Cashews

18.01.2015 12:57

Irgendwie bin ich grade zu faul, mir meinen üblichen Gemüsemix zu machen, was ja auch eine Art "Sperre" ist und ernähre mich grade von Cashewkernen...macht auch mal Spass! Nur, da gehen sie hin, meine "local food" Vorsätze!! LOL Das Jahr hat kaum begonnen und schon werden alle guten Absichten über Bord geworfen. Aber man muss natürlich auch die Entwicklung sehe: am Anfang habe ich ja fast keine regionalen Produkte gegessen und mich fast ausschließlich von Tropenfrüchten, die ich natürlich fleissig bei Orkos bestellt habe, ernährt. Aber schon bald habe ich gemerkt, dass das riesige Löcher in die Finanzdecke reißt und ich bin mehr und mehr auf europäische Produkte ausgewichen, habe aber immer wieder größere Mengen tropische oder subtropische Produkte gegessen. 

Über die Jahre hatte sich das dann auf ein bestimmtes Level eingependelt, bzw. die Herkunft der Produkte hat sich immer mehr nach "innen" verlagert. Sprich, immer mehr hin zu echter Regionalität. Im letzten halben Jahr habe ich dann ja wirklich fast nur noch mitteleuropäische Produkte gegessen. Wobei ich den Fisch auch mal da hinzuzähle, da er ja von mitteleuropäischen Fischern gefangen wurde. Ich persönlich finde es sehr befreihend, weder von einem Versender, noch von langen Transportwegen abhängig zu sein, sondern mich von Produkten zu ernähren, die hier "vor Ort", wenngleich man dieses vor Ort natürlich weiter fassen muss, die lokale Wirtschaft stärken.

Mich erstaunt immer wieder, dass Entwicklungen selten gradlinig verlaufen, sondern irgendwie pendelnd. Die Richtung, die Entwicklung ist zu erkennen, aber immer wieder gibt es mal den ein oder anderen Ausreißer.

Ich habe bei Facebook meinen "Freundeskreis" jetzt starkt erweitert. Ganz einfach auch deshalb, um mehr Leute zu erreichen, die vielleicht Interesse am Oster- oder Sommerrohkosttreffen haben. Der ein oder andere neu dazugewonnene Freund scheint der 80 10 10er Bewegung anzugehören. Diese Menschen kann man ja fast nur bedauern, da diese Ernährungsform (z.B. mit vielen Bananen, Papayas und Mangos) hier in Mitteleuropa fast nicht zu praktizieren ist. Dann müsste man wohl statt dessen Nackthafer und einheimische Früchte essen, die im direkten Vergleich aber wenig sexy sind. Was passiert also? Viele posten dann Fotos von sich aus tropischen Ländern vor entsprechender Kulisse. Oft versprühen die Fotos diesen "endlich kann ich aus dem Vollen schöpfen" Flair. Die Leute wirken glücklich und zufrieden, da sie endlich "in ihrem Paradies" sind.

Aber kann es der Weisheit letzter Schluss sein, dass die beste, so wird es ja argumentiert, und passenste Ernährungsform des Menschen nur in bestimmten Regionen der Welt möglich sind, wo diese Zuchtfrüchte wachsen? Die Welt wäre ein Treppenwitz des Universum, wenn es denn wirklich so wäre. 

Leider müssen diese Menschen ja irgendwann auch wieder "nach Hause". Dort sind die Bananen aber nicht so reif, die Papayas nicht so süss, die Mangos nicht so billig. Was bleibt? Sehnsucht. Auswanderungsgedanken, unbefriedigte Bedürfnisse. Ist das nicht auch irgendwo ein Dilemma, aus dem es kein echtes Entkommen gibt? 

Für mich persönlich ist es sehr viel spannender, so flexibel zu sein, dass ich quasi überall eine gute, nahrhafte und zahnschonende Rohkost praktizieren kann, die mich gesund und fit hält und entsprechend nährt. Sollte dies nicht der eigentliche Sinn der Ernährung sein?

Ist es denn nicht auch irgendwo wahnsinnig faszinierend, wo überall Menschen leben? Von den heissen und feuchten Regenwäldern des Äquators bis in den hohen Norden. Und es muss auch so sein, denn wie sonst sollte der große Geist, der ja aus den Augen der Menschen schaut, die Schönheit seiner eigenen Schöpfung bewundern? Überall, in allen Völkern gibt es diese Menschen, die mit erwachten Augen die Schönheit der Natur wahrnehmen, die Erhabenheit, und sich eingebunden fühlen in das große Ganze, dass alles umspannt. Der Mensch ist lebendig gewordener Kosmos. Lebendig gewordenes Universum. Und wie erhaben ist es, den Nebel über dem Regenwald aufsteigen und die Erhabenheit der Wüste zu sehen. Die Weite der Steppe, die Kraft der Berge und die Dynamik der Flüsse zu erfahren. 

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Und das geht eben nur, wenn man dort lebt. Oder sich zumindest aufmacht, um zu entdecken. Und leben kann ich nur dort, wo ich mich auch ernähren kann. Wären unsere Vorfahren früchtefressende Baumbewohner geblieben, wären sie nicht aus Afrika ausgewandert, wir hätten nie einen Wald gesehen, der sich im Herbst in die wunderschönsten Farben verwandelt, wir hätten nie Eis gesehen, nie die endlosen Steppen Eurasiens, nie die Berge der Alpen und des Kaukasus, oder des Himalaya. Die Schöpfung erfährt sich durch die Augen des Menschen selber. "Und Gott sah, dass es gut war". Die Augen Gottes sind die Augen der Menschen, die mit offenem Herzen, mit geöffneten Solarplexus oder Herzchakra diese Schönheit wahrnehmen können. Und deswegen finde ich es etwas kurios, wenn man argumentiert, dass wir nicht irgendwo hingehören. Andersrum wird ein Schuh draus: wir gehören überall hin! Nur so konnten wir die Natur in ihrer ganzen Beite entdecken.

Die Frage ist nur: wie praktiziere ich vor Ort, da wo ich lebe, eine venünftige Rohkost? Wie kann ich das umsetzten, ohne dabei die lebendige Erde mit Giften zu belasten oder für unnötiges Leid zu sorgen?

Die Frage ist gar nicht, ob wir viele Bananen essen sollten oder mehr Gemüse, das hängt aus meiner Sicht einfach davon ab, wo ich grade lebe, sondern die entscheidende Frage ist: wie sollte eine in allen Aspekten heilvolle Rohkosternährung aussehen? 

Und da komme ich immer wieder auf das Ergebnis, dass es nur eine Rohkost sein kann, deren Produke so regional und so ökologisch als möglich erzeugt wurden. Das schliesst einen Handel nicht aus, gehandelt wurde schon immer, aber die tägliche Ernährung sollte aus meiner Sicht so regional und ökologisch wie möglich sein.

Dass das nicht von heute auf morgen umzusetzten geht, steht ausser Frage. Aber als Ziel erscheint mir dies doch sehr lohnenswert.

So, jetzt habe ich doch wieder Lust auf Rotkohl, Gurken und Möhren bekommen!

So long! :-)

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