Der Druck im Kessel nimmt zu

13.12.2017 15:56

Heute habe ich mal den Fernseher angeschalten. Wahrscheinlich gabs da was für mich, denn ich hatte wirklich ein Gefühl, da mal reinzuschauen. Gelandet bin ich bei ZDF_Info.

Da gibts heute einen Reportagentag. Ging schon um Rocker, Raser und Polizisten in verschiedenen Situationen. Dann kommen noch Hooligans, Linksextreme, Reichsbürger, völkische Siedler und den Klu-Klux-Klan.

Nach ein paar Dokus kann man eines feststellen: der Druck, der Stress im System, nimmt zu.

Mehr Gewalt, mehr Pöbeleien, mehr Hass, mehr Widerstände, mehr Beleidgungen, mehr Rasereien, mehr Betrug, mehr Diebstähle...

Woher kommt das?

In der Doku über die Anfänge der Rockerszene habe ich mich zum Teil wieder erkannt als Jugendlicher. Wir waren damals auch wild, haben gesoffen, haben Ärger gemacht, haben uns auch mal gekloppt, aber das war im Vergleich zu heute ja harmlos. Wir wussten da irgendwie, wo die Grenzen sind. Ich habe auch mal mit einem Hooligan trainiert damals, der sagte auch: wenn wer am Boden lag, war Schluß. Heute ist alles aber mehr und mehr entgrenzt bis zu zunehmenden Messerstechereien.

Wie eben der Kapitalismus auch. Immer mehr Wachstum. Dafür müssen auch immer mehr Grenzen, in allen Bereichen, eingerissen werden. Irgendwann kommt es dann auch so, dass wirtschaftliche Entwicklung ab einen gewissen Punkt nur noch über die Zerstörung noch bestehender, gesunder (?) Strukturen möglich ist. Diese Entgrenzung drückt sich dann halt auch auf vielen unterschiedlichen Ebenen aus. Unter anderem dann eben als zunehmende Gewalt, Aggressionen und ja... Verrohung.

Wie solls auch anders gehen?

JEDER steht doch zunehmend unter Stress. Im Job, in Beziehungen, im Hamsterrad insgesamt, wahrscheinlich viel mehr als vor 10, 20 oder gar 30 Jahren. Und dann kommt es eben immer wieder zur destruktiven Entladung. Je mehr der Stress, die "ungesunden Vibrationen" ansteigen und aufgestaut werden, desto öfter kommt es zur destruktiven Entladung. Und dann auch bei immer banaleren Anlässen. Es explodiert dann einfach.

Ich hatte kürzlich bei Telepolis eine Diskussion um frühkindliche Betreuung mit einem anderen Ossi. Der war voll pro Kinderkrippe (er war ja selber auch in den 60ern) und zitierte einige Studien, die dann zeigen sollten, welche Vorteile das hätte, wenn Kinder so früh wie möglich fremdbetreut werden. Alles Studien war gemein, dass man NUR auf die Kompetenzen / Eigenschaften schaute, die irgendwie wirtschaftliche interessant waren. Sprich Kooperation, Sprachbegabung, Intelligenz, Koordination. Also im Grunde lag das Augenmerk auf frühkindliche Ausbildung.

Da schnitten die Kinderkrippenkinder im Vergleich besser ab. Was nicht überrascht. Das diese Unterschiede sich aber nach nur ein zwei Jahren vollkommen ausgleichen, wurde nicht gesagt. Bei Rohkostkindern sieht man oft: erst sind sie entwicklungstechnisch hinterher, dann aber holen sie sehr schnell auf und haben darüber hinaus eine gesunde Bindung in ihrer Kindheit erfahren, da die Mütter auch hier oft alternativ, im Sinne von natürlicher, agieren. Interessant war auch, dass die zitierten Studien von der Bertelsmann-Stiftung (die haben auch Hartz4 ausbaldowert damals), einem Institut für Wirtschaftsforschung und noch einer wirtschaftsnahen Institution durchgeführt wurden.

Was aber NIE gefragt wird ist: wie fühlen sich die Kinder? Und das ist es auch, was Maaz so fordert: das Wohl des Kindes muss wieder im Vordergrund stehen.

Mein Mit-Diskutant ist dann ausgestiegen, weil er nicht über die "Gefühle" schreiben wollte. Das hielt er für albern.

Und das ist das große Problem in dieser Gesellschaft. Wir fragen zwar oft: wie gehts Dir? Aber im Grunde steht das Gefühlsleben der Menschen nirgends mehr im Mittelpunkt.

Wie fühlen sich die Jugendlichen heute?

Wie fühlen sich die Twens?

Wie fühlen sie die Mitdreissiger?

usw...

Und viele werden sagen: gestresst, unsicher, Existenzängste, verlassen, nicht anerkannt, ungeliebt, nicht gewertschätzt, massiv unter Druck im Job oder in der Partnersuche, ausgebeutet ... dazu kommen massive Mängel schon wärend der Kindheit, oft Scheidungen, Fremdbetreuung, Stress der Eltern.

Also alles genau der Nährboden, auf dem dann zunehmend Frustation und die zunehmende "Verrohung" stattfindet.

Ich meine, wie oft hab ich mich am Boxsack ausgetobt, um den Stress der Arbeit, den Mief, die Überstunden, das Angespannt sein, also all das, was sich da angestaut hat, wirklich rauszulassen? Andere gegen dann einfach weiter und kloppen sich richtig. Bei mir hat das wahrscheinlich einfach meine starke empathische Ader verhindert. Da habe ich gestern ein Video gesehen, wo ein amerikanisches Kind im Auto geheult hat, weil er gemobbt wurde wegen seiner Nase. Das hat mich so ergiffen... aber ich kann verstehen, wenn andere da zuschlagen und sich periodisch gewaltsam austoben.

