Glyphosat

14.05.2016 15:33

Guter Artikel zum Thema Glyphosat auf den Nachdenkseiten:

www.nachdenkseiten.de/?p=33366

Dazu ein gutes Video:

Dass Glyphosat überhaupt noch im Handel ist, ist dabei vor allem deutscher Politik, deutschen Behörden und deutschen Lobbyisten zu verdanken. Während nahezu alle unabhängigen Forschungsinstitute vor Glyphosat warnen, ist es ausgerechnet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine Bundesbehörde, die nicht dem Umwelt- und Verbraucherschutzministerium, sondern dem industrienahen Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung untersteht, das sich immer wieder als oberster Schutzherr des Glyphosats versteht. Sämtliche glyphosatkritischen Studien, die in Kreisen der Wissenschaft sehr wohl anerkannt sind, sind für das BfR „irrelevant“. Auftragsstudien der Chemieindustrie hält man beim BfR jedoch für relevant und sieht daher kaum überraschend auch keine Risiken. Dass die „Experten“ des BfR bei jeder sich bietenden Gelegenheit von „echten“ Experten – z.B. von der WHO – förmlich in der Luft zerrissen werden, stört zumindest die deutsche Politik nicht. Einen Antrag der Grünen im Bundestag, die Neuzulassung von Glyphosat erst einmal zu stoppen, um sich ein unabhängiges Bild über die Risiken zu machen, wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt – nur ein SPD- und zwei CDU-Abgeordnete stimmten gegen die Regierungsmehrheit.

Also es macht eigentlich fassungslos und man wundert sich ja, wieso so mancher noch nicht geteert und gefedert aus dem Land getrieben wurde. Hier werden mehr und mehr Konzerne zu politischen Playern, die der Politik sagen, wie sie abzustimmen haben. Mit "reinem Gewissen" kann man solche Abstimmungen nicht erklären. 

Ob Glyphosat in den EU-Staaten vertrieben werden darf, liegt jedoch vor allem in der Kompetenz der EU-Kommission. Auf europäischer Ebene ist es Brauch, dass ein EU-Staat für derlei Zulassungsfragen die Prüfung übernimmt und die Kommission dann auf Basis dieser Prüfung und der Einschätzung eines Fachausschusses die Entscheidung fällt. Bei der Neuzulassung von Glyphosat hat – o Wunder – Deutschland die Rolle des „Berichterstaats“ übernommen. Die fachliche Prüfung wurde also ausgerechnet vom BfR vorgenommen; dem Institut, das in diesem Punkt seit Jahren nur die Interessen der Chemiekonzerne vertritt. Wieder einmal wollte Deutschland einen Entschluss, der – formulieren wir es mal vorsichtig – beim Volk nicht so toll ankommt, auf EU-Ebene auslagern. Welcher Deutsche weiß schon, dass hinter dem Wunsch der EU-Kommission, Glyphosat trotz aller offenen Fragen für zunächst fünfzehn und jetzt immer noch für neun Jahre neu zuzulassen, allen voran die deutsche Regierung steht?

Die sind geschickt, dass muss man ihnen lassen. Und die Bevölkerung wird wieder mal hinters Licht geführt. Und Krebs? Eh wurscht, ist ja auch ein Milliardengeschäft. Also eine Win-Win Situation auf dem Rücken der Menschen. 

Man muss sich aber dennoch zunehmend fragen, wieso man Entscheidungen eine vollkommen undemokratischen Institution noch anerkennen muss. 

Während das schwarze Landwirtschaftsministerium die Neuzulassung massiv befördert, steht das rote Umweltministerium eher auf der Seite der Gegner. Und diesmal scheint die SPD sogar ernst zu machen. Gestern kündigte Umweltministerin Barbara Hendricks an, dass die SPD-geführten Ministerien gegen eine Neuzulassung stimmen würden. In einem solchen Fall – CDU/CSU dafür, SPD dagegen – müsste sich Deutschland nächste Woche im Fachausschuss der Kommission der Stimme enthalten. Das ist freilich erfreulich, aber auch paradox und schizophren. Als Berichterstaat empfiehlt Deutschland auf Basis des CSU-Landwirtschaftsministeriums eine Wiederzulassung, enthält sich jedoch im Fachausschuss seiner Stimme.

Da haben wir es wieder: die "christlichen" Landwirtschaftsminister sind für das Gift. Es ist eine unsägliche Verquickung von Posten, Lobbyisten und Industrien, die den politischen Kurs bestimmt. Und ein enormes Ungleichgewicht: während die einen ein paar Leute unter einen Hut bringen müssen, müssen Gegner erst Tausende, Hunderttausende oder gar Millionen mobilisieren. Das gehört dringend korrigiert, zumal es IMMER offenkundiger wird, dass die gewählten Abgeordneten ganz anderen Mächten dienen als der Bevölkerung ihres Wahlkreises. Das ist mit beim SPD-Chef Gabriel bewusst geworden. Der schien auf dem Parteitag quasi im Auftrag fremder Mächte seine Partei auf Linie bringen zu wollen. Seine Loyalität schien also nicht der Parteil, die offenkundig nur mehr Mittel zum Zweck ist, sondern anderen, unbekannten Kräften zu gehören. 

Die EU-Kommission könnte also auch gegen den Rat ihres eigenen Fachausschusses für eine Wieder- bzw. Neuzulassung von Glyphosat stimmen.

Nur zu! Dann ist diese unsägliche EU bald wieder Geschichte. "In des Übels Übertreibung liegt des Übels Heilung" - Laotse. 

Dies wäre dann ein weiterer Sargnagel für Europa und die Europäische Union und sprichwörtlich leider auch ein Sargnagel für zahlreiche Europäer, die in einem solchen Falle den nackten Profitinteressen der Aktionäre der Chemiegiganten geopfert würden.

Dann sieht man wenigstens, woher der Wind weht und man braucht sich keine Illusionen mehr machen. Auch braucht man dann Phrasendreschern, die was von "Alternativlosigkeit" und "uns gehts doch gut" reden, wirklich kein Wort mehr glauben. 

Hier noch ein Link, um gegen diese Industriespinner (auch Arbeitsplätze, die im Grunde so niemand braucht) mobil zu machen: aktion.bund.net/keine-glyphosat-wiederzulassung?source=bundstart

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