Gartenimpressionen

25.06.2017 17:48

Ein paar Impressionen aus dem Garten und einige Gedanken zum Thema.

1. Mairübe Goldball - eines meiner Lieblingsgemüse. Keine Ahnung wieso, aber ich finde die ausgesprochen lecker. Wir haben heute mal einige raus gemacht (sagt man zum Gemüse eigentlich auch ernten?). Die kann man ja lagern. Wenn man sie zu lange in der Erde lässt, werden sie holzig. Jetzt sind sie aber zart wie Butter!

Definitiv mein Fall! :-)

2. Weißkohl - das Teil ist riesig. Und wir dachten schon, dieses Jahr wird es nichts mit dem Kohl! Aber der hat jetzt nochmal richtig zugelegt. Und das alles im Grunde ohne künstliche Düngung. Es gibt nur Holzasche und Kompost, wenn die Beete angelegt werden und später ab und an Brennesseljauche. Die haben sich echt gut gemacht.

3. Einer ist schon aufgeplatzt! Wir kommen mit dem Essen garnicht hinterher!!

4. Eine echte Delikatesse derzeit: Blumenkohl. Der ist so gut geworden dieses Jahr. Ich bin völlig erstaunt. Große, weiße Köpfe und ein ausgezeichneter Geschmack. Hab schon mehrere gefuttert...

5. Auch eine nette Abwechslung: der kopfige Erdbeerspinat. Das ist eine Spinatart, die rote, süsslich schmeckende Früchte hat. Ich mag die recht gern!

6. Die Trockenheit macht uns aber wieder zu schaffen. Hier eine Maibeere. Die habe ich im Frühjahr gepflanzt und die tut sich gerade ziemlich schwer. Ich habe heute zwar alle Bäume und Sträucher gegossen, was ein riesen Aufwand ist und echt in Arbeit ausartet, aber dennoch konnte ich nicht alle Schäden verhindern.

7. Hier eine Haselnuss, auch Frühjahrspflanzung, die es schwer hat trotz regelmäßiger Bewässerung. Aber es reichen eben bei neuen Pflanzen manchmal nur ein zwei Tage intensive Sonne und sie bekommen Probleme. Na schauen wir mal... Haselnuss treibt ja oft wieder neu aus.

8. Der Tobinambur lässt auch die Köpfe hängen und muss morgen natürlich bewässert werden. Es ist zwar heute nicht besonders warm und sehr wolkig, aber es regnet nicht. Und so muss ich morgen eben mal die Bewässerung anwerfen. Hilft ja nix. Habe das andere Beet mit Tobinambur, wir haben zwei Sorten, heute schon mit Regenwasser aus Eimern gegossen, aber nacher waren mir die Arme lang und ich hatte keine Lust mehr, Wassereimer zu schleppen. Das artet ja aus...

9. Zumal ich ja schon auch viele Pflanzen gegossen habe, wie hier die Physalis. Die Erbsen sind nun raus und die haben Platz zum Wachsen. Ich gieße die ab und an auch mit Brennesseljauche. Die werden ja auch recht groß zum Teil. Schauen wir mal, ob es was wird. Im letzten Jahr haben wir ja gut bis in den Herbst geerntet. Die schmecken auch recht lecker! Ist zwar nur was zum Naschen, aber immerhin!!

10. Hier ein Schnappschuß von zwei Beeten. Man sieht links Möhren, verschiedene Kohlsorten, wieder Möhren, dann vorne Erdbeerspinat und hinten blühenden Rucola in der Reihe. Dill (gelbe Blüten) kommt jedes Jahr von alleine und wir lassen ihn da stehen, wo er hinpasst. In Mischkultur mit Kohl ist es besonders günstig. Ich hatte schon öfters den Eindruck, dass der Kohl dann etwas eine Dillnote bekommt. Keine Ahnung, ob das Einbildung war oder es da tatsächlich zu solchen Effekten kommt.

Dann rechts im Beet Knollensellerie in Mischkultur mit Tomaten.

11. Dieses Jahr das erste Mal kultiviert: Portulak. Echt gut, das Zeug. Steht auch kräftig und ist anscheinend recht pflegeleicht. Wir schneiden den immer runter zum verkonsumieren und er triebt wieder kräftig und reichhaltig aus. Der Geschmack ist auch überraschend gut!

