Bundestagswahl

24.09.2017 22:10

Gleich vorneweg: ich war nicht wählen. Ich halte dieses Theater für schlichtweg absurd und infantil. Und es hat uns schon einmal in den Abgrund geführt, als sich Parteien und ihr Gefolge gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben und es Weltkriege gab.

Auch habe ich beobachtet, dass, egal wer regiert, Elitenagenden umgesetzt werden. Die Partei, die das dann machen muss, ist vollkommen egal, Hauptsache die Wirtschaft wächst weiter und die Industrie boomt, sprich die Megamaschine läuft.

Und wenn man nun mal schaut, dann haben wir ca. 92% Systemparteien im Bundestag.

Die CDU/CSU steht für ein "Weiter so!" - nichts ändern, Kapitalismus pur weiter.

Die SPD steht für ein "Weiter so!" - bisschen gerechter, mehr Frauen in Führungspositionen (aber kurioserweise nicht bei der Müllabfuhr, dass sollen dann doch lieber die Männer machen), also auch "Weiter so!"

Die FDP steht für ein "Weiter so!" - aber noch entgrenzter. Mehr Wettbewerb, mehr freie Marktwirtschaft, weniger Steuern, also mehr von dem, was uns schon bisher ins Unglück stürzte und die Gesellschaft massiv gespalten hat.

Die Grünen stehen für ein "Weiter so!", nur etwas ökologischer.

Die AfD steht für ein "Weiter so!", nur etwas nationalistischer.

Die Linke will zwar einiges ändern, aber ist auf dem Ökologischen Auge auch blind und von Sektierern durchsetzt.

Aber wieso wählen die Menschen in großer Mehrheit diesen Wahnsinn? Wilhelm Reich sagte mal zum Thema erster Weltkrieg folgendes:

Die Brutalität des Weltkrieges (und vielleicht er selbst) wäre unmöglich gewesen, hätte nicht das Machtbedürfnis einiger weniger Führer den Anschluss an die latente Grausamkeit des Einzelnen gefunden.

Und heute? Heute kann man sagen: Die Brutalität des Weltkrieges gegen die Natur wäre unmöglich gewesen, hätte nicht das Machtbedürfnis einiger weniger Führer den Anschluss an die grenzenlose Gier des Einzelnen gefunden.

Denn heute ist es Gier, die den Planeten auffrisst. Und diese Gier hat nun ihren politischen Ausdruck gefunden. Dabei gibt es ja Parteien, die in die richtige Richtung gehen, wie die ÖDP, die damals von Herbert Gruhl gegründet wurde. Der hat folgendes Buch geschrieben, das sich nur jedem empfehlen kann (aufs Bild klicken):

Aber solche Parteien laufen unter ferner liefen.

Keine dieser gewählten Parteien hat überhaupt einen Ansatz einer Lösung, wie man mit den gegenwärtigen und den kommenden und sich jetzt schon abzeichnenden Problemen umgeht. Man schaue sich die dicken, satten und runden Parteibonzen an, die sich um den jeweiligen Anführer scharren. Da kann man nicht viel erwarten. Aber der Kapitalismus hat bis heute eine Unmenge an Krisensymptomen hervorgebracht, die in keinster Weise gelöst sind. Ich möchte einige aufzählen:

Migrationskrise. - Artensterben. - Raubbau an natürlichen Ressourcen. - Bienensterben. - Klimawandel. - Umweltverschmutzung. - Versauerung der Ozean. - Mikroplastik und Nitrate im Wasser. - Massentierhaltung. - Industrielle Landwirtschaft. - Burn-Out-Epedemie. - Krebs. - Verschwinden der Primärwälder. - Dazu Finanzkrise. - Eurokrise. - Brexit. - Ressourcenkriegen. - Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich. - Totalüberwachung. - Zensur im Internet...Die Liste ist noch um einiges länger.

ALLE in den Bundestag gewählten Parteien sind aber Systemparteien, stehen also mit einigen Abstrichen wie den Linken, voll und ganz hinter der Wachstumsideologie, die genau diese Probleme erst hervorgebracht hat.

Wie soll da auch nur irgendeines der genannten Probleme auch nur ansatzweise gelöst werden? Schlimmer noch, mit der FDP ist nun DIE neoliberale Partei überhaupt wieder zweistellig in den Bundestag eingezogen, die schon 1982 mit ihrem Konzept der völligen Entgrenzung der Märkte den Grundstein der heutigen Situation legte.

Diese Parteiendemokratie ist tot.

Sie kann Probleme nichts mehr lösen, sondern verführt die Menschen nur, irgendwo ein Kreuz zu machen, angelockt von irgendwelchen gerade hochgepushten Themen, ohne danach irgendwelche Mitentscheidungsmöglichkeiten zu haben.

Was wir sehen ist ein voll und ganz auf weiteren und beschleunigten Betrieb der Megamaschine ausgerichtetes Parlament.

Egal, wer da jetzt die Regierung stellt, es wird ein "Weiter so!" des Systems geben.

Nun, offensichtlich sind es noch nicht genug Armutsmigranten. Noch zu viele Insekten, die noch leben, noch nicht genug Hartz4-Sanktionen, noch zu viele Bienenvölker, die leben, noch nicht genug Glyphosat auf den Äckern und was nicht noch alles an Auswirkungen gibt.

