Globalisierung!

24.10.2018 21:37

Hier erstmal noch ein paar Links zum Thema "Verschwendung":

www.heise.de/tp/features/Kontingente-Winzer-muessen-Supersommer-Trauben-am-Stock-verfaulen-lassen-4197608.html

Während viele Landwirte über Ernteausfälle klagen, haben manche Winzer das Problem, dass das Weintraubenangebot dieses Jahr zu üppig ausfällt. Doch auf die deutschen Winzer könnte noch mehr Ungemach zukommen.

Und zum Thema noch ein relativ langer Artikel hier:

netzfrauen.org/2018/10/23/ueberproduktion/?fbclid=IwAR0dLsTOlFJO1k2AxvvRFYC_d4kIzg0hvSji5tKJrqEBSwK2ZWqmiELvupc

Die haben nicht nur die Trauben als Thema, sondern auch Äpfel. Da gibt es anscheinend ähnliche Probleme. Interssant fand ich da, dass die Netzfrauen auch den Zusammenhang Armut und Überproduktion auf die Bühne bringen:

Wahnsinn wegen Überproduktion in Europa – Felder mit verdorbenen Äpfeln und Winzer müssen Trauben hängenlassen

In Europa leben 80 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. Während viele Menschen darum kämpfen, ihre Familien tagtäglich zu ernähren, wird Obst einfach weggeworfen. Erst meldete Polen, dass es sich nicht lohnen würde, die Äpfel zu ernten, jetzt dasselbe aus der Ukraine. In der Schweiz verrotten bis zu zehn Prozent der reifen Trauben und auch in Deutschland müssen viele Winzer ihre Trauen am Stock verrotten lassen. Auch für Traubensaft und Gelee darf wegen der Mengenbegrenzung nicht geerntet werden, noch nicht einmal als Benefizaktion verschenkt. Man kann nur noch den Kopf schütteln, denn auf der anderen Seite werden Trauben aus anderen Ländern importiert und auch Äpfel kommen sogar aus Neuseeland oder Südafrika.

Es ist eben ein unharmonisches System, dass dann eben immer wieder solche Grotesken produziert. Was will man machen?

Ob nun Weintrauben aus Peru, Ananas aus Ecuador, Himbeeren aus Marokko oder Erdbeeren aus Ägypten, dazu Avocados aus Chile und Mexiko oder Mangos aus Brasilien – das Obst im Supermarkt hat einen bitteren Geschmack. Quer durch die Welt geschiffte oder gefahrene Nahrungsmittel, verarbeitet von Frauen und Kindern zu geringsten Löhnen und vollgepumpt mit Konservierungsmitteln. Billig produzieren bedeutet auch, dass die Lieferkette knallhart kalkuliert ist und dass sowohl Rohstoffe als auch Fleisch, Gemüse oder Obst per Lkw, Schiff oder Flugzeug von einem Ende der Welt zum anderen transportiert werden – und manchmal wieder zurück. Da Unternehmen die Kosten für die Umwelt nicht mitbezahlen müssen, kommt die Ware dort her, wo es am billigsten ist.

Die Netzfrauen haben immer wieder gute Artikel. Da habe ich ja auch den einzig wirklich guten Bericht über Paul Kaiser gefunden, dessen Methode ich hier nun zaghaft kopiere. lol

Aber ich finde es gut, dass die wirklich auch die ganzen Schattenseiten beleuchten, wie eben hier den Transportweg und eben auch das Fehlen von Preisen mit ökologischer Wahrheit, sprich Preise, wo auch die ganzen Umweltschäden und eben alle Folgekosten inkludiert sind.

Das wäre ja wirklich eine Möglichkeit, das schiefe System wenigstens etwas zu korrigeren.

