Da, wo die Zukunft beginnt

29.10.2018 18:59

Ich hatte gestern hier ja mal über die Wahlen geschrieben und mal geschaut, wer da was wählt. Und ich bin ja zu dem Schluss gekommen, man möge mir das nachsehen, aber ich bin wirklich mittlerweile der Ansicht, dass das (Groß-)Stadtleben die Menschen zunehmend verblödet.

Es fehlt der Kontakt zu dem, was über JAHRHUNDERTAUSENDE für unser Gehirn als Input zur Verfügung stand und unbedingt benötigt wird, um sich einigermaßen gut zu entwickeln: Frische Luft, viel Bewegung, Lagerfeuer, klettern, gesunde Nahrung, selbst erjagd, angebaut, aufgezogen, Tiere als Freunde und vor allem überschaubare Gemeinschaften, wo man sein darf, wie man ist, ohne sich verstellen zu müssen.

Ich hatte mein Erweckungserlebnis mit ca. 7 Jahren im Ferienlager in Fuhlendorf. Wir waren da ca. 100 Kinder aus vornehmlich ländlichen Strukturen und wir hatten die erste Woche eine gute Zeit. Fussball, Baden, Discos, Wandern, war super. Nach einer Woche gab es dann Besuch von Berliner Kindern aus einem benachbarten Ferienlager. Und bis heute erinnere ich mich an den Schock darüber, wie die sich aufgeführt haben. Die gingen über Tische und Bänke, haben geklaut, haben sich aufgespielt, haben sich benommen wie die Axt im Walde und ich dachte damals mit meinen sieben Jahren: die sind verrückt!

Das waren wirklich meine Gedanken und vor allem GEFÜHLE: das sind Verrückte!

Heute nun las ich dieses auf Telepolis:

Auch in Hessen wurde wieder die Stadt-Land-Spaltung offensichtlich. Nach Infratest dimap liegen in den Großstädten Hessens, also dort, wo die Zukunft entsteht, die Grünen mit 26 Prozent an erster Stelle. Die CDU kommt hier auf 21 Prozent, dich gefolgt von der SPD mit 19 Prozent. Die Linkspartei ist mit 12 Prozent die viertstärkste Partei, die AfD hat mit 9 und die FDP mit 7 Prozent ihren Schwerpunkt auf dem Land.

Also wie bei der Bayernwahl sind es vor allem die Großstädte, die hier grün wählen, während der ländliche Raum, eine Beobachtung, die ich in Deutschland und Österreich gemacht habe, sich eher vor den Grünen fürchtet, ähnlich wie ich mich damals vor den Berliner Kindern.

Muss man sich mal klarmachen: bei Menschen, die noch am dichtesten dran sind an der Natur und an dem, was man "Umwelt" nennt, haben die Umweltschützer die geringsten Chancen. Die punkten am meisten bei denen, die in den entkoppelten Großstädten leben.

Wo dann die Zukunft entsteht.

Hm.

Was für eine Zukunft soll das sein?

Was kann man von Menschen erwarten, die in Strukturen aufwachsen, die genau das Gegenteil von denen sind, die notwendig sind, damit die Gehirnentwicklung richtig von statten geht?

Welche Zukunft entsteht da für uns alle?

Welche Gesetze wird eine Mehrheit erlassen, die in der Natur-Abgetrenntheit einer Großstadt aufgewachsen ist und dort lebt? (Wie hier oder hier). Welche Projekte wird es da geben? Welche Prioritäten werden da gesetzt? Welche Entscheidungen werden da getroffen?

Nichts hat mich je so geerdet wir das Spielen, das Arbeiten und der Aufenthalt in und mit der Natur. Das hat was von "den Wahnsinn vertreiben".

Nicht umsonst ist es in vielen Psychatrien und anderen Therapien mittlerweile an der Tagesordnung, die Patienten gärtnern zu lassen:

Wie das Gärtnern zur Therapie wird  

Gartenarbeit liegt im Trend, sogar bei den Jüngeren und sogar in den Städten. Mediziner freuen sich über die neue Lust am Pflanzen, Pflegen und Ernten, denn Körper, Geist und Seele profitieren davon in vielfältiger Weise. Und weil der Mensch dabei regelrecht aufblüht, wird Gartenarbeit immer öfter auch als Therapie bei verschiedensten Krankheiten eingesetzt.  

www.medizinpopulaer.at/archiv/seele-sein/details/article/gesund-durch-gartenarbeit.html

Heilgärten dienen der Gesundung. Sie mindern den Stress, sie fördern die Entspannung. Sie helfen kranken Menschen, sich zu regenerieren und ihre Psyche ebenso wie ihre Gefühlswelt zu heilen. Solche Gesundheitsgärten umgeben häufig Krankenhäuser, Seniorenheime und Einrichtigungen für Menschen mit Behinderungen wie psychischen Beschwerden.

www.heilpraxisnet.de/naturheilverfahren/heilgaerten/

Und nicht umsonst finden sich viele Krankenhäuser und Psychatrische Anstalten umgeben von großen Parks und alten Bäumen.

Wenn der Mensch gesund sein will, muss er in und mit der Natur leben und in guten Gemeinschaften aufwachsen. Dann kommt alles in Ordnung. Der Körper, der Geist, die Seele. Dann wird man wieder normal im Sinne von geistig gesund.

