Blockaden auflösen bei tierischen Produkten - wie geht das?

16.08.2016 20:26

Auf dem Sommertreffen war natürlich das Essen von rohen tierischen Produkten wieder ein großes Thema. Es zeigt sich ja immer deutlicher, dass diese Produkte der Schlüssel zu einer langfristig einigermaßen zufriedenstellenden Rohkosternährung sind und darüber hinaus auch vielen Mängeln einer rein pflanzlichen Diät vorbeugen.

Natürlich kommen auch immer wieder Menschen zum Treffen, die bisher keine tierischen Produkte gegessen haben, aber durchaus offen sind. Auf dem Treffen haben sie ja dann zumeist die Möglichkeit, diese Lebensmittel zu probieren. Unser Treffen wirkt ja in der Hinsicht schon etwas subversiv, denn wir sagen ja eindeutig, dass wir keine tierischen Produkte verkaufen, aber natürlich hat immer mal wer etwas mit und es landet im Blick derjenigen, die das vorher nicht so nah an sich ran ließen.

Und anders als auf dem Instincto-Treffen 2009, wo Fleisch auch ganz offen verkauft wurde, was selbst mir zu direkt war und somit erstmal absschreckte, kommen seit 2010 die Menschen eher indirekt damit in Kontakt, was weitaus weniger Abwehrreaktionen auslöst, sondern vielmehr Neugierde. Im Kontakt mit omnivoren Rohköstlern wird dann auch mal probiert und der ein oder andere kommt auch tatsächlich auf den Geschmack. Zumeist mit einem gewissen sündigen Vergnügen, denn man hat sich ja diese Produkte lange verwehrt oder wusste gar nicht, dass man diese Sachen auch roh essen kann und jetzt erlaubt man sich diese "verbotenen" Sachen oder entdeckt sie und realisiert darüber hinaus, dass die sogar echt gut schmecken und tief befriedigen können. 

Aber es erstaunt dann doch immer wieder, wie wenig Ahnung die Menschen haben, dass man Fisch und Fleisch auch roh essen kann.

Und dass, wenn man es antrocknet, es unter Umständen sogar erstmal viel besser funktioniert. Und das alles nach 16 Jahren Rohkostforen, Rohkostwikis, Rohkosttagebüchern und Blogs. Oft bin ich da ganz fassungslos, wenn mir die Leute nach einem Stück angetrockneten Schwertfisch sagen, dass das ja super schmecke und sie garnicht wussten, dass das auch gehe und das sie das jetzt auch zuhause probieren wollen.

Aber es gibt eben auch die Fälle, die hier ganz starke Blockaden haben und trotz offensichtlicher Faszination den nächsten Schritt nicht machen können.

Durch das Beschäftigen mit Wilhelm Reich ist mir aber das Wesen dieser Blockaden sehr viel verständlicher. Ich konnte ähnlich wie Reich beobachten, dass die Menschen, wenn sie denn schon kurz davor sind, sich zu überwinden, beim Zurückschrecken einen typischen Gesichtsausdruck annehmen, sich in bestimmten Körperbereichen verhärten oder einen starren Blick bekommen. Hier sieht man also tatsächlich die Panzerungen in Aktion.

Wie kommt man da raus, bzw. wie kann man das überwinden?

Man muss vor allem erstmal eines begreifen: diese Blockaden sind weder Schicksal, noch sind sie etwas, auf das man stolz sein sollte, noch zeigen sie einen Bedarf, oder exakter, Nicht-Bedarf an. Sondern sie sind ähnlich Staudämmen Hindernisse im freien Fluss der Energien. Diese werden hier einfach blockiert und fließen nicht. Im Gegensatz dazu sieht man oft bei ungepanzerten Kindern, dass die keine Probleme haben und das essen, was ihnen schmeckt.

Das Tragische an solchen Bloackaden ist, dass damit zumeist das ganze Leben unter diesem Einfluss steht und man immer wieder damit konfrontiert wird, denn das Leben an sich WILL ja diese Blockaden auflösen und somit wird man unterbewusst immer wieder in irgendeiner Form auf dieses Thema gelenkt.

