Beim Bürgermeister

08.03.2018 22:55

Vorgestern war ich hier beim Bürgermeister wegen einer Sache, zu der ich ein paar Infos brauchte. Wir haben uns lange und gut unterhalten, man kennt sich ja schliesslich, und im Grunde sind wir beide überein gekommen, dass die Dörfer schlichtweg aussterben. Nicht gleich heute oder morgen, aber als Perspektive ist da wenig Hoffnung zu erwarten. 

Der Grund ist auch einfach: die Lebensgrundlage der Dörfer, ich habs ja schon oft geschrieben, war immer die Landwirtschaft. Dörfer waren Selbstversorgergemeinschaften. Ringsrum wurde Landwirtschaft betreiben, Obstbau, an den Häusern gab es Gärten und da diese Art des Lebens auch andere Berufe notwendig machte, gab es auch Stellmacher, Schmiede, Gastwirtschaften, Schulen usw usw...

Jedes Dorf war irgendwo eine kleine Stadt für sich.

Und das war hier bis zur Wende so. Wir haben uns auch gestern zum Sport unterhalten, was noch alles los war bis 1990/91. Da gab es jedes Wochenende irgendwo eine Disko. Die Disco im Nachbarort war so ein echter Anziehungspunkt. Da standen manchmal schon viertel sechs (um sechs gings los bis um elf) 200 junge Leute davor und es wurde schon bei der Einführungsmeldoie getanzt.

Man kann sich das, wenn man diese trostlosen Käffer heute sieht, nicht vorstellen, was damals hier los war. Da gab es im Nachbarort eine volle Disko, und drei Dörfer weiter war auch alles voll. Und wenn mal keine Disko war, ist man 10km weiter gefahren und dort war es rammelvoll. Wir haben auch gestern ein paar alte Storys rausgekramt, wie leicht es war, Mädels kennen zulernen. Ich erinnere mich an viele Knutschereinen gleich auf der Tanzfläche. Erst hat man auseinander getanzt, dann zusammen und dann gleich mal rumgeknutscht.

Freund von mir, Ende 20, konnte das garnicht glauben, aber was die Sexualität anging war das früher echt locker und ging zum Teil wie von selbst. Na ja, 300 junge Leute und ein bisschen Alkohol, was will man erwarten. Und die Mädels waren zumeist auch ziemlich hübsch. 

Nach der Wende sind erst die Dorfdissen eingegangen, weil in den Städten Großraumklitschen aufgemacht haben, und dann sind die Dörfer regelrecht eingebrochen. Zu DDR Zeiten hatten die ja alle hier irgendwas, was sie anbauten und verkauften. Tabak, Rhabarber, Kartoffeln, Weizen, oder sie hielten Schweine, Schafe, Rinder zum Eigenverbrauch und zum Verkauf. Keine war reich, aber alle hatten Geld. Das ist über Nacht eingebrochen, als die Grenzen aufgingen und wir mit billigen Westprodukten aus der damals schon vorhandenen Überproduktion überschwemmt wurden. Sofort hat sich das alles nicht mehr gelohnt und viele Ostdeutsche wurden Migranten. Die gings damals so, wie heute den Afrikanern, die nicht mehr gegen den subventionierten Schrott aus Europa ankonkurrieren können und somit keine Zukunft mehr haben.

Im Grunde sieht man alleine an dem Kulturgut "Disko", wie Zentralisierung funktioniert und wie sogar diese Sachen dem Zeitgeist der "Konzentration der Geldvermögen" folgen. Erst waren die Dorfdissen alle gut besucht, dann gab es Großraumdissen in den Kreisstädten in den 90ern und frühen 00er Jahren und irgendwann haben die auch zugesperrt und jetzt muss man bis in die Landeshauptstadt Magdeburg, oder nach Halle oder Leipzig fahren.

