Ich sag ja, nur im Suff zu ertragen

20.11.2019 23:42

Bei Ausgrabungen wurde in Tonkrügen 5.000 Jahre alte Hefe gefunden, die zur Ära des Pharaos Narmer Bierherstellung genutzt wurde. Wissenschaftler haben aus diesen jahrtausendealten Mikroorganismen Bier gebraut, das laut ihnen „nicht schlecht schmeckt“.

www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/archaeologie/bier-aus-5000-jahre-alten-hefestaemmen-hergestellt-13373478

Also die Verbindung Hochkultur und Alkohol scheint mir bisher noch nicht ausreichend beleuchtet zu sein. Aber es fällt auf, dass Alkohol eine große Rolle zu spielen scheint, wenn es darum geht, überhaupt erst eine Hochkultur zu entwickeln.

Hochkulturen sind ja stark arbeitsteilig, streng hierarchisch, arbeitsintensiv, sexuell frustrierend zum Teil, patriachalisch und somit ist da für viele Menschen ein hoher Frustrationsgrad zu erwarten. Und mit Alkohol wird so ein Leben eben besser erträglich. Das geht ja bis zum heutigen Tag so.

Ich habe das ja mal beobachtet, dass wenn ich Freitags einkaufen gehe, viele Menschen ihren Wochenendabsturz im Einkaufswagen haben. Da geht am Freitag so manche Flasche Wein und Schnaps über den Scanner und für viele scheint der Alkohol ein Ventil zu sein, um dieses stressige, unsichere und anstrengende Leben zu ertragen.

Und das geht eben anscheinend schon seit Tag 1 Zivilisation so.

Alkohol ist so alt wie die menschliche Zivilisation und diente lange eher der Ernährung als dem Genuss. Versuche, den Konsum zu unterbinden, waren meist zum Scheitern verurteilt.

www.nzz.ch/international/alkohol-die-erfolgreichste-droge-der-weltgeschichte-nzz-ld.1404567

Das wirft die Frage auf, ob jedes Leben jenseits des ursprünglichen und unschuldigen Jäger- und Sammlerlebens nicht irgendwo schon den Bedarf an etwas weckt, was dieses etwas "entrückte" Leben erträglicher macht.

Und Ägypten gilt ja als eine der ersten Hochkulturen.

Und?

Wie die Wissenschaftler erklären war die Hefekonzentration in den gefundenen Tonkrügen deutlich höher als in den anderen Relikten der Ausgrabungsstätten. Dies belegt, dass sie für die Herstellung und Aufbewahrung von Alkohol genutzt wurden.

Ging anscheinend nur mit Alkohol. Wahrscheinlich hat man sich da auch zu allen möglichen Festen mal so richtig abgeschossen, wurde ausgelassen oder aggressiv und wurde vor allem enthemmt.

Das ist mir ja auf vielen Partys aufgefallen, wie stocksteif der Mensch oft ist. Und zwei Stunden später tanzt man halbnackt auf dem Tisch, vögelt die Bekannte auffm Klo, prügelt sich oder knutscht seinen besten Kumpel ab und schwört ihm ewige Liebe. Nur um anderntags mit schalem Geschmack im Mund, Kopfschmerzen und Schuldgefühlen aufzuwachen.

Oder es war hilfreich beim Kriegseinsatz. So mal ein paar Schlucke Alkohol enthemmen ja, machen mutig und man verliert die Angst. Wird man so auch genutzt haben.

Aber was die NZZ schreibt, haut mich fast aus den Latschen:

Am Anfang war der Suff.

Tja.. meine Worte.

Die Sesshaftigkeit kam später, die Schrift auch, das Rad sowieso. Bereits als die Menschen noch auf Nahrungssuche durch die Welt wanderten, fanden sie Gefallen an der Bewusstseinsveränderung, die ihnen fermentierte Früchte und Wildpflanzen verschafften. Es gibt Forscher, die behaupten, dass die Menschen vor 12 000 Jahren das Umherwandern aufgaben, um Getreide und Trauben anzupflanzen, die sie zu Bier und Wein verarbeiten konnten.

Bestätigt auch irgendwo die Theorie der Exorphine. Da kam also irgendwo beides zusammen. Exorphine UND Alkohol. Damit ging das los. Und mal ehrlich: wenn man sich unsere Lebensweise mal anschaut, wie könnte man da auf etwas anderes kommen als das Wort "süchtig".

Und das zieht sich wahrscheinlich bis zurück ins alte Libanon oder dem Irak oder wo man damals anfing, irgendwie unterbewusst wahrscheinlich, sich um eine Pflanze zu scharren, die sowohl nährte, als auch psychoaktiv war. Und wo man irgendwann anfing, das immer haben zu wollen und dann schaute, dass man die kultivierte.

Wäre doch schön, wenn man diese Entzugserscheinungen nach der Saison, wenn alles aufgefuttert war, nicht mehr hätte, sondern das Produkt ganzjährig zur Verfügung stände.

Gesagt getan und irgendwann ist man dann da geblieben wo das wächst, hat irgendwie mitbekommen, wie die sich vermehren und man blieb da. Trotz Nährstoffdefizite, Krankheiten und Hungersnöte.

