Experten und Vertrauen

07.12.2019 00:14

Ich lese derzeit ab und an im Buch von Guy-Claude Burger: "Der Garten der Lüste - Das Geheimnis der Zukunft". Burger hat da das Bild "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch analysiert und meint darin einen Code entdeckt zu haben, wie man quasi durch eine richtige Sexualität und Liebe zu Hellsichtigkeit und Visionen gelangt und dass das eben ein ganz natürlicher Bestandteil der menschlichen Erfahrung sei, die aber durch eine falsche Liebe und Sexualität nicht verwirklich wird.

El jardín de las Delicias, de El Bosco.jpg
Von Hieronymus Bosch - Galería online, Museo del Prado., Gemeinfrei, Link

Und das man eben ja nach dem entweder die Hölle oder das Paradies erschafft.

Weiß ich nicht.. Ich kann viele Interpretationen von ihm nachvollziehen, einiges kann ich aus eigener Erfahrung auch bestätigen.

Ich hatte ja schon geschrieben kürzlich, dass ich damals, als wir noch den Rohkostchat hatten, öfters solche "Erinnerungen an die Zukunft" hatte, und das mir das bei der Wahl des Studiums, des Arbeitsplatzes, in Beziehungen usw geholfen hat. Es waren mehr starke Intuitionen und wie eine Art Botschaft aus der Zukunft, dass man jetzt besser diesen Weg gehen sollte, statt den anderen.

Irgendwas muss also dran sein.

Leider hat er sich dann aber verrannt und hat das ganze auch auf Minderjährige ausgedehnt, was ihm nicht nur zu Recht eine sehr lange Gefängnisstrafe einbrachte und der omnivoren Rohkostbewegung eine schwere Hypothek aufbürdete, sondern auch den Vorwurf, dass er entweder nur eine Theorie um seine Neigungen bastelte, oder etwas dran war an der Theorie, er sie aber selber nicht wirklich verstanden hat.

Guy-Claude wird wohl als eine geniale Gelehrtenseele in die Geschichte eingehen, die gleichzeitig tragisch an sich selber gescheitert ist. 

Sowas gibt es immer wieder.

Und jetzt gibt es wieder Experten, die kläglich an ihren eigenen Theorien gescheitert sind:

Die Analysten sind fassungslos und pessimistisch: "Die konjunkturelle Talfahrt ist noch nicht beendet".

www.heise.de/tp/features/Deutschland-Die-Industrieproduktion-geht-zurueck-4607560.html

Wie sehr man sich auf Analysten verlassen kann, wurde mir 2006 bewusst, als ich mit meinem damaligen Studienkollegen und guten Freund nebenher auf dem Bau gejobbt habe und dabei im Radio, wir waren kurz vor dem Abschluss des Studiums und die Wirtschaftsdaten waren eben interessant, hörte, wie der IFO-Geschäftsindex sich rapide verschlechterte. Oh Shit, na Hilfe.

Die Botschaft: es geht bergab.

Ein Jahr später dann Meldungen wie: die Wirtschaft blüht!

Mir ist das damals wirklich aufgefallen, was das für Nonsens-Infos sind, die absolut zu NICHTS taugen und dass man auf diese Anaysen schlichtweg scheißen kann.

Und mich hat in den letzten beiden Jahren immer ein mulmiges Gefühl beschlichen, wenn es hieß: die Wirtschaft brummt, wir brauchen Arbeitskräfte, der übliche Zinnober eben.

Irgendwie hatte ich da im Gefühl: nee, die irren sich. Oder lügen. Und siehe da:

Was nicht sein darf, kann nicht sein? Die Industrieproduktion in Deutschland geht zurück. Nach Jahren einer wie selbstverständlich gut laufenden Wirtschaft mehren sich die Zeichen, dass es so nicht weitergeht und die Analysten zeigen sich erstaunt, ja schockiert.

Ich möchte diese Meldungen und diesen grandiosen Irrtum dieser hochbezahlten Glaskugelschauerr nur hernehmen, um wirklich mal daran zu erinnern, dass wir eben nichts über die Zukunft wissen, und nur sehr intuitive Menschen oder vielleicht wirklich Menschen, die ähnlich der dargestellten Bewohner des Gartens der Lüste leben, irgendwie eine Öffnung erfahren, die es ermöglicht, die Zukunft, die ja auch JETZT stattfindet, zu ergründen.

Ich bin ja Sternzeichen Fische und denen sagt man starke Intuitionen nach. Kann sein, aber tatsächlich hatte ich im letzten Jahr mehrfach das Gefühl, dass es trotz Jubelmeldungen nicht so bleiben wird.

Aber wie kann es sein, dass ein Laie wie ich da im Endeffekt richtiger liege als die Experten?

Oder wie esoterische Lehrer wie Alexander Wagandt, der genau das auch vorhergesagt hat?

Oder ist man da einfach realistischer und näher am Leben, wo es eben immer Tag und Nacht gibt. Rythmen, ein ständiges Auf und Ab. Oder wissen es die Experten auch, aber lügen schlichtweg, weil es eben nicht nur mathematische Modelle sind, sondern eben viel "Stimmung" in der Wirtschaft eine Rolle spielt?

Auch die Meldungen über den Anstieg von Kurzarbeit, die schon vor Wochen auftauchten, ließen ahnen, dass sich ein Abschwung ankündigt. Dennoch erwarteten sich Wirtschaftsanalysten bessere Zahlen für Oktober

Ist das alles nur der reine Budenzauber? Wissen die, was sie machen? Offensichtlich wurden die ja eiskalt erwischt...

