Druck

21.06.2015 00:38

So, jetzt scheint das Internet hier wieder zu gehen. Ich bin derzeit in Düsseldorf bei meinem Vater. Ich liege auf der Couch, er schaut fern. Ich schreibe irgendwelche Geschichten zusammen, er schimpft und kommentiert das Weltgeschehen. Herrlich! 

Auf der Fahrt aus der Schweiz hierher bin ich mit dem Zug durchs Rheintal gefahren. Es war das erste Mal, dass ich in dieser Ecke Deutschlands war und muss sagen: ich war beeindruckt. Wahrscheinlich Deutschland von seiner schönsten Seite. Wobei die Anwohner natürlich absolut keinen Bock mehr auf die Bahn haben. Ich kenne das Problem ja selber. In Österreich habe ich keine 10m neben der Bahnstrecke Graz-Bruck geschlafen. Jetzt im Nachhinein der blanke Wahnsinn. Klar "gewöhnt" man sich an den Lärm, aber das ist natürlich nur eine grandiose Illusion. Es gibt unterbewusst jedesmal einen Ausstoß von Stresshormonen, wenn gleich neben deinem Zimmer ein Güterzug mit über 100 Dezibel langdonnert. Aber sei es drum.

Im Zug habe ich mir zwei Videos von Bernd Senf angesehen. Schön ist, dass in den Eurocity-Zügen oft Steckdosen vorhanden sind, so dass man sogar DVDs im Zug schauen kann. So macht Reisen wirklich Spass.

Hier mal das erste Video:

Erst dachte ich, was schwafelt er denn da? Später aber, und das ist mir schon mehrfach bei Bernd Senf passiert, gab es nochmal den großen Aha-Effekt. In Teil zwei des Videos geht es auch um Victor Schauberger. Der meinte mal, dass wir falsch bewegen. Grundlegend falsch. Bernd Senf führt dann aus, dass unsere ganze Gesellschaft auf Druck basiert. Angefangen bei den ersten Dampfmaschinen, die ja den Beginn des Kapitalismus markierten, bis hin zur struturellen Gewalt, die auf die Bewohner dieser Breiten ausgeübt wird. Überall findet sich dieser Druck. Mittlerweile geht das ja schon im Kindesalter los. Englisch im Kindergarten, Franzöisch in der Grundschule. Druck, Druck, Druck. 

In der Natur und somit auch in der menschlichen Seele findet sich aber ein grundlegend anderes Prinzip! Das Schöne, Gute und Wahre entsteht aus sich selbst heraus. Niemand zwingt eine Blume zu blühen, niemand kann Kreativität erzwingen, niemand kann das Leben ewig mit Druck in eine Richtung bringen. Niemand kann Liebe erzwingen. Leben entsteht aus sich selbst heraus, Liebe, Kreativität, Intuition, Begeisterung, Antrieb, Inspiration (ich habe übers Wochenende eine nicht ganz jugendfreie Kurzgeschichte geschrieben und innerhalb von drei Tagen knapp 30 Seiten hervorgebracht. Hehe..:-D. Niemand hat mich gezwungen. Freitag habe ich hier auf der Couch gelegen und von Mittag bis früh um vier geschrieben, ich habe sie auch schon veröffentlicht und bekam großes Lob. Was Angelika kann mit Sex, Lügen und Rohkost, dass kann ich schon lange! *fggg*) ... es entsteht aus sich selbst heraus.

Und das ist es auch, was ich schon als Kind gespürt habe: ich wollte frei sein und die Dinge tun, zu denen ich inspiriert war. Das war vor allem Fussball spielen. Ich habe gespielt von früh bis zum Abend, bei jeder Gelegenheit, auf dem Schulhof, auf dem Dorfplatz, in der Garage, im Klassenraum und da ein Fenster zerschossen. Ich habe gespielt und gespielt. Und ich war gut!

Dann hatte ich den Antrieb, Gitarre zu spielen, Rohkost zu machen, nochmal zu studieren, Fremdsprachen zu lernen, mit dem Schiff das Meer zu überqueren, regelmäßig Sport zu treiben und und und... und diese Sachen kamen ohne Druck. Ich habe alle Sachen, wo ich mit Druck bearbeitet wurde, früher oder später aufgegeben. Alle Sachen, die ich aus mir selbst heraus gemacht habe, eben weil sie mir Freude bereiteten, mache ich bis heute. Klar, man setzt sich auch etws unter Druck, will besser werden, aber ich sehe hier eher den Ansatz: Überwinden, aber nicht zwingen. Sprich, den inneren Schweinehund überwinden, aber sich zu nichts zwingen (lassen).

