Degeneration 2.0

12.05.2017 01:56

Ich habe ja neulich geschrieben, dass die Menschen zunehmend degenerieren. Auch und gerade in ihrem Verhalten. Hier nun ein wunderbares Beispiel:

Wie bescheuert muss man sein, um bei der Ankunft eines jungen Elefantenbullen still sitzen zu bleiben?

Da steht man langsam auf und verzieht sich still in einen geschützen Bereich. Sowas macht man im Grunde instinktiv. Nicht so diese Haubentaucher. Die bleiben hocken, wenn ein wilder Elefant ins Lager marschiert kommt (und wahrscheinlich schon öfters da war wegen Futter). Und dann passiert eben sowas. Und der eine Vollidiot, der rechts im Bild saß, steht dann auf und dreht dem Elefanten auch noch den Rücken zu. Da dreht man sich doch sofort um, um zu schauen, ob der angerannt kommt. Ein Stoßzahn im Rücken oder ein Elefantenfuß auf dem Kopf ist nicht unbedingt gesund.

Und das meine ich: fundamentales Verhalten, einfach aus einer gewissen Instinktsicherheit geboren, ist nicht mehr vorhanden. Das ist der Tsunamiefilmer immer und immer wieder. Und so ist das eben mittlerweile in vielen Bereichen. Der Mensch ist sich selber und seiner Herkunft fremd geworden. Wir sind verstädtert und zunehmend von natürlichen Prozessen und Ereignissen entfremdet.

Und jetzt kommt der Wolf zurück nach Deutschland und trifft auf Menschen, die es verlernt haben, damit umzugehen.

Mir ist zuletzt aufgefallen, dass im Radio immer ein enormer Kult ums Wetter gemacht wird. Und Hauptsache sonnig und warm. Irgendwann ist mir klar geworden, dass das tatsächlich Radio für eine Mehrheit an Menschen ist, die nichts mehr mit Garten, Landwirtschaft oder einfach nur Natur zu tun haben, sondern die zumeist in Büros hocken und dort ihren Job erledigen. Alleine wenn die Mehrheit noch gärtnern würden, oder in der Landwirtschaft arbeiten würden, würde man das Wetter ganz anders präsentieren. Dann würde man sich auch mal über Regen freuen. Aber dadurch, dass diese Verbindung "Mensch-Erzeugung von Lebensmitteln" fast vollständig entkoppelt ist, hört man immer nur: Hurra, Sonne und schön trocken!

In diesem Video müsst ihr mal auf die Stimme der Frau hören. Die ist vollkommen fertig. Das ist dann wieder die andere Seite der schlechten Ernährung. Man scheisst sich ein, anstatt dass man nervenstark und mit angespannter Ruhe die Situation begegnet. Da gabs bestimmt Kaffee und Marmeladenbrötchen zum Frühstück, alles schön lecker, dann geht man auf eine Safarie und wird mit wilden Tieren konfrontiert. Und dann gehen die Nerven baden und man ist froh, wenn es Abend ist und man wieder sicher im Bett liegt. Oder heim in die Großstadt fliegt. Na wenigstens hat der Typ Spaß.

2010 war ich ja mal im Nationalpark "Fallende Seen" in Kroatien. Da haben wir ja auch einen Bären mit Jungen gesehen. Das war genial. Natürlich sind wir im Auto sitzen geblieben, denn man weiß ja ganz instinktiv, wie gefährlich gerade eine Bärenmutter sein kann, die ihr Junges verteidigt. Das Junge ist 2m am Auto vorbeigelaufen, während die Alte 6m oben in der Böschung hockte und den Kleinen rief. Keine 10 Pferde hätten mich aus dem Auto bekommen angesichts dessen.

Im Grunde geht es um Respekt vor der Natur (gerade wieder Synchronizität - wo ich Respekt schreibe, sagt es jemand in einem Video). Und um ein Wiederentdecken von Instinkten. Aber offensichtlich verlernt man das mehr und mehr.

Der Hubert Krimbauer hat ja ähnliches erzählt. Die Menschen gehen joggen, haben dabei Kopfhörer auf, um Musik zu hören und bekommen dann nichts mehr mit, was um sie herum passiert.

Aber schon erschreckend, dass die Degeneration eben nicht mehr nur bei den körperlichen Gegebenheiten halt macht, sondern eben auch Verhalten, Psyche und Charakter beeinflussen. Deswegen ist es um so wichtiger, wieder mehr Natürlichkeit zuzulassen, damit die nächste Generation nicht noch schlimmer dran ist.

Wir müssen wieder wilder werden, wieder mehr Natur zulassen, wieder mehr Natur erleben. Sonst wird man ein Tourist auf dieser Erde, denen am Ende alles fremd vorkommt, was ausserhalb der Stadt existiert, ein Spektakel, dass man, weil man keine Verbindung mehr hat, nur noch dümmlich und kichernd und mit schlechtem Witz kommentieren kann.

Wir haben uns selbst zu Coker Spaniels, Beagels und Chihuahuas gemacht. Das waren mal Wölfe, aber jetzt sind die nur noch Opfer und Beute, angewiesen auf permanente Pflege, medizinische Betreung, besondere Nahrungsmittel und geplagt von allerlei Degenerationskrankheiten. Der Wolf, der ja auch eine unglaubliche spirituelle Kraft und Symbolik hat, kommt genau richtig. Er trifft jetzt auf die Chihuahua-Menschen. Kein Wunder, dass da jetzt alle ausflippen. Aber es geht im Grunde nicht um Schafe, Kühe oder andere Tiere, die nun gerissen werden. Das kann man ersetzten und entsprechend schützen.

Nein, ich glaube, der tiefere Grund, wieso man den Wolf fürchtet ist, weil er auch die Menschen daran erinnert, was sie mal waren, bevor sie zu Cocker Spaniels wurden. Die Ankunft des Wolfes als magisches Tier kommt genau zur richtigen Zeit. Er erinnert uns an unsere wahre wilde Natur. An unsere Verbindung mit der wilden Natur. Er zeigt uns einen Weg zurück zu dieser Quelle und Wurzel.

Bei den alten Germanen hat man den Wolf verehrt. Zwei Wölfe waren ständige Begleiter Odins.

Dieser ganze Wohlstand, der ganze materielle Reichtum, die ständige Angst vor Verlust der materiellen Sicherheit und des Wohlstandes hat die Menschen zu irrlichternden und traurigen Gestalten gemacht, die vergessen haben, wer sie wirklich sind, was ihr Potenzial ist und hat sie zu langweiligen, angepassten und pflegeleichten Bobtails gemacht, die sich mit dem Äquivalent von Gummiknochen aus der Zoohandlung, nämlich Computerspielen, Fernsehen und Fussball ablenken.

Kein Wunder, dass man da Angst vor Wölfen hat.

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