Gartenimpressionen

12.06.2017 19:58

Heute ein paar Fotos des Gartens im Juni:

1. Letzten Herbst haben wir einen neunen Kompostkasten angelegt. Ich habe gesagt, wir verschenken nichts mehr und dort haben wir vor allem das Laub der Bäume kompostiert. In der Natur entsteht ja fruchtbarer Boden vor allem unter Wald, wo das Laub abfällt und jedes Jahr ca. 1mm neuer Boden entsteht.

Im Studium hat mich Bodenkunde regelrecht fasziniert. Wie aus verschiedenen Gesteinen oder angewehten Sedimenten, wie hier der Löß, fruchtbarer Boden entsteht. Wie hochkomplex das ist! Und wie sich die Natur ihren Boden quasi selber herrichtet, dass es passt.

Das ist eine hochspannende Sache.

Alles Leben ist von diesen 30cm Oberboden abhängig. Das ist die fruchtbare Hülle der Erde. Und die ist hauchdünn und kostbar! Im Grunde kostbarer als alles Gold der Welt.

Und da wir ja nicht mit Kunstdünger hantieren und ich versuche, natürliche Kreisläufe zu nutzen, haben wir das Laub gesammelt und verkompostieren es, um neue fruchtabre Erde zu schaffen, statt es als Ärgernis und Arbeit zu sehen und es zu entsorgen. Wir verschenken nichts mehr, habe ich gesagt und dann einfach einen neuen Platz für den neuen Kompost geschaffen. Die Kürbisse sind rein zufällig dort gewachsen. Da haben wir nichts weiter gemacht. Vielleicht haben wir welche vom letzten Jahr dort entsorgt, ich weiß es nicht mehr, aber irgendwie ist da Samen hingekommen und offensichtlich finden sie es da recht passend.

Mal sehen, was es am Ende wird.

Beim Kompost achte ich ja sehr penibel drauf, dass es nicht zu hoch wird und dass sich da keine Hitze entwickelt. Und so haben wir nicht nur Kürbisse und Zuchini dort auf dem Komposthaufen, sondern auch verteilt irgendwo im Garten zwischen den anderen Kulturen. Auch Tomaten und Physalis kommen irgendwo hoch und andere Sachen auch. Dadurch, dass der Kompost nicht heiß wird, bleiben die Samen, Kerne und Nüsse natürlich fruchtbar und werden im Frühjahr im Garten verteilt.

Wenn ich es gut finde, lass ich es stehen. Der Rest kommt eben beim Unkrautjähten mit raus. Je nachdem, wie man es braucht.

2. Im Garten muss man ja in vier Dimensionen denken. Breite, Höhe, Tiefe und Zeit! Hier sieht man eine Mischkultur aus Erbsen, welche im Herbst gesät worden sind und die bald abgeerntet werden und Physalis, die gerade eingeplanzt worden sind. Bis die Physalis groß sind, sind die Erbsen längst raus. Aber noch haben sie selber viele Schoten und darüber hinaus geben sie den Jungpflanzen noch etwas Windschutz, verbessern das Mikroklima und wirken stickstoffanreichernd aufgrund der Knöllchenbakterien, die sich an den Wurzeln als Symbionaten befinden.

Hört sich alles schlau und durchdacht an, was? Dabei habe ich einfach aus der Not heraus eine Idee gehabt und gedacht: Mist, wir haben keinen Platz mehr, wohin mit den Physalis? OK, einfach zwischen die Erbsen, die kommen ja bald raus.. :-D

Aber die Effekte und Vorteile bleiben ja dennoch bestehen und 4D-Denken braucht es ja sowieso, sonst hat man garnicht erst solche Ideen.

3. Unsere ersten Himbeeren. Kurioserweise sind das Herbsthimbeeren! Die haben wir aber letztes Jahr nicht runtergeschnitten und jetzt tragen sie als erstes. Auch nett. Ich glaube, sie heißen "Malling Promise" oder so, da müsste ich nochmal schauen.

4. Wieder ein 4-D-Beet. In der Mitte drei Reihen Schwarzwurzeln, außen je eine Reihe Mairübchen. Die Mairübchen sind lange raus, wenn die Schwarzwurzeln ihren Platz brauchen. Dann kann man dort noch kleinere Sachen sähen. Es wird ja immer wieder was frei und wenn man es clever macht, kann man auch auf kleinen Beeten viel unterbringen.

5. Eine Mischkultur, die ich wirklich gerne mag: Kohlrabies und Salate im Wechsel (auch farblich recht ansprechend), daneben je zwei Reihen Möhren (später gesät). Bis die Möhren soweit sind, sind Salat und Kohlrabie lange weggefuttert. Wie man sieht sind die ja eh schon recht weit.

6. Verschiedene Erdbeersorten. Wobei das wohl nicht stimmt. Ich glaube, es ist nur eine, "Senga Sengana", aber von unterschiedlichen Leute. Man sieht auch die farblichen Unterschiede des Laubes. Die ersten vier Reihen tragen sehr gut, schmecken aber etwas saurer. Dann zwei Reihen mit weniger ertragreichen Pflanzen, deren Früchte aber herrlich sahnig schmecken! Und dann noch zwei Reihen mit Pflanzen, die wir schon im dritten Jahr haben und die geschmacklich die Besten sind.

