Dokumentation Zucker

03.11.2015 17:56

Gestern habe ich ja kurz darüber geschrieben, dass man in der westlichen Welt zumeist schon ab Kleinkindalter auf "süss" geschalten wird, bzw. dass die menschliche Präferenz für "süss" von der Industrie knallhart ausgenutzt werden. Aber auch viele Fruchtversender machen ihr Geschäft mit stark zuckerhaltigen Produkten. Stellt sich dann Karies ein, nun, dann gibt es zumeist lange Gesichter.

Bis zum Mittelalter noch war Honig in Mitteleuropa der einzige Süssstoff. Süsse Fruchte gab es zumeist erst in entsprechenden Züchtungen später. Und selbst in den südlichen Gebieten waren die Fruchtbäume eher selten. Fährt man durch Frankreich, so fällt auf, dass im Süden oft nur die Feige zu sehen ist. Wein wurde vergoren, dass heisst, der Zucker wurde durch einen Pilz in Alkohol umgewandelt. Also war auch hier in der Vergangenheit der Zugang zu den Zuckerprodukten zeitlich stark eingeschränkt. Spanien dito. Es gab noch Granatäpfel, Kakis und einige wilde Beeren. Mangos, Cherimoyas und Avocados kamen wohl erst in den 1970-1980ern nach Andalusien. Die Früchte sollten den armen Bauern ein Zusatzeinkommen verschaffen und wurden mit entsprechenden Werbekampangnen "schmackhaft" gemacht. 

Und so wird man nun in der westlichen Welt schon sehr früh auf "süss" programmiert. Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass man auch nach der Ernährungsumstellung diese Geschmacksrichtung präferiert. Wenn Kinder schon von klein auf, bzw. schon ab dem Mutterleib auf andere Geschmäcker geprägt werden, dann empfinden sie viele Produkte sogar als "zu süss". Es ist eben auch eine Frage der Prägung und Gewöhnung. 

Wenn man selbst eine Zeit lang "abstinent" lebte, dann merkt man nach einiger Zeit, wie süss viele Produkte schmecken, die man vorher nicht so wahrgenommen hatte. Die Zunge wird da um einiges empfindlicher und somit auch treffsicherer. 

Man muss eigentlich den verantwortungsvollen Umgang mit Früchten erst wieder erlernen. Die Strategie, dass man alles runterschlingt, was nicht sperrt, hatte schon Guy-Claude Burger kritisiert. Nicht umsonst waren die Mädels auf Montramè oft auch etwas fülliger. Fruchtzucker führt ja oft zu Übergewicht bei entsprechenden Verzehrmengen.

Das Zuckerproblem scheint mir eine echte Hürde bei der Umstellung auf Rohkost und bei der Beibehaltung dieser Kostform als Dauerernährung zu sein. Zumal vor dem Hintergrund der Prägungen im eigenen Lustzentrum. 

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