Kultur

22.03.2018 21:39

Ich habe bei Youtube einen neuen Lieblingskanal: Guitar Salon International.

Hier zu finden: www.youtube.com/user/GSIguitars/videos

Und da bin ich über dieses Video gestolpert:

Und darunter fand ich folgenden interessanten Kommentar:

Shows effortless technical proficiency, pleasing tone. Lacks expression, interpretive depth, range of color, etc.

Also übersetzt: "Zeigt mühelos technische Fähigkeiten, angenehmer Ton. Es fehlt Ausdruck, interpretative Tiefe, Weite der (Klang)Farbe.

Und drunter schreibt einer:

Typical of asian musicians, high technical skills and discipline, but low expression and color. I guess it's a cultural thing. But still it doesn't mean they don't feel it, they are very dedicated and amazing musicians.

Typisch für asiatische Musiker. Hohe technische Fähigkeiten und Disziplin, aber wenig Ausdruck und Farbe. Ich vermute, es ist ein kulturelles Ding.

Und das brachte mich auf einen Gedanken: es ist ja auch nicht "ihre" Musik. Sie spielen die Musik lange verstorbener europäischer Komponisten. Und es gibt eben dann doch Unterschiede zwischen den Menschen. Die klassische Musik war die Musik der Europäer. Gehobene Klasse. Und die haben ihrer Mentalität entsprechend diese Musik geschrieben. Teils intellektuell, teils emotional. Raus kam dann die Klassische Musik.

In Asien haben sie andere Musik entwickelt. Ihrer Mentalität entsprechend.

Und in Afrika wieder andere.

Der Blues zum Beispiel. Bis heute sind die besten Blues-Musiker Schwarze. Die haben da nochmal ein besonderen "Blues" im Blut. Viele weiße Musiker haben das versucht zu kopieren, aber es war dennoch immer so ein feiner Unterschied hörbar.

Das ist etwas, das kannste als Weißer einfach nicht kopieren: www.youtube.com/watch?v=K_DOnKJ232M

Natürlich hat sich das alles auch gegenseitig befruchtet und jeweils eigene Interpretationen gefördert und ganz neue Musikstiel wurden kreiert. Aber auch Flamenco: das spielen ja auch viele, aber die besten und authentischten sind immer noch die Spanier. Die Nordeuropäer spielen es etwas kühler, verkopfter, während die Amerikaner es wie immer aufgreifen und weiterentwickeln.

Und das ist eben auch die Stärke dieser Welt!

Diese Vielfältigkeit. Diese unterschiedlichen Kulturen, die dann jeweils etwas Typisches hervorbringen.

Wenn man das alles nun vermischt, Jazz, Pop, Blues, Klassik und einen Einheitsbrei draus macht, dann verliert das natürlich ALLES irgendwo an Charme. Es gibt ja schon solche Fusion-Projekte, aber das ist zumeist ein Angriff auf die Trommelfelle. Es gibt natürlich auch gute Sachen: Rap und Metal haben mal welche gemischt. Also das fand ich schon super! Das hatte Power! Und typischerweise kam das natürlich aus den USA, wo eben Schwarze, die den Rap erfanden, und Weisse, die aus Blues und Klassik Heavy Metal kreierten, zusammenfanden und da was cooles zusammenmixten.

Ich war ja früher mal, so mit Anfang 20, auch davon überzeugt, dass alle Menschen gleich sind. Aber das sind die nicht. Vor "Gott" sind alle gleich, sprich, alle sind Teil des Lebens und alle sind Teil des göttlichen Bewusstseins. Aber natürlich sind sie darüber hinaus auch sehr unterschiedlich. Und das ist doch super! Die ganzen unterschiedlichen Menschen, Kulturen, Mentalitäten, Begabungen usw sind ein Segen! Und das müsste auch alles erhalten bleiben, weil das auch Überleben bedeutet.

Was meine ich damit?

Ganz einfach: alle Kulturen sind im Grunde irgendwo auch Überlebensstrategien. Die einen züchten Rentiere, die anderen sind Bauern, die nächsten wieder Seenomaden, wieder andere leben als Gärtner, wieder welche sind technisch versierter, andere sind musikalischer, ach.. da kann man ja vieles finden.

Und Vielfalt ist immer ein Überlebensvorteil: wenn sich die Bedingungen ändern, kann man von anderen, die jetzt schon unter ähnlichen Bedingungen leben, lernen. Ganz vereinfacht gesprochen, kommt eine neue Eiszeit, kann man schauen, wie es die Tschutschen und Ewenken in Sibirien machen, wird es wärmer schaut man wie die Spanier und Süfranzosen klar kommen.

