Geschmackssinn von Raubtieren

21.05.2016 21:28

Ha! Da sind mir doch gestern Antworten auf Fragen "zugefallen", über die ich schon seit mindestens 10 Jahren meditiere. Ich hat tezwar einige Vermutungen, aber natürlich keine genauen Antworten. Um was gehts?

 

Ich habe mich ja schon immer gefragt, ob die Raubtiere, die geradewegs ein Gnu bei lebendigem Leib zerreissen und auffressen, dies mit Genuss tun, sprich, ob ihnen das Fleisch und die Innereien und das Blut genauso himmlisch schmecken wie mir rohköstliche Produkte munden. Oder ob da der Geschmack weniger eine Rolle spielt und man gar keine Zeit hat zu „genießen“, weil man riesige Batzen runterschlingt im Konkurrenzkampf mit den Rudelmitgliedern und / oder mit anderen Konkurrenten.

 

Und tatsächlich:

 

Je mehr Raubtieren der Sinn nach Fleisch steht, desto eher verlieren sie ihren süßen Zahn. Zu diesem Schluss kommen amerikanische und Schweizer Forscher nach genetischen Untersuchungen und Verhaltenstests. Nicht wenige Verwandte von Hund und Katze können Süßes demnach nicht mehr schmecken. Und wenn sie Beute am Stück verschlingen, scheint ihr Geschmackssinn sogar insgesamt abzustumpfen.

Genau das hab ich mir schon gedacht, dass der Geschmackssinn da abgestumpft sein muss. Ist ja auch logisch. Die Auswahl ist ja eher gering und man schlingt es so schnell es geht herunter. Da braucht man keine fein abgestimmten Geschmacksempfindungen. Es schmeckt eh alles immer ungefähr gleich und somit ist es unnötig, sich da mit einem feinen Geschmackssinn zu belasten. Und schon wird es wegrationalisiert. Die Natur ist wirklich auch in sich logisch.

„Bislang galt der Geschmack für Süßes als fast schon universeller Zug unter den Tieren“, erklärt Gary Beauchamp vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia. „Umso überraschender ist es, dass er im Laufe der Evolution bei so vielen verschiedenen Spezies unabhängig voneinander verloren gegangen ist.“ Offenbar scheine diese Geschmacksmodalität für reine Fleischfresser keine Bedeutung mehr zu haben.

Bereits in den 70er-Jahren war Beauchamp aufgefallen, dass Hauskatzen und einige Großkatzen keine Vorliebe für Zucker bzw. zuckerhaltiges Wasser zeigen. Erst 30 Jahre später fanden der Forscher und seine Arbeitsgruppe eine mögliche Ursache: Bei Katzen weist das Gen Tas1r2 für eines der notwendigen Geschmacksrezeptor-Proteine mehrere Mutationen auf und ist daher nicht mehr funktionstüchtig. Ähnliche Verhältnisse fanden die Forscher nun bei sieben weiteren Vertretern der Raubtier-Ordnung, die nicht zur Familie der Katzen gehören.

Scheint dann unabhängig voneinander wegrationalisiert worden sein.

Bei ausgesprochenen Fleischfressern wie der Tüpfelhyäne, dem Seehund oder der madagassischen Fossa scheint das Gen Tas1r2 mangels Nutzen ebenfalls zum Pseudogen verkommen zu sein. Bei fünf Spezies wie Waschbär und Brillenbär, die sich nicht ausschließlich von Fleisch oder sogar überwiegend pflanzlich ernähren, ist das Gen dagegen intakt, berichtet die Gruppe in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Entsprechend legten Brillenbären bei Verhaltenstests eine starke Vorliebe für gesüßtes Wasser an den Tag, während asiatische Zwergotter mit ihrem defektem Tas1r2-Gen den Geschmack nicht wahrzunehmen schienen.

Was auch logisch ist. Sowie man sich omnivor ernährt, braucht man auch einen ausgeprägten Geschmackssinn, um über den Genuss das Richtige zu finden. Da ist das Nahrungsspektrum ja viel größer und abwechslungsreicher und es braucht die entsprechenden Sinne, um sich darin zurechtzufinden und natürlich auch, um das Energiereichste zu finden. Also auch vollkommen logisch.

Bei manchen Seelöwen sind sogar noch weitere Geschmacksrezeptor-Gene nicht mehr funktionstüchtig, fanden Beauchamp und Kollegen. Diese Tiere verschlingen ihre Beute, ohne sie zu zerkauen. Ganz ähnlich fressen Große Tümmler, und tatsächlich fanden die Forscher auch bei diesen Delfinen eine ganze Reihe defekter Geschmacksrezeptor-Gene. Demnach könnte Großen Tümmlern nicht nur der Sinn für Süßes, sondern auch der für Fleischiges (Umami) und der für Bitteres abgehen.

Und auch das hab eich mich schon sehr lange immer wieder gefragt: ist da der Geschmackssinn wichtig, wenn ich als Delphin den ganzen Fisch runterschlucke? Und da ist die Antwort und sogar so, wie ich es vermutet habe. Schon genial.

Danke, liebes Universum für die Beantwortung dieser Fragen!

Links:

https://www.scienceticker.info/2012/03/12/raubtiere-verlieren-ihren-susen-zahn/

 

www.spiegel.de/wissenschaft/natur/raubtiere-geschmackssinn-von-fleischfressern-verkuemmert-a-820870.html

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