Die Aussichten sind bescheiden...

17.07.2018 22:12

Jetzt weiß ich endlich, wieso sich die Rohkost nicht durchgesetzt hat und sich wahrscheinlich auch lange nicht durchsetzen wird. Und diese Erkenntnis habe ich mal wieder Hans Joachim Maaz zu verdanken, der in einem seiner Videos ja sehr deutlich ausführte, dass alle Therapieansätze und Verbesserungen oft schnell wieder zunichte gemacht werden, wenn die Patienten zurück in ihre gewohnten Umgebungen gehen.

Deswegen forderte er auch eine gesamtgesellschaftliche Veränderung, weil eben diese Einzeltherapien immer wieder scheitern und der Patient wieder und wieder in alte Muster zurückfällt, wenn er mit der Gesellschaft konfrontiert wird.

Er bezog sich auch auf die Gehirnforschung, die aufzeigt, dass das, was wir seit frühester Kindheit "leben" wie Autobahnen im Gehirn sind und man später nur sehr schwer neue Datenstraßen aufbauen kann und wenn man nicht aufpasst, fällt man schnell wieder in die etablierten Muster zurück.

Und genau dasselbe kann man in der Rohkostszene beobachten.

Im geschützen Rahmen machen viele sehr erfolgreich Rohkost. Auf Treffen, im Urlaub, damals auf Montramé oder anderen Zentren. Da geht die Rohkost leicht und wunderbar, aber sowie man wieder daheim ist, konfrontiert mit all den Zwängen und Gewohnheiten, dauert es zumeist nicht lange, bis es wieder gekochte Sachen gibt.

Das ist ja fast allen passiert, als sich die Montramé-Gruppe auflöste. Es ist fast allen Rohkost-Kindern passiert, sowie sie in die Schule mussten, dass ist fast allen jungen Menschen passiert, sowie sie ihren ersten Job hatten.

Und Frauen sind da noch sehr viel anfälliger als Männer. Frauen, so las ich heute irgendwo, sind eben sozialer und möchten nicht Aussenseiterin sein und orientieren sich zumeist an der Mehrheit, während Männer hier einfach öfters mal "ihr Ding" machen. Auch ist hier Aussenseitertum mehr sozial akzeptiert, bei Frauen ist da ein ungleich höherer sozialer Druck vorhanden. Und zwar zumeist von anderen Frauen.

Ob das jetzt alles so stimmt.. kann sein. Aber das bisher Geschiebene würde auch erklären, dass Rohkost bis heute ein Nischendasein führt und wieso es vor allem Männer praktizieren.

Und es wird weiter ein Nischendasein führen. Man darf sich da von der Szene nicht täuschen lassen. Die ist zumeist vegan und auch nicht 100%ig roh. Wirkliche Rohkost leben nur noch ganz wenige Menschen. Das sind die, die sich irgendwo Freiräume geschaffen haben, die nicht zu dogmatsch sind, die auch gewisse soziale Konsequenzen in Kauf nehmen. Weil sie Idealisten sind, oder was auch immer die Motivation ist.

Wie komme ich überhaupt darauf?

Ganz einfach: ich habe mich ja schon länger gefragt, wieso die Rohkostszene nicht wirklich wächst. Infos gibt und gab es ja genug. Blogs, Bücher, Rohkostwiki, Chats, Gruppen, Foren, selbst ein großes Rohkostzentrum gab es.

Und am Ende sind nur ein paar Hanseln übrig geblieben, die sich irgendwo Freiräume geschaffen haben. Manche leben im Bauwagen in Südfrankreich, manche sind nach Südostasien oder Südamerika ausgewandert, manche haben sich hier Freiräume geschaffen. Aber das sind die Ausnahmen. Das Gro hat sich wieder der Mehrheitsgesellschaft angepasst oder bleibt gleich Teil der Mehrheitsgesellschaft. Nicht vollständig, aber dennoch soweit, um nicht aufzufallen und sich nicht als Aussenseiter zu fühlen.

Wie soll da mal eine wirkliche Heilung für Mensch, Gesellschaft und Natur eintreten?