Im Grunde kann man das ja einigermaßen konkret kalkulieren: die großen Versicherer beziffern ja jedes Jahr den Schaden, der durch den Klimawandel entsteht. Dann weiß man, was Verkehr zu Land und in der Luft zum Problem beitragen und dann kann man relativ genau festlegen, welchen Schaden pro gewählter Gewichtseinheit verursacht wird und kann das auf den Preis aufschlagen.

Der Spiegel (kann man denen trauen) spricht von 360 Mrd. Dollar Schaden pro Jahr in den USA. Aktuelle Zahlen zu der Klimawirkung des Flugverkehrs sprechen von einem Anteil von 4,9 Prozent (BUND). Also wären das alleine für die USA 18 Milliarden, die man auf die Preise umlegen müsste.

Das ganze muss jetzt nicht korrekt sein von den Zahlen her, habe da nur mal schnell gegoogelt, aber so könnte man die Preise mit ökologischer Wahrheit eben kalkulieren.

Aber das Wichtigste ist und bleibt der Ölpreis.

Und nicht nur bei Obst und Gemüse! Ja, verrückter geht es nicht mehr, denkt man:  Eier aus der Ukraine und aus Argentinien, Geflügel aus Brasilien und Thailand. Deutschland exportiert Eier in die Ukraine und diese verkauft die Eier nach Indonesien. Rindfleisch aus Argentinien, Paraguay und auch aus den USA, während China Fleisch „Made in Germany“ bevorzugt. Was hier nicht verzehrt wird, geht dann nach Afrika. So exportiert Deutschland Fleisch nach China, bekommt aber Fleisch aus Thailand. Während in Lateinamerika für den intensiven Anbau von Soja für Futtermittel immer mehr Regenwälder und Savannen brandgerodet werden, um die Tiere in Deutschland damit zu füttern, erhalten wir auch Fleisch aus Brasilien und Argentinien.

Im Grunde kann man das nur über eine Verteuerung der Dieselpreise regeln. Wenn sich Rohöl so verteuert, dass sich das dann auf den Transportpreis auswirkt, und zwar spürbar, ist sofort Schluss mit solchen Unfug.

Ich habe mal mit einem Biobauern aus Süddeutschland gesprochen. Direktvermarkter vom eigenen Hof, der mir sein Leid klagte und genau das bestätigte. Der hatte auch Hähnchen und meinte, die Deutschen wollen nur die Keulen, so dass er seine Hähnchen als Ganzes schlecht loswerde. Im konventionellen Anbau geht dann die Brust nach China und die Flügel nach Afrika, er müsse als Biobauer sehen, wie er es los wird. Er wollte eh bald zumachen, meinte es sei noch zu teuer und ich wäre der Erste, der seine Preise loben würde (die waren wirklich OK). Und das im tiefsten wohlhabenden Baden-Würtemberg kurz vor der schweizer Grenze.

Muss man sich vorstellen: da wird ein Tier gemästet mir Futter aus aller Welt, geht dann in die Schlachtung und seine Teile werden über den ganzen Globus verteilt.

Also es ist so ein Wahnsinn.

Ich bin ja noch auf einem kleinen Bauernhof groß geworden. Mit Schweinen, Hühnern, Enten, Katzen, Hunden und großem Garten. Einmal im Jahr wurde ein Schwein geschlachtet und da wurde alles verwendet. Also wirklich alles! Und wenn es als Vogelfutter diente wie der Ringelschwanz. Und heute sind wir soweit, dass wir Tiere lebendig nach Ägypten liefern, wo ihnen die Augen ausgestochen und die Sehnen gekappt werden, bevor sie dann geschächtet werden, wo, gerade gesehen, Schweine unter Kunstlicht in völlig sterilen Ställen gemästet werden und wo, na ja, eben all das passiert, was da beschrieben wird.

Aber es kommt noch schlimmer:

Im Sommer gab es eine Überproduktion von Blumenkohl und anderen Gemüsesorten, daher landeten sie auf dem Müll oder wurden einfach gar nicht geerntet.

