umwelt, selbst zu den engsten Verwandten erzeugen können), möchte ich ein paar Anekdoten erzählen, die das verdeutlichen sollen.

 

Als ich Ende 1998 mit der Rohkost anfing, war ich erstmal ganz alleine. Ich hatte kein Internet, nur das Buch von Wandmaker und eine Umgebung, die mir nur Widerstände bereitete. Nur mein Wing-Tsun-Lehrer und guter Freund war noch so verrückt, da mitzumachen. Das war natürlich extrem schwierig und mündete oft in Rückfälle. Erst 1999, als ich „Die Rohkosttherapie“ in einem Buchladen im Mercado, einem Einkaufszentrum in Hamburg-Altona, entdeckte und gleich im Zug anfing zu lesen, ging es besser. Aber auch da blieb ich eigentlich Einzelkämpfer, da ich ja zu dieser Zeit in Hamburg wohnte.

 

Meine Beziehung war zu diesem Zeitpunkt auch schon zu Ende. Im Grunde war es auch eine Befreiung, da will ich ehrlich sein. Tiger und Affe, das ist ja die ungünstigste Kombination und das hat man einfach auch gemerkt. Ich war da nicht zu betroffen und spürte, dass jetzt der Weg frei war für das, was ich fühlte, dass dies für mich richtig war.

 

Spannend wurde es dann ab 2000 / 2001, als ich einen Internetzugang bekam und alles las, was es damals an Veröffentlichungen zum Thema Rohkost gab. Als erstes fiel mir ein Bericht von einem Martin (Thomas?? Was weiß ich...) Steigerwald auf, der über seine negativen Erlebnisse auf Montramé berichtete und ich sah eine Preisliste von Orkos, wo Äpfel für 17,50 DM pro Kilo angeboten wurden. Na Mahlzeit! Das ging ja gut los.

 

Aber dann fand ich das Rohkostforum (damals unter www.rohkostforum.de) und den dazugehörigen Chat und das wurde schnell meine abendliche Lektüre und Beschäftigung. Ich glaube, ich hatte irgendwann die meisten Beiträge dort geschrieben (ich mochte es schon immer, zu diskutieren und Sachen auch im Austausch zu durchdenken) und auch im Chat war ich fast jeden Abend. Und da habe ich zum ersten Mal gespürt, dass da eine andere Energie zwischen den Leuten war und dass das auch eine gewisse Nahrung darstellte, die erfüllte. Und da muss man auch dankbar sein, das es dieses technische Hilfsmittel gab, denn so konnte man mit anderen zusammen sein, ohne nach Montramé zu müssen. Und ich glaube, dieses Kommunikationsmittel hatte auch den Vorteil, dass man sich auch einfach ausklinken konnte, wenn man wollte.

 

Also nicht, das falsche Vorstellungen aufkommen: wir haben dort auch viel gestritten, uns gerieben, gezankt, uns genervt und jeder hat damals auch Fehler gemacht, so dass es irgendwann auch zerbrochen ist. Ich war ja manchmal ein Arsch, und auch andere haben sich nicht immer mit Ruhm bekleckert. Aber wie sollte es auch anders sein. Es war ein vollkommen neues Kommunikationsmittel und jeder Rohköstler ist per Definition erst mal ein Kämpfer und auch sozial wenig angepasst, sonst würde er es nicht hinbekommen. Dazu trägt ja jeder auch sein Paket aus der Vergangenheit. Das hat die Sache darüber hinaus noch erschwert.

 

Aber bei aller kleinlicher Streiterei manchmal, war es doch überwiegend eine gute Kommunikation und vor allem ein energetisch schönes Zusammensein. Es war wie eine kleine Internetkneipe, wo man nach der Arbeit hingegangen ist, sich nett unterhalten hat, neue Leute kennen lernte, lachte, sich amüsierte, flirtete und sich über Gott und die Welt unterhielt, nur um dann Abends zufrieden ins Bett zu gehen. Interessant war, dass es immer erst richtig nett wurde, wenn mindestens drei da waren. Schon da merkte man, dass zu zweit die Kommunikation / der Energieaustausch irgendwann einschlief, aber sowie ein Dritter dazukam, wurde es wieder „energetisiert“.

 

In den besten Zeiten 2003- 2006 waren wir jeden Abend 5 bis 12 Leute, die auch mit Klarnamen schrieben, so dass wirklich eine ehrliche und vertraute Atmossphäre entstand. Witzig waren dann auch die Treffen, wo man sich dann das erste Mal in real begegnete.

Aber zurück zum Thema Energien. Irgendwann war man so sensibilisiert in dieser Richtung, dass, wenn ein neuer Gast dazukam, man sofort merkte, ob der roh war oder nicht. Und das obwohl da nur eine Zeile (Gast 06485 betritt den den Raum „Lagerfeuer“) im Chatfenster aufschien. NIE hat sich das Gefühl getäuscht. Oder man spürte es, ob derjenige log, oder ob es ein Mann oder eine Frau war. Und auch wenn jemand eine Kochkostausnahme machte, wurde das zumeist aufgedeckt. Plötzlich kam ein Impuls und man fragte den Betreffenden:

„Und, wie läufts mit der Rohkost?“

„Gut“

„Wirklich?“

„Na ja...“ und dann gings los. Man hat das alles SOFORT GESPÜRT.

