Krisensymptom

28.06.2017 23:45

Wolfgang Ritzdorf testet seit 30 Jahren angehende Sportstudenten. Sein Befund: Das sportliche Niveau wird immer geringer. Und das gilt für unsere gesamte Gesellschaft.

www.zeit.de/sport/2017-06/sporteignungstest-sportstudium-aufnahmepruefung-dshs-koeln

Eine abgeschlaffte und zunehmend träge Gesellschaft.

Wenn ich mir die Studenten aus den Praxiskursen vor Augen halte, merke ich, dass bei ihnen viele Bestandteile der Alltagsmotorik nicht mehr da sind. Früher waren die Kinder draußen auf der Straße und sind beim Fußball oder was weiß ich groß geworden. Dadurch hatten Sie ein grundsätzliches Bewegungsrepertoire.

ZEIT ONLINE: Und heute?

Ritzdorf: Heute ist das definitiv schlechter geworden. Viele junge Menschen haben keine oder nur noch eine rudimentäre Alltagsmotorik.

Ich merke immer mehr, wie wichtig ein straffes Trainingsprogramm ist. Das ist zwar auch stressig, aber es ist eben auch gesund, solange man es nicht übertreibt. Man fühlt sich besser, das Essen schmeckt besser, der Testosteronwert ist höher, man ist wacher und ausgeglichener, der Schlaf tiefer und erholsamer, die Verdauung geregelter, die Gedanken klarer.

Mir war es immer wirchtig, irgendwie körperlich was zu machen, zu erlernen, zu praktizieren.

Aber ich bin eben noch Generation Fussballplatz, Wald und Dorfteich.

Im Grunde ist das auch eine Art Degeneration, wenn man nur noch über eine rudimentäre Alltagsmototik verfügt. Körper und Geist sind ja eins und wenn das Körperliche degeneriert, degenerieren auch andere, geistige Bereiche. Oder andersrum, wenn man das Körperliche gut nutzt und bewegt, so strahlt das auch auf das Geistliche aus.

Im Buddhismus ist das ja der ganze Lehrinhalt, wenn man so will. Über das entspannte gerade Sitzen und das tiefe, langsame Atmen zu einen aufmerksamen, wachen und ruhigen Geist.

Das sind wirklich schlimme Entwicklungen!

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