Karies bei Menschenaffen II

14.06.2015 18:04

Ein befreundeter Rohköstler hat nochmal bei der Autorin des hier verlinkten Posters (https://scholar.fgcu.edu/aelgart/files/2012/07/EvoDent-poster-2012.pdf ) wegen der Karieserkrankungen bei afrikanischen Menschenaffen angefragt und folgende Aussagen bekommen:

Ich fasse mal zusammen:

  • Die großen Menschenaffen leiden nicht an Karies, wenn sie ihre naturgemäße, wilde Diät beibehalten. Die Professorin fand nur wenig Karies bei Berggorillas.
  • „Crop Raiding“ - also Plündern von Feldfrüchten – ist eine weit verbreitete Verhaltensweise unter den großen Menschenaffen.
  • Weil die ursprüngliche Diät der Menschenaffen keine Stärke und nur geringe Anteile an einfachen Zuckern enthält, ist sie nur gering kariogen. Karies bekommen sie nur, wenn sie sehr stärkereiche Lebensmittel fressen.
  • Typische Feldfrüchte in Afrika sind Bananen, Mangos, Tamarinde, Mais, Maniok, Weizen, Kokosnuss, Erdnüsse, Kakao, Reis und Zuckerrohr.
  • Eine Quelle zum Thema „Crop Raiding“ findet sich hier: Phyllis C. Lee und Nancy E.C. Priston “Human attitudes to primates: perceptions of pests, conflict and consequences for primate conservation” in Commensalism and Conflict: the Human-Primate Interface, editors James D. Paterson and Janette Wallis (2005). Es gibt mehrere Artikel zum Thema „Crop Raiding“ in diesem Buch.

Es wurde dann noch nachgefragt, welche der Produkte Karies verursachen könnte:

Die Autorin weist darauf hin, dass die wirklichen Ursachen der Karieserkrankungen bei Menschenaffen noch unerforscht sind. Man vermutet eben „crop raiding“, aber schlussendlich kann man es nicht mit letzter Sicherheit sagen, da „crop raiding“ nicht immer die Ursache ist.

Hier noch ein paar Publikationen zu Thema Karies bei Menschenaffen:

  • Colyer, F. 1947. Dental disease in animals. British Dental Journal 82:1-10.

Seine Daten zeigten, dass die Ordnung der Primaten die meiste Karies aller von ihm untersuchten Ordnungen zeigt. Er kam zu dem Schluss, dass paradontale Krankheiten durch eine Änderung der Diät weg von der natürlichen Diät verursacht wird.

  • Stoner, Kathryn E. 1995. Dental pathology in Pongo satyrus borneensis. American Journal of Physical Anthropology 98:307-321.

Sie fand, dass Zahnkrankheiten mit dem Alter zunehmen und Karies verursacht wurde von gärfähigen Kohlenhydraten oder im Besonderen klebrigen Früchten. Nur 13 von den von ihr untersuchten Orang-Utans hatten Karies (8% Weibchen, 3% Männchen).

  • Miles, AEW and Grigson 1990. Colyer’s variations and diseases of the teeth of animals. NY: Cambridge Univ. Press pp. 460-470.

Sie kommen zu dem Schluss, dass Zahn-Deterationen und vielleicht Karies das Resultat von „Crop Raiding“ ist. Sie zitieren auch Colyer´s Daten und zeigen, dass 11% der Schimpansen in Gebieten mit Bananenplantagen Karies hatten. Das ist sehr viel höher als die insgesamt 4,5% Kariesrate aller Schimpansen.

Das sind so ziemlich die ganzen Quellen zum Thema Karies bei Menschenaffen. Es gibt noch Bruchstücke in anderen Publikationen.

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Anmerkungen: Also war ich mit meiner Vermutung, dass auch und grade die Zuchtfrüchte mit Karies in Verbindung stehen, nicht ganz falsch. Wildfrüchte sind also zu präferieren. Produkte, die an den Zähnen kleben (bestimmte Früchte, getrocknete süße Produkte, Stärke) stehen auch mit der Kariesentstehung in Verbindung.

Wer also bei den Zuchtfrüchte eine gesunden Zurückhaltung an den Tag legt, scheint richtig zu liegen.

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