 

Oder man hat genau gespürt, ob der andere noch aufmerksam war, oder schon geistig abwesend war. Wir haben auch so Spiele gemacht. Gedankenübertragungen, wer denkt wann an wen und das hat auch gut geklappt. Oder einmal haben wir ein Ratespiel gemacht: welchen Gegenstand schaue ich gerade an. Erst habe ich etwas rum geraten, nur um dann glasklar vor meinem inneren Auge gesehen, welches Buch Stefan in Berlin gerade angeschaut hat.

 

Es waren also echt schöne Jahre!

 

Und man hat echt viel über die Rohkost gelernt und hatte Rückhalt! Indem man anderen geholfen hat, hat man sich auch besser mit der Materie ausgekannt. Manchmal überlege ich, ob ich nicht mal wieder einen Chat aufmachen sollte. Die Kommunikation übers Internet hat sich ja, nüchtern betrachtet, eher arg verschlechtert. Aber so gute Chats wie damals gibt’s wohl garnicht mehr. Auch war die Struktur der Parsimony- Foren Klasse. Einfach, ohne viel Firlefanz, aber zweckmäßig. Und die Chats waren auch eher simpel, aber zur Kommunikation bestens geeignet. Und da der Chat quasi am Forum dran hing, kamen auch immer neue Leute dazu. Manche blieben länger und wurden Freunde.

 

Heute erscheint mir die Kommunikation wieder auf ein niedrigeres Nivau zu fallen. Skype, Facebook, Twitter, alles cool auf den ersten Blick, aber bei genauem Hinsehen ist es auch nur eine Egoschiene. Es findet eigentlich keine echte Kommunikation statt. Bei Facebook kippt jeder seinen Müll rein. Egal ob Beiträge oder Kommentare. Hinscheissen und weggehen ist das Motto. Oder verkaufen wollen. Kommentare findet man oft nie wieder, oder nur schwer, geschweige denn, dass sich eine echte Kommunikation /Diskussion ergibt. Bei Skype muss man erst Leute einladen, da kann keiner einfach so dazukommen, nur weil er neugierig ist, bei Twitter ist es ähnlich begrenzt. Das Problem ist aber, dass man einen Chat auch pflegen muss, sprich, man muss quasi auch da sein. Sonst geht der auch wieder ein. Na schauen wir mal...

 

Aber ich glaube, dass sich heute viele Anfänger auch einfach alleine fühlen und kaum Austausch haben. Kaum Unterstützung durch eine Gruppe Gleichgesinnter. Früher ist man einfach in den Chat gekommen und hat die Leute dort genervt. Und die waren ja zumeist sehr hilfsbereit. Dazu war der Chat schon gut geeignet. Man kann da sagen, dass der Chat sehr wichtig war, laufen zu lernen. Denn es ist das eine, ein Buch zu lesen und loszulegen, und was ganz anderes, dann auch zu praktizieren. Und wenn da immer wer im Chat ist, dann kann man da einfach mal reinschauen und man bekommt Hilfe und man fühlt etwas gemeinschaftliches. Gerade wer mit omnibvorer Rohkost anfängt, hat ja zumeist die ersten zwei jahre viele Fragen und ist unsicher.

 

Was aber wieder ein neues Problem aufwirft. Oft kamen Leute, die einfach nur Energie saugen wollten, die sich bestätigen wollten, dass Rohkost Scheisse ist, die endlos fragten und fragten, nur um dann doch wieder abzutauchen, die einfach nicht wirklich so leben, aber die schöne Energie dort geniessen wollten und nicht merkten, dass sie es waren, die alles durcheinander brachten. Das war dann auch irgendwann ermüdend. Und es machte auch aggressiv irgendwann. Da hat man irgendwann auch die Schnauze voll, wenn jemand jahrelang rumeiert, immer wieder Ausreden erfindet, um etwas nicht zu tun, aber von der Energie dort zehren möchte und dann beleidigt reagiert, wenn man sagt, er solle doch nun mal zu Potte kommen. Die haben nie gemerkt, dass es die Rohies waren, die es ernsthaft praktiziert haben, die den Raum entsprechend "energetisierten". Das wollte man haben, ohne sich aber selber mal entsprechend einzubringen. 

 

Jetzt habe ich meine Skype- und Facebookfreundesliste, ich kommuniziere eben dann darüber mal, wenn ich Lust habe.

Aber gerade für Anfänger scheint es mir sehr wichtig zu sein, dass sie erstmal Hilfe bekommen, um selber laufen zu lernen. Und das eben auch von Leuten, die das schon lange machen, Erfahrungen haben und nichts verkaufen wollen. Oft wird ja Hilfe von Einäugigen angeboten, die den Blinden führen wollen. Das scheitert ja auch regelmäßig. Aber wenn ich zurückdenke, dann sind alle Rohköstler, die länger dabei sind entweder auf Montrame gewesen, also haben da ein Gruppenerlebnis und Hilfe gehabt, sind es von Geburt an und haben so Führung durch die Eltern genossen, oder waren im Chat unterwegs. Ich kenne eigentlich keinen Rohköstler, der nicht irgendwie zu Beginn durch eine Gruppe ermuntert und unterstützt wurde.

 

Der Mensch ist eben ein durch und durch soziales Lebewesen und braucht die unterschiedlichsten Kontakte und Energien, um sich zu entfalten und sich erfüllt zu fühlen. Und dazu braucht es eben Gemeinschaften, und seinen sie auch klein und virtuell, dass kann immernoch mehr helfen, als alleine irgendwo zu sitzten und gegen alle Widerstände agieren zu müssen.

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