Dienstag

19.05.2015 21:36

Heute haben wir 70 (!!!) Tomaten gepflanzt. Wobei einschränkend gesagt werden muss, dass viele selber gezogen wurden und da müssen wir mal schauen, ob die was werden. Aber wenn!!! :-D

Ich frage mich immer wieder, wieso so wenige Menschen Interesse haben, geschweige denn es schaffen, roh zu leben! Es ist doch wirklich eine super Ernährung, wenn man es einigermaßen raus hat, wie es geht, und wenn man eben einige Regeln beachtet. Und trotz umfänglichster Informationsquellen muss man eher sagen, dass es wohl immer weniger Rohköstler im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung werden. Das ist kurios, wenn man bedenkt, dass schon vor 100 Jahren die Rohkost (und damals eben ohne Fruchtimporte!) sehr weit verbreitet war.

Und offensichtlich gab es ganze Völker, die roh, bzw. überwiegend roh gelebt haben. Inuits, Polynesier, arabische und ostafrikanische Völker, aber auch chinesische Menschen gab es die laugt I Ging keine gekochte Speisen kannten. 

Da ist nicht mehr viel übrig geblieben und die Industrie hat mittlerweile überall ihre Finger im Spiel. Rohkost - ich glaube, die Menschen haben auch einfach Angst davor. Etwas roh zu essen. Da wirken 50 Jahre Fernsehen nach. Und irgendwann gibt es eben den Glauben, dass man vieles nicht mehr roh essen kann. Ja, dass es sogar gefährlich ist. Freilich, 100%ige Sicherheit gibts nicht, die gibts aber nirgends. Aber grade diese Angst ist es dann auch, die die Menschen erstmal auf Nummer sicher gehen lässt. Also wird erstmal zum sicheren Obst und nicht mehr ganz so sicheren Gemüse gegriffen. Fisch, Fleisch, Innereien? Viel zu unsicher!! Was da alles lauern kann!!

Ich vermute, dass diese Angst einen großen Teil der Menschen davon abhält, eine umfassende Rohkost zu leben. Ich hatte diese Angst auch... sehr lange sogar, wie gesagt, das Fernsehen ist ja ein Angstmacher ohne Ende. Kurios nur, dass ostafrikanische Völker kein Problem haben, Blut zu trinken, oder dass sibirische Jäger ihr Fleisch vergraben und fermentieren lassen. Und die leben gut damit.

Aber selbst in der Rohkostszene ist ja die Angst vor den tierischen Produkten durch den Krebstod von Nicole Burger nochmal stark gestiegen.

Ich glaube, man muss sich da frei machen und auf seine innere Stimme und seine Gefühle hören. Also nicht sinnlos sich das Zeug reinziehen, sondern auch mal schauen, dass eben die Jäger und Sammler durchaus überwiegend pflanzlich gelebt haben.

Ich persönlich denke, dass eine rohe Mischkost, also weder vegan, noch rein tierisch, den Körper mit allen wichtigen Stoffen versorgt. Aber wie gesagt, dazu muss man eben auch die Angst vor den rohen tierischen Produkten abwerfen. Eine Freundin sagte mal: "Man muss dahin gehen, wo die Angst ist" und das war sehr hilfreich. Tatsächlich mache ich oft Dinge, vor denen ich Angst habe. Aber durch die Wiederholung verliert man dann diese Angst nach und nach. Das Unterbewusstsein lernt, dass man davor keine Angst zu haben braucht. Eine Angst, die der Fernseher einen schon zu Kindertagen eingeimpft hat teilweise.

Ich glaube, dieser Angst liegt auch ein tiefes Misstrauen der Natur gegenüber zugrunde. Ursache dieses Misstrauens ist eine Entfremdung von den lebendigen Naturprozessen. Diese Entfremdung wiederum ist wiederum ein Kind der Zivilisation und der Moderne.

Heute habe ich einen Bericht über die Auswilderung von Orang-Utans gesehen und man hat da große Probleme, weil die ausgewilderten Affen sich zum Teil vollkommen bescheuert verhalten. Eine ist wider jeglicher Affenvernunft vom Baum abgestiegen und ist dort am Waldboden rumgelaufen, und hat da sogar geschlafen. Wilde Orangs machen das nie. Denn am Boden lauern die Leoparden und Tiger. Ein anderer wusste nicht, was er fressen kann. Er sass dann auf einer Kiesbank und hat versucht, große runde Steine zu zerbeissen. Die Form hat ihn wohl an Früchte erinnert. 

Und so ist es natürlich auch mit der Rohkost! Wir wildern uns da selbst wieder aus, aber wir wissen nicht wirklich, wie es geht. Und so gibt es eben immer wieder auch Probleme. Burger meinte sinngemäß: einfach zurück in den Busch und alles wird gut. Ja, nur lauern da eben auch Gefahren. Und es hat uns niemand gezeigt, wie wir es anpacken können. Und wenn die nie gezeigt worden sind... Konz meinte: nur zurück in den Busch, aber nur dies und jenes fressen...und so kann man das noch weiter fortführen.

Im Endeffekt wissen wir eigentlich rein garnichts! Wir haben zwar Instinkte, doch führen die in dieser Welt nicht unbedingt immer zum richtigen. Eben weil es kein ursprünglicher Dschungel mehr ist. Es ist jetzt eher ein Großstadtdschungel und da funktionieren die Instinkte eben nicht mehr vollumfänglich.

Man kann also verstehen, wieso viele Leute Angst haben, sich wieder der Natur anzunähern und erstmal auf Nummer sicher gehen. Es braucht eben wirklich ein gehörige Portion Mut und Vertrauen, diese ganzen Ängste zu überwinden.

Das Gute: es liegt nun doch ein sehr umfangreicher Erfahrungschatz vor, wie es anscheinend einigermaßen funktioniert und wie man die ärgsten Probleme (Zähne, Entgiftung, B12) in den Griff bekommt. Wenn man sich als Beginner also mal von seinen Illusionen und Vorurteilen frei machen könnte, würde man sehen, dass jetzt im Jahr 2015 eine Unmenge an Informationen vorliegen, wie man eine gute Rohkost hinkriegt... jetzt heisst es nur noch: anpacken und machen! :-D

Im Grunde ist es ja immernoch: einfach zurück in den Dschungel und alles wird gut! Aber bitte beachten: Nicht so blöd sein und da auf dem Boden rumrennen und nein, Steine kann man nicht essen!

—————

Zurück