Buzzkill

10.11.2015 14:10

Tja, irgendwie ist es schon irgendwie blöd, dass ich irgendwie die Aufgabe übernommen zu haben scheine, permanent auf die Kehrseite der Medaille hinzuweisen. Aber ich kann einfach den kritischen Geist nicht einfach ausschalten und schon zu DDR Zeiten bin ich in der Schule aufgefallen, weil ich eben oft gemerkt habe, dass Propaganda und Wirklichkeit etwas auseinander driften. Na gut, und so habe ich auch in der Rohkost zu diesen kritischen Geist zurückgefunden. 

Aber es braucht auch diesen kritischen Geist, denn man wird auch in der Rohkostszene verarscht und beschissen. Ich erinnere nur an das Zugeben von Ausnahmen bei Vorzeigeveganern, B12 Mängel bei Frucht - Fleischessern (sic!!), die damit irgendwann mal rausrücken, Rohkostversender, die einen glauben machen wollen, wir bräuchten tropische Früchte, oder bestimmte Zuchtformen seien "wild" oder man bräuchte nur dieses oder jenes Superfood, oder diesen oder jenen Mixer, um endlich gesund zu sein. 

Man muss eben oft genau hinschauen und sich trauen, bestimmte Wunschträume als solche auch zu erkennen. Bzw. dann auch in eine kritische Diskussion darüber zu gehen. Dazu gehört eben die vegane Rohkost, aber auch das übermässige Fleischessen, das Fokusieren auf Früchte, das Träumen von sonnigen Ländern und Müssiggang unter einer strahlenden Sonne, das Schlaraffenland Tropen, Rohkostgemeinschaften, und was der Dinge mehr sind. 

Ich möchte niemanden den Spass an dem verderben, was er tut und für richtig hält, nur zu, sind aber bestimmte Probleme zu erkennen, sollte man darüber reden / schreiben / diskutieren. Das Hinterfragen bestimmter Glaubensätze und der Realitycheck sind oft sehr hilfreich. 

So auch hier in Südspanien. Was mir sehr gut gefällt ist das Wetter, die Mentalität der Einheimischen, das Meer, die felsige Küste, unsere Unterkunft auf der Finca vom Carsten, die hübschen Spanierinnen. 

Was mir nicht gefällt ist die Versorgungslage: der Schwertfisch war gefroren, richtig gutes Biogemüse ist eher Mangelware, der Thunfisch oft etwas angegammelt, so dass man auch mal mehr wegwerfen muss, weil keine Möglichkeit des Trocknens, die allgegenwärtige Gefahr der Infektion mit Staphylokokken und / oder Stepptokokken, die Fliegenplage auf der Finca. 

Heute durfte ich ein Foto von Hannsches Bein nach seiner Staphylokokkeninfektion machen und ins Netz stellen. Die Schwellung ist natürlich schon sehr ausgeprägt. 

Dieser Blog soll eigentlich auch dazu beitragen, Selbstverantwortlichkeit zu fördern:

Wenn man sich entscheidet, in die Tropen / Subtropen zu gehen, dann sind die Infektions-Gefahren natürlich sehr viel höher als in Mitteleuropa.

Wenn man sich entscheidet, rohvegan zu leben, dann ist der B12-Mangel eben auch sehr wahrscheinlich.

Wenn man zuviel Wild isst, das mit herkömmlicher Munition geschossen wurde, dann ist eben eine erhöhte Bleibelastung die Folge. Dito Meeresfische wie Schwertfisch, Thunfisch und andere Top-Prädatoren. 

Wenn man sein Geld für Superfoods ausgeben will, dann muss man eben damit rechnen, sein Geld für Nepp bezahlt zu haben. 

Wenn man seine Rohkost stark früchtebasiert ausrichtet, dann sind Karies und andere Zahnprobleme eben wahrscheinlich. 

Die Liste lässt sich entsprechend fortführen. 

Das sind eben die Kehrseiten der jeweiligen Medaillen, die Folgen, das, was man gerne verdrängt und hofft, dass es einen nicht trifft. Nur ist es aus meiner Sicht eben wirklich auch hilfreich, sich die "dunkle Seite" auch anzusehen, um sich richtig zu verhalten und Entscheidungen auf einer guten Basis zu treffen. 

Man kann es garnicht oft genug betonen, aber Rohkost heisst vor allem erstmal eines: Neuland betreten! Aber das sagt ja das Wort "Neuland" schon, es gibt eben Fallen und Gefahren. Und deswegen auch der ein oder andere kritische Beitrag hier. 

Wie dem geneigten Leser sicher schon aufgefallen ist, gibt es auf diesem Blog deswegen auch keine Werbung, ausser die von Webnode selber. Ganz einfach auch deshalb, weil ich mir die Unabhängigkeit des Geistes bewahren möchte. Dieser Blog ist mein kleiner Versuch, mir unabhängig Gedanken über viele Aspekte dieser faszinierenden Ernährungsweise zu machen.

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