Landwirtschaft und Marktwirtschaft

31.05.2016 18:24

Eine Sache, über die ich schon lange grübele ist die freie Marktwirtschaft in der Landwirtschaft. Derzeit is ja wieder totale Krise und irgendwie kann es ja nicht sein, dass am Ende nur solche Agrargenossenschaften und Tierzuchfabriken überleben. Es war mir schon immer klar, dass am Markt der Kleinbauer oder der, der artgerecht produziert nur über erhöhte Preise bestehen kann. Da die Menschen aber in der Masse einfach bei Lidl und Aldi einkaufen, sind es immer die Großen, die auch hier die Landwirtschaft bestimmen, die am effektivsten (industriell) produzieren.

Heute dazu ein sehr lesenswerter Artikel auf Makroskop, der neuen Seite von Heiner Flassbeck.

makroskop.eu/2016/05/milch-schweine-und-die-marktwirtschaft/

Die Landwirtschaft kann in der Regel nur wenig differenzieren. Sie versucht es zwar über „Bio“ als Qualitätssiegel oder über Direktvermarktung von Milchprodukten. Doch Milch bleibt letztlich Milch und ist für die Masse der Kunden weder klar unterscheidbar noch lagerbar. Bei all dem muss die Landwirtschaft immer kapitalintensiver werden, was große Investitionen verlangt, das Endprodukt aber praktisch nicht verändert.

Das eigentliche Problem liegt folglich in der Frage, wer in einem Markt mit solchen Grundbedingungen viel Geld investiert und neben der eigentlichen Produktion auch noch Nahrungsmittelverordnungen, Umwelt- und Tierschutzauflagen und anderen landwirtschaftlichen Verordnungen Genüge tun muss. Die Antwort ist auch hier einfach: Kein vernünftiger Mensch. Jedenfalls keiner, für den die Landwirtschaft wirklich den Lebensunterhalt garantieren soll und nicht nur ein Nebenprodukt oder ein Hobby ist. Folglich bekommt die Gesellschaft all das, was sie sich von ihrer Landwirtschaft erhofft, genau dann nicht, wenn sie die Marktwirtschaft walten und schalten lässt. Dann bekommt sie vielleicht riesige Agrarfabriken, die auch solche Preisschwankungen durchhalten, weil sie tausend verschiedene Produkte produzieren, aber man bekommt keine bäuerliche Landwirtschaft, die auch noch Landschaftspflege betreibt.

Das Umdenken, das man so gern den Bauern abverlangt, muss man deswegen der Politik und den Ökonomen abverlangen. Wer eine vernünftig strukturierte Agrarproduktion mit einer artgerechten Tierhaltung, hoher Produktqualität und einer gesunden Umwelt will, muss die Marktwirtschaft in diesem Bereich endgültig zu den Akten legen. Entweder man kehrt zu den alten Agrarmarktordnungen mit Milchseen und Butterbergen zurück, was weit weniger schlimm ist als Bauern, die an Bäumen hängen, oder man setzt auf eine weitgehende staatliche Ordnung, bei der die Bauern für die Landschaftspflege entschädigt werden und versprechen müssen, mit der Natur schonend umzugehen. Mindestpreise sind jedoch das Mindeste, was die Landwirte von der Gesellschaft verlangen können, weil auch sonst niemand in einer Marktwirtschaft investiert, wenn er bei der Preisentwicklung seines Endprodukts Überraschungen nicht ausschließen kann, die innerhalb von Monaten seine wirtschaftliche Existenz vernichten können.

Ich finde das mutig, aber auch folgerichtig, dass hier jemand nach Mindestpreisen und entsprechenden Maßnahmen ruft. Mir war das Gefühlsmäßig schon lange klar, dass der österreichische Bauer mit 20ha nicht mit der ostdeutschen Agrargenossenschaft mit 400ha Wirtschaftsfläche konkurrieren kann. Und von der Spielerei in der Schweiz wollen wir garnicht reden.

Aber wenn alles nach Angebot und Nachfrage läuft, brechen die Kleinen immer schneller weg und es bleiben immer nur die Großen übrig.

Wenn man also eine Landwirtschaft will, die wirklich auch wieder Landwirtschaft ist und nicht dieser Wahnsinn, der gerade abgeht, dann muss man den Leuten auch das Geld dazu geben. Sonst brechen immer mehr Betriebe weg.

Ich sehe das ja auch immer wieder, dieser wahnsinnige Zwang, alles zu privatisieren und zu liberalisieren. Und jetzt fahren jeden Tag drei Lieferdienste mit halbvollen lieferwagen durchs Dorf. Das ist weder ökologisch, noch werden die Leute gut bezahlt, sondern unterbieten sich ja gegenseitig. 

Es gibt ja viele Beispiele, wie die Liberalisierung genau das Gegenteil brachte, als was versprochen wurde. Einer zahlt da immer drauf und oft die Angestellten, die dann einfach viel weniger verdienen, oder / und die Kunden, die mehr bezahlen müssen. Wie bei der Liberaliserung der Strommärkte. Da kam es auch anders als gedacht.

Aber wie die Dummen wird das Ergebnis einfach ignoriert und wieder wird Liberalisierung gepredigt. Wir sollten da wirklich aufhören, uns was vorzumachen. Aber es ist eben eine Religion. Der Boder der Wissenschaft wurde da schon lange verlassen und man GLAUBT nur noch. Und ab da wirds wie immer gefährlich. Blinder Glaube war noch nie segensreich.

Wenn also Landwirtschaft gute Produkte liefern UND Natur und Tiere schonen soll, braucht es auch entsprechende Bezahlung.

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