Das war auch das Geheimnis der ganzen Erfinder und kreativen Menschen.

Die Welt in der wir leben, sieht aber anders aus. Hier herrschen weit aus mehr Zwänge vor, als Freiheit und Kreativität. Man muss Geld verdienen, muss von 8-17 Uhr im Büro sein, muss seine Steuern bezahlen, muss sich anpassen ... es gibt soviele Zwänge. Und dahinter steht immer der Druck von außen. Oder die Selbstausbeutung durch inneren Druck.

Natürlich gibt auch die Natur den Rythmus vor. Man muss das Gemüse gießen, wenn es trocken ist, jagen gehen, sammeln. Aber ich habe an mir festgestellt, dass man hier sehr gut geleitet wird und dass man, wenn man etwas freier ist, plötzlich eine Lust bekommt, diese Dinge zu tun. Dass es eben wieder aus sich selbst heraus passiert.

Kinder lernen aus sich selbst heraus. Man muss sie nur lassen. Die Schule aber, und das weiß man auch in den Erziehungswissenschaften, demotiviert die Kinder ab der zweiten Klasse. Da läuft doch etwas grundlegend falsch ab.

Dieser Druck tötet die Begeisterung, die Kreativität, das kontrollierte kreative Chaos.

Derzeit kann man "gut" beobachten, wie Deutschland Druck auf Griechland ausübt, vereinfacht gesagt, oder wie die NATO Druck auf Russland ausübt, oder wie der IS Druck auf die Kurden ausübt. Druck und Zwang haben immer etwas gewalttätiges. Das muss man verstehen. Wie Bernd Senf ausführt, ist der Antrieb zum Beispiel der Drehbewegung in der Natur grundlegend anders als in der Technik. Drehbewegungen entstehen hier in Form von Wirbeln aus sich selbst heraus. Niemand drückt da, sonder sie entstehen als natürliche Prozesse AUS SICH SELBST HERAUS. Ein Rad muss man erst zwingen, sich zu bewegen, ein Wirbel tut es von ganz alleine. Und bewegt riesige Massen in Form von Galaxien.

Im Menschen finden sich die gleichen Prinzipien des Antriebes. Entweder, und das ist die natürliche Form, aus sich selbst heraus. Was sich dann als lustvolle Betätigung, positiver Antrieb, Kreativität und Freude äußert, oder durch Druck, also Zwang. Was zu Widerständen (Reibung, Verbiegen, Entgegenstämmen) führt.

Im Job habe ich das ja zu spüren bekommen, was es heißt Druck zu haben. Leistungsdruck (das muss alles geschafft werden), Termindruck, finanzieller Druck (soviel müssen wir erwirtschaften), kreativer Druck (wir brauchen neue Projekte). Wenig wurde aus echter Freude und Kreativität erschaffen. Und als ich das gemerkt habe, dass das so ist, war ich irgendwie lustloser. Unispirierter. Weniger leistungsbereit als vorher.

Alles in der Natur fließt, es ist ein gigantischer Fluß an Lebensenergie. Die gleiche Energie, die die Galaxien bewegt, bewegt auch mich, läßt mich atmen, lachen, inspiriert mich ... das ganze Universum ist von dieser Energie erfüllt. Das ist "Gott" "wie im Himmel so auch auf Erden". Sie hält das Universum zusammen, erschafft es! Und diese Lebensenergie äußert sich beim Menschen in Form von frei fließenden Emotionen (Freude, Liebe, Trauer, Wut),  Mitmenschlichkeit, Kreativität, Inspiration, positivem Antrieb, klaren Gedanken.

Und ja, Wilhelm Reich hat das ganz klar erkannt, dass, wenn diese frei fließende Lebensenergie unter Druck gerät, dann kommt es zu Blockaden, Verformungen, zum Charakterpanzer. Und niemand kann leugnen, dass es zunehmend mehr Druck in unserer Gesellschaft gibt. Und dann braucht es eben auch Ventile wie Überessen, Fussball, Aggressionen, Pornographie, Alkohol, Tabletten, Gewalt- und Brutalospiele. Irgendwie müssen die Menschen ja mit dem Druck umgehen!

Wer sich überzeugen will, braucht nur mal nach "Druck nimmt zu" googlen. Und dann das selbe mit "Liebe nimmt zu" tun.

Aber Gott sei Dank findet langsam ein Aufwachen statt und die Visionen für eine bessere Welt liegen schon lange vor. Aber wie kommt man dahin? Ein paar sehr interessante Gedanken dazu von Ulrike Herrmann (FAZ):

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