Ergänzung

19.09.2016 19:27

Zum Thema "Endemische Sexlosigkeit in Japan" aus dem vorangegangenen Artikel möchte ich noch weiteres ergänzen. 

Wieso ist das ein Phänomen in den Kernländern der "Megamaschine"?

In der Natur sind Essen und Sex die beiden größten Vergnügen. Erfüllte Sexualität macht glücklich, gesund und geistig stabil. Gutes Essen dito. Dabei geht es gar nicht um Fortpflanzung, sondern um das Schöpfen von Energie und in weiterer Folge um Entspannung und Glücklichsein.

Das Problem: ein Mensch, der ein glückliches, erfülltes Sexualleben hat, ist zufriedener. Und ein zufriedener Mensch kauft weniger. Wer viel guten Sex hat, braucht nicht dauernd den neuesten Schnickschnack. Zu was? Das echte Vergnügen liegt woanders und es hält einen im Grunde nur davon ab, zur wahren Quelle der Zufriedenheit zu gehen. Liebevolle und erfüllende Sexualität ist erfüllend, alles andere lenkt im Grunde nur davon ab.

Und das ist ein echtes Problem in Ländern, die ein konsumbasiertes Wirtschaftssystem haben.

Und so haben sich in den Kernländern der Megamaschine mit der Zeit Strukturen herausgebildet, das passiert wahrscheinlich vor allem über subtil wirkende lustfeindliche Meme, die Schritt für Schritt die Sexualität als natürliche und kostenlose Quelle von Glück und Wohlgefühl eliminieren und dafür den Akt des Kaufens setzten.

Das ist etwas, was in einer kapitalistischen Welt, die auf Konsum basiert, unausweichlich passiert. Kaufen statt Sex ist die logische Konsequenz in einer auf Konsum basierten Wirtschaftsform. Zumal ja auch fast jedes Mitglied in dieser Gesellschaft direkt oder indirekt von diesem Konsum abhängig ist (der Konsum des anderen sichert die eigene Existenz, somit hat jeder ein genuines Interesse, dass sich diese kauffördernden Meme verbreiten). Und so setzen sich mit der Zeit (nunmehr ja schon 70 Jahre) die Meme durch, die Sexualität entsprechend herabsetzten und negativ belegen und dafür auf das Kaufen lenken (oft mit sexualisierter Werbung - was eine regelrechte Umleitung / Umprogrammierung ist, zumal wenn man in solchen Strukturen aufwächst). Dann braucht man keinen wirklichen Sex mehr (Negative Meme: weil unhygeniisch, kann man Krankheiten bekommen, AIDS, Schwangerschaften, Bindungen sind auch schwierig, weil alles flexibel sein muss, heute hier, morgen dort, lieber Freiheit, usw.).

Das System ist also ein riesiger Mind-Fuck. Es erzieht sich die Menschen durch den Menschen so, wie sie gebraucht werden und den größten Nutzen darstellen. Und der vereinsamte Single konsumiert mehr als eine liebevolle Gemeinschaft mit viel sexuellen Austausch. Der Bonobo braucht kein Handy, keine Online-Dating, keine Versprechen auf Treue und Wirtschaftsgemeinschaften, um lustvolle Sexualität zu bekommen. Der geht einfach zwei Äste höher oder tiefer.

JEDE Gesellschaft erzieht sich über wirksam werdende Meme ihre Mitglieder.
Die aggressiven Kriegergesellschaften der Vergangenheit und Gegenwart haben sich aggressive Krieger "geschaffen". Hier wirken Meme, die die natürliche Verhütung unterdrücken (Nachschub an neuen Kriegern um die ewigen Verluste auszugleichen), die aggressive Gottheiten erfinden, Heldengesänge, Unterdrückung von natürlichem Mitgefühl und Kooperation usw. Und jeder wird zum Träger dieser Meme und gibt sie weiter, so dass sich diese Strukturen irgendwann verfestigen.

Auf Konsum basierende Gesellschaften wie die des "Westens" wiederum erschaffen sich Konsumenten, die den Akt des Kaufens als Quelle der Lust setzten, bei gleichzeitiger subtiler Herabsetzung der eigentlichen Quelle der Lust.

In einer Welt, wo Pharmakonzerne ihre Mittel verkaufen müssen, werden Kranke erschaffen.

Das Ganze wirkt evolutionär: zwei Gesellschaften, beide haben das gleiche Wirtschaftsmodell. Aber eine hat günstige Meme bezüglich Sexualität, die andere negative. Wer wird sich wirtschaftliche durchsetzen?
Oder anschaulicher: zwei Kriegergesellsschaften. Eine hat aber noch liebevolle und mitfühlende Meme, die andere nicht. Wer wird sich durchsetzten?

Ich hoffe, ich konnte mich einigermaßen verständlich machen. Aber jeder kann ja mal in seinem Umfeld (TV, Medien, Reportagen, Filme, Religionen usw usw) schauen, welche Meme da wirken. Sind die lustfreundlich oder lustfeindlich? Und wenn sie Lust versprechen, dann ohne Kaufabsicht, oder mit?)

Nochmal: Verzicht auf jegliche Sexualität ist der Schlusspunkt in Gesellschaften, die auf Konsum basieren. Die Meme der Kategorie "Lustvoll Kaufen statt schmuddeligen Sex" haben sich in diesem Umfeld einfach gegen die Meme der Kategorie "Erfüllte Sexualität und Liebe" durchgesetzt und schaffen dadurch immer bessere Konsumenten. Dito die Meme "Singles und Kleingruppen" vs. "Gemeinschaften und gemeinschaftsförderndes Verhalten", dito "Kaufen, Handeln und Verkaufen" vs. "Schenken und Beschenkt werden".

Das Schöne: solche (unnatürlich lebenden und "glaubenden") Gesellschaften sterben entweder aus. Das gilt auch für die patriachalen Meme (nur Söhne sind gut etc.) und für die Krieger-Gesellschaften (viel Nachwuchs) und viele Mischformen daraus.
Die ersten verlieren ihre Fruchtbarkeit.
Die zweiten enden im Männerüberschuss, was Aggressionen und somit Schrumpfungsprozesse befördert.
Die dritte verbraucht am Ende alle Ressourcen.

Oder sie werden sich dessen bewusst und kommen wieder mehr oder weniger zu den ursprünglichen Memen zurück (Kooperation, Frieden, Mitgefühl, Liebe, Sex statt Gewalt, Matriachat - also echte Demokratie, Naturverbundenheit), die dann das Überleben sichern. Und das geht nicht vom jetzigen ZUstand zu den Jäger und Sammlern zurück, sondern es muss wohl mehr oder weniger wieder über die vorherigen Stufen zurück.

Eine gute Zusammenfassung findet sich im Rohkostwiki.

Machen wir es uns bewusst!

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