Die Megamaschine kennt kein Abbremsen, weil dann sofort ein Millionenheer an Arbeitslosen entsteht. Also wählen die Menschen ein "Weiter so!", etwas ökologischer hoffentlich, vielleicht etwas nationaler angehaucht, aber es soll genau so weiter gehen. Großes Haus oder Wohnung, energie -und ressourcenaufwendiger Arbeitsplatz, schickes Auto, Flachbildschirm, Smartphone, Internetshopping... das volle Programm.

Die AfD soll uns nur die ganzen Migranten vom Hals halten, damit wir hier in Ruhe unser Leben in Saus und Braus weiterführen können. Und auch die FDP hat sich so positioniert.

Wir haben also knapp 92% Systemparteien im Parlament, die man getrost als Teil des Problems ansehen kann.

Das wird alles noch ganz übel werden.

Ich traue mich zu behaupten, dass die Generation, die jetzt Kinder sind, nur ein Thema haben werden: Heilung. Oder garkeins. Wenn die so alt sind wie ich jetzt, werden die einen Planeten vorfinden, über den wilde Stürme toben, Dürren und Hochwassereignisse die Regel sind und alles aus dem Ruder gelaufen ist. Die werden nur dieses eine Thema haben: Heilung des Planeten. Nur werden die garnicht mehr wissen, wie es geht. Das System richtet ja IMMER alle Individuen darauf ab, genau auch in diesem System zu funktionieren. Jetzt eben: naiver und leicht zu steuerbarer Produzent und vor allem Konsument.

Die Generation jetzt hat sich heute entschieden: Weiter so wie gehabt. Sprich für Wirtschaftswachstum, für mehr Wohlstand, für mehr Mehr. Mehr von allem. MEHR. Etwas nationalistischer zwar, aber dennoch. Und das in einer endlichen Welt. Wie soll das Enden?

Ich habe ja den Tag mal ein Beitrag geschrieben, hier, dass gegenwärtig auf deutschen Äckern 50 Prozent mehr Pestizide eingesetzt als 1995, und das die Wirkstoffe immer toxischer werden. Und genau so sieht eben Wirtschaftswachstum aus. Aber das bringt dann auch wieder Krisensymptome hervor:

Ein Wissenschaftler, der ein weltweites Verbot aller Pestizide und karzinogenen Substanzen fordert, ist der Münchner Krebsforscher Dr. Ulrich Kübler. „Der Anstieg der Krebserkrankungen korreliert mit dem Einsatz der Giftstoffe bei der Nahrungsherstellung. Nur wenige Pestizide, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kamen oder noch kommen, wurden zuvor mit genügender Sicherheit auf gesundheitliche Risiken hin überprüft“.

www.laborpraxis.vogel.de/pestizide-unter-krebsverdacht-a-153267/

Und:

Chemisch-synthetische Stoffe in den Agrarlandschaften sind verantwortlich dafür, dass Ackerwildkräuter verschwinden und infolgedessen der Bestand an Schmetterlingen, Wildbienen und vielen Vogelarten zurückgeht.

Wo die Insekten aussterben, fehlt auch anderen Tieren die Nahrung. Mitverantwortlich sind die Ackergifte auch für das Sterben der Amphibien, wie eine Studie von 2013 zeigt. So sind Kröten, Frösche, Lurche etc. sind durch Chemikalien besonders gefährdet. So wird zum Beispiel die Gelbbauchunke, die im Wasser lebt, immer seltener.

Und obwohl alle diese Zusammenhänge bekannt sind, werden genau die Parteien wiedergewählt, die genau in der Vergangenheit mit ihrer Politik diesen Irrsinn erst möglich gemacht haben.

Es wird übel werden. Aber es wird ganz leise von statten gehen. Es wird keine Schreie geben, keinen Donner, keinen Knall. Plötzlich wird es immer stiller werden. Weniger Summen, weniger Gezwitscher, weniger Gebrumm.. und ganz leise werden irgendwo in den Jauchegruben der Massentierhaltungsanlagen Bakterien Gensequenzen austauschen, die dann ihre Antibiotikaresistenzen an andere Arten weitergeben. Auch das wird ganz leise und im Verborgenen passieren.

In der Zwischenzeit wird fleissig im Internet geshoppt, neue Kleider, neue Fernseher, bald auch ein neues Auto, mit allem Schnickschnack oder ein neues was auch immer... man braucht es nicht, aber es ist doch so schön. Und die Politik wird dafür sorgen, dass es auch ja nichts gibt, was den Akt des Kaufens behindert...

Aber wie sagte schon Laotse: in des Übels Übertreibung liegt des Übels Heilung. Anders funktioniert es anscheinend auch nicht. Und Hans-Joachim Maaz hat ja die selbe Befürchtung. Auch weil die Menschen, die nicht selber zur Einsicht kommen, die unterbewusste Tendenz haben, Katastrophen zu erschaffen, über die dann das neue, gesündere Leben zum Ausdruck kommt. Nur man muss nur schauen, was das für Katastrophen in der Vergangenheit waren...

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