Krankmachender Perfektionismus

10.01.2018 18:45

Das unsere Art zu leben zunehmend Probleme aufwirft, habe ich ja schon oft in der letzten Zeit geschrieben. Krise der Umwelt war ja ein großes Thema. Aber auch für die Menschen wird es zunehmen stressiger und gerade junge Leute werden davon regelmäßig krank:

Nach den Ergebnissen der Untersuchung haben junge Menschen heute höhere Erwartungen an sich und an andere als frühere Generationen. Sie konkurrieren gegeneinander, um angesichts des gesellschaftlichen Drucks erfolgreich zu sein und glauben, Perfektionismus sei notwendig, um persönlich, sozial und ökonomisch auf der sicheren Seite zu stehen. Das hat Folgen. In der Studie verweisen die Autoren darauf, dass nach Erhebungen Depressionen, Angsterkrankungen und Suizidneigungen bei jungen Menschen in den drei Ländern in den letzten 10 Jahren ebenso wie Einsamkeitsgefühle zugenommen haben. Sie vermuten naheliegenderweise, dass es einen Zusammenhang zwischen zunehmendem Perfektionismus und anwachsender Psychopathologie gibt.

www.heise.de/tp/features/Junge-Menschen-neigen-immer-mehr-zum-Perfektionismus-3937476.html

Junge Menschen neigen offensichtlich dazu, einen immer größeren Perfektionismus zu huldigen und sowohl sich selber, aber vor allem auch sich untereinander damit unter Druck zu setzten.

Allen voran die Variante des sozial vorgeschriebenen Perfektionismus, die um 33 Prozent zugenommen hat, gefolgt vom auf den Anderen ausgerichteten Perfektionismus, der um 16 Prozent angestiegen ist.

Aber auch die Eltern scheinen immer mehr Druck auszuüben:

Die britischen Psychologen verbinden eben dies mit der in den 1980er sich durchsetzenden neoliberalen Ideologie, die mit einem konkurrierenden Individualismus einhergeht, der zudem von den Eltern gefördert wurde, die immer mehr von ihren Kindern verlangten.

Wir treiben uns, dass ist die Schlussfolgerung, gegenseitig in den Wahnsinn.

Jeder muss aufs Gymansium, studieren, auch wenns der größte Quatsch ist, dazu Mode, Frisuren, Freunde / Freundinnen... die Erwartungen werden immer höher.

Was hat das mit der Rohkost zu tun?

Viel!

Auch hier ist ja dieser Perfektionismus stark vertreten. Perfekte Qualität der Produkte, gesundes Aussehen, genaues Beachten der Instinkte... gerade in der Rohkostszene ist ebenfalls ein ausgeprägter Perfektionismus zu beobachten.

Also ich möchte jetzt keine Lanze für schlechte Qualität brechen, aber ich bin doch der Meinung, dass man aufpassen muss, sich hier nicht ebenfalls in eine Perfektionismusspirale zu begeben und sich damit irgendwann selber verrückt zu machen. Man sieht ja dann auch, wohin das führen kann. Vereinsamung, Depressionen, Angststörungen.

Wenn man sich permanent zum Perfektionismus treibt, dann kann man sich auch selber geistig schaden.

Ich habe das bei vielen Rohkostanfängern beobachtet, dass die zum Teil überperfekt sein wollten. Alles bei Orkos bestellt, Wasserfilter, Heilerde... und dann sind sie nach ein paar Jahren wieder im Kochtopf versackt. Rohkost-Suizid quasi. Wohingegen viele Langjährige, mich eingeschlossen, da nicht immer perfekt waren, sondern eben auch mal Supermarktfrüchte hatten, oder Biofleisch oder was auch immer da unter bestimmten Geichtspunkten als nicht wirklich perfekt angesehen wird.

Auf dem letzten Sommentreffen war ein Mädel, dass gerade begonnen hatte und dass auch gleich gesagt bekam, dass nur Fleisch von Orkos oder von bestimmten artgleichen Quellen OK wäre, alles andere wäre... genau... nicht perfekt. Und somit Schrott. Dass das Fleisch dann aber auch das halbe Einkommen verschlingt und es nur selten überhaupt zu haben ist und auch noch lange Transportwege benötigt, wurde nicht gesagt. Ich habe ihr dann auch Biofleisch empfohlen, da musste ich auch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten, aber das war anscheinend ein guter Tipp.

Ja, diese Welt ist in dieser Hinsicht nicht perfekt!

Aber besser so als Kochkost. Wobei das ja einige französische Instinktos anders sehen. Da gilt ja auch Biofleisch als "Kochkost". :-D

Also wie bei den Astronomen: alles nach Helium sind Metalle! lol Und alles ab Orkos ist Kochkost!