Letztes Jahr hatte man hier in der Nähe Tonnen an Möhren entsorgt. Die waren auch zuviel und wurden dann einfach auf den Acker gekippt und dort zum Vergammeln liegen gelassen.

Und jetzt muss ich mal meinen Nachbarn zitieren: "Zu DDR-Zeiten haben sie uns wenigstens noch leben lassen!". Der meinte damit, dass zu DDR-Zeiten die Menschen sich das dann noch wegholen durften zum Verfüttern an die eigenen Tiere. Das darf man heute nicht. Da gibts dann eine Anzeige wegen Diebstahl!

Heute sind wir so produktiv geworden, dass wir eben oft zuviel haben, weil die Natur eben auch üppig ist, was dann wieder den Preis drückt. Genau das Selbe sieht man ja bei der Windenergie. Da gibts auch ganz natürliche Schwankungen und oft ist die Natur eben so üppig, dass soviel Strom da ist, dass es verschenkt werden muss.

Das Problem ist aber nicht die Natur und ihre Üppigkeit und ihre Schwankungen, sondern eben das falsche Wirtschaftssystem, dass dazu nicht passt und dauernd Krisen produziert. Man kann das Leben so nicht einsperren und es es dem "Markt" überlassen.

Hinzu kommt, dass wir oft auch ein Zuviel an Schrott produzieren und es massiv an Qualität fehlt.

Vieles ist ja mit Kunstdünger hochgepumpt und mit Pestiziden vergiftet worden.

Es braucht also hier ein generelles Umdenken, besser ein Bewusstwerden.

Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte der befragten Landwirte angaben, dass sie gezwungen sind, Überproduktionen zu produzieren. Erfüllen sie nicht die Norm, die ihnen durch die Supermärkte, Discounter oder Großhändler vorgegeben werden, mit denen sie Verträge haben, verlieren sie die Verträge. Während die Verbraucher bei der Auswahl ihrer Lebensmittel zweifelsohne pingelig sein können, deutet ein Bericht darauf hin, dass das Konsumverhalten von den Supermärkten selbst angetrieben wird. Darüber hinaus scheint die Übernahme des Marktes durch große Supermärkte weniger Absatzmöglichkeiten für den Verkauf „unvollkommener“ Produkte zu bieten, so ein Beitrag von independent.co.uk. Das bestätigt auch unser Beitrag: War on Waste! Wahnsinn wegen Überproduktion: Europa Berge von Gurken und Tomaten, Mexiko 11 Millionen Kilo Bananen, Australien Tausende Tonnen Ananas vernichtet!- Mountains of pineapples, bananas, cucumbers, tomatoes wasted

Das ist eben alles ein auf maximale Effizienz und Profit ausgerichtetes System, wo der Bauer nur noch ein kleiner Spieler im Getrieben ist und die Supermärkte hier in einer extrem starken Position sind.

Das geht aber nur solange, wie es die Menschen zulassen.

Was mich an der Sache aber wirklich stört: dass man es dann nicht organisiert bekommt, dass wenigtens die Ärmsten an dieser Überproduktion irgendwie partizipieren und hier eben mit Früchten und Gemüse versorgt werden. Das wäre doch das Mindeste, was man machen kann, dass die, die wirklich schon nichts haben, hier wenigstens mit der Überproduktion versorgt werden. Damit die nicht nur den billigsten Dreck fressen müssen.

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette gibt es zahlreiche Gründe, warum Lebensmittel entsorgt werden. Wir hatten bereits berichtet, dass vermehrt Gemüse oder Obst einfach entsorgt werden, damit der Preis wieder steigt. Auf dem Foto sehen Sie 70 Tonnen Äpfel verstreut auf dem Feld in der Nähe von Grójec in Polen, und das dürfte nicht die letzten sein.Gerade laufen wieder solche Aktionen, dass der Verbraucher schuld ist, weil so viele Nahrungsmittel weggeworfen werden. Doch wir hatten bereits erklärt, dass vermehrt wegen Preisregulierungen Obst und Gemüse einfach entsorgt werden. In Coahuayana, Mexiko, warfen Bananenproduzenten 11 Millionen Kilo Bananen auf den Müll, um die Preise zu regulieren. Während noch massenweise Gurken entsorgt wurden, heißt es plötzlich: Der Preis für Gurken ist in einem Jahr um 130 Prozent gestiegen!

