Die große Verführung

20.09.2017 19:37

Heute nochmal einen Korb leckere Walnüsse geerntet. Aufgesammelt ist wohl das richtige Wort. So macht das Spaß. Ansonsten merkt man aber schon, dass der Herbst vor der Tür steht. Der September ist ja hier bisher recht kühl und wenig spätsommerlich. Merkt man auch gleich am Bedarf. Der geht mehr richtung fettes Fleisch, Nüsse, Gemüse. Obst esse ich auch ab und an, aber weniger.

Apropos Obst, ich bin ja wirklich hochradig erstaunt, wie sehr es sich positiv ausgewirkt hat, dass ich mich im Sommer bei den Feigen zurückgehalten habe. Schon geht auch das hiesige Zeug problemlos. Esse ab und an Äpfel, Weintrauben oder Physalis. Im vergangenen Jahr hatte ich ja auf dem Treffen sehr viele Feigen gefuttert, was dazu führte, dass mein Darm eben vollkommen überlastet war und ich danach monatelang keine Früchte oder gar süße Gemüsesorten wollte. Das war echt eine Generalsperre und man sieht dann auch, wie dramatisch dieser Zustand für den Körper ist, wenn er zu solch drastischen Maßnahmen greift und alles Süße permanent verweigert.

Wie gesagt heuer kein Problem.

Es ist eben alles auch eine große Verführung!

Und man lockt die Leute eigentlich permanent auf die falsche Spur. Manche folgen dieser Spur ja bis in die Tropen, wo sie dann hocken, weil sie den süßkram unbedingt haben wollen. Schon irgendwie dramatisch. Und das, was wohl gut funktioniert, und auch nachhaltig ist, und auch irgendwo im Einklang mit der eigenen Natur steht, dass ist im Vergleich so unattraktiv, dass fast alle keinen Bock darauf haben.

Und so hat man ganze Heerscharen an Rohköstler mit den süßen Früchten verführt.

Was auch dramatisch und eigentlich auch eine Art Verführung ist: gerade jetzt tummeln sich ja Dutzende Rohkostvideokanäle auf YouTube. Ich habe da mal geschaut, kaum einer macht das schon länger. Und auch da werden die Menschen schon von Anfang an auf eine falsche Spur gelockt. Viele, ja fast alle, machen das ja vegan. Das kann man ja auch eine Zeit lang machen. Aber die Erfahrung zeigt eben, dass so nach maximal sieben Jahren die Reserven aufgebraucht sind und es Probleme / Mängel gibt. Nur, bis dahin hat man schon wieder dutzende andere Menschen auf diesen Irrweg gelockt. Im Grunde kann man den Neulingen nur raten, sich Tipps bei denen zu holen, die das schon mindestens 10 Jahre machen. Dann hat man wirklich mal eine ganze Dekade roh gegessen, hat sich entgiftet, und weiss ungefähr, was funktioniert, dann kennt man auch viele andere Rohies und dann hat man zumindest mal einen ersten Überblick.

Oder man hält sich an die, die von den Langjährigen gelernt haben.

So aber ist das alles nicht nachhaltig, ganz im Gegenteil. Eben weil oft Anfänger Anfänger auf einen oft idealistischen Weg locken, den aber vor ihnen schon viele gegangen sind ... und scheiterten. Gleichzeitig ist kaum mal jemand offen, bis auf einige Ausnahmen, die es dann aber zumindest wirklich langfristig schaffen, eine gesunde Rohkostpraxis hinzubekommen.

Mir fällt da gerade was auf: es ist wirklich so, dass unser nicht nachhaltiger Lebensstil, unsere nicht nachhaltige Konsumgesellschaft genau wieder nicht nachhaltige Lösungsansätze hervorbringt. Egal ob das die Ernährung mit Impostfrüchten / Produkten, ob das eine vegane Ernährung, ob das eine extreme Fleischkost ist.... überall fehlt die echte Nachhaltigkeit. Gleichzeitig wehrt man sich aber sowohl in der Gesamtgesellschaft, als auch bei den alternativen Lösungsansätzen vehement, wirklich nachhaltige Wege zu beschreiten.

Die auf Instincto zurückgehende Idee der genetischen Anpassung (in der Form totaler Schwachsinn meiner Meinung nach, wenn man da mal genau drüber nachdenkt) hat ja zu einer Rohkostpraxis geführt, die sehr viele Tropenfrüchte beinhaltet. Bei der ersten kleinen Krise, oder wenn mal mehr Menschen zur Rohkost kommen, geht das sofort den Bach runter. Dann gibt es entweder keine Früchte mehr, weil keiner mehr liefert, oder die Preise gehen durch die Decke, wie jetzt schon beim Durian. Auch war das wohl, so vermute ich mal ganz frech, eine Art Trick, um eine Einkommensquelle zu generieren, um die Gruppe um Guy-Claude auf Chateau Montramé zu ermöglichen. Irgendwoher muss die Kohle ja kommen. Und so hat man den Leuten ja auch jahrelang eingeredet, dass fast alles, was es so zu kaufen gibt, immer irgendwie nicht mehr ganz roh ist. Was dazu führte, dass manche Rohies eine Vollversorgung von dort bezogen und alle, die mal was anderes ausprobierten, die "Rohköstlichkeit" absprachen.

