Immer schlimmer...

23.03.2018 19:09

Die sogenannten Blowbacks, also die Rückschläge des Systems auf uns selber, sind ja hier im Blog zunehmend zum Thema geworden. Und da sich im Grunde ja an der Lebensweise der Menschen nicht wirklich etwas ändert, ist es also kaum verwunderlich, dass immer wieder neue Meldungen hochpoppen, die einem das ganze Ausmaß des "falschen Lebens" (Maaz) vor Augen führen.

So wie diese Meldung von vorgestern:

"Unser ländlicher Raum wird zu einer Wüste." Mit diesen drastischen Worten kommentierte der französische Biologe Benoit Fontaine vom Nationalen Museum für Naturgeschichte zwei Studien, die einen brutalen Rückgang von Vögeln der Agrarlandschaft beschreiben.

Ihre Zahl ist demnach in den letzten 15 Jahren durchschnittlich um ein Drittel zurückgegangen, bei manchen Arten sind die Verluste sogar noch gravierender: So verschwanden 70 Prozent der Wiesenpieper und zwei Drittel der Ortolane während dieser Zeit, bei den Rebhühnern beträgt der Rückgang sogar 80 Prozent (über einen Zeitraum von 23 Jahren). "Das hat ein Ausmaß erreicht, dass man bald von einer ökologischen Katastrophe sprechen kann", so Fontaine weiter.

www.spektrum.de/kolumne/der-stille-fruehling-wird-erneut-realitaet/1553550

Spektrum der Wissenschaft ist kein Käseblatt, sondern ein seriöses wissenschaftliches Magazin. Und auch wir beobachten den Rückgang hautnah. Dieser Winter war ja bis Mitte Februar sehr mild mit Temperaturen selbst nachts über dem Gefrierpunkt. Dennoch hatten wir am Futterhäuschen weniger Arten wie sonst. Zumeist Spatzen, nur wenige Meisen, mal ein Rotkehlchen, eine Amsel, vor kurzem mal zwei Stare. Aber keinen einzigen Stieglitz, keinen Grünfinken. Das fällt schon auf. Und auch bei den Meisen waren es extrem wenige Individuen.

Ähnlich heftigen Schwund hat man in Deutschland, Spanien und Großbritannien festgestellt. In den letzten drei Jahrzehnten ging die Zahl der Vögel in der Agrarlandschaft in 28 Staaten Europas um mehr als die Hälfte zurück. Einstige Allerweltsarten wie Turteltaube, Feldlerche, Rebhuhn, Kiebitz, Grauammer und sogar Feldsperling sind in manchen Regionen heute Raritäten.

Also Feldlerchen gibt es noch. Die hört man hier zumeist ab Ostern. Mal sehen wie lange noch. Der Gesang der Feldlerche ist ja DAS Charaktergeräusch meiner Heimat.

Als ich in Österreich lebte, war es der Gesang der Feldgrillen, der der Gegend seinen typischen Klang verlieh. Hier sind es die Feldlerchen, deren Gesang mich seit frühester Kindheit begleitet und der für mich "Heimat" ausmacht.

Die Ursachen sind also offenbar in der intensivierten Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte zu suchen, wobei sich dieser Prozess seit etwa zehn Jahren nochmals verschärft haben muss. Denn in dieser Zeit ging es mit den Vogelzahlen nochmals richtig nach unten. 2017 markiert bislang den absoluten Tiefpunkt dieser Entwicklung in Frankreich. Einzelne Ausreißer nach unten lassen sich noch mit schlechtem Wetter oder anderen Einflüssen erklären. Doch langfristig betrachtet müssen landwirtschaftsimmanente Faktoren verantwortlich sein.

Na ja, wenn man Gifte ausbringt, stirbt die Natur eben. Das ist ja der Zweck der Übung! Und da wir im Zeitalter der exponentiellen Entwicklung leben, die sich ja auf vielen Ebenen ausdrück, zählt eben vor allem Ertrag, Wachstum und Gewinn. Und das geht eben ab einem gewissen Punkt nur auf Kosten anderer Lebewesen. Eine Landwirtschaft, wo sich Menschen, Tiere, Pflanzen und auch Käfer, Heuschrecken, Libellen und Vögel wohl fühlen, geht eben mit einer auf Wachstum, Ertrag und Gewinn fokusierten Landwirtschaft nicht zusammen. Zumal die Pestizidhersteller auch verdienen wollen.

Und wenn man es immer weiter intensiviert, ja gut, dann geht das eben aus dem Gleichgewicht und zu Lasten der anderen Mitgeschöpfe.

In den Fokus rücken dabei wieder einmal Pestizide. 75 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel versprühen Landwirte mittlerweile jährlich auf den Feldern oder präparieren damit ihr Saatgut. Die Vögel sterben daran nur selten direkt, doch beeinflussen die Substanzen ihre Gesundheit direkt und indirekt – und vernichten ihre Nahrungsquellen.

Also es ist der helle Wahnsinn.

Im Verdacht steht weniger das Glyphosat, das meist im Mittelpunkt der Pestiziddiskussion steht. Stattdessen richten die Ökologen ihr Augenmerk erneut auf die Neonicotinoide, eine hochaktive Substanzklasse, die die Weiterleitung von Nervenreizen blockiert und sehr selektiv auf Insekten wirkt. Ihr Verbrauch in der EU nimmt seit den 1990er Jahren kontinuierlich zu – parallel zur beschleunigten Abnahme der Vögel.