Deswegen ist es ungemein wichtig, Kulturen zu erhalten.

Wird aber nicht gemacht: wir erleben den Trend zur Vermischung, zum Einreißen von Grenzen, zur Ökonomisierung aller Menschen. Kulturelles Artensterben nannte das Bernd Senf. Der Kapitalismus bringt zwar viele Vorteile, aber die werden eben mit dem Verlust an Kultur bezahlt. Und damit meine ich nicht Kultur im Sinne von Theater und Kino. Sondern die Gesamtheit aus Traditionen, Geschichten, Religionen, alltägliche Handlungen, Versorgung usw usw...

Ich habe das ja gesehen, wie ganz Mittelamerika US-amerikanisiert wurde. Überall die riesen Werbeplakate. Überall Cola und Bonbons selbst irgendwo im Dschungel. Das wirkt regelrecht zersetztend auf die Kulturen vor Ort. Das geht bei der Gesundheit los und hört bei der Partnerwahl nicht auf.

Und irgendwann gibt es dann so eine 0815-amerikanische-Coca-Cola-Welt, wo alle Kulturen weg sind und irgendwie gleich gemacht wurden. Fähigkeiten, um zu überleben, gehen ja mittlerweile in rasend schnellem Tempo verloren. Weltweit. Die Verstädterung fördert das ja noch. Und wenn dann mal Krisen kommen, weiß keiner mehr, wie man einen Garten anlegt, Viecher hält, fischt, was weiß ich, was jede Kultur für Tricks und Kniffe entdeckt hat, um klar zu kommen.

Deswegen muss man da ein bisschen aufpassen, wenn wieder Leute ankommen und irgendwas von Multi-Kulti erzählen wollen. Das ist Unsinn und funktioniert nur, wenn alle ihre Kultur aufgeben und einen Einheitsbrei kreieren. Wenn es dann Krisen gibt, wird man aber merken, dass das so nicht funktioniert.

Vielfalt hat einen echten Wert. Und ist ein Überlebensvorteil. Der Mensch war fähig, je nach Situation eine jeweils passende Kultur zu entwickeln, die das Überleben sicher stellte. Zerstört man das, na gut, dann zerstört man auch die Überlebenschancen im Falle einer Krise. Klar, solange alles versorgt ist und das System funktioniert, kein Problem. Aber sowie es mal ruckelt im Getriebe, wird man merken, was man verloren hat.

Ach... da fällt mir gleich der Soundtrack ein, der so gekonnt Metal und Rap mischte. Und wie passend: Judgement Night. Nacht der Abrechung könnte man das dann wohl übersetzten. :-D

Leider ist der Zeitgeist aber gerade, dass alles, was so mit Heimat, Kultur, Verbundenheit usw zu tun hat, irgendwie out. Globales Dorf, Globalisierung, Vereinigte Staaten von Europa, Abschaffung der Nationalstaaten usw... das ist gerade so der Trend. Alles gleich machen, alles vereinheitlichen, alles durcheinander wirbeln. 

Das findet natürlich auch seinen Ausdruck in der Rohkostszene. Tropenfrüchte hui, Äppfel pfui. Mal ganz überspitzt zum Ausdruck gebracht.

Wie gesagt, kann man machen, aber man verliert eben dann an Überlebenschancen. Sowohl als normaler Mensch, aber auch als Rohköstler.

Im Grunde ist es wie bei den verschiedensten Individuen einer Population. Die sind alle etwas unterschiedlich. Und das garantiert den Fortbestand. Verändern sich die Umweltbedingungen, kann das, was gestern noch eher nicht gut passte, und was quasi in der Population "mitgeschleppt wurde", das Überleben garantieren. Wie bei den Darwinfinken. Der mit dem kurzen Schnabel war immer der Looser bis sich die Bedingungen änderten und plötzlich war der der King. Mal ganz holzschnittartig geschrieben. Aber man kriegt eine Idee.

Deswegen ist der Erhalt der verschiedensten Kulturen wirklich wichtig.

Nur: wie das schaffen, wenn der Kapitalismus ja überall seine Fingen im Spiel hat und im Grunde alle "amerikanisiert"? Vom Iniut in Grönland bis zum Maori auf Neuseeland?

Wie dann Kulturen erhalten, wenn es politisch angestrebt wird, alles zu durchmischen und einen großen Einheitsbrei zu schaffen. Die Vereingten Staaten von Europa?

Das wird eine richtig schwierige Aufgabe!

Aber wenn man es genau betrachtet, hängt unser Überleben davon ab!

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