Wenn man Erdbeeren essen will ist es am Günstigsten, vorne anzufangen, und sich dann nach hinten durchzuessen. Wenn man hinten anfängt, schmecken die etwas saueren nicht mehr. lol

7. Mischbeet aus Erdbeeren, Zwiebeln und Mairübe Goldball.

8. Möhren zur Saatgutgewinnung und Rucola. Dahinter Himbeeren. Ich lasse immer wieder Sachen aussamen. So kommt es, dass wir nicht nur eigenen Samen von bestimmten Sachen haben, sondern auch ab und an im Garten ganz unvermittelt etwas wächst. Im letzten Jahr hatte ich ein Beet voller Rucola, den ich habe stehen lassen. Und heuer kommt auf den Wegen ein ganzer Aufwuchs an Rucola, und zwar genau dann, wenn der erste schon durch ist! Da habe ich mich echt gefreut über diese unerwartete Zugabe. 

9. Aus den gekeimten Walnüssen sind kleine Bäumchen geworden. Tja, ich wollte die Nüsse ja essen, hatte aber so richtig keinen Bedarf und habe sie faulerweise noch im Glas gelassen, wo es schön warm war. Und plötzlich fingen die an zu keimen. Und da haben wir welche in Töpfe gemacht und siehe da... na schauen wir mal, was draus wird!

10. Unser Kirchbaum. Ist eine Kirschsorte, die richtig schwarz werden muss, damit sie schmeckt. Um bis dahin zu kommen, muss ein Star-Wars ausgefochten werden. Sprich, wir müssen dran bleiben, um die Stare zu verscheuchen. Klappt bisher ganz gut. Sonntag habe ich mich einfach in den Garten unter einen Baum gelegt und den Baum bewacht. Cooler Job im Grunde! :-D

Bisher halten sich die Verluste sehr in Grenzen und man kann zuschauen, wie die Kirschen dunkler werden. Wenn da mal ein Star drin ist, ist es ja kein Problem. Erst wenn da ein ganzer Schwarm drin hockt, wird es echt gefährlich. Aber die krakelen so, dass man das sofort hört. Dann klatschen wir mit einer Holzklatsche, was sie sofort vertreibt. Da eh immer jemand zu Hause ist, ist es bisher ganz gut gelaufen.

Man muss aber dran bleiben und einfach zeigen, dass man nur bedingt teilen möchte.

11. Hier sieht man mal den Rucola, der "aus dem Nichts" gekommen ist. Ansonsten mussten wir den Tag mal beregnen. Man schafft es ja nicht, alles mit der Kanne zu gießen. Das artet dann auch in Arbeit aus. Ist eh schon alles am Limit. Aber es ist eben auch eine sehr erfüllende Tätigkeit. Wenn man sieht, wie es wächst und gedeiht, dass ist etwas zutiefst Befriedigendes.

Ich merke immer mehr, was es eigentlich heisst, ein gesundes Leben zu führen. Und dazu gehört auch die Arbeit draußen in der Sonne. Die Sonne gibt auch richtig Energie. Ich merke das immer wieder, dass ich oft nach ein paar Stunden Arbeit im Garten richtig Energie habe und dann Lust zum Sport habe.

Ich bin da gerade sehr dankbar, dass ich das mal so erleben durfte. Bevor man Rentner ist. Und bevor es wieder anders wird...

Mit wie wenig man eigentlich glücklich sein kann.

Klar, Probleme gibt es immer. Da geht mal was ein, da ist eine Krankheit an der Pflanze, da hocken die Blattläuse, da ist was angefressen, dort was abgeknickt, manches geht nicht auf... aber gut, alles Leben ist Problemlösen, sagte schon Popper.

Irgendwie brauche ich etwas, um was ich mich kümmern kann. 

Ich bin eben ein echter Projektleiter! lol

Aber das ist so genial! Inspiration, planen, umsetzten, Verantwortung übernehmen, probieren, Fehler machen, lernen, sich weiterbilden, sich kümmern, dass es läuft. Mir macht das Spaß! Hat mir auch im Job sehr viel Spaß gemacht. Projekte managen und abwickeln. Ich muss nicht jedes Detail wissen, muss nicht jede Arbeit selber machen, aber den Überblick bewahren, die Strategie im Kopf haben, den Ablaufplan, auch andere begeistern und zum Mitmachen animieren, sich auch durchsetzen und dann alles zum gedeilichen Ende bringen... das ist wirklich etwas, was ich anscheinend wirklich gut kann.

9. Hier Mischkulturen verschiedener Erbsensorten, Salate und Fenchel. Immer wieder das gleiche Prinzip. 4-D-Beete. Bis die Salate und der Fenchel, bzw. der Sellerie Platz brauchen, sind die Erbsen abgeerntet. Vorn auf dem Weg sieht man noch eine der zufällig aufgegangenen Kürbispflanzen. Mal sehen, was draus wird.

10. Nicht nur Stare mögen anscheinend die Kirschen.

10. Und das habe ich heute geerntet. Zwiebeln, einen Blumenkohl wie aus dem Bilderbuch und Rucola.

Ich hoffe, ich konnte ein paar nützliche Informationen weitergeben und einige meiner Leser motivieren, ebenfalls aktiv zu werden, wenn sie es nicht schon sind. "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" - ist das nicht ein altes deutsches Sprichwort? Jedenfalls ist da was dran. Und man kann ja sogar auf der Fensterbank etwas anbauen.

Schauen wir einfach mal, wie es weitergeht!

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