Weitere Optionen.

27.11.2018 21:30

So, ich hatte ja gestern mal so ein paar Gedanken zum Thema Carnivorismus, Instincto und auch die "genetische Anpassung" an Lebensmittel beleuchtet.

Ich hatte dabei auch den Amerikaner Derek Nance erwähnt, der ja mehrere Jahre nur von rohem Fleisch und Innereien lebte (bis zum Zeitpunkt der letzten Info, was ca. 2016 war) und über den auch die Medien schon berichteten.

Der hat auch eine Youtube-Seite, aber das letzte Video ist eben schon zwei Jahre alt.

Nun hatte ich dennoch mal wieder nach ihm gesucht und dieser (aus meiner Sicht leicht verrückte Norweger) Sv3rige hat da die neuesten Infos zu Derek Nance. Der hat den offensichtlich in Kentucky besucht und da auch gefilmt, wie er so lebt und wie er sich jetzt so ernährt.

Zu sehen hier:

Also ich habe es mir angeschaut und offensichtlich ist der Derek Nance da noch dabei. Isst anscheinend weiterhin überwiegend karnivor, ergänzt aber wohl auch mit roher Milch und "versucht" einmal die Woche eine vegane Mahlzeit zu machen. Im Video dann mit einem Salat.

Er macht sich auch die Knochen essbar, indem er die abgenagten Knochen mit Wasser und Essig ansetzt und drei bis vier Tage in einem Kochtopf auf "low", also niedrigste Stufe, erwärmt. Die sind dann so porös, dass man sie auseinanderbrechen und essen kann. Ob das noch 100% natürlich ist, das wieß ich nicht. Dazu fehlen mir weitere Infos.

Aber der ist pfiffig und hat auch erkannt, dass viele Mineralstoffmangel haben und sagt auch, dass es genau das ist, was viele Menschen eben nicht in ihrer Diät haben. Gerade die, die auf "primal" oder "ketogen" gehen. Und um diese Mineralien zu bekommen, braucht es eben den ganzen Knochen.

Ich persönlich finde ja Hühnerknochen extrem gut zu essen. Die sind manchmal wie Kekse essbar.

Der versorgt da im Video noch seine Kinder und in einer Szene siehts fast aus, als kostet er die Omletts...lol. Man sieht es aber nicht wirklich.

Also was mir bei dem auffällt: der sieht gut aus. Kräftig. Nicht zu dick, nicht zu dünn, wirkt mit sich im Reinen und auch sehr zufrieden, der Blick wirkt oft auch nach innen gewandt, scheint also auch ein bewusster Mensch zu sein. Wahrscheinlich kriegt er auch permanent Glücksgefühle aus dem Bauch, die jeder hat, wo die Verdauung und die Ernährung stimmt und geniesst das so für sich. So wirkt er zumindest auf mich.

Ich hatte vor fast genau einem Jahr schon mal mit Burger via Skype-Chat über Nance gesprochen. Er zweifelte, dass Derek noch lange überleben würde, meckerte, dass sein Gesicht fett sei, bekrittelte, dass man nicht sagen kann, ob das längerfristig funktioniert (muss ja auch nicht!! Wenn es sich irgendwann mal so anfühlt, dass was fehlt, kann man dann ja ergänzen, was der Derek Nance ja auch getan hat) und überhaupt. Er frug mich, ob ich neuere Daten hätte, weil die Videos damals auch schön älter als ein Jahr waren.

Gestern hatte ich ihm das dann gezeigt.

Oh, da hat er wieder gemeckert.

Der Typ praktiziert eine Ideologie, er würde lieber mehr sehen als nur seine Veröffentlichungen, also auch was er wirklich isst und auch seine tatsächliche Gesundheit. Er fände seine Erscheinung nicht besonders beneidenswert. Zu viel Fett unter der Haut, Hautfarbe, das Aussehen des Auges. Nichts wäre einen direkten Kontakt wert. Sobald es Ideologie gibt, sollte man besser nachsehen.

Dann hat er sich schnell verabschiedet.

Ich persönlich sehe da eigentlich keine Ideologie. Der Derek Nance, so jedenfalls die Infos, die in den Reportagen übermittelt wurden, konnte irgendwann einfach nichts mehr essen und landete schlussendlich bei dieser Diät, das war wohl der letzte Strohhalm, die hat er dann jahrelang gemacht, konnte anscheinend damit auch gut arbeiten, hat Kinder gezeugt, seine Blutwerte waren OK (am Ende im Video hier) und er lebt da anscheinend ein recht normales Leben irgendwo in Kentucky.

Interessant sind die Parallelen zu Mikhaila Peterson, die auch irgendwie nichts mehr essen konnte und dann bei "beef only" landetet.

Was sagt uns das alles?