Ganz witzig wird es dann, wenn mir ein französischer Instinkto hoch und heilig erklärt, dass das Wildschwein aus einem Gehege NULL zugefüttert wird und das das absolut OK ist. Und wenn mir dann der Guru selber erklärt, dass Wildschweine keine dicke Fettschicht haben, sonder dass das alles nur Ablagerungen von abnormalen Molekülen sind und der französische Instinkto ja nicht alles wissen könne... ha ha ha.

Also was jetzt?

Hier bekommt sich der Perfektionsimus des einen mit dem Perfektionismus des anderen in die Wolle.

Der eine sagt: das Fleisch ist perfekt. Null Zufütterung, nur ein Wildacker mit Erbsen. Der andere sagte, meine Theorie ist perfekt, und demnach können die Wildschweine unmöglich perfekt sein ... :-/

Es wird dann irgendwann auch wirklich absurd! Und es treibt die Leute wirklich auch in den Wahnsinn!

War das jetzt wirklich nicht perfekt?

Kann ich dem jetzt auch nicht mehr vertrauen?

Da! Ein Pickel am Arsch!! Wusste ichs doch!!! Das ist Schrot!!!! Was kann ich noch essen????

Dass das vielleicht der pure Zufall war oder man schon öfters da einen Pickel hatte und den nur jetzt mal mitbekommen hat, weil man eben wieder meint, aus der Perfektion geruscht zu sein, wird dann auch ausgeblendet.

Perfektionismus ist nie etwas dauerhaftes. Danach kann man streben, muss und sollte man vielleicht auch, aber man darf sich selber und andere nicht verrückt machen und in den Wahnsinn treiben, wenn es mal nicht perfekt ist. Klar, ich strebe auch noch Perfektionismus. Beim Sport, im Garten, beim Essen ... aber ich mache mich nicht verrückt, wenn es mal nicht so perfekt ist. Also klar, ich will schon 100%ige Rohkost!!! Da mache ich keine Abstriche, aber wenns eben gerad enur Biofleisch gibt? Was will ich denn machen? Oder es in Deutschland eben kein 100%ige perfektes Wildschwein gibt, weil überall Felder existieren und auch angelockt wird... was bleibt da?

Anscheinend unterscheidet mich dass eben von den jüngeren Menschen, die sich da zu sehr beeinflussen lassen und dann eben psychisch krank davon werden. Und ich frage mich gerade auch, ob nicht sogar der ein oder andere Rohie da mittlerweile einen Knall bekommen hat aufgrund dieses übertriebenen Perfektionismus. Ich kenne ja einen, der wollte sogar Fleisch extra aus dem Outback aus Australien importieren, weil nur das perfekt sei.

Ich meine klar, Gemeinschaften funktionieren wahrscheinlichwirklich am Besten, wenn die Qualität der produkte wirklich 1a ist und nichts den Organismus stört, so dass diese Störung sich nciht auch in der Gruppe zeigt. Wie innen, so aussen halt.

Nur muss man eben aufpassen, dass man andere damit nicht erst wirklich in den Wahnsinn treibt und dann alles zusammenbricht. Rohkost-Gruppen-Suizid dann quasi.

Deswegen muss man da auch immer irgendwie eine gewisse Gelassenheit entwickeln. Sonst funktioniert es nicht.

Aber grundsätzlich wird unsere Art zu leben, mal ganz generell, irgendwie immer krisenhafter. Das ist doch irgendwie nicht mehr wirklich gesund, oder, wenn Depressionen, Angst, Einsamkeit und sogar Selbstmorde nur wegen irgendwelcher gesellschaftlichen Verrücktheiten immer mehr zunehmen, oder?

Und das trifft ja nicht nur die Jungen, auch die Alten leiden: www.heise.de/tp/features/Viele-alte-Menschen-sind-chronisch-einsam-3839359.html

Im Alter verbreitet sich Einsamkeit besonders stark. Das ist bedingt durch die Lebensweise, etwa durch den Zerfall der Familien und das Leben als Single. In Großbritannien ist die 2011 gegründete Campaign to End Loneliness angetreten, um auf die Entwicklung hinzuweisen. Im Land sollen bereits 1,2 Millionen Rentner chronisch einsam sein. Eine halbe Million älterer Menschen soll mindestens 5-6 Tage in der Woche verbringen, ohne einen anderen Menschen zu sehen oder zu sprechen. 51 Prozent der Menschen über 75 Jahre leben allein. Zwei Fünftel der älteren Menschen (3,9 Millionen) sagen, der Fernseher sei ihre wichtigste Gesellschaft.

Versingelung, Zerfall der Familien. Beim Arbeiten gilt heute hier, morgen dort, keine echte Zukunftsperskektive, befristete Arbeitsplätze, Angst vor Bindungen .. und im Alter dann die Einsamkeit. Kollegen weg, die Kinder und Enkel leben irgendwo, nur nicht in der Nähe und wenn, dann haben sie auch Stress und müssen rackern, die Frau oder der Mann vielleicht schon tot oder geschieden .... Das nennt sich dann Wohlstandsgesellschaft.

—————

Zurück