Biodiversitätsbericht

27.03.2018 23:21

Solche Berichte (hier zu finden: www.ipbes.net/news/media-release-biodiversity-nature%E2%80%99s-contributions-continue-%C2%A0dangerous-decline-scientists-warn) sind immer irgendwo ein erschreckendes Zeugnis der Veränderung. Natürlich kann man die immer auch kritisieren und mal kritisch das Zustandekommen solcher Berichte analysieren, aber grundsätzlich ist der schädliche Einfluss des Menschen auf die Biosphäre ja nicht mehr zu leugnen.

Einige Fakten:

Nord - und Südamerika: hier hat sich die ökologische Belastung seit 1960 verdoppelt. Daraus folgend sind 40% aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. 17% des Amazonas-Regenwaldes sind bereits abgeholzt. Seit der europäischen Besiedlung sind 95% der Prärielandschaften in Agrarland und in Agrarwüsten verwandelt worden.

72% and 66% respectively: of tropical dry forest in Mesoamerica and the Caribbean have been transformed into human-dominated landscapes since pre-European settlement

Muss man, glaube ich, nicht übersetzen.

  • 88%: Atlantic tropical forest transformed into human-dominated landscapes since pre-European settlement
  • 17%: Amazon forest transformed into human-dominated landscapes since pre-European settlemen
  • 50%: decrease in renewable freshwater available per person since the 1960s
  • 200-300%: Increase in humanity’s ecological footprint in each subregion of the Americas since the 1960s
  • 9.5% and 25%: Forest areas lost in South America and Mesoamerica respectively since the 1960s
  • 0.4% and 43.4%: net gains in forest areas in North America and the Caribbean respectively since the 1960s
  • 1.5 million: approximate number of Great Plains grassland hectares loss from 2014 to 2015
  • 2.5 million: hectares under cultivation in Brazil’s northeast agricultural frontier in 2013, up from 1.2 million ha in 2003, with 74% of these new croplands taken from intact cerrado (tropical savanna) in that region
  • 15–60%: North American drylands habitat lost between 2000 and 2009
  • >50%: US wetlands lost since European settlement (up to 90% lost in agricultural regions)
  • >50%: decline in coral reef cover by the 1970s; only 10% remained by 200

Die Frage ist ja: wie findet man das raus?

Bei flächenbezogenen Analysen nutzt man GIS, (also ein GeoInformationsSystem). Die arbeiten flächenbasiert und wenn man dann alte Karten und Luftbilder hat, kann man die entsprechend auswerten und die Veränderungen analysieren.

Und am Ende stehen dann solche Ergebnisse:

+/- 500,000: km2 of land is degraded due to factors such as deforestation, unsustainable agriculture, overgrazing, uncontrolled mining activities, invasive alien species and climate change, leading to soil erosion, salinization, pollution, and loss of vegetation or soil fertility

Schwieriger ist es bei den Tierarten. Da kann man sich nur mit Schätzungen behelfen, indem man schaut, welche Habitate für diese jeweiligen Arten ein Potential aufweisen und wenn sich die Habitate durch Nutzung / Nutzungsänderung verändern, dann kann man ungefähr abschätzen, welchen Verlust das für die Gesamtpopulation hat.

Exakter ist es bei langjährigen Studien, wie sie in Deutschland bezüglich der Insektendichte gemacht wurden und an deren Ende folgendes Ergebnis stand, dass in Deutschland in den letzten 20 Jahren die Insektenarten um zwei Drittel reduziert worden. Da in Europa auch schon lange Bestandsermittlungen für viele Arten gemacht werden, zum Teil nicht mal durch Naturschützer, sondern auch durch Jäger und Fischer und weil es irgendwie unsere Mentalität ist, alles zu erfassen und von Amts wegen zu beurteilen und zu regeln, gibt es einen recht großen Datensatz.

Aussagen wie:

  • 71%: fish populations in decline in past decade
  • 60%: amphibian populations in decline in past decade
  • 37%: freshwater fish species threatened with extinction (amphibians: 23%) in Western and Central Europe and western parts of Eastern Europe

sind da schon ziemlich genau. Wenn man in den Bericht schaut, dann sieht man auch, dass die exaktesten Daten zumeist aus den Gebieten stammen, wo schon länger intensiv geforscht und beobachtet wird, während man für viele Gebiete in Afrika und Lateinamerika kaum wirklich Daten hat. Zumindest was auch Insektenarten usw angeht. Und kein Mensch weiß, wie sich da irgendwelche Vogelarten im Dschungel entwickeln. Sowas kann man nur stichprobenartig untersuchen und dann auf die Gesamtfläche abschätzen.

Zurück zum Bericht: Ich will jetzt hier nicht alles zitieren. Es reichen einige Beispiele aus diesem Bericht des Schreckens. Und es passiert eben nicht weit weg, sondern vor der eigenen Haustür. Ich schrieb ja, das die Artenzahl am Vogelhäuschen abgenommen hat und dass die Meisen mit sehr viel weniger Indivduen vertreten sind wie in den vergangenen Jahren.

Das sind einfach beobachtbare Fakten. Und was im ganz Kleinen passiert, zeigt sich eben oft auch im Großen.

Und dass es schon lange keine Hamster mehr gibt, oder Wildkaninchen oder Diestelfalter ist auch kein Märchen.

Man hat zwar viele Kilometer Hecken als Ausgleichsmaßnahmen für die Windkraftanlagen gepflanzt, aber was nützen die Hecken als Brutstrukturen für die Vögel, wenn es keine Nahrung mehr gibt?

Wir leben, dass muss uns klar sein, in der Apokalypse.

Apokalypse ist griechisch (ἀποκάλυψις ) und heisst „Enthüllung“, wörtlich „Entschleierung“.