Und in Afrika hungern die Menschen.

Das ist ja so der Standardspruch, der einem als erstes einfällt, wenn man sowas liest. Wie gesagt, wenn man es wenigstens irgendwie organisiert bekäme, dass die Kinder aus armen Familien was davon haben würden. Wo sind denn da die ganzen fetten Kardinäle und Bischöfe, die immer so gerne predigen? Die können sich da mal betätigen und Blumenkohl und Äpfel schleppen. Aber wahrscheinlich ist es besser, sie nicht in die Nähe der Kids zu lassen....

Mich ärgert das überhaupt, was man mit den Kids anstellt. Ob das die mangelhafte frühkindliche Betreuung ist, oder wie schlecht die auch mittlerweile in der Schule unterrichtet werden oder welchen Dreck die fressen müssen, wir behandeln die einfach schlecht!

Dann soll man das irgendwie organisieren, dass die Überproduktion an Haushalte mit den geringsten Einkommen verteilt werden, oder an Kindergärten, Schulen oder was weiß ich. Nochmal: die tägliche Verzehrmenge an Obst liegt bei 178Gramm pro Kopf in Deutschland. Ich habs viermal nachgerechnet, weil ich es nicht glauben konnte. Also jede Banane und jeder Apfel, der da zusätzlich gefuttert wird, kann da nur ein Weg zum Richtigen sein.

Polen liefert Äpfel auch nach Vietnam, Singapur, Hong Kong, Indien, Malaysia und Ägypten. Europa und der Mittlere Osten sind die wichtigsten Exportmärkte von Südafrika. Südafrika liefert auch nach China. Bangladesch bekommt Äpfel unter anderem aus China, Südafrika und Brasilien, nur damit Sie einen Einblick bekommen, was auf dem Apfelmarkt los ist. Sollten Sie also auch demnächst mehr für einen Apfel zahlen müssen, hier also der Grund!

Deutsche gehen nach Amerika, Griechen nach Australien, Syrer nach Deutschland, Iren nach Kanada, Phillipinos nach Saudi-Arabien und Chinesen nach Afrika ...  Globalisierung eben. Jetzt kommt noch der Migrationspakt dazu, das Abkommen auf freien Menschenhandel quasi.

Da wird alles irgendwie in einen großen Topf geworfen und immer kräftig umgerührt.

Man muss sich mal die ganzen ökologischen und kulturellen Konsequenzen vor Augen führen. Was da über die Welt kartoffelt wird! Statt dass sich jeder erstmal selber versorgt und dann schaut, wo noch was fehlt. Äpfel nach Vietnam, Singapur und Malaysia... als ob die da keine eigenen Früchte haben.

Im Grunde wird sich das alles erst dann wirklich wieder ändern, wenn Erdöl so teuer ist, dass die Transporte sich nicht mehr lohnen. Solange Öl und somit Transporte so billig sind, wird das alles weiter gehen. Solange wird man alles und jedes über den Globus kutschen und die Globalisierung eben bis ins Extrem vorantreiben. Ein riesiger globaler Markt, der vom billigem Öl befeuert und angetrieben wird.

Und am Ende gibts dann in Vietnam Äpfel aus Polen.. WTF.

Wenn man es genau betrachtet, sind die Rohköstler da ja auch massiv involviert in dieser Art der globalisierten Welt.

Den Tag hat einer seinen Einkauf auf Facebook gepostet. Da war er im Asialaden und hat sich entsprechend eingedeckt.

Nur mal so als kleiner Denkanstoss.

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