Und dieser Trend, dieser Niedergang ist überall zu beoabachten:

www.deutschlandfunkkultur.de/eine-reise-an-griechenlands-grenzen-wir-wurden-vergessen.979.de.html?dram:article_id=412411

Überall sieht man den Trend zur Verstädterung. Ich halte das alles für ein Spiegel des Geldsystems. Im Grunde akkumuliert sich alles um die Banken in den Stadtzentren. Die sind ja immer in der Mitte und darum klumpen sich die Menschen, weil jeder dem Geld so nah wie möglich sein will. Und somit wachsen die Städte wie Krebsgeschwürde um diese Banken im Zentrum, die wiederum das Geld wie magisch exponentiell wachsen lassen. Wie schwarze Löcher, die die Energie ansaugen, einsammeln und dabei immer größer werden.

Die Peripherie hinwegen blutet aus. Was logisch ist. Die Energie ballt sich zunehmend um die Banken in den Stadtzentren.

Ich traue mich zubehaupten, dass das solange so bleibt, bis wir ein umlaufgesichertes Geld haben. Sowie wir das haben, werden die Dörfer wieder interessant werden. 

Das Zinsgeld aber zwingt zur Effektivitätssteigerung und zur Rationalisierung und somit reichen eben irgendwann zwei Leute, die mit großen Maschinen 1.000 Hektar beackern.

Kein Arzt, kein Supermarkt, Dörfer mit nur zwei Einwohnern: Viele abgelegene griechische Grenzregionen drohen auszusterben. Und die letzten Bewohner fühlen sich von der Regierung mit ihren Alltagsproblemen und den Nachbarschaftskonflikten im Stich gelassen.

Früher gabs hier einen Bäcker, einen Konsum, eine Kneipe, einen Stellmacher und viele junge Leute. Heute denkt man manchmal, es herrscht die Maul- und Klauenseuche und ein Ausgangsverbot wurde verhängt. Ich bin schon öfters Runden durchs Dorf gegangen, ohne IRGENDWEN zu sehen. Hat der Bürgermeister auch gesagt: "Hier sieht man doch keinen mehr!".

Das Dorf: ausgestorben. Die Häuser: seit Jahren leer. Die Eigentümer: ausgewandert. Banken schließen, Behörden werden zusammengelegt.

Wie hier. Im nächst größeren Dorf wurde auch die Bankfiliale zugesperrt. Dann sollte ein moblies Bankauto kommen, kam wohl nur zweimal.. lol.

Und das ist ja nicht nur in Ostdeutschland ein Problem. Das ist ein grundsätzliches Problem der Wirtschaftsform. Kleinanbau, Kleintierhaltung, extensive Landwirtschaft usw... also alles, was man so auf dem Dorf machen könnte, lohnt sich ja nicht mehr. Und wenn es keine Zukunft gibt, keine Aussichten auf Einkommen, gehen die Menschen weg. Ich war ja selber mehr als 10 Jahre fort und nur weil ich ein idealistischer Rohköstler bin, bin ich wieder zuückgekommen, ansonsten: was soll man hier?

Energetisch ist das kein Vergleich mehr zu früher.

Und genau das ist es: die Energie sammelt sich bei den Banken und denen, die dort ihre Guthaben exponentiell vermehren und deswegen ist in den Städten noch mehr los als auf den Dörfern. Die werden energetisch ausgetrocknet.

www.dw.com/de/deutschlands-st%C3%A4dte-wachsen-deutlich/a-18647520

Hier sieht man mal, wo die Gemeinden wachsen, und wo schrumpfen.

Man sieht ganz deutlich die "Verstädterung", bzw. das "Hin" in Richtung Großstädte, während weitläuftigen Landflächen immer mehr Einwohner verlieren. In den alten Bundesländern kann man das vermutlich noch mit der regionalen Wirtschaftskraft abbremsen. Da sind viele ländliche Flächen gelb, also stabil. Da gibts ja in vielen kleineren Gemeinden mittelständische Betriebe, die noch Zukunftssauchichten bieten, etwas, was es im Osten früher auch gab (vor allem die LPGs), aber das nach der Wende schlichtweg zerschlagen wurde! Und genau deswegen ist da ausser um die Städte Berlin, Dresden, Halle-Leipzig, Magedurg und andere alles am schrumpfen. Am stark schrumpfen.

