Endlich Sommer! :-)

19.07.2018 21:41

So langsam komme ich mit der Trockenheit zurecht. Die Entscheidung, sich nur auf die bereits erwähnten Produkte zu konzentrieren, war eine gute Idee. Die Sachen sehen erstmal recht gut aus. Salate stehen prima, Zuccinies wachsen und der Rest gedeiht auch. Ist eben nur eine elende Wasserschlepperei und die Vorräte für den Winter werden sehr schmal ausfallen. Aber gut was will man machen? Irgendwie muss man sich anpassen.

Und das Wetter soll ja hier so bleiben.

Nach einem wechselhaften Intermezzo am Wochenende mit Schauern und Gewittern geht der Dürresommer in der kommenden Woche unvermindert weiter. Dazu steigen die Temperaturen nochmals deutlich an und überschreiten verbreitet die 30-Grad-Marke. Im weiteren Verlauf überrollt uns dann sogar eine richtige Hitzewelle. Dabei sind Spitzenwerte von 35 Grad und mehr möglich. Nachts kühlt es dann kaum noch unter 20 Grad ab, morgendliches Lüften dürfte also in den Ballungsräumen immer schwieriger werden.

und..

Die Dürre in weiten Landesteilen wird immer extremer: Im Norden und Osten ist so gut wie kein Regen bis mindestens nächste Woche Freitag in Sicht! Nur ganz vereinzelt kann ein Schauer oder Wärmegewitter die Trockenheit ein wenig lindern. An der Nordsee fiel im Juli regional noch kein Tropfen Regen und es scheint nicht ausgeschlossen, dass sich daran bis zum Monatsende nichts ändert.

Im Westen und in der Mitte hat man zumindest am Wochenende etwas Hoffnung auf einen Regenguss, wobei die Niederschlagsmengen von Tag zu Tag von den Wettermodellen heruntergerechnet werden. Auch hier werden nicht alle Regionen in den nächsten sieben Tagen Regen sehen.

www.wetteronline.de/wetterticker/regional-weitere-woche-ohne-regen-201807191205633

Na ja. Es wird eben immer heisser, trockener, destruktiver, extremer. 

Wir haben es so gewollt.

Heute gingen schon die ersten Beruhigungspillen durch die Medien:

In manchen Parks finden die Kaninchen kaum mehr einen grünen Halm, viele Wiesenflächen im Nordosten Deutschlands sind zu gelb-brauner Steppe geworden. "Die Situation mag übel aussehen, aber die Natur ist an solche Wetterperioden angepasst und übersteht sie gut", sagte Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. Für Hasen, Fasane, Rebhühner und Feldvögel sei es bisher sogar ein eher gutes Jahr. Auf Pfützen angewiesene Insekten wie Mücken gebe es hingegen weniger als in verregneten Sommern.

www.n-tv.de/wissen/Regenarme-Monate-schaden-Natur-kaum-article20531291.html

Also das mag sogar sein, aber ich finde es immer wieder interessant, dass bei JEDER Krise ab einem gewissen Zeitpunkt die Beruhigungspillen durch die Medien verabreicht werden. Alles nicht so schlimm, keine Panik, hier gibts nichts zu sehen.

Diese Strategie habe ich jetzt schon bei jeder unguten Entwicklung beobachtet.

Dabei reicht ein Blick in die Natur, um die Absterbeprozesse zu beobachten. Noch immer stehen die Holunderleichen von 2016 hier rum und schon fängt der Rest an, auch noch abzusterben.

Bei Trockenheit breiten sich Krankheitserreger weniger stark aus", erklärte Kinser. Dauernässe könne zudem für Jungtiere tödlich sein - kleine Hasen etwa litten sehr darunter, weil ihr Fell kaum Wasser abweise. Mangele es an grünem Gras, wichen Hasen, Kaninchen und größere Tiere wie Rehe auf die Blätter und frischen Triebe von Büschen und Bäumen aus. "Sie überleben ja auch die lange Winterzeit, in der es noch weniger zu fressen gibt."

Frische Triebe. Sowas ist nur was für gute Konsumenten. Frisch ist bei der Trockenheit, das ist ja der Gag daran, nichts mehr!

Was nicht gesagt wird: wenn diese Klimaveränderungen anhalten, dann wird sich die Natur als Ganzes verändern. Dann werden die Pflanzen und Tiere, die nicht an diese Bedingungen angepasst sind, wegsterben und nur die Arten werden überleben, bzw neu einwandern, die mit den nun trockeneren und heißeren Bedingungen klar kommen.

Eichen zum Beispiel.

Es gab ja im sogenannten Atlantikum, einer Warmphase vor ca. 8.000 - 4.000 Jahren, schonmal eine relativ große Veränderung. Damals wurde es wärmer und feuchter...

de.wikipedia.org/wiki/Atlantikum#/media/File:Holocene_Temperature_Variations_German.png

Vermutlich war das Klima in Nordeuropa nicht nur wärmer (bis zu 2,5 °C) als am Ende des 20. Jahrhunderts, sondern auch feuchter.[12] Die Durchschnittstemperaturen während des Älteren Atlantikums vor 7600 Jahren BP entsprachen in etwa den Werten im bisherigen 21. Jahrhundert.[13] Während des Mittleren und Späteren Atlantikums begann ein langsamer, bis nahe an die Gegenwart reichender Temperaturrückgang von etwa 0,1 °C pro Jahrtausend, der erst im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend kompensiert.

