Es beginnt in den Schulen

01.01.2020 20:44

Durch Zufall bin ich gerade, weil Youtube das ausspuckt hat, über eine Mathematikvorlesung gestolpert, wo ein netter junger Chineses oder Koreaner erklärt, wieso die Devision durch Null nicht definiert ist, bzw. nicht definiert werden kann. Ja, prima erklärt. Dann habe ich mal auf dessen Kanal geschaut und das neueste Video angeschaut. Und da stellt er so das Problem vor, irgendwo in einem sterilen weißen Klassenraum, mit Uhr über der Tafel und er benutzt da einen Polylux. Oder Powerpoint, ich habe es nicht gesehen. Jedenfalls scheint die Sonne in den Klassenraum, deswegen sieht man das nicht richtig, und der macht das Fenster zu und dunkelt den Raum ab.

Und da ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, was Sven Rohark meinte, als er mal nach der Besichtigung einer Schule sinngemäß gesagt hat: Diese Kinder, die zehn Jahre oder mehr in so einem Gebäude unterrichtet wurden, sollen dann die Verantwortung für diese Erde übernehmen. Das wird nicht funktionieren.

Und genau das ist es. Das ist eine abgekoppelte und abstrakte Ebene, ein "daneben sein", eine Parallelstruktur zur natürlichen Umwelt.

Sven meinte dann, man solle mit denen in den Wald gehen und da Unterricht machen.

Und genau das ist es.

Wir haben hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Jahre direkt IN der Natur gelernt. Es gab nie einen theoretischen Unterricht im Klassenzimmer, sondern es gab immer nur Praxis und Geschichten am Lagerfeuer. Und genau auf diese Szenarien ist unser Gehirn ausgelegt.

Wenn man genau hinschaut, haben uns weder Mathematik, noch Biologie, nach irgendwelche Wissenschaften dem Verständnis des Lebens wirklich näher gebracht.

Wir haben jetzt viel Schnickimicki, viele technische Spielereien... aber was das LEBEN ist, was es im Innersten zusammen hält, woher wir kommen, wohin wir gehen, was der Sinn des Lebens ist, und vor allem diese Einheit allen Seins, dass wissen wir immer noch nicht und sind eigentlich weiter davon entfernt als je zuvor.

Im Grunde ist das alles eine gigantische Entfremdung.

Ich bin ja nun in eine ökologisch-biologische Richtung gegangen in meinem Leben und ich habe mich mal gefragt, wo das herkam. Ich meine, hier ist nicht viel Natur ringsrum. Viel Acker, viel Tierhaltung. Aber die Liebe zur Natur und den Drang, diese zu erhalten, kam nicht aus der Schule, da kam eigentlich nur "Wissen" her, sondern das habe ich beim Angeln gelernt!

Wir waren als Kinder jeden Tag draussen. Fussballspielen, Pilze sammeln, Buden bauen, Schwimmen, Angeln, Kaulquappen und Molche fangen, Staudämme bauen, Feuer machen und Würstchen grillen.

Daher kam das.

Und das eben bei Wind und Wetter. Wir haben oft mitten im eisigen Februar nach dem Eishockey bei Schnee im Busch Feuer gemacht und Würstchen gegrillt. Bis sie uns nach einer Woche zum Hals raushingen und wir uns damit beworfen haben.

Die Generation heute hat Angst vor der Natur!

Und der Mensch neigt dazu, das, wovor er Angst hat, zu vernichten.

Der naturwissenschaftlich-mathematische Ansatz hat uns einen Haufen Wohlstand gebracht. Magisch anmutende Technologien, Reichtum, schnelle Autos, Computer und Smartphone, also schlaue Telefone, wenn man es mal übersetzt. Aber wir sind weiter vom Leben entfernt als je zuvor.

Vielleicht sollte man Unterricht grundsätzlich draußen machen. Im Wald, auf der Wiese, unter einem schönen Baum, mit Naturmaterialien, in kleinen Gruppen, die sich gegenseitig unterstützen. So dass eben wirklich eine Verbindung zur Natur entsteht.

Ansonsten wird man das Wissen nur nutzen, um alles noch schlimmer zu machen.