Wahrscheinlich hat der Alkohol die Folgen dieser Falle, dieses süchtigen Lebens einfach auch erträglicher gemacht.

Wie heute ja auch.

Und danach war es fester Bestandteil des Lebens. Bis heute:

Einige Jahrtausende später war Alkohol fester Bestandteil des Alltags in den frühen Hochkulturen. Die Babylonier kannten mehrere Dutzend Biersorten, die Ägypter kritzelten die ersten phonetischen Schriftzeichen um 3200 vor Christus sinnigerweise auf Weinkrüge. Den Arbeitern auf den Baustellen der grossen Pyramiden von Gizeh reichte man Bier zur Stärkung, ägyptische Adlige erhielten als Grabbeigabe Miniaturbrauereien, damit sie im Jenseits nicht auf dem Trockenen sassen.

Das zieht sich also seit Tag 1 durch die Geschichte der Zivilisationen.

Und selbst im Islam gibt es nur ein irdisches Alkoholverbot:

Doch selbst der Prophet Mohammed versprach frommen Muslimen, dass als Belohnung für irdische Enthaltsamkeit im Himmel Wein auf sie warten würde.

Der Verzicht ist also auch nur erzwungen, bzw. mit vielen Tricks und Kniffen überhaupt erst möglich.

Und es war wahrscheinlich wirklich eine Art Hilfsmittel, um den harten Lebensalltag zu meistern:

Verlässliche Statistiken zu Bevölkerung und Alkoholproduktion existieren zwar nicht, doch vorsichtige Schätzungen gehen für jeden Mitteleuropäer von über einem Liter Bier pro Tag aus.

Ich kenne das noch von meinen Großeltern: da wurde viel gesoffen. Das Leben war nicht besonders rosig, eher hart, die Arbeit schwer, also bot Alkohol da eine Erleichterung. Man hatte sich vor 10.000 Jahren für den Drogenanbau entschieden und da brauchte es eben auch etwas, um das Leben erträglich zu machen. Also gab es zu allen möglichen Gelegenheiten einen Schnaps.

Und in jedem Ort eine Kneipe oder Schenke. Und da wurde dann auch gebechert.

Und das eben weltweit.

In Japan und China gabs Reiswein, in Indien Fruchtweine, im nahen und mittleren Osten Bier, dito in Europa, in Spanien und Italien bis Griechenland Wein, in Südamerika Kartoffelwein. Überall, wo Stärke drin ist, oder ein anderer Zucker, hat man es vergoren, um sich das Leben schöner und erträglicher zu trinken.

Doch die Fabrikarbeiter, die nun nicht mehr für ihre Ernährung trinken mussten, soffen sich stattdessen zu Tode.

Tja.. oh Wunder. Hitze, Dampf, Schwer- und Maschinenöl, 12 Stunden Schichten, harte Arbeit, Lärm, zuhause 10 Kinder... das war die Hölle auf Erden. Die haben gesoffen bis zum Umfallen.

Je weiter weg von der Natur, vom ursprünglichen Leben, desto stärker wird der Drang zum Alkohol...aber nicht nur da. In den Kolonien hat man auch alle mit Alkohol kaputt gemacht. Ganze Naturvölker sind ja am Suff eingegangen, nachdem die Kolonialherren ihnen den Alkohol, vor allem Schnaps, zugänglich gemacht haben.

In den USA hatte sich gezeigt, dass der Alkohol, wenn er einmal breit in der Gesellschaft verankert ist, kaum mehr wegzukriegen ist.

Harte Droge.

Am Anfang der Zivilisation stehen Opiate und Alkohol. Und seitdem sind sie unsere ewigen Begleiter.

Mit persönlich hat Alkohol nie geschmeckt. Weder Bier, noch Wein, geschweige denn Schnaps. Gesoffen habe ich dennoch und hatte einige massive Abstürze als Jugendlicher. Aber mir hat damal schon nicht gefallen, dass man da irgendwie was verliert. So diese feinen Energien gehen mit dem Saufen komplett verloren. Irgendwann habhe ich es dann gelassen.

Mir reichen da ab und an mal angegorene Datteln, die dann auch nur mal ein Zufallsfund sind.

Mir hat eher das Kiffen Spaß gemacht. Weil es eben das Bewusstsein, na ja, erweitert würde ich nicht sagen, eher verändert. Und zwar in einer interessanten Art und Weise.

Aber mir ist aufgefallen, dass ich manchmal schon vom Qualm eines Lagerfeuers high werde und da abends im Bett extrem angeregte Gehirnfunktionen habe und da Farben sehe und Bilder usw... ein roher Freund von mir hatte ähnliche Beobachtungen gemacht. 

Was zu meiner Theorie führte, dass sogar bei der Feuernutzung irgendwo ein Drogenaspekt dabei war. Mich würde nicht wundern, wenn man rausfinden würde, dass beim Verbrennen von Holz irgendwas entsteht, was zumeist leicht psychoaktiv ist.

Aber schon krass, was man alles so entdeckt, wenn man mal genauer hinschaut...

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