Carnivor-Diät

25.11.2018 14:19

Also es erstaunt mich wirklich, wie sich gerade diese Carnivordiät durchsetzt, bzw. verbreitet. Jordan Peterson, einer der bedeutensten, vielleicht sogar der bedeutenste Intellektuelle unserer Zeit, ist auf dieser Diät, seine Tochter dito und der Norweger Sv3rige, der die Raw-Meat-Diät auf Youtube verbreitet, hat hier sagenhafte 44.000 Abonnenten vorzuweisen.

Only Meat and Greens, now just meat:

Also der sieht gut aus! Da sieht man auch mal, wie divers der Mensch eigentlich ist, mit was der alles klar kommt.

Ich hatte die letzten Tage auch mal eine Diskussion über Skype-Chat mit dem Begründer der "Instincto", Guy-Claude Burger. Der ist wieder der Meinung, dass diese Diät gefährlich und Instincto eben im Grunde das Non-Plus-Ultra der Ernährung sei. Das mag sogar sein, aber es hat sich halt nicht durchgesetzt, sondern führt mittlerweile ein klägliches Schattendasein und nur wenige Menschen essen noch so.

Was mir bei GCB aufgefallen ist: er ist ein schlimmer Rechthaber, der eben immer die Oberhand behalten möchte und es sich immer so dreht, dass es passt. Erinnerte mich in der Diskussion am Ende an einen Veganer. Muss ich leider so frei heraus sagen (schreiben natürlich, aber die Worte habe ich ja vorab im Kopf! :-). Da ist keine Offenheit, kein: "Oh, da könntest du Recht haben!", kein "Mensch, das habe ich noch nicht bedacht!",  oder "Ja, das Problem ist mir auch schon aufgefallen!", es geht da nur um "Ich habe Recht!".

Gerade die Zahnprobleme bei vielen Instinctos, das Problem, dass die Darmflora massiv den "Bedarf" steuert und hier eben immer zum Falschen führen kann, wenn es da eine Fehlbesiedelung gibt, die Anpassung an den Norden, die es ja nachweislich gibt (Hautfarbe, Intelligenz als Folge von Fischverzehr und Planungen, um den Winter zu überleben, Nasenform, Energiegewinnung direkt aus ATP bei den Ewenken und den Inuits, dazu die Anpassung der Inuits an einen hohen Fettkonsum), dann das Kalziumproblem, dann auch der ökologische Aspekt, dass man für diese Diät erst massiv umweltschädlich Tropenfrüchte importieren muss, dazu auch die wissenschaftlich von mir wohl gut nachvollziehbar hergeleitete Tatsache, dass eine ausgewogene Jäger- und Sammlerdiät massiv mehr Nährstoffe liefert als eine Standart-Instincto-Diät... (rohkost4.webnode.com/news/kalzium-schwangerschaft-und-zahne/) ... das sind doch alles Sachen, die man nicht einfach so vom Tisch wischen kann.

Am Ende sind es immer individuelle Fehler, nicht das ganze Konzept wird in Frage gestellt, die Darmflora ist stabil (was so auch nicht stimmt, ich hatte das bei den Jägern- und Sammlern verlinkt, die ihre Darmflora quasi mal komplett umkrempeln im Jahresverlauf (www.chronobiology.com/de/jahreszeitlich-bedingte-veraenderungen-der-darmbakterien-offenbaren-den-einfluss-der-ernaehrung-auf-das-mikrobiom/, ich finde leider den Link nicht mehr, wo noch steht, dass da quasi Bakterien "aus dem Nichts" wieder auftauchen, die monatelang nicht nachweisbar waren im Stuhl der Hazda, tja, die Tücken des www), Kalziummangel gibts in der Instincto auch nicht und wer keinen Kurs gemacht hat auf Montramé, wisse eh nicht wirklich, um was es geht. Darüber hinaus muss man fragen, ob die Jäger- und Sammler bei dem zum Teil hohen Fleischkonsum überhaupt gesund sind...hmpf.

Das Einzige, wo wir uns dann doch einig waren: der Instinkt hat es schwer mit den überzüchteten Früchten. Bei Gemüse, welches auch züchterisch behandelt wurde, blieb aber das, was den Geschmack ausmacht (ätherische Öle, Phenole, Bitterstoffe) weitestgehend erhalten und genau diese Stoffe lösen dann eben auch die Sperren aus. Porree wird scharf, Rosenkohl brennt, Sellerie dito, während diese Stoffe aus den Früchten ja weitestgehend züchterisch entfernt wurden.

