Familiengeschichten

23.08.2016 23:12

Heute habe ich mich mal mit meiner Mutter unterhalten und die hat mir erstmal erzählt, wie die Ernährung zwischen ihrer Geburt und meiner sich verändert hat. Meine Mutter hat ja bis heute alle 32 Zähne, auch alles eine Reihe und sogar eine Zahnlücke wie ich. Die hat erst später im Leben Karies bekommen, nachdem immer mehr Fertigprodukte gegessen worden sind.

Meine Oma, ihre Mutter, und mein Opa waren ja Kleinbauern nach dem Krieg und die haben sich halt selbst versorgt mit entsprechenden Produkten. Meine Mutter hatte dewegen auch lange keine Probleme mit den Zähnen. Da gab es eben viel, bzw. alles, aus dem eigenen Garten, dem Stall und nur wenig wurde zugekauft.

Eine Anekdote ist ja immer, dass es alle eklig fanden, wie meine Oma die Haut von der Rohmilch geschleckt hat.

 

Wie gesagt, meine Mutter hatte lange alle 32 Zähne, alles eine Reihe, ohne schiefe Zähne und dazu noch eine Zahnlücke vorn. So wie ich. Also war da genügend Platz. Und die hat auch einen breiten und schönen Unterkiefer. Generell war sie in ihrer Jugend die Dorfschönheit.

 

Im Lauf der Jahre nahm dann aber der Wohlstand zu und es wurden immer mehr Fertigprodukte gegessen. Das Ergebnis war dann, dass ich zwar auch 30 gute Zähne bekommen habe, auch mit genug Platz im Unterkiefer, aber die zwei unteren Weisheitszähne waren nicht mehr so perfekt. Einer bekam ein riesen Loch und einer kam schräg, so dass beide gezogen werden mussten. Mein Bruder hat zwar noch alle 32, aber ein Schneidezahn ist ganz leicht vorstehend. Aber bei weitem nicht so arg wie bei unserem neuen Speerwurfolympiasieger. Das muss man sich echt mal anschauen bei dem. Dass da niemand Fragen stellt, wie es zu sowas kommt!!!

 

Sie meinte dann heute, dass sie ja als Kind überhaupt keinen Fertigkram zu essen bekam, weil es das nicht gab. Da wurde eben das gegessen, was die kleine Wirtschaft hergab. Und das war eben vor allem fettes Schweinefleisch, Geflügel, Milch, Gemüse und Obst nach Saison.

 

Interessant ist, dass mein Vater ähnlich dörflich auswuchs und ebenfalls sehr gute Zähne hat, bzw. hatte. Die Zivilisation ging auch da nicht spurlos vorbei. Auch da wurde fast alles selber produziert und vieles wurde noch roh gegessen. Hier ist die Ekelanekdote, dass seine Tante zum Schlachten immer eine Tasse warmes Blut getrunken hat.

 

Leider hat man es wohl total verpasst, die Menschen von damals aufzuklären, denn nur so kann man es erklären, dass sie so bereitwillig die minderwertigen Fertigprodukte integrierten, die zur Schwächung des Nachwuchses führten.

 

Mit jeder Generation nun scheint das Problem größer zu werden. In dem Umfang, wie man auf althergebrachte Ernährungsweisen verzichtete, wurden die Probleme größer. Und auch die Lebenserwartung nimmt ab! Bzw. kann nur durch medizinische Eingriffe verlängert werden. Mein Ururgroßvater, ein Förster aus Böhmen mit 5 Geschwistern, wurde weit in die 90. Vier Brüder dito, nur einer starb in seinen 80ern ans Staublunge, da er im Bergwerk arbeitete. Eine Generation später wurden die direkten Nachkommen immer noch weit über 80 Jahre alt. Deren Kinder aber wurden schon nur noch 70 und etwas mehr. Und jetzt muss man mal schauen, wie meine Elterngeneration abschneidet. Hier sieht man also entgegen dem verbreiteten Trend eine Verschlechterung.

 

Folgt man dieser Entwicklung, muss ich froh sein, wenn ich dann wieder 80 erreiche.

 

Und geht man rückwärts durch die Zeit, muss man natürlich festhalten, dass auch diese Kleinbauernwirtschaft schon nicht mehr das war, was die Natur für uns vorgesehen hatte (dennoch wurden die Menschen auch ziemlich alt damit). Die Menschen wurden ja nachweislich kleiner, als sie zum Ackerbau und der Viehwirtschaft wechselten und hatten weniger Knochendichte als ihre jagenden und sammelnden Vorfahren.

 

Wahrscheinlich könnte man eine schrittweise und schleichende Verschlechterung der Gesamtfitness bis zur ersten Nutzung des Feuers zurückverfolgen, aber das ist natürlich nur Spekulation. Da gab es ja vom Guy-Claude Burger mal Ansätze, dass zu erforschen, aber es bleibt vieles eher spekulativ, weil man eben nur Fossilien hat, und da oft nur Teile des Skeletts. Aber denkbar ist das durchaus, dass es mit dem Nutzen des Feuers eine schleichende Degeneration gab, die ja nun mit den wertlosen Fertigprodukten und den sich daraus ergebenden Problemen ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

 

Kein Wunder also, dass es wieder Umkehrbewegungen gibt, das Leben möchte ja voll erblühen und nicht in seiner degenerierten Form erscheinen. 

 

Fakt ist aber, dass man auch als Rohköstler in eine Mangelernährung und eine zahnfeindliche Ernährungssituation kommen kann. Hier ist es also ratsam, mal zu schauen, wie die Altvorderen gegessen haben, und zwar nicht die Maoris und Aborigenies oder die Savannenbewohner Afrikas, sondern die, die hier in Europa überlebt haben. Was haben die gegessen und was können wir da für unsere Rohkostpraxis lernen?

 

Das scheinen mir immer wieder wichtige Anhaltspunkte zu sein.

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