Erst die Pflaumen, jetzt die Trauben

20.10.2018 19:26

Gestern gefunden: www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bad-kreuznach/stadt-bad-kreuznach/nahe-winzer-mussen-trauben-hangenlassen_19120152?fbclid=IwAR11cC6omeu1oddKJgVqWIIkewlEdccc1ioJoYCNggAZQD5mrHyAj88I6s4#

Der Supersommer hat eine reiche Ernte beschert. Viele Winzer müssen aber Trauben am Stock verrotten lassen, weil sie die Hektarhöchstmenge erreicht haben.

Ist das nicht verrückt? Ich hatte ja kürzlich erst hier daruf hingewiesen, dass woanders Berge an Pflaumen vergammeln, weil sie etwas zu klein sind, und jetzt betriffts die Weintrauben:

Dem Planiger Winzer Peter Lukas blutet das Herz, wenn er durch seine Dornfelder-Weinberge geht: Dort hängen auf rund sechs Morgen noch die vollreifen blauen Trauben, denen der Ausnahmesommer besondere Süße und Üppigkeit beschert hat. Wegen der erreichten Hektar-Höchstmenge dürfen sie aber nicht mehr gelesen werden, sondern müssen am Stock verfaulen. „Unsere Vorfahren würden uns verhauen, wenn sie sehen müssten, dass wir dank der Politik diese wertvolle und hohe Qualität nicht ernten dürfen, die uns die Natur nach zwei mageren Jahren geschenkt hat“, sagt Lukas und ergänzt: „Es tut weh, wenn man das ganze Jahr dafür gearbeitet hat und dazu erzogen wurde, keine Frucht auf dem Feld verkommen zu lassen.“

Also das ist auch sowas, was auch bei mir noch tief drin steckt: nichts umkommen lassen. Ich meine damit garnicht, dass ich es mir dann reindrücke und irgendwo für schlechte Zeiten als Fett abspeichere, sondern ich sammle dann eben auch noch die nächste Kiste Äpfel oder was auch immer und wenn ich sie nicht esse, na gut, dann wird immerhin noch Kompost.

Aber so was vergammeln lassen... mir blutet da auch immer das Herz, wenn ich die ganzen Früchte sehe, die ungenutzt unter den Bäumen liegen, hier zumeist ja die Wildpflaumen.

Man sieht aber auch, was Bürokratien da für einen Unsinn anrichten. Ich trinke jetzt zwar keinen Wein, aber wenn es mal so ein Weinjahr ist, dann sollen die doch wenigstens auch was davon haben und dann eben soviel wie es geht vom Jahrgang 2018 produzieren.

Auch für Traubensaft und Gelee darf wegen der Mengenbegrenzung nicht geerntet werden, noch nicht einmal als Benefizaktion verschenkt. Für Lukas fühlte es sich wie Hohn an, dass Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner fast gleichzeitig in ihrem Erntedankfest-Video auf Facebook daran erinnert, dass Lebensmittel nicht einfach vom Himmel fallen: Man müsse dankbar sein gegenüber dem, was einem die Erde schenke und sich auch bewusst sein, dass es Erzeuger brauche, die diese Mittel zum Leben täglich auf den Tisch brächten. Lukas hatte dann frustriert ein Video einer voll hängenden Dornfelder-Reihe gepostet und einen Hinweis auf die verbotene Ernte gepostet und viele verärgerte Reaktionen über diese Lebensmittelverschwendung erhalten.

Darf man nicht mal verschenken, das Zeug. Und Politiker.. na ja... das sind eben nur Schwätzer irgendwo.

Aber das ist eben auch wieder so unser System. Es darf eben nichts umsonst sein und nicht mal die Armen darf man damit versorgen.

Erklären lässt es sich ja ganz einfach: wir sind so produktiv geworden, dass wir gerade bei Naturprodukten oft zuviel haben, was dann den Preis drückt. Deswegen gibts da Vorgaben und Beschränkungen und wenn die erreicht sind, war´s das. Dann muss man den Kram wegwerfen oder eben vergammeln lassen.

Das Problem hat man ja auch bei Windkraft. Da gibt es manchmal so einen Überfluss, dass die Preise in den Keller stürzen und Deutschland diesen Überschuss billig ins Ausland "verklappt".

Natur ist eben ein Synonym für "Leben" und alles Lebendige zeigt sich oft in Phasen. Mal herrscht Mangel, mal Überfluss, gute Jahre, schlechte Jahre.

Und mit viel Know-How und Verstand haben wir es eben geschafft, die schlechten Jahre zu minimieren, was dann zu einem immensen Überfluss führt, der solche Regelungen gegen den Preisverfall notwendig macht.