12. Die ersten Stachel- und Johannisbeeren werden auch langsam reif! So ein Bäumchen ist ja in zwei Malzeiten abgefuttert, es ist also nur was zum Naschen. Aber ich mag solches Beerenobst ab und an recht gerne. Nur mal sehen, ob ich es überhaup schaffe, alles zu essen. Wir haben ja recht viel derzeit. Aber ich bin erstmal froh, das die Kirschen runter sind. War schon stressig! Die Stare haben dann den Rest in unglaublicher Geschwindigkeit regelrecht abgeräumt. Da fressen die sich von Etage zu Etage nach unten durch, nur um am Ende noch den Rest, der auf der Erde liegt, wegzufressen. Und das alles innerhalb von Stunden. Das war schon erschreckend zu beobachten, mit welcher Effizienz und Schnelligkeit die da loslegen. Aber gut, wir haben unseren Teil gehabt.

13. Die Melonen. Die, die bisher überlebt haben, stehen recht gut. Ich glaube, wir hatten 20 gepflanzt und haben noch 11. Es sind also doch recht viele eingegangen. Woran es lag? Ich habe keinen blassen Schimmer. Vielleicht anfangs zu viel gegossen. Vielleicht sind auch die Bette noch zu neu. Wie auch immer... was wird, wird. Und auf den frei gewordenen Plätzen kommen noch Zuccini hin.

14. Apropos Zuccini: diese Pflanze kam von alleine und wir lassen sie mal stehen. Der Kohl wird eh bald geerntet und dann hat sie Platz.

15. Aus den Geiztrieben der Tomaten machen wir wieder Flüssigdünger. Zu Anfang bekommen die Tomaten regelmäßig 1-2 Mal pro Woche Brennesseljauche (1:10 verdünnt). Das ist dann eher stickstoffbasiert und die Pflanzen haben eine gute Versorgung für das Wachstum (ich habe die sogar schon mit Brennesseljauche gegossen, als die noch in den Töpfen standen).

Ab Ende Juni, wenn sich dann auch die ersten Früchte bilden, ist es anscheinend besser, dass die eher kalibasiert gedüngt werden. Und hierzu eignet sich eben die Tomate selber hervorragend. Genau betrachtet eine Art Selbstdüngung, aber das ist ja im Pflanzenreich nicht ungewöhnlich. Bäume düngen sich mit Hilfe von Bodenorganismen über die Blätter ja auch selber.

Im Grunde kam das auch wieder irgendwie aus einer Eingebung heraus zustande, die dann vom Leben noch bestätigt wurde. Also das man nicht zu lange Brennesseljauche gibt. Irgendwie hatte ich das Gefühl: Ok, jetzt reicht es erstmal. Und dann wurde das auch bestätigt, als ich mal bei Youtube auf den Kanals von "LilaTomate" gestoßen bin. Die hat das dann bestätigt.

Ich freu mich ja immer, wenn man sowas erlebt.

Die Natur zeigt das aber auch irgendwie. Brennnesseln gibt es ja in entsprechender Form nur im Frühjar. Also in der Form, wie man am besten Dünger draus machen kann. Später im Sommer setzt sie ja dann Samen an, schießt in die Höhe und wird eher etwas kankrig. Und das ist dann eben auch ein Zeichen, dass sie als Düngung nicht mehr zur Verfügung steht.

Wir haben zwar dann noch welchen in flüssiger Form in einem Fass, aber die brauche ich für die Kohlpflanzen. Für die ist ja immer Frühjahr, wenn man sie neu setzt.

Aber was es gibt, sind eben die Geiztriebe der Tomaten. Und daraus kann man wieder einen sehr guten Flüssigdünger herstellen. Kreislaufwirtschaft eben! :-)

15. Zimtbasilikum. Den haben wir in Töpfen. Ist recht lecker und sehr intensiv im Geschmack. 

Ja, da hat man also immer schön zu tun. Aber irgendwie ist es auch sehr erfüllend und befriedigend, herausfordernd und entspannend. Wenn mir das einer erzählt hätte vor meiner Umstellung auf Rohkost! Ich hätte ihn ausgelacht. Damals war Garten für mich sinnlose Arbeit, unnütz und Zeitverschwendung. Essen gab es ja billig überall zu kaufen. Und die produzieren es ja effektiver und damit preiswerter als ich im Garten. Also wieso die Mühen?

Mit der Rohkost dann wurde der Bedarf an guten Lebensmitteln aber schlagartig sehr viel wichtiger. Und Bio-Vollversorgung ist teuer. Von Orkos ganz zu schweigen, und damals waren sie noch sehr viel preiswerter. Hinzu kommt der ökologische Aspekt. Hier haben wir ein Stück, dass sich als Garten eignen würde, aber es ist Rasen und das Essen wird eingeflogen? Das ist ja der helle Wahnsinn.

Auch wird man als Rohi ja mindestens ansatzweise paranoid. Weil alles könnte immer irgendwie manipuliert sein. So aber hat man wenigstens einiges unter Kontrolle.

