Infektionen

09.11.2015 13:57

Ach, wie sehr zieht es den normalen Rohköstler immer gen Süden. Das schöne Wetter! Die tollen Früchte!! Mangos (hmmm), Cherimoyas (aaahhh), Avocados (ooohhh) und was nicht noch alles! Man kriegt die Augen garnicht mehr zu vor staunen, wenn man die Bäume sieht, die voll hängen, wenn man plötzlich kiloweise Früchte über hat, die vergammeln. Früchte, die man ansonsten teuer kaufen muss und wo man endlich, endlich mal im Überfluss drin schwelgen kann. Tja, aber wie so oft steckt der Teufel im Detail. Denn noch immer hält uns die Staphylokokkeninfektion in Atem. Jetzt hat es den Nächsten erwischt. Da ist das Bein gleichmal dick und rund angeschwollen. 

Es gibt aus meiner Sicht einen Grund, wieso die Menschen hier in Südspanien in Dörfern und Städten wohnen, wo die Häuse sehr dicht beieinander stehen und wo die Fusswege gefliesst, mosaikartig gekachelt oder andersweitig befestigt sind. Vor allem ist das natürlich hilfreich, im Sommer die Häuser kühl zu halten. Denn wenn alles dicht zusammen steht, ist der Schatten immer da und wirkt kühlend, während gleichzeitig der Wind entsprechend durchwehen kann. Im Grunde genial. Gleichzeitig aber reduziert es die Möglichkeit für Insekten wie Mücken und Fliegen, Fuss zu fassen und sich zu vermehren. 

Lebt man nun mehr "in der Natur", was nicht oft auch bedeutet, das man etwas mehr "im Dreck" lebt, dann merkt man schnell, dass die Einheimischen nicht ohne Grund solche "geballten" Siedlungsstrukturen erfunden haben. 

"In den Tropen und Subtropen häufige häufige Infektion, die durch unzureichende Ernährung (Eiweissmangel), schlechte hygienische Voraussetzungen (Schmutzkrankheit) und das feucht-heisse Klima gefördert wird. 

Übertragung: über direkten Körperkontakt (Schmierinfektion), aber auch durch kontaminierte Gegenstände, Insektenstiche und Bagatellverletzungen." 

books.google.es/books?id=RFwW6CQhTigC&pg=PA228&lpg=PA228&dq=staphylokokken+Subtropen&source=bl&ots=DKLcf1OiTa&sig=Acc5JHSEwvEL7P1WUi6n_wjOIcQ&hl=es&sa=X&ved=0CCwQ6AEwAmoVChMI4daq2N6DyQIVx78UCh1cYADh#v=onepage&q=staphylokokken%20Subtropen&f=false 

In der Natur wimmelt es hier in Spanien von Fliegen, die mich täglich von der Finca in die Stadt scheuchen, zumal ich sie auch als Überträger der Bakterien vermute. Sie sitzten ja im Dreck und fliegen dann schnurstracks zu den Menschen, wo sie sich bevorzugt um aufgekratzte Mückenstiche und andere kleinen Wunden gruppieren. Hinzu kommt, dass der "alternative Lebensstil" ja oft einfach auch bedeutet, weniger hygenisch zu sein. Wir hatten das Thema ja schon bei der Ursachenbetrachtung von Karies: Stichwort Zahnpflege. 

Ergebnis sind dann oft diese garstigen Infektionen. Gleichzeitig habe ich beobachtet, dass die Einheimischen, genau wie in Costa Rica, bevorzugt lange Hosen tragen. Nicht so der zugezogene Nordeuropäer. Der rennt bevorzugt mit kurzen Hosen durchs Gestrüpp. Reisst sich die Haut auf oder lässt sich von Mücken stechen und das Ergebnis können dann diese Staphylokokkeninfektionen sein. 

Kurios: in Costa Rica habe ich MONATELANG lange Hosen getragen, nur zum Ende hin bin ich auf Shorts umgestiegen und prompt hat mich die Leishmaniose dort erwischt. 

Die Möglichkeiten der Moderne, innerhalb von relativ wenigen Stunden überall auf der Welt hinzugelangen, hat natürlich auch ihre Schattenseiten. Und die sieht man dann, wenn man mit Erregern konfrontiert wird, die es eben in Mitteleuropa nicht gibt. Ich muss mich wiederholen, aber die Menschen, die hier leben, sind die Überlebenden vorangegangener Infektionen und Epidemien. Kommt man als Nordmann dann hierher, muss man quasi erstmal beweisen, ob man für dieses Klima tauglich ist! lol Rohkost hin oder her. Hier lebt ein Einheimischer in der Gruppe, der die Infektion schon öfters hatte und sie jedesmal ohne grossartige Behandlung los wurde. Ganz anders dann die "Zugezogenen". 

Für Hachfeld ist Staphylococcus aureus ein alter Bekannter: «Hautinfekte sind ein häufiger Grund, weshalb Tropenreisende zu uns in die Sprechstunde kommen.» Dabei ist das Bakterium, das V. und ihrem Partner das Leben schwermachte, auch in unseren Breitengraden weit verbreitet. Bei etwa 20 bis 50 Prozent der gesunden Erwachsenen findet man laut dem deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung das Bakterium auf den Schleimhäuten von Nase oder Rachen. Normalerweise bereitet der Erreger keine Probleme. Doch unter bestimmten Bedingungen – beispielsweise bei Hautverletzungen und besonders grosser Hitze wie in Thailand – kann er in die Haut gelangen und dort für Unheil sorgen,

www.20min.ch/wissen/gesundheit/story/Nach-den-Thailand-Ferien-kamen-die-Eiter-Abszesse-11052604

Aber genau so funktioniert Natur: da wird erstmal selektiert. Und für den mitteleuropäischen Körper bedeutet eben die Hitze, die Feuchtigkeit, die Sonnenintensität, die fremde Sprache und die fremden Gebräuche auch irgendwo Stress, was natürlich unterbewusst das Immunsystem schwächt. 

Interessant ist auch der Instinkt, aus den Infektionsgebieten wegzugehen und sich von infizierten Gruppenmitgliedern fern zu halten. In Costa Rica wurden Menschen mit solchen Infektionen auch schon mal gebeten, die entsprechenden (Rohkost)-Gruppen zu verlassen, bis es vorüber war. Hier wird es ähnlich gemacht, bzw. es wird darauf gedrängt, entsprechende Antibiotikasalbe zu benutzten oder die Wunden abzudecken. 

Manchen wir uns mal nichts vor: wenn man solchen Scheiss hat, oder ihn mal wieder bei anderen Leuten sieht, kriegt man Lust auf einen kalten Winter mit viel Schnee und Temperaturen unter 10 Grad Minus. Es ist schon maximal abtörnend, wenn fast jeder, den man begegnet, diese Art der Infektion hat oder hatte. Das wirft dann einen maximalen Schatten auf diese sonnendurchflutete Küsten hier. Aber nochmal: es gibt eben auch einen Grund, wieso die Einheimischen so leben wie sie leben. In diesen typischen spanischen Siedlungsstrukturen. Und wieso diese Infektionen in der "alternativen Szene" grade so weit verbreitet ist. 

Und eines muss man auch mal festhalten: zum Glück gibt es Antibiotika. Die Salbe hat ja bei den meisten recht gut gewirkt. 

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