Verrückt war das alles! Und eben nicht nachhaltig.

Und diese Art der Rohkost geht ja weiter... neue Versender wurden gegründet, neue tropische Gebiete erschlossen.

Dann vegan. Halte ich auch für nicht nachhaltig. Ohne Supplemente geht es anscheinend über kurz oder lang IMMER in den Mangel bei irgendwelchen Nährstoffen. Und ob das über mehrer Generationen funktioniert, darf schlichtweg anhand der Datenlage bezweifelt werden. Hinzu kommt, dass bei vielen veganen Männern der Sexualtrieb einschäft und es zu Erektions- / Potenzproblemen kommt. Das habe ich im persönlichen Gespräch jetzt öfters gehört. Auch gibt es einige vegane Rohköstler, die das Thema in Videos ansprechen und auch hier sehe ich, dass das mit einer lustvollen Sexualität oft wenig zu tun hat. Ich habe im Gegenteil das Gefühl, dass hier der Mangel zum Ideal erhoben wird. Wie gesagt, dass das, was so in der "normalen" Gesellschaft so abgeht, auch irgendwie vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist, unbenommen, aber vegan ist ja so eine Art Gegenbewegung zu dieser Entwicklung und da wundert es nicht, dass man dann am Ende lauter Trockengebiete und abgestorbene Bäume findet. Und Leibesfrüchte, die eben nicht mehr wirklich kräftig und gesund sind. Da gibt es ja auch einige sehr dramatische Beispiele.

Ist also auch nicht nachhaltig.

Das sind so mal die beiden groben Rohkostrichtungen, auf die die Menschen gelockt werden derzeit.

Entweder so tropenkostmäßiges, oder etwas veganes... und verschiedene Mixes daraus. Dazwischen gibts fast nichts.

Was mir auch aufgefallen ist: alle, die länger Rohkost machen, und zwar schon so richtig, die ändern auch ihre Ansichten, ihren Lebenstil, ihre Berufung. Es geht zumeist wieder zu einem Hin zu mehr Natur, mehr Natürlichkeit, mehr Heilung, Gärtner, Biobauern, Obsthändler, Heilpraktiker, Imker, Naturheilkundler, Alternativmediziner, alternative Kinderbetreuung...

Es gibt aber auch Ausnahmen, wo zwar die Rohkost einigermaßen praktiziert wird, aber der Lebensstil ansonsten total karrieremäßig und buisnesslike ist. Aber da passt die Rohkost dann auch nicht wirklich und es werden wieder allerlei Ausnahmen und Kompromisse gemacht. Das passt dann eben nicht wirklich zusammen.

Es ist wirklich interessant, sich die Entwicklung mal anzuschauen...

Aber für die Zukunft, die nicht so rosig sein wird, wie die Vergangenheit, zumindest wenn es so weitergeht, müssen wir uns was überlegen, und zwar JETZT, wie wir die Rohkost wirklich nachhaltig hinkriegen. Sonst hat sie eben keinen Bestand.

Ich habe mir mal ausgerechnet, wann bei mir der Peak Wohlstand war. Das war im Jahr 1999 / 2000. Damals arbeitet ich in Hamburg, hatte ein Einkommen von genau 2450,00DM im Monat und habe davon prima gelebt. Avokados kosteten eine Mark, Safus 12,50 DM, Sprit war billig, ich habe mit dem Gehalt meine damalige Freundin komplett "ausgehalten" ... alles war super.

Mit dem Euro wurde das Einkommen ja halbiert (meine Mutter führt ein Haushaltsbuch, der braucht keiner mehr sagen, dass sich mit dem Euro was verbessert hätte, da steht die Entwicklung schwarz auf weiss), gleichzeitig sind die Preise für die Tropensachen ja explodiert.

Und es ist nicht abzusehen, dass dieser Trend aufhören wird. Ich habe als Akademiker nicht mehr soviel verdient wie mein Vater als schlichter Fachabeiter. Die nächste Generation wird da noch mehr zu knabbern haben.

Also auch hier: wie kriegt man eine Rohkost hin, die nachhaltig ist? Und die auch der sich abzeichnenden Entwicklung Rechnung trägt?

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