Ganz einfach: gar nicht!

Das geht den Bach runter.

Genau das zeigt uns ja das Wetter an: Steppen und Wüsten breiten sich aus, destruktive Niederschlagsereignisse nehmen zu. Krankheit drückt sich ja auf vielen Ebenen aus, und da kann man es derzeit am eindrucksvollsten bewundern.

15 Jahre habe ich persönlich versucht, die Idee der Rohkosternährung zu fördern. Warum? Darum:

"Den grundlegenden Unterschied zwischen gekochter und ungekochter Nahrung kann man wohl nirgends so gut beweisen, als wenn man die Heilungen bei der von Bircher-Benner in die Therapie eingeführten Rohkost neben dem Versagen gekochter Kost sieht. [...] Bei Rohkost heilt die Krankheit ohne diese körperfremden Zugaben (Medikamente) oft aus. Folglich muß etwas Besonderes mit der Rohkost verbunden sein." (KOLLATH 1939,S.558)

"Den grundlegenden Unterschied zwischen gekochter und ungekochter Nahrung kann man wohl nirgends so gut beweisen, als wenn man die Heilungen bei der von Bircher-Benner in die Therapie eingeführten Rohkost neben dem Versagen gekochter Kost sieht. [...] Bei Rohkost heilt die Krankheit ohne diese körperfremden Zugaben (Medikamente) oft aus. Folglich muß etwas Besonderes mit der Rohkost verbunden sein." (KOLLATH 1939,S.558)

Mehr Infos: https://rohkost4.webnode.com/literatur/wissenschaftliche-arbeiten/

Und so habe ich 15 Jahre lang Rohkost gefördert. In persönlichen Gesprächen, im Blog, im damaligen Rohkostforum, extra Treffen veranstaltet mit einem mehr als üppigen Bueffet ... na ja, was man eben so als Einzelner tun kann. Hat mir große Freude bereitet, sonst hätte ich es nicht gemacht.

Aber der Erfolg war mehr als bescheiden.

Also versteht mich nicht falsch, ich bin von Herzen dankbar über jeden Leser, jeden Besucher auf den Treffen und jeden Freund, den ich habe.

Aber WIR sind eben im Gesamtkontext im Grunde nicht vorhanden.

Und ich muss mir eingestehen, ich konnte nicht wirklich was bewirken.

Der Gesellschaftliche Druck auf die Menschen ist einfach zu groß.

Es gab kürzlich Überlegungen, wieder einen Versuch zu unternehmen, ein Rohkostzentrum aufzubauen. Aber ich sehe keinen wirklichen Sinn darin. Warum? Weil es eben wieder nur eine Rohkostszene dort geben würde. Ausserhalb der geschützen Mauern würde den Menschen das gleiche Schicksal ereilen wie weiland den Besuchern von Montramé. Die meisten würden zuhause zurück zur Kochkost gehen, es gäbe ein paar "Freaks" wie mich, die sich da irgendwie durchwurschteln und wirkliche Rohkost gäbe es nur dort im Zentrum oder auf Treffen.

Burger hatte das damals auch erkannt und hat eine gesellschaftliche Debatte angeregt. Er war ja im Fernsehen, es gab Reportagen, der Spiegel hat berichtet, Udo Pollmer hat sich (negativ natürlich) geäussert und auch Ärzte und Universitäten wurden aufmerksam.

Also das war schon der richtige Weg. Weil nur so kann man die Gesellschaft als Ganzen ändern. Wenn es plötzlich ein Thema ist, über das man wie Fussball spricht. Über das berichtet wird und wenn die Menschen das verstehen und probieren und sogar Erfolge damit haben, dann ändert sich plötzlich die ganze Gesellschaft. Sowas gab es ja schon oft. Zuletzt wahrscheinlich so richtig 1968, als wirklich die Gesellschaft als Ganzes offener, toleranter und sexuell freizügiger wurde und somit der Einzelne es in dieser Gesellschaft sehr viel leichter hatte.

So aber wird das alles nüscht.