1. Der Mensch ist einfach extrem anpassungsfähig und offensichtlich führen viele Wege nach Rom. Der eine lebt vegetarisch und kommt damit gut klar, der nächste rein karnivor für Jahre und das klappt super. Genau so, wie es die Daten der Urmenschen und der heutigen Jäger- und Sammlerkulturen zeigen: die Ernährung des Menschen ist hoch divers und man kann nicht sagen: die haben nur wenig Fleisch gegessen. Man kann auch nicht sagen: die haben viel Fleisch gegessen! Weil beides stimmt! Die Daten zeigen, dass sie je nach Region ganz anders lebten und sich ernährten. Und solange das, was sie da aßen, eben vollwertig und es insgesamt ausgewogen war, kamen unterschiedlichste Gruppen auf unterschiedlichste Diäten wunderbar klar.

2. Der Mensch kommt offensichtlich mittelfristig besser auf einer karnivoren Diät klar, denn auf einer veganen Diät. Das finde ich hochfaszinierend und es bestätigt auch die Daten von Weston Price, der kein Naturvolk fand, dass sich ausschließlich von pflanzlichen Sachen ernährte, während er auf der anderen Seite Völker besuchte, die fast ausschließlich von tierischen Produkten lebten, wie die nordamerikanischen Indianer und die Inuits.

3. Eine rohe Karnivordiät scheint für den Einstieg in die Rohkost (was für eine Umkehr!! Großes LOL) wahrscheinlich besser zu sein, als das, was wir so allgemein als Einstieg sehen. Man bekommt sofort genug Proteine und Fette, die Zähne bleiben gesund, man ist wahrscheinlich sofort viel besser befriedigt.... mal Hand aufs Herz? Wieviele Treffen gab es schon, wo die Leute aber nun wirklich DAUERND fressen und selbst die besten "Instinctos" erwischt wurden, wie sie noch spät abends nen Appel futterten? ... man kommt erstmal weg vom Zuckerflash und man traktiert die Gedärme auch nicht mit noch schwer verdaulichem Gemüse (da muss man zumeist erstmal Verdauungskraft aufbauen).

Und wenn man das mal ne Weile gemacht hat, gerne eben auch mit Antrocknen, Abhängen, bei Bedarf mit etwas Salz, wie es die Rohkostkinder, die ich kenne, gerne machen, der ergänzt dann Schritt für Schritt weitere Sachen. Irgendwann sagt einem der Körper dann schon, dass er auch mal Wildkräuter will, oder mal einen Salat, oder im Sommer auch Beeren! Wahrscheinlich landet man so von ganz alleine bei der wirklichen genetisch korrekten Ernährung. Einfach indem man statt sofort auf Früchte zu gehen und sich damit die Zähne zu ruinieren (hey, wem haben noch nie die Zähne gezogene vom vielen Obst?), ganz anders anfängt. Eben so.

Ab zum nächsten Schäfer und Jäger und sich vergleichsweise preiswert regional versorgen, statt erstmal TAUSENDE für Datteln und Durian auszugeben.

Vom Gefühl her würde ich sagen: so würde viel viel Unglück und viel Scheitern vermieden. Man gewöhnt sich von Anfang an etwas ganz anderes an, auch verdaut sich Fleisch ja ganz anders und man würde sofort jede Beeinträchtigung in der Verdauung merken.

Und man wäre wohl auch von Anfang an sehr viel zufriedener.

Aber das sind nur meine Überlegungen, die müsste man dann einfach mal probieren. Ich bin ja nun schon länger dabei und für mich wäre es nur mehr ein neues Experiment.

Was mich bei der Sache eben so dermaßen fasziniert: der Derek Nance, der jahrelang nur Fleisch und Innereien aß, hat topgesunde Blutwerte, während die Gießener Rohkoststudie bei den meisten, auch instinktiven, Rohköstlern eben Mängel aufgrund einer Unausgewogenheit nachgewiesen hat.

Laut Theorie müsste aber der Instinkt genau alles austarieren und zum Besten führen, während sowohl die Veganer, als auch die Karnivoren zumindest mittelfristig (5-10 Jahre) massiv Schiffbruch erleiden müssten und dann zeigten die Untersuchungen, dass die auf Montrame auch B12 und andere Mängel hatten (mdl. Info eines "Insiders") und die Gießener Rohkostsudie zeigte das auch.

Und während die Instinktos da TAUSENDE (manche überzeugte Praktiker haben sechstellige Beträge über die Jahre ausgegeben) bezahlten, lebt da so ein Landei in Kentucky für nen Appel und n Ei und hat super Blutwerte, einen muskulösen Körper und eine ganz ruhige, relaxte Ausstrahlung und das auf einer Diät, auf der er laut Theorie schon tot sein. Den dürfte es eigentlich garnicht geben.

Also ich könnte laut auflachen!