Aber da gibts wieder mal die Ausnahmen, die da besser unterwegs sind. Die Leute von Makroskop. Den Flassbeck hatte ich hier im Blog ja schon öfters per Text oder Video verlinkt.

Dem stehen die Einwände entgegen, die mit einer gewissen Insistenz vom Wirtschaftsmagazin Makroskop kommen. Dort weist man nicht nur mit aller Schärfe Nachrichten zurück, die eine Rezession durch beschönigende Statistik verdecken, man legt dort auch seit längerem schon den Zeigefinger auf wunde Punkte, zum Beispiel den Auftragseingang.

Der ist nach dem Zahlenmaterial, das die Makroskop-Ökonomen beobachten, seinen Höhepunkt längst hinter sich. Nach deren Aufzeichnungen zum Auftragseingang nach Quartalen markiert das vierte Quartal 2017 eindeutig den höchsten Punkt. "Danach ging es mit einer einzigen kleinen Ausnahme abwärts."

Gute Leute erkennt man immer daran, dass sie Vorhersagen machen, die dann auch eintreffen. Schlichtweg, weil sie die Sache, von der sie reden, verstanden haben.

Aber wie kann es sein, dass da so ein Aussenseiter wie der Flassbeck richtiger liegt als die ganzen anderen Wirtschaftsfritzen? Und dass sogar Laien wie der Wagandt da richtiger liegen?

Da es in der Wirtschaft, die man aufgrund ihrer mathematischen Modelle gerne in die Nähe der exakten Wissenschaften rücken will, doch stärker, als man es zuzugeben bereit ist, auch um ein Stimmungsklima geht, achten die öffentlichen Statements unverkennbar darauf, hier keine "Hysterie" zu zeigen. Kurz man scheut davor zurück, von einem Großtrend oder gar von Schwierigkeiten zu sprechen, die sich in der deutschen Produktion nun offenbaren.

Das hat ja der Bernd Senf so massiv kritisiert: dass man da im Grunde irrationale und vom Leben abgekoppelte Theorien entwickelt hat, die aber so mathematisch verklausuliert hat, dass sie den Anschein erweckten, sie sind seriös und wissenschaftlich.

Und wie oft haben die sich schon geirrt?

Haben die nicht auch 2008 noch einen Aufwärtstrend vorhergesagt und dann ist das ganze System kollabiert und konnte nur mittels massiver Hilfszahlungen gerettet werden? Alleine den USA hat die Bankenrettung wohl eine Billion, also 1.000 Milliarden gekostet.

Man sieht aber hier, dass das irgendwo alles auch Kaffeesatzleser sind. Und was man von vielen Vorhersagen halten muss.

Es überwiegen die Erklärungen, die letztendlich auf den amerikanischen Präsidenten und seine Handelskriege verweisen - an dieser Stelle greifen die Analysten dann doch auf das Klima zurück. Das Durcheinander, das der Disruptor an der Spitze der Wirtschaftssupermacht auslöst, sei schlecht fürs Investitionsklima, lautet ein Erklärungsmuster.

Man kann ja froh sein, dass sie nicht Hexen und Zauberern die Schuld geben. Im Grunde wissen die einfach nicht, was die Zukunft bringt. Weil viele der ganzen Theorien, wie Bernd Senf meinte, hochkomplizierter Hokuspokus sind. Eine grandiose Selbsttäuschung, die mehr mit einer Religion, als einer Wissenschaft zu tun hat.

Deswegen sehen die ja nie irgendwelche Krisen voraus und ihre Empfehlungen sind oft reines Gift. In Griechenland wollte man durch Sparen die Wirtschaft ankurbeln. Das war das Äquivalent des Aderlasses. Ergebnis: Patient tot. Erwartet wurde das blühende Leben.

Und man hat ja auch gesagt: wir brauchen die Migration, wir haben so viel zu tun, wir müssen Leute reinholen, sonst geht alles den Bach runter wegen Fachkräftemangel.

Jetzt plötzlich sollen in der Autobranche in den nächsten 10 Jahren 234.000 Arbeitsplätze wegfallen. Dazu schwächelt die Windkraftbranche und vieles ebenso.

Man braucht kein Hellseher sein, was passiert, wenn dann die Verteilungskämpfe losgehen und viele Deutsche plötzlich arbeitslos werden.

Als kritische Bereiche im Produzierenden Gewerbe werden wenig überraschend die Automobilindustrie samt Zulieferern genannt, an manchen Stellen auch die Textilindustrie, die zuletzt schlechte Schlagzeilen machte, als Medienberichte von den Mengen an Kleidung berichtete, die vernichtet werden, weil sie sich nicht verkaufen.

Also muss sich die Absurdität dieser Meldung vorstellen: man braucht Wachstum, produziert auf Teufel komm raus und muss dann Tonnen an Klamotten wegwerfen, bzw. .. ja keine Ahnung, was die damit machen.

Diese ganze Wachstumsgeschichte ist gut, um einen gewissen Wohlstand aufzubauen. Aber irgendwann funktioniert das nicht mehr, aber dennoch muss es wachsen. Es braucht da eine Art Systemergänzung, wo man eben ab einem gewissen Punkt auf Erhalt, Reparatur und Bedarfsdeckung umschaltet.

Na vielleicht wollen sie deshalb die Ölheizungen abschaffen: dann muss man sich zwei oder drei Pullover anziehen.

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