Entschleierung!

Das ist wichtig, denn zu keiner anderen Zeit wurde das zerstörerische Wesen unserer im Grunde jahrtausende alte Wirtschaftsform so stark enthüllt und entschleiert als jetzt.

Alles begann vor ca. 100 000 Jahren. Muscheln wurden offensichtlich erstmals als Zahlungsmittel verwendet. Also hatte die Menschheit ungefähr zu dieser Zeit nicht das Rad, sondern den Tauschhandel, das Dealer-tum, die Arbeitsteilung, unsere gewohnte Form der Marktwirtschaft erfunden.

Die Curies waren intelligent genug, das Forschen mit radioaktivem Material zu „erfinden“, aber sie waren nicht klug genug, zu erkennen, daß sie das umbringen würde. Und es hat sie umgebracht!

Genauso war die Menschheit zwar klug genug, das Dealen zu erfinden, aber bei weitem nicht klug genug, um zu erahnen, was nach den „blendenden“ Anfangserfolgen und Anfangsvorteilen so alles auf sie zukommen würde.

www.rohkostwiki.de/wiki/Die_Memik

Und nun haben wir den Salat!

Wer will bestreiten, dass im Grunde die Gier nach Mehr die Triebfeder ist, die dann zu einem "falschen Leben" (Maaz) führt, dass dann genau diese Probleme verursacht. Das ging alles erst langsam los, aber mit der Dampfmaschine und dem Zinssystem ging die Entwicklung durch die Decke. Und als Schattenseite von Reichtum und Wohlstand steht eben eine abgefuckte Natur.

Und genau jetzt wird das enthüllt und entschleiert.

War es bisher noch irgendwie erträglich und waren vor 20, 30 Jahren die Dinge noch ansatzweise in Ordnung, so zeigt es sich jetzt immer stärker.

Auf telepolis schreibt jemand:

Ohne Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch sowie ohne rasche solare Energiewende, ohne ökologische Verkehrswende und ohne biologische Landwirtschaft werden wir keine Wege aus der selbstverschuldeten Öko-Krise finden, in die wir uns manövriert haben.

Ich habe ja hier im Blog anhand einiger weniger Graphiken gezeigt, wie sehr Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum korrelieren. Und hier kann man getrost von Kausalität sprechen.

Das Problem: die (Entscheidungsträger) kommen aus dem Loch nicht mehr raus. Die kriegen den Widerspruch nicht in den Griff. Einerseits Wirtschaftswachstum, andernseits die ökologische Katastrophe. Das ist wie so ein Koan im Zen: Höre den Ton einer klatschenden Hand.

Entweder denkt man Wirtschaft, dann geht die Natur den Bach runter. Oder man denkt Natur, dann wars das mit den schönen Autos, überspitzt formuliert. 

Nun haben wir ein Problem: wir haben so ziemlich alles mittlerweile auf Systemerhalt gebürstet. Die Schulbildung und die Struktur der Studien wurden auf Druck aus der Wirtschaft gestrafft und "refomiert". Und dann kommen da am Ende eben keine Menschen raus, die ökologisch denken oder die Ökologie und Ökonomie zusammenbringen, sondern Systemlinge eines neoliberalen Wirtschaftssystems.

Sven Rohark hat es nach dem Besuch einer schweizer Schule mal auf den Punkt gebracht: Kann man jungen Menschen, die 10 oder mehr Jahre in so einem Betonbau unterrichtet wurden, danach die Verantwortung für die Welt übergeben?

Diese Frage kann man nur verneinen.

Und das ist echt ein Problem: auf der einen Seite drängt die Zeit, auf der andere wird es immer schlimmer. Maaz meinte ja, dass wir aufgrund frühkindlicher Mängel einen berechtigten Hass spüren, den wir aber aus Unkenntnis der wirklichen Ursachen später dann auf alles mögliche projizieren. Und dass wir diesen Hass auch in die Natur tragen.

Und das zeigt sich jetzt in enormen Ausmaß. Apokalypse - Die Enthüllung dessen, was bisher eher verborgen war und nicht so offen wirkte.

Was positiv stimmt: alles was es braucht, um das Ruder rumzureissen, ist im Grunde irgendwo schon vorhandenen. Alternative Geldsysteme, Schulsysteme, Erziehungsmethoden, Ernährungsweisen, Anbaumethoden .. es ist ja alles mehr oder weniger schon da.

Aber es führt eben alles noch ein Schattendasein.

Was mich pessimistisch stimmt, bzw. was mich befürchten lässt, dass die Krisen noch stärker werden (müssen) ist die Beobachtung, dass das Massenbewusstsein eben immernoch voll und ganz im alten Denken verhaftet ist. Bis auf weniger Ausnahmen hat sich ja nicht wirklich was geändert. Die Wiederwahl von A. Merkel ist das sicherste Zeichen, dass die Menschen sich ein "Weiter so!" wünschen.

Na ja, und dieses "Weiter so!" hat eben schon zu den Verwerfungen in Deutschland geführt, die wir jetzt erleben und hat weltweit die Natur unter starken Druck gesetzt.

So kann es also nicht weiter gehen. Nur wollen das die Menschen in der Masse noch nicht begreifen. Sie spüren es sicherlich schon, aber sie wollen es noch nicht wahr haben. Also wird es noch gröbere Krisen geben müssen, die dann zum Handeln und zur Umkehr zwingen.

Auf diese Krisen sollte man sich eventuell vorbereiten.

Das ist keine Alarmismus, das ist einfach die logische Konsequenz. Wenn alles, was bisher schon an Verwerfungen passierte, nicht ausreicht, um Änderungen zu verursachen, dann wird es noch mehr nasse Waschlappen geben.

Und darauf kann man gespannt sein.

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