Und da das ganze System eben immer auch irgendwie steif und bürokratisch ist, passieren solche Sachen wie hier beschrieben. Aber eben nicht nur da. Man hat ja auch schon Milch verklappt und Pflanzenöl und weiß der Kuckuck was nicht noch alles, von den 30% aller Lebensmittel, die ohnehin immer weggeworfen werden, ganz zu schweigen.

Man produziere nicht auf Masse, sondern habe in den vergangenen zwei Jahren durch Hagel und Frost erhebliche Einbußen gehabt. Da müsse es doch jetzt möglich sein, die qualitativ hohe „Übermenge“ als Ausgleich zu lagern – oder vorbeugend, falls es im kommenden Jahr wieder eine Missernte gebe. Aber auch das bringt nichts: Dann werde im kommenden Herbst die Höchstmenge noch stärker reduziert als das, was man jetzt „gut gemacht“ habe. „Es ist eine Sünde und Schande, diese herrlichen Früchte verkommen zu lassen“, schüttelt Lukas den Kopf.

Eben. Das wäre ja die logische Schlußfolgerung: in guten Jahren gut zu produzieren und dann in den schlechten davon zu zehren.

Aber es ist eben weltweit wahrscheinlich eine Überproduktion vorhanden und dann fällt der Preis, wenn die zuviel produzieren und auf den Markt damit gehen.

„Es wird einfach zu viel produziert und wir können die EU nicht mit Alkohol überschwemmen.“ Der Markt werde überall reguliert, bei den Autos etwa durch Zölle. Es gebe nun einmal Spielregeln, die man befolgen müsse. Mit der Regulierung zeige man auch Verantwortung für die Erzeuger, damit diese nicht auf vollen Kellern sitzen blieben, betont der Weinbaupräsident.

Was ich bei der ganzen Sache nicht verstehe: dann gebs doch den Armen! Der Tafel, oder lasst die Leute das selber pflücken! Der Durchschnittsverbrauch pro Kopf an Obst liegt in Deutschland bei exakt 178,5 Gramm pro Tag. Dann sollen sie das Obst den Kindern geben. Den ganzen Armen und den Hartz4 Haushalten.

Gerade die bräuchten doch dringend mal ein paar Vitamine.

Die ganzen Kirchenfuzzies und Verbände und die, die permanent Gelder abfassen im Sozialbereich, die sollen da pflücken gehen und das dann verteilen, statt sich den Arsch im Büro breit zu sitzen.

Die Winzer würden das ja hergeben! Die wären ja froh, wenn das wer nutzt.

Sollen sie Ausflüge mit dem Kindergarten machen oder mit Schulklassen.

Was weiß ich, aber wenn ich die Mengen sehe, die so an frischem Obst verzehrt werden, dann können da ruhig noch ein paar Gramm draufgelegt werden.

Viele Kinder, gerade heute, wo sie sich oft schlecht ernähren, sind zwar übergewichtig, aber an anderer Stelle (hinsichtlich Vitamine und anderer Stoffe) sind die vollkommen ausgehungert. Wie ich schon schrieb, nicht ausgewogen. Vom Schrott zuviel, vom Guten zuwenig.

Ich kenne ja auch das Zeug, was die in den Kindergärten zu (fr)essen kriegen, also ganz offen: die Schweine bei meinen Großeltern wurden besser ernährt! Für die wurde alles frisch zubereitet und es war ausgewogen und reichhaltig.

Man kann von den Winzern nicht verlangen, dass sie diese Arbeit machen und pflücken, was sie wahrscheinlich sogar noch machen würden, aber man kann sicherlich da was organisieren. Wir haben Tausende (!!!) in vollkommen abstrusen Studiengängen wie Genderstudies hocken. Vielleicht könnte man die zum Ernteeinatz und zum Verteilen abstellen, dann machen sie zur Abwechslung mal was Sinnvolles.

Da vergammelts und dort wird gebraucht, kann aber nicht bezahlt werden, weil viele dafür einfach kein Geld mehr übrig haben. Also müsste man das eben so organisieren, dass es zusammen kommt.

Auch da wäre eigentlich die Politik gefordert.

Man muss es sich immer wieder vor Augen führen: da vergammeln die vitaminreichen Produkte und an anderer Stelle, zumeist in den Städten, haben die Kinder entsprechende Mängel. Und man kriegt es irgendwie nicht organisiert, dass das für alle Beteiligten zu mehr Zufriedenheit führt. Beim Winzer, der sich freut, dass seine Trauben nicht am Stock vergammeln und der noch was Gutes tut, bei den Kindern, die endlich mal ein paar frische Produkte zu essen bekommen.

Na ja, Rohkost, so schrieb Burger mal, schärft auch wieder die sozialen Insinkte und deswegen fahre ich da wohl gerade so hoch... ich kann einfach nicht leiden, was gerade abgeht. Ich halte das eine "Sünde".

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