Was mich auch an GCB stört: alles ist irgendwie anekdotenhaft. Das hat übrigens schon recht bekannte Ernährungswissenschaftler Leitzmann an Burger kritisiert.

Und wirklich interssant ist, dass Jordan Peterson hier ebenfalls anekdotenhaft erzählt, aber er sagt ja eindeutig, dass er hier nur als interessierter Bürger, nicht als Experte spricht, dass die Carnivordiät eben bei seiner Tochter, die unter einer Autoimmunkrankheit leidet (Arthritis), mit genau der Diät Heilerfolge feiert, die laut Burger Autoimmunkrankheiten überhaupt erst auslöst. OK, roh vs. gebraten... kann man alles so nicht vergleichen, aber dennoch interessant.

Es ist eben alles doch nicht ganz so einfach und die Welt ist komplex und manchmal wirklich überraschend.

Ich persönlich fühle mich im Winterhalbjahr mit Keto, Low-Carb und wie man das auch nennen mag, eigentlich am Besten. Flacher Bauch, Energie, ausreichend Wärme, Lust am Winter. Im Sommer wieder liebe ich die Salate, die Beeren und dann auch die Früchte.  Da nimmt man direkt vom Baum die Sonnenenergie auf und man is(s)t mit der Natur. Wieso sollte ich im Sommer bei 35°C Fleisch essen und dann schwitzen, statt eher leichte Sachen zu mir zu nehmen?

Ich persönlich finde diese Wechsel im Jahresverlauf eigentlich sehr natürlich. Und es gibt dem Körper auch die Chance, mal zu wechseln, zu entgiften, mal andere Erfahrungen zu machen, zu schauen, was besser passt.

Zu einer reinen Carnivor-Diät habe ich mich noch nicht durchringen können. Da hat Burger schon auch sehr viel Angst verbreitet (Thema Fleisch und Krebs) und ich hatte da einfach zu viel Schiss, dass mal auszuprobieren. Nur einmal habe ich das gemacht. Einmal eine Woche lang jeden Abend Wildschwein bis zur Sperre. Sonst nichts. War die besten Zeit in 20 Jahren Rohkost!!! lol

Also da ist schon was dran an dieser Neanderthal-Diät.

Die Frage ist eben, ob es als Dauerernährung taugt. Aber muss es das? Was ist, wenn man einfach wie die Jäger- und Sammler saisonal lebt und im Sommerhalbjahr eben das konsumiert, was Garten und Natur an überwiegend pflanzlicher Nahrung bietet und im tiefen Winter dann auf Carnivor geht? Muss man ausprobieren. Dann futtert man im Sommerhalbjahr eben viel Grünes, Obst und Gemüse, die Sonne hilft, das so aus dem Grünzeug aufgenommene Kalzium aufzunehmen, im Herbst dann die frischen Nüsse und Herbstäpfel und im Winter geht man zwei Monate auf fettes Rind und Wildschwein, das wärmt und gibt Winterenergie, bevor es im März wieder mit frischem Löwenzahn losgeht.

Da macht man dann auch irgendwo so eine Ausschlussdiät, so dass man eben mal von den Früchten runterkommt und sich die Darmflora eben (ganz natürlich), mal umstellen kann.

Was wirklich Probleme zu machen scheint, ist das Schema "Mittags Früchte - Abends Fleisch". Und das eben durchgezogen rund ums Jahr. Das scheint irgendwie nicht optimal zu sein. B12 Mangel bei Instinctos gab es ja auch genug. (Soll es ja bei Instinctos laut Burger auch nicht geben, aber, wieder anekdotenhaft, ein älterer Rohköstler hat mir erzählt, dass bei den Untersuchungen zur damaligen Giessener Rohkoststudie rauskam, dass auch die Leute auf Montramé, dem damaligen Rohkostzentrum in Europa, massiver B12 Mangel bestand und sie erst danach anfingen, größere Fleischportionen zu konsumieren, für die sie dann wieder berühmt-berüchtigt wurden).