Und die Vegetation veränderte sich:

Während des Atlantikums dehnten sich die Laubwälder der gemäßigten Zone Süd- und Mitteleuropas nach Norden aus und verdrängten den borealen Mischwald, der jedoch in Berglagen weiterhin fortbestand. So waren beispielsweise in Dänemark Mistel, Wassernuss (Trapa natans) und Efeu (Hedera helix) gegenwärtig. Die Graspollen waren jedoch generell rückläufig. Weichhölzer wie Birke und Kiefer wurden von aus südlichen Gefilden vorrückenden Harthölzern wie Eiche, Linden (Tilia cordata und Tilia platyphyllos), Buche, Hasel, Ulme (Ulmus glabra), Erle und Esche ersetzt. Dieser vegetationsgeschichtliche Abschnitt wird als Erlen-Ulmen-Linden-Zeit bezeichnet.[17]

In Nordosteuropa wurde der Wald im Frühen Atlantikum nur wenig von dem generellen Temperaturanstieg betroffen. Der Wald bestand hier im Wesentlichen aus Kiefern, das Unterholz setzte sich aus Hasel, Erle, Birke und Weide zusammen. Nur rund 7 % des Pollenbestandes fiel hierbei auf breitblättrige Laubbäume, während der Abkühlungsphase des Mittleren Atlantikums ging dieser dann sogar wieder auf das Niveau des Boreals zurück. Mit dem Temperaturanstieg des Späten Atlantikums erhöhte sich der Anteil der breitblättrigen Laubbäume dann immerhin auf 34 %.

Und was sagen uns die Medien:

Insgesamt kaum Grund zur Sorge

Die Bäume reichten mit ihren Wurzeln meist tief genug, um noch ausreichend Wasser zu bekommen. "Am Jahresring für 2018 wird man später aber wohl sehen können, dass es ein Mangeljahr war", sagte Kinser. Der Holzzuwachs werde sicher geringer ausfallen als sonst. Gefährlich könne vor allem für Nadelbäume werden, dass die anhaltende Trockenheit und Wärme die Vermehrung von Schadinsekten fördert. "Aber viele Insekten bedeuten natürlich auch wieder ein gutes Jahr für die Feldvögel, die davon leben."

Das ist alles nicht falsch. Was aber nicht beleuchtet wird, aber genau DAS ist entscheidend, ist, was passiert, wenn diese Jahre plötzlich zur Regel werden.

Natürlich übersteht "die Natur" mal so ein Extremjahr! Aber was, wenn das Extremjahr die Regel wird? Und danach sieht es ja aus. Und was, wenn diese Veränderungen so schnell gehen, dass wir kaum noch hinterherkommen?

Wie gesagt, der Klimawandel scheint ja laut Experten sehr viel schneller vonstatten zu gehen als erwartet. Dann kann man zuschauen, wie der Holunder abstirbt, wie die Käfer die Fichten in den Bergen wegputzen, dann sieht man, wie die Buchen eingehen. Die werfen hier ja schon ganze Äste ab, weil es zu trocken ist:

www.mz-web.de/aschersleben/wegen-der-trockenheit-achtung--gefahr--erste-baeume-sprengen-aeste-ab-30947766

Aschersleben - Gerissen. Zersplittert. Förmlich zerfleddert ist das Holz an der Bruchstelle, die sich nahe am Stamm befindet. Der riesige Ast der Buche, von der Größe her fast selbst ein Baum, hängt kraftlos herab.

„Das ist Grünbruch“, sagt Holger Dietrich mit Blick auf den lädierten Baum im Ascherslebener Stadtpark. Ein für Passanten gefährliches Phänomen, das der extremen Trockenheit geschuldet ist.

„Das passiert, wenn ein Baum richtig viel Stress hat - durch Hitze oder Trockenheit. Und hier kommt beides zusammen. Das ist der Supergau“, erklärt der im Städtischen Bauwirtschaftshof zuständige Bereichsleiter für die Grünflächenunterhaltung in Aschersleben.

Die Bäume werfen dann ganze Äste ab und irgendwann ist dann Ende und der ganze Baum geht ein.

Aber damit eben die Masse nicht auf dumme Ideen kommt und mal fragt: "Verdammt, was geht denn hier ab und woher kommt das? Müssten wir da nicht mal langsam umdenken?" werden bei jeder Krise die Beruhigungspillen verteilt. Müsst ihr mal drauf achten. Immer wenn es irgendwie mulmig im Bauch wird, kommen die an und sagen: Ach, alles kein Problem, schaut, ist doch sogar gut, macht euch keine Sorgen, geht weiter einkaufen, geht weiter arbeiten, macht euch keine Sorgen, wir haben alles im Griff.