Die Therapieform wird nicht nur bei Senioren, sondern z. B. bei Kindern mit Entwicklungsverzögerungen, bei Jugendlichen mit sozialen Problemen, Suchterkrankungen, psychiatrischen Erkrankungen und in der neurologischen Rehabilitation eingesetzt.

Die Idee, dass wir alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen können, dass wir jeden hier versorgen können, die Idee der offenen Grenzen, die Lust, die eigene Kultur, also das, was uns ausmacht, aufzugeben, und zu denken, dann würde alles besser, im Grunde also der reine Größenwahn und die schiere Verrücktheit ... das alles kommt nicht aus dem ländlichen Raum, es kommt aus den Großstädten. Hier sitzt der Kern des Wahnsinns. Und zwar weltweit.

Hier die bisher beste Erklärung des Wahlerfolges von Trump und eine Karte, die zeigt, wo zum Beispiel Trump gewählt wurde:

https://s3.crackedcdn.com/phpimages/article/5/3/1/577531_v1.jpg

The blue parts, however, are more densely populated -- they're the cities. In the upper left, you see the blue Seattle/Tacoma area, lower down is San Francisco and then L.A. The blue around the dick-shaped Lake Michigan is made of cities like Minneapolis, Milwaukee, and Chicago. In the northeast is, of course, New York and Boston, leading down into Philadelphia, which leads into a blue band which connects a bunch of southern cities like Charlotte and Atlanta.

Blue islands in an ocean of red. The cities are less than 4 percent of the land mass, but 62 percent of the population and easily 99 percent of the popular culture. Our movies, shows, songs, and news all radiate out from those blue islands.

Ich kann den Artikel nur empfehlen, der ist richtig gut fürs Verständnis.

Und ich wette, dass es in allen anderen Ländern ähnlich aussieht.

Wenn man in und mit der Natur arbeitet, bekommt man ein Gefühl für das, was funktioniert und was nicht. Man wird realistischer, angebundener, man wird mit seinen Fehlern und seinen guten Entscheidungen oft direkt konfrontiert.

Und man bekommt ein Gefühl dafür, die sehr wir von der Güte der Natur abhängen. Kein Regen - Feierabend.

Die Frage ist also wirklich, welche Zukunft in den Großstädten entstehen soll, wie der Autor das so lapidar daherschreibt.

Alle fahren Elektroauto? - Wie soll das auf den Dörfern funktionieren? Bei den Bauern? Bei denen, die abgelegen wohnen?

Selbstfahrende Autos? Hat schonmal einer daran gedacht, was ich eingebe, wenn ich auf den Feldwegen nach Äpfeln suche oder Pflaumen pflücken fahre?

Veganismus? Woher kommt der Dünger für den Garten? Wer erhält die Streuobstwiesen, die Feuchtwiesen und die Trockenrasen?

Ich finde es ja absolut OK, dass man für die Städte entsprechende Lösungen findet, um das Leben da weniger belastend zu machen. Aber ich wehre mich, wenn es wieder alle machen müssen, nur weil man aus einem großstädtischen Blickwinkel und einer moralischen Überhöhung meint, andere das auch aufzwingen zu müssen.

Deswegen ja das zunehmende "Fuck you!" der Landbevölkerung.

Was wir hier sehen, ist im Grunde alles eine Folge einer Wachstumswirtschaft. Es clustert sich zunehmend um die schwarzen Löcher des Systems, den Banken und die Städte wachsen, während der ländliche Raum zerfällt.

Es wird auch nichts mehr für diesen ländlichen Raum getan, weil die Mehrheit in den Städten hockt und gar kein Interesse hat, dass sich hier wieder was belebt. Und so wird der ländliche Raum, da wo man eigentlich wirklich gesund leben kann, zunehmend unattraktiv und infolge der Industriealisierung der Landwirtschaft braucht man auch keine Leute mehr.

Das Ergebnis ist dann, dass in den Groß-Städten zunehmend der Wahnsinn um sich greift, weil man von der Natur zu sehr entkoppelt ist und den Bezug zur Realität der natürlichen Abläufe verliert und auf dem Land der Frust zu Tage tritt, weil man übergangen und nicht ernst genommen wird.

Als Lösung sehe ich hier Konzept wie das von dem Paul Kaiser, der sich eben vorstellt, dass viele kleine und mittlere Farmen begründet werden, wo es gute Arbeitsplätze gibt und wo man wirklich gesunde Lebensmittel anbaut, so dass sich das Leben auf dem Land wieder lohnt.

Nachzulesen hier: netzfrauen.org/2017/05/13/der-mit-der-duerre-tanzt/

Also weg von der industriellen Landwirtschaft, hin zu Permakultur und Biolandwirtschaft in kleineren Betrieben und regionalen Kreisläufen. Dann wird es auch wieder mehr direkten Kontakt zwischen Stadtmenschen und Landbevölkerung kommen, was auch ausgleichend wirken würde.

Wenn das System so aber weiterläuft, kann das nur in die Hose gehen.

Der Zukunft, die da in den Großstädten zusammengebraut wird, sehe ich eher mit düsteren Vorahnungen entgegen.

Daran ändert auch die Euphorie eines Autors nichts...

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