Wenn es einen Gott gibt, dann hat er Humor! :-D

4. Alles ist ein Experiment und man kann eben nie sagen, was wirklich für jeden funktioniert. Bei vielen Menschen gibt es massive Blockaden, massive Traumatas, massive seelische Mängel... wer will da sagen, was das Beste ist? Jeder muss da selber ausprobieren und forschen.

Ich finde es gerade nur hochgradig faszinierend, dass es da nun weitere Optionen gibt! Der Derek Nance zeigt uns eine weitere Option, einen weiteren Weg, den man gehen und ausprobieren kann. Das öffnet für manche Sucher neue Horizonte, neue Lösungen, neue Möglichkeiten. Die Menschen sind so verschieden und selbst innerhalb von homogenen Jäger- und Sammlergruppen haben die wahrscheinlich ihre ganz bestimmten Vorlieben und Präferenzen. Der eine mag da vielleicht lieber den Honig von dem Baum, der andere mag den Honig anderer Bäume usw usw...

Wer nach vegan und vegetarisch und "Instinkto" oder auch "omnivor" noch nicht zufrieden ist und das Gefühl hat, da fehlt noch was, na ja, für den gibt es so weitere Optionen. Ist doch wunderbar.

Aber nicht nur als Dauerkost. Vielleicht mal als zeitlich begrenztes Experiment. Oder eben als Einstieg... Mich fasziniert, dass es wieder neue Optionen gibt, die eben auch wieder ganz in unseren Genen liegen. Denn es gab und gibt eben Völker, die sich so "einseitig" oder extrem fleischlastig ernähren und auch das ist eine Spielart, eine Anpassung des Lebens. Die kommen damit auch klar.

So muss eben jeder sehen, was für ihn passt. Immer wieder neu experimentieren, beobachten, offen sein, Neues wagen, vieles in Frage stellen, Altes wegwerfen oder Gutes behalten... wie fühle ich mich? Wie geht es mir? Bin ich zufrieden? Fühle ich mich genährt?

Witzig fand ich die Anmerkungen von GCB, dass man, um eben richtig Instinkto zu können, einen Kurs besucht haben muss und jeder, der da keinen Kurs gemacht hat, um die feinsten Signale des Instinkts zu erkennen, weil eben die Früchte so überzüchtet sind, der wisse eigentlich nicht genau, was er da macht.

Witzig deshalb: er ist weit über 80 und ein Rohkostzentrum mit "ausgebildeten" Lehrern gibt es nicht mehr. Das heisst, damit hat sich "Instincto" quasi erledigt. Und was soll das überhaupt für ein Instinkt sein, den ich erst erlernen und den ich selbst Kleinkindern beibringen muss?

Ich hatte viel mit Rohkostkindern zu tun und KEINES hat je irgendwo dran gerochen, wenn es schon bekannt war: die Knirpse sagten immer nur: DAS! Die wussten genau was sie wollten. Entweder was von Tisch oder das, was die Mutter / Vater / Stammesmitglied gerade hatte. Und wenn es nicht schmeckte, wollten sie was anderes.

Ich habe nie erlebt, dass da wer von selbst wie die Tiere rumgeschnüffelt und das dann ausgewählt hat. Das muss man erst wieder mühsam erlernen und sich das angewöhnen. Die Meisten "wissen" einfach, auf was sie Appetit haben und das scheint eben, wenn die Produkte Ok und die Verführung gering ist, auch gut zu klappen.

Die Kochkost hebelt das dann aus, zumindest je mehr man weiß, wie man das Lustzentrum haken kann.

Diesen Hack nutzt man dann ja aus, um die Menschen zum Falschen, aber Profitablen zu locken. Weg von der Natur, hin zur Industrienahrung. Das ist so eine Verführung, wo der Angelhaken mitten im Nucleus accumbens, dem Belohnungszentrum des Gehirns, sitzt. Und dann braucht man die Fische nur noch sanft einholen....

Ist wahrscheinlich mit den ganzen süßen Früchten, die es so ja nie in der Menge in der Natur gab, ähnlich.

Ja... wie gesagt, neue Optionen, neue Möglichkeiten, neue Chancen und Risiken.

Und man kann eben niemanden das Experimentieren, das Selber-Forschen, das eigene Ausprobieren, aber auch das Selber-Fehler-machen abnehmen.

Was man sagen kann über die Rohkost: vegan scheint nicht gut zu funktionieren, omnivor scheint gut zu funktionieren, Instincto dito, aber schon schwieriger, wegen Auswahl, Qualität und Finanzen, karnivor scheint bei einigen mittelfristig gut zu funktionieren.

So, und nun kann sich jeder das für ihn dauerhaft oder zeitweise Passende heraussuchen!

Viel Spaß beim Experimentieren!

(Jeder auf eigen Gefahr!!! Die Eigenverantwortung nehme ich keinem ab).

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