Und das Menschen, die eben in und mit der Natur leben, positiv wirken, zeigt folgendes Beispiel:

news.mongabay.com/2019/08/indigenous-managed-lands-found-to-harbor-more-biodiversity-than-protected-areas/

  • Researchers say they found that amphibian, bird, mammal, and reptile abundance in Australia, Brazil, and Canada is highest on lands managed or co-managed by indigenous communities — higher even than on protected areas like parks and wildlife reserves, which were found to have the second highest levels of biodiversity.
Das ist mir schon lange klar! Denn der Mensch hat auch in Europa durch extensive Landnutzung die Biodiversität dramatisch erhöht. Es gab plötzlich viel mehr Biotope, viel mehr Nischen, viel mehr Ökotone, also Übergangsbereiche. Und damit ging die Diversität massiv nach oben.
 
Und verantwortlich dafür waren eben ungebildetet Bauern mit Naturverständnis, wenn man so will.
 
  • Both indigenous-managed lands and protected areas harbored more biodiversity than unprotected areas included in the study that the researchers selected at random. The researchers also determined that the size and geographical location of any particular area had no effect on levels of species diversity, suggesting that it’s the land-management practices of indigenous communities that are conserving biodiversity.
Die einheimischen Völker wissen eben, wie sie mit ihrem Land umzugehen haben und nutzen es eben seit tausenden Jahren. Und dadurch haben sich eben viele Nischen und Ersatzlebensräume gebildet. Und das ist überall der Fall, wo der Mensch extensiv und althergebracht wirtschaftet und lebt. Da ist er gemeinhin dem Leben sogar förderlich. Weil die Menschen eben MIT der Natur arbeiten, und nicht gegen sie. Die haben keine Mathematik, keine Agrarwissenschaft, keine Biologie, aber die verstehen, wie es läuft und siehe da: es gedeiht.
 
Und dann kommen eben oft die Wissenschaftler von der Uni, frisch aus den Klassenräumen und wissen alles besser!

Der Holzer hat das ja mal gesagt: er war auf der Landwirtschaftsschule und hat das angewendet und wäre deswegen fast pleite gegangen, weil es eben nicht funktioniert hat. Und auch der Krimbauer hat das bestätigt:
 
 
Und es funktioniert ja auch jetzt nicht. Wir stecken ja mehr Energie rein, wie wir verbrauchen und das, was ich hier schon so oft angemahnt habe, dass wir den Böden die Nährstoffe entziehen, ist jetzt in Spanien ein riesiges Problem!
 
Die Böden sind nach jahrzehntelanger, intensiver Landwirtschaft ausgelaugt, die Wasservorräte am Ende. Mittlerweile werden die überdachten Plantagen von allem mit aufwändig entsalztem teurem Meerwasser gegossen.
 
Deswegen bin ich ein großer Gegner dieser ganzen Fruchtimporte. Man klaut denen die ganzen Nährstoffe! Wer Früchte importiert, muss Scheisse exportieren. Sonst gehen da in den Produktionsländern überall die Böden kaputt. Das halbe Amazonasbecken ist ja nach der Passage durch die Rinder in Form von Soja ins norddeutsche Grundwasser gesickert.
 
Und die ganzen Äcker kriegen den uranhaltigen Phosphatdünger, weil wir alles in die Städte transportieren, statt es wieder in den Garten zu kippen.
 
So funktioniert es eben auch nicht!
 
Da kann man von den indigenen Völkern nur lernen.
 
  • The researchers said their results demonstrate the importance of expanding the boundaries of traditional conservation strategies, which frequently rely on establishing protected areas to conserve critical habitat for biodiversity
Man braucht eigentlich keine Umwelt und Natur schützen, man müsste nur den Kindern ziegen, wie es richtig geht. Raus aus den Schulen, rein in die Natur, dort Unterricht machen, bzw. wieder in diese Richtung gehen. So dass die Kids irgendwann eben Wissenschaft und Natur gleichwertig sehen und nicht entfremdet sind.
 
Mathe kann großen Spaß machen, Bio, Geo, Chemie, Deutsch .. alles Klasse! Aber es darf nicht auf Kosten des lebendigen Planeten gehen. Sondern unser Tun sollte das Leben fördern. Und das wird es, wenn Menschen eben nicht in sterilen Klassenzimmern hocken, mit furchtbaren Lehrern, sondern wenn sie draussen sind, den Wert der Natur und des Lebens entdecken. Wenn sie im Wald Statistik lernen, oder Geometrie oder Algebra... da wimmelt es auch an Anschauungsmaterial.
 
Das wäre mal ein Schritt in die richtige Richtung.

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