Daran werden auch alle Bücher, Rohkostzentren, Heilungskliniken und was es alles an Ideen gibt, nichts ändern. Der gesellschaftliche Druck ist einfach zu groß, als dass es wirklich mehr Menschen schaffen, dauerhaft auf Rohkost umzustellen. Innerhalb eines geschützen Rahmens sicherlich, aber ausserhalb dessen wohl kaum. Der Druck ist ja immens: Betriebsfeiern, Ausflüge, Schule, Schulausflüge, gemeinsames Mittagessen mit Kollegen, Arbeitsessen, Geburtstagsfeiern, Weihnachten mit der Familie... na ja, und man ist da immer energetisch draussen.

Gemeinsam essen heisst eben auch danach gemeinsam auf der gleichen energetischen Ebene schwingen. Klar, ist es heute alles freier, und viele essen vegan oder wie auch immer... aber aus dem Kochtopf sind da die wenigsten gekrabbelt. Diese Veränderungen spielen sich immernoch INNERHALB der Matrix ab. Und werden so auch besser akzeptiert. Aber wirkliche Rohkost? So Mango Kweni, Wildschwein, Fisch oder Durian? Das geht nur ganz selten ... lieber bleibt man beim unbefriedigenden Salat oder was auch immer man da veranstaltet. Und irgendwann hat man da einfach keine Lust mehr drauf und dann isst man mit, säuft wieder mit... kein Bock mehr auf (energetischer) Aussenseiter... ach was solls... endlich wieder im sozialen Gefüge angekommen....und wieder einer weniger.

Ich sehe da eigentlich keinen Ausweg mehr.

Klar, es wird immer wieder Versuche geben, einfach weil Rohkost ja das natürlichste der Welt ist. Aber so, dass es wirklich auf breiter Front zu einer Veränderung führt? Da sehe ich keinerlei Chance. Wie gesagt, der gesellschaftliche Konformitätsdruck ist zu groß. Und für die Einzelkämpfer heisst es ja auch nur, dass sie Aussenseiter sind, keine Freundin finden und wenn, dann eben keine, die so mitmacht, dass man zuschauen muss, wie die Kinder von der kranken Gesellschaft vereinnahmt werden... das ist ja alles schlimmer als der Brei, den sie im Film Matrix zu fressen bekommen haben, nachdem sie aus der Traumwelt aufgewacht sind.

Das ist die Situation, mit der wir es zu tun haben.

Das ist nicht die Regel:

Sondern das: www.google.com/search?q=m%C3%BCll+festival&client=firefox-b&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjHp5XniqfcAhULDiwKHX7MA5MQ_AUICygC

So sieht heute die Gesellschaft aus. Müll drinnen, Müll draussen.

Ich überspitze hier, auch um deutlich zu machen, wie gegensätzlich heute die Mehrheitsgesellschaft und das, was an roher Lebensweise übrig blieb, ist. Und warum ist nichts mehr übrig geblieben? Weil die Mehrheitsgesellschaft eben die Mehrheitsgesellschaft ist. Und die passt sich nicht den Minderheiten an. Zumindest nicht beim Essen. Vegan, Biologisch, Makrobiotisch.. alles noch Ok, weil man sich innerhalb der Matrix bewegt (aber selbst da gibt es Studien die zeigen, dass Menschen aufgeben, weil es zu schwierig ist, sich so in der Gesellschaft zu ernähren), aber Rohkost?

Deswegen ist die ehemals sehr viel größere Rohkostszene nun wirklich dramatisch zusammengeschrumpft. Und mit ihr all das, was auch Gutes damit einherging. Mehr Klarheit, mehr Offenheit, weniger Eifersucht, mehr Augenmerk auf die Qualität der Produkte, feinere Energien.

Aber ohne eine gesamtgesellschaftliche Veränderung sehe ich da keine wirkliche Chance mehr auf eine größere Rohkostszene, die über eine vegane Teilzeitrohkost hinaus geht.

Und, hier schliesst sich der Kreis, das Gleich hat ja auch der Dr. Maaz für seinen Bereich erkannt, und deswegen schreibt er Bücher und hält Vorträge und redet sich den Mund fusselig.

Erreicht hat er bisher auch nicht wirklich was.

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