Wirkt das eigentlich auch auf das Nervensystem der Menschen? Mir kommts vor, als ob das seit 10 Jahren auch alles schlimmer geworden ist! Würde mich nicht wundern, wenn irgendwann mal rauskommt, dass das Zeug auch die Menschen beeinträchtigt.

Der Artikel macht dann noch Vorschläge zur Verbesserung, die man nur unterstützen kann.

Mich würde aber mal interessieren, inwieweit das Smartphone die Bereitschaft zum Handeln beeinflusst bei der Masse der Bevölkerung.

Apropos Vögel: hier eine besonderer Haubentaucher!

www.swr.de/swraktuell/bw/hauk-zum-gift-auf-den-feldern-das-geht-die-bevoelkerung-nichts-an/-/id=1622/did=21387044/nid=1622/vpft3p/index.html#utm_source=Facebook&utm_medium=referral&utm_campaign=SWR%2Ede%20like

Welche Mengen Herbizide, Fungizide oder Insektizide die Landwirte, Obstbauern oder Winzer ausbringen, gehe die Bevölkerung im Grunde nichts an, sagte Agrarminister Peter Hauk (CDU) am Donnerstag in Stuttgart.

Die Bevölkerung will mal wissen:

"Junge, was genau spritzt du denn da und wieviel?!"

"Das geht dich einen Scheiss an!"

Da sind wir nun angekommen. Das Problem: die haben ja alle ein schlechtes Gewissen. Und die meisten Bauern befinden sich in der Rechtfertigungsspirale. "Ohne Pestizide würdet ihr verhungern!" Und es zeigt sich, wie die Industrie geschützt werden soll. Und der Konsument soll einfach ein naiver Konsument bleiben! Nachfragen? Da werden die dann pampig. Da fliegen ja dann die ganzen Geschäftsmodelle auf, die eben zunehmend Natur und Menschen schädigen.

Pestizide und Krebs hängen ja anscheinend eng zusammen und es gibt entsprechende Korrelationen.

Und Monsanto und Bayer haben ja nun fusioniert. Jezt kommen Pestizide und Medikamente alle aus dem gleichen Haus. Auch praktisch! [Achtung Sarkasmus].

Und dann fragen die Menschen einfach, was genau die da treiben und dann werden sie patzig und ziehen sich auf irgendwelche Positionen zurück, die formal richtig sind. Aber hier gehts nicht um Privateigentum, Auskunftspflicht und Einhalten von Gesetzen. Hier geht es um eine Tranzparenz, die notwendig ist, um mal wieder vertrauensvoll miteinander umzugehen. Es ist ja schliesslich auch ein Thema und in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, wo einer eben die Aufgabe der Nahrungsmittelerzeugung übernommen hat, ist eben Transparenz wichtig. Zu sagen, das geht euch nichts an, macht das Ganze nicht besser.

Aber gut, mal sehen, ob die nachmal die Kurve kriegen, oder ob es noch schlimmer kommen muss.

Apropos schlimmer: heute war ich beim Netto was einkaufen und vor mir an der Kasse stand eine Familie. Mann, Frau, beide in den Dreißigern, Kind, ca 1,5 - 2 Jahre alt. Die hatten den ganzen Wocheneinkauf auf dem Band. Und NUR Schrott. Das einzig Frische waren unreife Bananen, Gurken aus Spanien und unreife Birnen. Der Rest eben, was man so kauft. Joghurt, abgepacktes Brot, Käse, H-Milch, Kekse, Schokolade, Aufschnitt. Sowas... und das für 131,00€. Ich dachte alter Schwede! Wie reich müssen die sein, dass sie soviel Geld für so einen Schrott ausgeben können!

Der Freund meiner Mutter hatte sich reife Banenen gekauft. Hat die Kleine gleich gesehen und drauf gezeigt. Da! Als ich dann gesehen hatten, was da auf dem Band lag, war mir klar, dass die wohl in ihrem ganzen kurzen Leben noch nichts wirklich Frisches und Gesundes aus dem Garten bekommen hat. Die tat mir echt leid. Und sie sah auch entsprechend aus: blass, schwitzig und die Mutter auch, blass wie der Tod und der Mann leicht verfettet und unfit.

Die Leute schaufeln sich da echt den größten Schrott rein und produzieren auch noch immense Mengen an Abfall.

Vielleicht hätte ich auch mal fragen sollen, was um alles in der Welt sie da treiben. Die hätten wahrscheinlich auch geantwortet, dass mich das nichts angeht und dass sie ja nicht gegen Gesetze verstoßen. Da haben sie Recht. Aber irgendwie habe ich das Gefühle, dass irgendwas ziemlich schief läuft in der Gesellschaft und das wissen die Menschen und deswegen verstecken sie sich hinter Gesetzen und hinter dem Wort "Privatsache!". Aber es ist eben keine wirkliche Privatsache, weil es eben das Leben anderer Menschen und im Fall der Pestizide auch der Mitwesen erheblich beeinträchtigen kann.

Es wäre schön, wenn es da mehr Bewusstsein gäbe, wo die einen nicht mehr den Impuls haben, zu fragen oder auf etwas hinzuweisen und die anderen sich nicht hinter irgendwas verstecken müssten.

Aber da sind wir noch lange nicht.

Und egal, was dieser Haubentaucher von der CDU da ablässt, das, was die da hinterm Haus auf die Felder sprühen, geht mich sehr wohl was an, da es mein Leben berührt.

Und wenn es trotz entsprechender Gesetze immer weniger Insekten und Vögel gibt, dann ist das auch ein totsicheres (!!) Zeichen, dass die Gesetze Schrott sind!

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