Man muss hier auch sagen, dass anscheinend die Ventile "Fussball" und "Sportveranstaltungen" generell nicht mehr alles auffangen können. Da haben die sich ja bisher gefunden und ausgetobt.

Die Polizei weiss sich nicht mehr anders zu helfen und rüstet auf, Videoüberachung wird etabliert, Bodycams usw. Was auch verständlich ist. Was wollen die auch machen? Deren Aufgabe ist nicht, die Probleme der Gesellschaft zu ändern. (Der Danisch fragt ja schon länger, was passiert, wenn immer mehr Polizisten auf diesen Scheiss keine Lust mehr haben und sagen: Oh, nee... da such ich mir was anderes.)

Der Gesetzgeber macht schärfere Gesetze.

Nur: die ganzen Probleme werden ja nicht gelöst.

Im Gegenteil, das wird wahrscheinlich alles noch schlimmer werden. Mit der Migration aus den Krisengebieten des Nahen Ostens sind ja nun keine Engel ins Land gekommen. So nüchtern muss man das ja sehen.

Die zunehmende Verrohung und Gewaltbereitschaft ist vielleicht auch eine Art Zeitgeist, eine Art Spiegel der Gesellschaft, in der sich die zunehmende Entgrenzung der Zustände widerfinden. Immer mehr Zeitarbeit, Leiharbeit, Niedriglöhner, Aufstocker, H4rer... gleichzeit immer mehr Reiche und Superreiche, die ihren Reichtum auch immer mehr vermehren wollen und über die Politik eben ihre Gestaltungswünsche durchsetzten, was dazu führt, dass die Daumenschrauben noch mehr angezogen werden.

Wie auch immer, es lässt sich anhand der Dokus aber erkennen, dass eine ungute Entwicklung stattfindet. Eine zunhmenede Spaltung, eine zunehmende Ausgrenzung, eine zunehmende Zuspitzung. Wenn man das alles mal hochrechnet, dann haben wir in 20 Jahren hier auch amerikanische Verhältnisse. Es werden ja auf von Seiten der Politik keine Anstalten gemacht, dass mal zu ändern. Weil man es nicht kann, ohne gleichzeitig das System abzubremsen. Und das darf auf keinen Fall geschehen.

Wir werden also von Leuten regiert, deren einzige Aufgabe es ist, den Zug auf Kurs zu halten. Nur zu blöd, dass es genau auf einen Abgrund zurast.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob es sich hier nicht grundsätzlich um eine immense Manipulation handelt. Man zeigt Dokus über Rocker, Reichsbürger, Linke, Hooligans und dazwischen immer wieder Dokus über die Polizei, die man in einem guten, sehr menschlichen Licht darstellt und dann bringt man gerade Überwachung als Lösung ins Spiel.

Wie auch immer: selbst wenn es so wäre muss man sagen, dass die Grundprobleme nicht angegangen werden.

1. Die frühkindliche Betreuung muss 1a sein. Kleinkinder brauchen eben JAHRELANG Stillen, Tragetuch, liebevolle Annahme, Mütterlichkeit, Lachen, gesunde soziale Strukturen. Damit sie wirklich seelisch "gesättigt" werden. Da dürfen einfach keine Mängel erst entstehen. Da stehen die auch ganz anders im Leben. (als ich zum Beispiel...)

2. Die Ernährung muss so sein, dass Alkohl nicht mehr schmeckt und gebraucht wird. Alkohol und Drogen sind fast immer bei Gewalt mit im Spiel (ich habe nicht eine Klopperei erlebt, wo beide nüchtern waren, nicht eine.)

3. man muss den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen. Und hier die Herzebene. Dem muss sich Wirtschaft und Geldsystem unter ordenen. Der Menschen muss wieder fühlen, dass er im Mittelpunkt steht und nicht, dass er nur ein Rädchen ist.

4. Es braucht echte demokratische Strukturen und eine Konsensgesellschaft. Also alle dürfen sich beteiligen und am Ende stehen Kompromisse, wo alle mehr oder weniger mit leben können.

5. Die Schulen müssen sich völlig neu aufstellen. Hin zu Schulen, die den echten Bedürfnissen der Kinder wieder entgegenkommen.

Es sind natürlich noch viel mehr (Gegen-) Maßnahmen not-wendig.

Leider wird es aber nicht getan, sondern man versucht mehr und mehr, den Deckel mit Gewalt (!!) auf dem Kessel zu lassen, während man gleichzeitig das Feuer nochmal anschürt.

Das unausweichliche Ende ist dann eben, dass einem irgendwann alles um die Ohren fliegt!

Wäre ja nicht das erste Mal!

Aber das ist eben auch irgendwo die Kochkostwelt. Es zischt und dampft, es brodelt und siedet dann aben auch in der Gesellschaft irgendwann...

Und egal, ob rechts oder links, oben oder unten, am Ende wird sich mit Bier und Würstchen verköstigt.

Die wahre Revolution wird eine innere sein. Und Rohkost wird eine große Rolle spielen, weil es eben ein Heilnahrung ist. Und Heilung, auf so vielen Ebenen, ist dringend notwendiger denn je... derzeit aber werden erstmal die Symptome noch schlimmer.

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