Hier gilt wahrscheinlich auch das "Gib was du brauchst"- Prinzip, sprich man sehnt sich beispielweise nach Liebe und rennt der immer hinterher, wird verletzt und Beziehungen scheitern, statt zu erkennen, dass es ein Zeichen des Unterbewussten ist, dass man einfach mal MEHR Liebe GEBEN sollte. Vor allem erstmal sich selbst. Nur ist man da oft blockiert und leidet mitunter ein ganzes Leben lang. Erst wenn man dies auflöst, ändert sich plötzlich alles.

Und so scheint es mir auch hier der Fall zu sein. Viele Veganer kämpfen ja bitterlich gegen das Essen von tierischen Produkten. Und meine Vermutung ist, dass es eigentlich ein Zeichen des Unterbewussten ist, dass der Körper genau das braucht. Und je größer der Mangel wird, desto stärker wird die Verhärtung, bis man am Ende entweder krank wird, oder zur Vernunft kommt und wieder tierische Produkte isst.

Was soll man also tun?

Wenn man als Rohköstler solche Blockaden hat, dann ist es sinnvoll, winzig kleine Löcher in den Staudamm zu bohren, bis er bricht. Hier gilt: steter Tropfen höhlt den Stein. Was meine ich damit? Ganz einfach:

Es hat sich als gewinnbringend herausgestellt, wenn man trotz Abneigung / Ekel immer wieder winzigste Mengen Fisch oder Fleisch, gerne auch angetrocknet, je nach Gusto, probiert. Einfach immer wieder kleine Mengen probieren, daran riechen, in den Mund nehmen, gerne auch ausspucken. Wenn man dies immer wieder macht, vor allem auch mit einer offenen und ehrlichen Einstellung zu sich selber, dann wird man irgendwann diese Blockaden überwinden.

Was passiert dann?

Zumeist kommt es dann in weiterer Folge zu heftigen Entgiftungsreaktionen. Vor allem auch geistig, denn der Veganismus war ja zumeist auch nur ein Symptom, das darunter liegendes eigenes Leid versteckte (wahrscheinlich ist dieses tiefer liegende seelische Leid auch der Grund, wieso so viele Veganer ihren Solarplexus mit schwarzer Trauer-Kleidung bedecken). Es kann dann zu heilsamen Krisen kommen (die man bisher aber fürchtete). Tränen können fliessen, Wut, Hass, Ekel und andere Emotionen, die dort angestaut waren, kommen hoch. Das kann zum Teil heftig werden. Aber natürlich ist das nicht bei jedem der Fall!

Aber keine Angst! Der Körper kann das in der Regel sehr gut dosieren, nur sollte man da sehr stark auf Anziehung / Ablehnung achten! Also nicht vom Kopf her losfuttern, sondern die Sinne / Instinkte entsprechend nutzen.

Also: man muss es einfach mal ganz klein angehen. Erstmal winzigste Mengen in den Mund nehmen und probieren. Jeder Bissen ist ein kleines Loch in der Blockade, diesem Staudamm, der die Lebensenergie anstaut und unser Leben nachfolgend immer wieder so beeinflusst, dass wir genau auf diese Blockade hingewiesen werden.

Und wer möchte schon sein ganzes Leben ständig mit dem selben Thema rumlaufen? Also heisst es, diese Blockaden aufzulösen. Aber behutsam, sanft, und mit Geduld. Nicht mit der Brechstange.

Eine große Hilfe ist hier der Genuss.

Der Genuss, wenn ich denn wirklich mal offen und ehrlich mit mir selber umgehe und mich nicht selber betrüge, radiert nach und nach all diese als normal wahrgenommenen und weit über das natürliche Maß hinausgehenden Reaktionen wie überstarken Ekel und Abneigungen aus.

Auch ist es der Genuss und das Wohlbefinden, welche stärker sind als die Energie, die ich aufbringen muss, um die Blockaden aufrecht zu erhalten. Und so lässt man irgendwann los und merkt, dass es gar keine wirkliche Abneigung und keinen wirklichen Ekel gibt, sondern nur Anziehung, oder gelangweilte Abneigung.

Es steht und fällt aber alles mit der inneren Einstellung, ob ich wirklich gesund werden möchte, oder nicht.

Aber das muss jeder für sich selber entscheiden.

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