Erntesegen

22.10.2018 21:05

Ernte von heute:

Tomaten gehen dem Ende zu. Da wird nicht mehr viel nachreifen und ich werde wohl bald alle pflücken und dann im warmen Keller noch nachreifen lassen. Draussen wird das nichts mehr werden und auch im Gewächshaus wird es langsam ungemütlich, es sei denn, es wird nochmal richtig sonnig, dann vielleicht.

Physalis - ja, das ist dieses Jahr irgendwie komisch! Ich habe ja viele Physalispflanzen, einfach weil ich die richtig mag und die hängen zum Teil auch richtig voll. Nur reifen tut da nichts! Das Problem bei den Physalis ist ja eh, dass sie zumeist erst sehr spät blühen und Früchte ansetzen, deren Problem es ist, dass sie noch vor dem Frost reif werden. Letztes Jahr hatte ich aber eine richtig gute Ernte noch weit vor dem Frost, aber heuer ist es trotz des Wetters und trotz, dass ich die gleichen Sorten habe, irgendwie so, dass ich die wohl auch alle im Keller nachreifen lassen muss.

Weintrauben gibt es noch reichlich. Man kann davon auch nicht zuviele essen, weil es eine noch recht ursprüngliche Sorte mit großen Kernen ist, die sehr gut sperrt.

Birnen gibt es noch, die reifen gerade so vor sich hin auf der Terrasse. Schauen wir mal...

Äpfel sind gerade etwas mein Problemkind. Wir haben zwar mehr Kisten als je zuvor gesammelt, aber sie sind heuer nicht so gut lagerfähig. Die gammeln mir doch recht schnell weg. Mir ist aufgefallen, dass unserer eigenen Äpfel davon weniger betroffen sind, was mir einen Hinweis auf die Ursachen gibt. Wir haben ja unsere Bäume ausreichend bewässert in diesem Jahr, während die ganzen Straßenbäume mit dem Wasser auskommen mussten, was der Himmel hergab. Ich schätze, dass die deswegen etwas anfälliger sind und eher zum Gammeln neigen.

An irgendwelchen Insektenstichen scheint das nicht zu liegen, denn im letzten Jahr hatten fast alle Äpfel einen Stich gehabt und wir dachten schon, das wird nicht lange halten, aber schlussendlich hatten wir noch im März Äpfel und hier sogar noch einige, die einen Insektenstich hatten.

Obwohl die gesammelten Äpfel toll aussahen und richtig saftig waren, sind sie heuer nicht so gut lagerfähig.

Aber gut, was will ich machen? Es ist wie es ist und ich denke, es wird dennoch noch genug übrig bleiben. Und wenn nicht, dann wird eben auf Low-Carb umgeschalten, was im Winter eh Sinn macht... wenn wir denn einen Winter gekommen.

Wenn nicht, dann ist das gut für den Radicchio und den Endiviensalat. Die sind richtig gut geworden. Auch Blumenkohl und Grünkohl haben sich richtig gut entwickelt. Beim Blumenkohl hatte ich eigentlich keine Hoffnung, aber heute habe ich geschaut und war sehr positiv überrascht. Durch das trockene Wetter und dadurch, dass ich meine Spatzen hier überall brüten lasse, gabs auch weniger Schädlinge. Die Spatzen haben wahrscheinlich alle Kohlweisslinge einfach weggeputzt. Eine Hand wäscht die andere...

Ein paar Möhren haben sich auch noch gezeigt und der Sellerie hat in den letzten drei Wochen nochmal richtig zugelegt. Natürlich kein Vergleich zu letztem Jahr und ich musste viel und gut bewässern, aber ich bin angesichts der Extreme heuer nicht unzufrieden.

Es ist schon erstaunlich, was das Land auch hier im Norden alles hergibt und man merkt, dass man sich eigentlich sehr gut davon ernähren kann. Dazu noch etwas Nordseefisch, Wildschwein, Schaf, Rind und Geflügel und man ist eigentlich recht gut versorgt. Es sei denn, man hat wieder besondere Ansprüche oder hat sich schon an andere Kost gewöhnt. Dann wirds schwierig.

Aber für alle, die da eher etwas bescheidener sind, hat auch Mitteldeutschland viel zu bieten.

Zum Abschluss noch ein paar Fotos des nun sehr herbstlichen Sachsen-Anhalts:

1. Weißdorn

2. Schneeball.

3. Die Überreste eines Hausschweins inklusive Ohrmarke... hm... WTF?!!

Da hat irgendwer die Überreste entsorgt.

4. Und wisst ihr, das das ist? Der Gemeinde Bocksdorn, oder auf Chinesisch: Gojibeere!! Die wächst da dicht und üppig am Wegesrand. Und es gab sogar ein paar Beeren zum Naschen. Waren aber nicht besonders lecker.