Im vermute, dass sich der Westen, im Sinne von Westdeutschland, Frankreich, Holland usw. auch nur auf Kosten des Niedergangs des "Ostblocks" halten konnte. Auch in Polen und all den anderen Ländern ist ja die Entwicklung wie in den östlichen Bundesländern und auch da wurde ja alles nach der "Wende" platt gemacht und die Menschen flohen in die Städte.

Fast symbolisch ist es ja, dass die Bankerstadt Frankfurt am Main mit am stärksten wächst.

Das sind natürlich fatale Entwicklungen. Aus mehreren Gründen:

1. Die Menschen in den Städten verlieren einfach aus der Situation heraus zunehmend den Kontakt mit der Natur. Je größer die Städte, um so weniger oft komme oder muss ich mal "raus". Gleichzeitig werden demokratische Entscheidungen dann genau von dieser Stadtbevölkerung getroffen. Auch was Naturschutz angeht ... der ist dann oft regelrecht illusorisch und für einen Dorfmenschen nicht mehr nachvollziehbar. Ich habe da einige Sachen erlebt, wo Menschen aus der Stadt, selbst Ökologen, solche abstrusen Ideen hatten, wo die Landbevölkerung dachte, die haben nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber die Gesetzte waren entsprechend.

2. Die Versorgung der Städte ist dann natürlich vollkommen von außen abhängig. Sollte es mal eine Krise geben, sind die Städte dann riesige Mausefallen.

3. Viele Naturschutzflächen können nur mittels extensiver Landwrtschaft erhalten bleiben, einfach weil sie so entstanden sind. Wenn es keinen Bauern und junge Landwirte mehr gibt und die Naturschutzehrenamtlichen wegsterben, ist es irgendwann mal vorbei mit vielen Streuobstwiesen, Trockenrasen usw usw...

4. Gerade für Kinder sind dörfliche Umgebungen natürlich super.

Die Liste könnte man jetzt noch ausführen, aber was bringt es?

Fakt ist, dass die Entwicklung anhält und es keine politischen Konzepte gibt, dem zu entgegnen.

Ideen gäbe es genug: man könnte, so wie man auch erneuerbare Energien gefördert hat, auch den Klein- und Mittelanbau in Verbindung mit Naturschutzmaßnahmen fördern. Der Krimbauer hatte das im Gespräch mit Robert Stein (einfach mal bei youtube "Bauer vs. Landwirt" suchen) ja aufgezeigt, dass die Flächenförderung eben gerade für die Klein-und Mittelerzeuger nachteilig ist. Statt 10 Familien mit je 10 Hektar ist am Ende nur noch einer mit 100 Hektar übrig. Nur würden sich im ersteren Falle 10 Familien ernähren können, statt nur einer. Wenn überhaupt.

Bei der Rechere gerade ist mir aufgefallen, dass es schonmal eine solche Entwicklung gabe, als die Städte exponentiell anwuchsen. Und das war vor dem ersten Weltkrieg.

Leider habe ich die Quelle nicht mehr, aber irgendwo habe ich mal gesehen, dass sich viele Wirtschaftsdaten heute (Gesamtverschuldung / Guthaben / Aussenhandelsbilanzen der USA, England, Deutschland usw) mit denen vor dem Ausbruch des ersten und dann des zweiten Weltkrieges vergleichen lassen. Und so wundert es mich auch nicht, wie man gegen Russland Front macht. Das hatten wir schonmal.

Wahrscheinlich ist das ALLES, auch die Verstädterung, zunehmend ein Symptom einer heraufziehenden großen Krise.

Die Menschen ziehen dem Geld hinterher, dem Einkommen und das Geld strömt eben zunehmend zu den Banken, wo es sich bei immer wenigeren zunehmend konzentriert. Und dann konzentrieren sich die Menschen wie die Sterne im Zentrum einer Galaxis immer mehr um diese schwarzen Löcher im Zentrum, bis es mal periodisch einen großen Knall gibt.

Angesichts der Entwicklung muss ich Star Wars zitieren:

Ich habe da ein ganz mieses Gefühl!

:-D

—————

Zurück