Insgesamt gebe es kaum Grund zu Sorge. "Die Trockenphase ist existenzbedrohend für manche Landwirte, aber nicht für die Natur", so Kinser. "Sie hat es in Millionen Jahren gelernt, mit solchen immer wieder mal auftretenden Hitzeperioden umzugehen." Nach dem ersten ausgiebigen Regen werde es nur wenige Tage dauern, bis die Wiesen wieder ergrünen.

Soviel falsches in einem Satz ist schon erstaunlich.

Natürlich sind Trockenphasen nicht existenzbedrohend für "die Natur". Die Natur IST die Trockenperiode. Genauso wie der Regen oder die Sonne. Das alles ist ja "die Natur". Anhaltende Trockenperioden sind aber existenzbedrohend für Teile der Natur, und zwar für die, die an andere abiotische (also Temperatur, Feuchtigkeit, Ausgangsgestein) Bedingungen angepasst sind.

Also hier wird wirklich für Kinder geschrieben. "Die Natur" hat gelernt, in Millionen Jahren, mit Hitze umzugehen. Aha... wieso gibt es dann heute Wüsten dort, wo es früher mal Regenwald gab? Oder Trockensavanne, wo es früher mal Feuchtsavanne gab und wieso breiten sich die Wüsten immer weiter aus? Die Todeszonen auf der Erde?

Und der sagt "die Natur", die in Jahrmillionen gelernt hat, mit Trockenperioden umzugehen und dann spricht er von Wiesen. Etwas, was es in "der Natur" garnicht gibt. Das sind Kulturbiotope und die sind auch schnell regenerierbar. Aber natürlich verändern sich auch Wiesen, wenn solche Extremjahre die Regel werden.

Es ist alles so schlimm und bewegt sich auf Kindergartenniveau.

Tante Erna hat gesagt, dass alles nicht so schlimm ist! Wagandt hatte Recht, wenn er von der Kinderwelt sprach.

Fakt ist: wenn diese Extremjahre zur Regel werden, dann werden wir massive Absterbeprozesse erleben. Dann wird sich "die Natur" stark verändern. Viele Pflanzenarten werden aussterben, vllt nur lokal, da wo es am extremsten ist (wahrscheinlich hier), andere werden einwandern... aber insgesamt wird es dann steppenhafter, Ernten werden weniger üppig ausfallen, Tierbestände werden dramatisch zusammenschrumpfen.

Bei einem Hofbesuch in Jessen an der Grenze zu Brandenburg zeigt sich die Katastrophe exemplarisch. 250 Milchkühe wurden hier bis vor wenigen Wochen gehalten. Tagsüber stehen die Tiere auf der Weide, doch das Idyll trügt. Wegen der monatelang anhaltenden Hitze mussten bereits 90 Tiere notgeschlachtet werden. Es ist zu heiß, der Regen fehlt, und damit auch frisches, saftiges Kuhgras.

Die Wiesen sind braun. Vier bis fünf Schnitte, sagen die Leute in Jessen, sind in einem normalen Jahr üblich, um Heu und Stroh zu erwirtschaften. In diesem Jahr reichte es bislang nur für zwei Schnitte. Da das Futter knapp wird und auch nichts hinzugekauft werden kann, da es anderen Landwirten ähnlich ergeht, muss der Tierbestand auf dem Hof reduziert werden.

www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.trockenheit-in-deutschland-sehnsucht-nach-landregen.01242c62-f773-4a7f-9204-72f7b679b4c6.html

Obstbäume werden verschwinden, weil zu trocken ... das wird massive Veränderunge geben, wenn solche Extremjahre die Regel werden. Und das befürchte ich, irgendwie sagt mir das mein Gefühl. Ich hatte ja schon im April so eine Vorahnung, dass es ein Extremjahr werden würde. Und es kam so. Es lag irgendwie in der Luft. Und ich ahne, dass es ab jetzt immer heißer und trockener werden wird.

Aber man sieht eben auch anhand des Hofs in Jessen, wie die Grenzen des Wachstums erreicht werden. Früher hat man diese Wiesen zweimal geschnitten. Da waren sie noch artenreich und blüten. Dann dreimal, dann vier und am Ende sogar fünfmal. Dünger drauf. Gras runter. Blumen, Kräuter und seltene Gräser? Konnten sich da nicht mehr halten. Statt dessen nur mehr Löwenzahn und ein paar Allerweltsgräser, die mit dem häufigen Schnitt klar kommen. Dafür konnten mehr Tiere gehalten werden.

Na ja, erinnert dann doch etwas an den Fischer und seine Frau. Immer mehr und immer mehr und am Ende hat man dann garnichts und sitzt wieder da, wo man hergekommen ist, und schlimmer!

Und man kann auch mal überlegen, wo mehr Menschen leben: in Gebieten mit ausreichend Niederschlägen / Wasserversorgung für die Landwirtschaft, oder in Trockengebieten?

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Und was passiert, wenn immer weitere Teile unter Wassermangel leiden?

Aber gut, fragen Sie nicht, gehen Sie weiter.. hier gibts nichts zu sehen! Den Hasen und Rebhühnern geht es besser als je zuvor!! :-)

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