Druck, Druck, Druck

07.12.2015 21:27

So, heute mal wieder ein Blogeintrag von mir. Da ich die letzten Tage nichts anderes gemacht habe als auf der Couch zu lümmeln und im Internet rumzusurfen, gabs auch nicht viel zu erzählen. Grade sehe ich "hart aber fair", wo es um Fleisch und Tierhaltung geht. Diese Diskussionen enden für mich zumeist in einem Gefühl der Leere. Sprich, es kommt zu keiner wirklichen Lösung.

Im Endeffekt muss man also seine Entscheidungen einfach selber treffen, indem man sich eben aufmacht und sich informiert. Und alles andere ist sinnlos. Im Kapitalismus MUSS man sich auch informieren und zwar permanent, denn der Kapitalimus verarscht die Menschen permanent, was auch logisch ist, denn der Zwang zur Gewinnmaximierung MUSS zwangsläufig zum Lug und Betrug führen, da selbst kleinste Betrügereien schon finanzielle Vorteile bringen. Deswegen herrscht auch solch eine irrwitzige Verwirrung vor, weil alles mit allem in ökonomischen Verflechtungen verbunden ist und mit diesen ökonomischen Verflechtungen Glaube und Überzeugungen, Interessen und Ängste verknüpft sind.

Ich bin ja der Meinung, dass man im derzeitigen System unbedingt drei Freunde aus folgenden Berufsgruppen braucht: einen KfZ-Mechaniker, einen Juristen und einen Arzt. Ansonsten wird man immer zuviel bezahlen.

Das geht aber auch in der Politik so. Jetzt wird wieder Krieg in Syrien geführt, gleichzeitig wird in Paris um das Klima gekämpft und auch da darf man gespannt sein, was da am Ende nicht rauskommen wird. Aufgrund der Anschläge darf man da auch kaum noch demonstrieren. Die Franzosen scheinen da grade sehr rigoros gegen Demonstranten vorzugehen. 

Bernd Senf hat ja treffend angemerkt, dass den Druck, den wir auf die Natur und das Leben ausüben, genau der Druck ist, den wir auf unsere eigene Natur, unsere eigene Lebendigkeit ausüben.

Ich habe mich ja nun mal wirklich ganz rigoros aus äußeren Zwängen und Druck befreit und das hat wirklich noch mal einiges an innerer Befreiung gebracht. Man darf nicht den Druck unterschätzen, den es auf die eigene Lebendigkeit hat, den man sich jeden Tag in den Job wirft, dort Stress hat und Druck vom Chef bekommt. Ich habe bemerkt, dass dies immer wieder dazu führt, etwas in einen selber zu unterdrücken. Damit meine ich nicht Faulheit oder Müßiggang, sondern Kreativität, Instinkte, Neugierde, Wissendrang. Ich hab die letzten Monate mal wirklich dazu genutzt, mich zu bilden mit dem was ich wollte und das egal, ob es mir beruflich was bringt oder nicht, sondern einfach weil es mich interessiert. Ich habe einen Garten angelegt und Sachen gebaut, nicht weil ich es musste, sondern weil es aus mir selbst heraus kam. Ich hatte Zeit, mich um meine Freunde zu kümmern und Zeit mit ihnen zu verbringen. Und das ist dann auch sehr erfüllend.

Natürlich ist das kein Dauerzustand, weil irgendwann ist einfach auch die Kohle alle, aber diese Zeit, mal zu machen was man will, zu lernen was man will, Zeit zu verbringen, mit wem man will, ist extrem befreiend. Und da schau her, schon klappt die instinktive Ernährung auch ohne große Anstrengungen. 

Im Grunde kann man eigentlich gar nicht sagen, was es heißt, vollkommen frei zu leben und aufzuwachsen. Wie ist das Menschsein von Natur aus vorgesehen?

Was ist eine befreite und gesunde Sexualität?

Was ist eine befreite und gesunde Ernährung?

Was ist eine befreite und gesunde Sozialstruktur?

Was ist ein befreiter und gesunder Handel?

Was ist ein befreiter und gesunder Nahrungserwerb?

Was ist befreite und gesunde Arbeit?

Das wissen wir eigentlich alles nicht. Wir glauben einiges zu wissen, manches erlebt man schon in Ansätzen, aber wie es wirklich geht, wer weiss das?