Was leider nicht mehr vorhanden ist, sich so Märkte, wo man seine Überschüsse verkaufen kann. Ich schrieb ja neulich, dass es zu DDR-Zeiten die Möglichkeit gab, Überschüsse an staatliche Stellen zu verkaufen. Das war keine schlechte Sache und hat den Menschen auf den Dörfern gute Einkommensquellen gegeben. Es gab staatliche Annahmestellen, die hatten geregelt offen und da ist man mit seinen Produkten hingegangen. Die wurden dann gewogen und es gab entsprechende Preise dafür.

Nach der Wende wurde das ja sofort unrentabel, als die Märkte mit subventionierten Billigprodukten "aus dem Westen" überschwemmt wurden. Ja gut, das hat natürlich auch effektiv und in Verbindung mit der De-Industrialisierung zum Dörfersterben beigetragen.

Als Jugendlicher sind wir ja hier noch auf die Kolchosen arbeiten gegangen im Sommer. Da gab es richtig gutes Geld zu verdienen. Auch haben wir schon als Kinder vieles "abgegeben", sprich verkauft. Wir haben dann halt mal richtig viel Holunderbeeren gesammelt, oder Äpfel oder was auch immer und haben das abgegeben und hatten so Taschengeld. Und zwar richtig Gutes. Mein erstes Moped, das hat damals 2.400 Ostmark gekostet, habe ich mir so mit harter Arbeit leisten können.

Wie gesagt, nach der Wende war das alles vorbei. Gegen Aldi und Co konnte keiner konkurrieren.

Und jetzt weiß man auch, wie es den Afrikanern geht. Die müssen, erzwungen durch entsprechende Freihandelsabkommen, ihre Märkte öffnen und werden ebenfalls mit holländischen Tomaten, spanischen Gurken und anderen subventionierten Produkten überschwemmt. Die werden dann so billig abgegeben, dass die heimischen Kleinbauern, oder nennen wir sie mal Kleinerzeuger, wie hier in der DDR, nicht mithalten können. Plötzlich wird man sein Obst, sein Gemüse, überschüssige Hühner, Enten, Schweine und auch Kühe nicht mehr los und das daraus erzielte Einkommen bricht weg.

Nun hat der "Aufbau Ost" vielen Leuten wieder Arbeit gegeben, viele sind auch in den Westen abgewandert, oder in die Städte wie Leipzig, Dresden oder Magdeburg. Das hat das alles etwas aufgefangen. Hinzu kamen rapide sinkende Geburtenraten und zunehmende Rentnerzahlen.

Aber wenn man es mal genau betrachtet, gab es hier die gleichen Effekte wie jetzt in Afrika. Nur das die Afrikaner eben keine Chancen haben. Die gehen zwar da auch in die Städte, leben dann aber in Slums. Oder aber sie machen sich auf Richtung Europa. So wie sich die Ossis Richtung Westen und Süden aufgemacht haben. Auch in Millionenstärke.

Tja... zu DDR-Zeiten waren die Dörfer lebendige Gemeinschaften. Alle hatten immer was zu arbeiten, was zu tun, es gab überall Gärten, Tiere wurden gehalten, es wurde in der Industrie gearbeitet, oder auf den Kolchosen, manche waren Lehrer und Kindergärtnerinnen, und weil es viele Kinder gab, die Reproduktionskosten waren ja vergleichsweise niedig, gab es auch in jedem größeren Dorf eine Schule.

Ich will das nicht romantisieren. Aber es war schon lebenswert! Jetzt gehen hier die jungen Leute vorbei, gesenkten Hauptes, um die Informationen auf ihrem Smartphone zu identifizieren und grüßen nicht mal mehr. So ändern sich die Zeiten.

Auch war die Gesellschaft weniger krisenanfällig. Ich sags ja oft: heute gehen die Dörfler auch nur zum Aldi einkaufen und haben keine großartige Selbstversorgung mehr. Und die Äcker werden von ein paar bei den Agrargenossenschaften angestellten Leute bearbeitet. Bei der erstbesten Krise gehen die heim zu Frau und Kindern. Was dann? Und im Westen, wo es noch mehr Bauerntum gibt, haben sich viele Höfe so spezialisiert, dass sie in der Krise auch nichts mehr abgeben können.

Genau das hat man auch in Afrika festgestellt: dass mit der beschriebenen Entwicklung eben auch die Instabilität steigt.

Von der Massenmigration ganz zu schweigen. Wo sollen die auch hin?

Es braucht also ein enormes globales Umdenken. Ganz andere Strukturen, angefangen beim Geldsystem bis hin zur Selbstorganisation vor Ort.

Mal sehen, ob wir oder nachfolgende Generationen das hinkriegen. Ansätze dazu gibt es ja schon.

Aber derzeit nehmen erstmal die Krisensymptome zu.

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