Ich wusste erst nicht, was das sein soll und habe erstmal rumgerätselt, bis ich merkte, Moment mal, wir haben doch die gleichen Beeren im Garten! Aber das ist oft so, dass man da erstmal nicht drauf kommt, weil man es für unmöglich hält. Aber wie gesagt, da muss vor vielen Jahren mal wer was entsorgt haben und die hat sich dann ausgebreitet. Oder es kam durch Vogelfraß, dass es so verbreitet wurde. Das kann auch sein.

Surfe gerade noch ein bisschen rum und finde bei Wikipedia, dass der Gemeine Bocksdorn mittlerweile als Neophyt hier angekommen ist.

Und für alle Superfoodfans:

Später wurde die Bocksdornbeere, der ein besonders hoher Anteil sogenannter vitaler Inhaltsstoffe zugeschrieben wurde, unter der Bezeichnung Goji als Superfood vermarktet. In der Folge wurde sie zum Trendlebensmittel[19] und es werden vermehrt getrocknete Beeren importiert, die allerdings oftmals starke Pestizidrückstände aufweisen.[12] So waren z. B. sämtliche Stichproben des Jahres 2009 hoch belastet mit dem Insektizid Acetamiprid, wobei mehr als zehn weitere Wirkstoffe nachgewiesen wurden.

de.wikipedia.org/wiki/Gemeiner_Bocksdorn#K%C3%BCche

5. Blick in die Landschaft

6. Blick nach Hause.

7. Winterweizen.

Na ja, für mich uninteressant. Habe nur den Tag hier in der Lokalzeitung gelesen, dass man nun im Herbst mal Bilanz gezogen hat und dass es in diesem Jahr massivste Ernteeinbußen gab und dass viele zum Beispiel Raps gar nicht mehr anbauen. Zu trocken mittlerweile.

Tja, die Lösung wäre eigentlich eine Permakulturlandschaft mit Seen und Teichen und Agroforstwirtschaft und hochgradig vernetzten und nischenreichen essbaren Lebensräumen.

Da hätte man zwar keine Mono-Rekordernten mehr und man müsste wieder sehr viel mehr händisch arbeiten, dafür aber eine recht krisenfeste Anbaumethode mit vielen unterschiedlichen Erzeugnissen. Vom Fisch über Obst bis Gemüse und Fleisch, das man dann auch lokal verkonsumiert, statt die Nährstoffe über die halbe Welt zu verteilen.

Und es würde der Natur wieder mehr Lebensraum bieten.

Aber soweit sind wir im Kopf noch nicht. Ich schon, lol, aber die Masse ist da noch in alten Denkmustern gefangen. Da gibts zwar schon Ansätze und die ersten "Spinner" sind unterwegs, aber in der Masse sind die alle noch auf Massenproduktion eingenordet.

8. Noch mehr Gojis.

9. Blick in die Landschaft.

Das Wertvollste hier: die fruchtbare Erde. Damit sind wir hier gesegnet. Und wird doch so schlecht behandelt. Man eggt bei Sturm und Trockenheit, so dass die Feinanteile ausgeweht werden, man lässt sie im Winter nackt da liegen, man drangsaliert sie mit Pestiziden, Herbziden und Fungiziden und mästet sie mit Kunstdünger, was zum Absterben und zur Verarmung der Bodenzönose (Artengemeinschaft im Boden) führt.

Mal sehen, wie lange sich das "Mutter Natur" noch gefallen lässt und wie lange es dauern wird, bis man die Erde wieder in verantwortungsvolle statt gieriger Hände übergibt.

Der Boden ist eben die Grundlage allen Lebens und wenn wir den schlecht behandeln, wird das wieder auf uns zurückfallen. Aber mir drängt sich gerade eine Frage auf: Was behandeln wir eigentlich gut? Die Kinder? Die Jugendlichen? Die Erwachsenen? Die Alten? Den Wald? Das Klima? Die Tiere??? Unsere Kultur? Unser Erbe? Uns selbst? Das einzige, was wir wirklich gut behandeln, sind die Geldsäcke, der Rest wird von uns (der Mehrheitsgesellschaft) im Grunde einfach nur schlecht behandelt. Oder zumindest nicht so, wie es sein müsste.

Die Ergebnisse sind dann abnehmende Bodenfruchtbarkeit und Degeneration, gierige und süchtige Erwachsene, ökologisch verarmte Wälder, Hitze und Trockenheit, Legebatterien und andere Sünden.

Man muss einfach die Menschen, die Tiere und die Pflanzen, den Boden, das Wasser, das Kilma, die Luft, unsere Kultur und unser Erbe gut behandeln, dann kommt auch alles wieder in Ordnung. Schauen, was gebraucht wird und das dann geben. Reicht.

Die Frage ist, ob dann diese Form der ausbeuterischen Wirtschaft noch möglich ist.

Da wird man mal eine Wahl treffen müssen in naher Zukunft.

10. Man hat sogar das Heizwerk von Halle gesehen. Wer genau hinschaut, sieht zwischen den beiden linken Windrädern eine Rauchsäule am Horizont aufsteigen.

11. Laub macht den besten Humus!!

12. Immer wieder faszinierend.

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