Wilhelm Reich betrachtete die Trobiander als eine Gesellschaft im Übergang. Noch viel vom Alten, aber schon etwas verformt. Karl Marx hat erkannt, dass die Menschen von dem Produkt ihrer Arbeit entfremdet werden im Kapitalismus. Erich Fromm meinte, dass die Wirtschaft gesund, aber der Mensch krank ist.

Wie waren dann die ursprünglichen Menschen?

Der Weg zurück, oder besser, hin zu mehr Natürlichkeit und Lebendigkeit heißt Blockaden auflösen. Damit die Lebensenergie wieder frei fließen kann. Aber macht das nicht unglaublich Angst? Wenn dieses Leben wieder aufblüht? Was heisst das eigentlich? Was, wenn plötzlich homoerotische Phantasien auftreten? Inzestphantasien? Was wenn Kinder plötzlich kuscheln wollen? Was wenn man merkt, dass Liebesimpulse vor den Schranken der Ehe / Partnerchaft nicht halt machen? Was wenn Hass, Wut, Zorn, Gier, Eifersucht, Destruktivität an die Oberfläche kommen?

Jeder wünscht sich mehr Lebendigkeit, mehr Natürlichkeit, aber was wenn man damit dann wirklich konfrontiert wird? Macht das nicht wirklich Todesangst? Das sind wirklich schwierige Themen und allzuschnell hat man dafür Antworten bereit oder Rezepte, aber wenn man genau hinschaut, sind das ebenfalls nur Blockaden und Versuche, das Lebendige in seiner Ganzheit nicht zuzulassen. 

Wilhelm Reich meinte, dass es in unserer Kultur keinen einzigen gesunden Menschen mehr gibt, der nicht irgendwie deformiert wurde. Und da hat er auch vollkommen recht. Mehr noch, gab es solche Menschen, haben wir sie längst unter die Knute der Zivilisation gebracht. Deswegen haben wir keinerlei Anhaltspunkte mehr, was richtig und falsch ist. Selbst Gefühle können da täuschen. Vor diesem Hintergrund ist es also umso wichtiger, vorsichtig zu sein und sanfte Lösungen der Blockierungen anzustreben. Sanfte Auflockerungen, sanfte Öffnungen.

Hat das Guy-Claude Burger beachtet, als er seine Gruppe auf Montramé hatte? Ich glaube, dass er ebenfalls versucht hat, mehr Natürlichkeit zu leben und auch nicht wusste, wie genau das geht. Und wie schon zu Zeiten Wilhelm Reichs ist die Gruppe ja auch von innen an der Destruktivität, die zwangsläufig aufscheint, wenn Menschen Hilfe suchen, dann aber nicht richtig aufgefangen werden können, eingegangen. Und natürlich hat er sich den Hass der Gesellschaft zugezogen, als er seine Thesen formulierte und die Menschen an ihre eigene verloren gegangene Lebendigkeit erinnerte. Und vielleicht auch an der Übertreibung bestimmter Überzeugungen. Bei Carsten unten in Spanien gab es ja auch so einen Fall, wo jemand, traumatisiert seit Kindesbeinen, Hilfe in einer Gemeinschaft suchte. Das macht man instinktiv, aber gleichzeitig kommen dann auch "Entgiftungen" hoch und dann braucht es eigentlich therapeutische Hilfe. Da man die aber in den seltensten Fällen hat, zerlegen sich die Gruppen dann meist wieder.

Es ist deshalb ganz wichtig zu begreifen, dass wir alle mehr oder weniger traumatisiert wurden. Keiner ist in einer wirklich liebes, lust- und sexualbejahenden Umgebung aufgewachsen. Deswegen kommt es immer zwangsläufig zur Unterdrückung von Lebensenergien. In weiterer Folge dann zu Verhärtungen und zur "Selbst-Erziehung". Gab es lebendige Menschen, wurden sie zumeist als Exentriker, Spinner oder andersweitig abgewertet.

Bernd Senf hat deswegen vollkommen recht: "Die Lösung der Blockierung ist die Lösung. Aber behutsam, nicht mit Gewalt!"

Und ich bleibe dabei: grade die Rohkost bietet das größte Potenzial, diese Blockaden tiefgreifend aufzulösen und zu mehr Lebendigkeit zurückzufinden.

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