Wesentliche Ergebnisse der Studie: 57 % der Studienteilnehmer hatten Untergewicht, nur 1 % Übergewicht. Innerhalb von vier Jahren hatten die Männer im Schnitt fast 10 kg Gewicht verloren, die Frauen etwa 12 kg, und zwar unabhängig vom Ausgangsgewicht. Etwa ein Drittel der Frauen unter 45 Jahren hatte keine Menstruation mehr, litt also unter Amenorrhoe. Die Zufuhr der Vitamine A, C, E, B1, B6, Folsäure, Betacarotin, Selen und Antioxidantien war überoptimal, lag also über den empfohlenen Richtwerten. Bei Calcium, Zink, Iod, Vitamin D und Vitamin B12 wurde ein deutlicher Mangel festgestellt. Die Magnesiumzufuhr über die Nahrung war ausreichend, trotzdem lagen die Blutwerte unter den Richtwerten. Außerdem war die Zufuhr an Eisen nicht ausreichend, sodass 43 % der Männer und 15 % der Frauen an Anämie litten. Sie wurde umso häufiger festgestellt, je länger ein Studienteilnehmer bereits Rohköstler war.

Das man hier zwischen vegan, vegetarisch und omnivor nicht unterscheidet, halte ich für einen unverzeichlichen wissenschaftlichen Mangel. Diese Unterscheidung wäre dringend notwendig gewesen, um klarere Ergebnisse zu erzielen. Auch hätte man nur Leute nehmen sollen, die mindestens 3 Jahre Rohkost praktizieren, so dass man die ganzen Entgiftungsszenarien nicht mit aufnimmt. Da kann es ja wirklich drunter und drüber gehen...aber gut.

Zu den Ergebnissen: also abgesehen davon, dass man grundsätzlich zu unausgewogen isst zum Teil, können eben auch andere Effekte auftreten, die eben zu den entsprechenden Mängeln führen. Wie eben beim B12. Da gab es ja Mängel, obwohl aussreichend davon aufgenommen wurde.

Die Ursachen dazu hatte ich hier mal versucht zu beleuchten:

rohkost4.webnode.com/news/b12-mangel-und-fruchtzucker/

rohkost4.webnode.com/news/nachtrag/

Gerade hier kann eine Carnivordiät ja mal interessant sein! Da hat man dann mal Zeitweise die ganzen Früchte nicht im Programm und der Dünndarm kann sich entsprechend erholen.

Und auch die Gießener Rohkoststudie zeigt den hier schon behandelten Kalziummangel auf.

Es bringt eben nichts, irgendwo rumzutheoretisieren, was nun unsere Vorfahren gefressen haben, ob die aus den Tropen kamen, aus Asien gar, weil alle wie wild auf Durian und Chempedak abfahren, ob die vor 2 Millionen Jahren mal eine Nuss fraßen oder nicht, sondern man muss eben da schauen, wo Ernährung noch so natürlich wie möglich ist und dies dann auf die Rohkost adaptieren und dann ausprobieren.

Mir persönlich hat das Studium der Schriften von Weston Price und eben die Beschäftigung mit den Jäger- und Sammlerkulturen sehr geholfen, klarer zu sehen.

Ernährung soll ja keine Ideologie sein, sondern eben eine lustvolle Sache, um den Körper gut zu nähren und um gesund zu sein.

Schauen wir mal, wie es weiter geht... das, was der Jordan Peterson da erzählt, ist erstmal interessant.

Bei mir gab es gestern mal wieder Äpfel. Nach sieben Tagen ohne Süßkram waren die fantastisch! Und ich hatte auch mal wieder Datteln aus dem Iran. Aber da habe ich mich, trotz Sperre beachten, doch irgendwie überfressen gefühlt. Das war dann doch eine zu schwere Süße. Aber ich bin ja auch kein Iraner. Den Rest hat der Freund meiner Mutter heute vertilgt, dass solls dann mit Datteln auch gewesen sein erstmal.

Die Äpfel werde ich im Wochenrythmus mal beibehalten, anderen Süßkram aber nicht.

Ansonsten stand ich gestern noch 75 Minuten auf dem Stepper und habe bisher 17 Trainingseinheit meiner November21-Herausforderung (Start war der 6.11.) absolviert. Zur Entspannung mache ich ab und an abends Yoga... super für meinen so langsam heilenden Rücken.

Morgen gehts weiter...

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