Man fasst es nicht

20.09.2018 19:56

Ab und an kommen mal Meldungen, wo man sehr schön sieht, in was für einer perversen Gesellschaft wir leben.

Das hier zum Beispiel: www.zdf.de/politik/frontal-21/kleidung-von-hundm-100.html

Zu H&M gehen - das war jahrelang cool: lässige Mode, kleiner Preis. Jeden Monat eröffnete eine neue Filiale. Die schwedische Modekette "Hennes & Mauritz" boomte. Doch mittlerweile trifft sie den Geschmack der Kunden nicht mehr.

Schon krass.. eine Mode jagt die andere, immer wieder neue Kleider, neue Begehrlichkeiten, neue Schnitte, neues Trallala um diese neuen Moden.

Nur um irgendwas am Leib zu tragen.

Wenn man sich mal überlegt, wie man früher so rumgerannt ist, vor dem Erfinden der Wachstumswirtschaft, dann sieht man, dass es modemäßig eher langweilig aussah. Da gab es die Arbeitssachen für alle Tage und die Trachten und die Sonntagskleider für die Feste und den Gottesdienst. Noch früher war man nackt und / oder in pragmatischer Fellkleidung.

Da hatte man im ganzen relativ wenig Abwechslung, war aber irgenwie immer gut angezogen.

Das fand ich ja in Österreich recht nett. Da rennen die Menschen noch sehr oft mit Trachten rum und da sah man vor 100 Jahren gut drin aus und auch heute ist es nett anzusehen.

Das Problem: damit kann man schwer Wachstum generieren. Die Textilindustrie ist weltweit die größte Industrie, und wenn es da nicht immer wieder neue Moden gibt, dann ist es vorbei mit dem ewigen Wachstum.

Also muss man immer wieder neues erfinden, Trends setzen, Neues cool erscheinen lassen usw. Nur um immer wieder die Megamaschine anzutreiben. Umsatz, Umsatz, Umsatz.

Immer häufiger shoppen die Kunden bei der Konkurrenz oder online. Die Folge: H&M kämpft mit Ladenhütern im Milliardenwert, berichten Frontal 21 und die WirtschaftsWoche. Der sogenannte "Stock-in-trade" - der Warenbestand - wuchs im ersten Halbjahr 2018 von 3,1 auf 3,5 Milliarden Euro und damit umgerechnet um elf Prozent. Das ergibt sich aus aktuellen Finanzdaten des Unternehmens, die die Redaktionen ausgewertet haben.

Und das ist dann die Folge. Da gibt es dann plötzlich eine neue Mode wie man "shoppt" und schon schwillen die Lagerbestände an.

Kleidung wird vernichtet

Außerdem lässt das Modeunternehmen laut internen Unterlagen Kleidung vernichten. Das geht aus einem vertraulichen Bericht des Wirtschaftsausschusses der deutschen Logistiktochter an den Gesamtbetriebsrat vom Juni 2018 hervor. Demnach wurden "ca. 100.000 pcs", also etwa 100.000 Kleidungsstücke vernichtet. Weiter heißt es in dem Papier, das den Redaktionen vorliegt: "Ladenhüter sind für H&M eine neue Erfahrung." Zurzeit "haben wir 5 Saisons im Haus" - das sei "nicht normal für H&M".

Es ist eigentlich pervers.

Wenn man sich mal die Natur anscheut, dann ist die eigentlich eine Überflusssituation. Und da man damit eben kein Geschäft machen kann, weil eben erst der Mangel die Preise hochtreibt, muss man eben immer wieder Knappheit erschaffen. Und dann werden eben Äpfel vernichtet, Tomaten, Milch, Butter... immer wieder finden diese großen Vernichtungsaktionen statt, weil man es nicht verschenken kann, was ja den Preis drücken würde und weil man es auch nicht so billig machen kann, dass sie die Produktion nicht mehr lohnt. Also werden immer wieder Überschüsse "abgebaut".

Ich glaube, wir Menschen sind zu sehr im Materiallem gefangen. Statt jedes Jahr neue KLeider zu tragen, wäre es besser, jedes Jahr neue Feste zu erfinden, wo man auch das Spirituelle feiert. Es wird aus meiner Sicht eh Zeit, das Materielle nur noch als Lebensgrundlage zu sehen, aber ansonsten den spirituellen Bereich zu fördern.

In der Liebe, in Beziehungen, beim Abbau des Egos ist unendliches Wachstum möglich, unendlich viele Erfahrungen zu machen, immer wieder tiefe Erfüllung möglich. Man kann unendlich kreativ sein, unendlich weise, unendlich tiefsinnig, unendlich liebend... wir aber haben das Geistige ins Materielle gezogen und wundern uns, dass es dort nicht funktioniert.

Wir haben das Geistige, das Spirituelle an die Materie gekoppelt und wollen nun dort unendliches Wachstum, unendliches Glück, unendliche Zufriedenheit finden. Und genau das finden wir da nicht. Statt dessen: Stress, Umweltverschmutzung, Verrücktheiten.

Der Mensch braucht nur ganz rudimentäre materielle Wurzeln. Gutes Essen, ein Dach übern Kopf, wärmende Kleidung, dort, wo es notwendig ist. Alles andere ist schon Ebene des Geistes. Liebe, Beziehungen, Sexualität, bis hin zu Erleuchtung, Frieden, Weisheit, Lachen, Spaß... das alles ist schon die Welt des Geistes, denn der Mensch ist kein Tier mehr, sondern vor allem ein geistiges Wesen. Das Materielle ist die Basis, auf der sich das Geistige entwickelt und zeigt.

Unsere moderne Gesellschaft aber ist im Materiellen gefangen. Statt neue Erfahrungen in der Liebe, tiefere Beziehungen, schönere und genussvollere Sexualität, besseres Einhalten der Gesetze der Natur, liebevollere Aufzucht der Kinder, tiefere Verbindung zur Natur und zur spirituellen Welt und befiedigendere Arbeit, setzen wir auf materielles Wachstum und die Schattenseite davon sind Umweltverschmutzung, Vermüllung, Vernichtung, Ausbeutung.

Und dann klagt man H&M an, dass die am Ende Klamotten vernichten. Aber was sollen sie sonst machen? Verschenken? Geht nicht. NICHTS darf umsonst sein und auch die Afrikaner wollen ihre selbst hergestellten Klamotten verkaufen.

Also bleibt in dieser Wirtschaftslogik nur der Schredder.

Mich erstaunt nur, dass man sich dann darüber aufregt. Das hat etwas von sich drüber aufregen, das Wasser naß ist.

Wir Menschen hoffen, dass wir das Glück, was es nur im Geistigen gibt, im Materiellen finden. Noch größeres Auto, noch mehr technischer Schnickschnack. Noch breiterer Fernseh, noch besseres Smartphone mit noch mehr Funktionen, noch größere Urlaubsreise.

Immer meint man, dass man im Materiellen das Glück findet. Aber nie wird das Versprechen gehalten. Und so wird man irgendwann süchtig. Noch mehr, noch ein bisschen mehr, aber dann...

Eigentlich müsste die ganze Gesellschaft mal loslassen. Mal innehalten, sich am Kopf kratzen und sich fragen: "Was um alles in der Welt machen wir hier?" und dann: "Also bei aller Liebe, aber so können wir nicht weitermachen!" ... genau das ist es, was gerade DRINGEND gebraucht wird.

So wie wir jetzt agieren, können wir nicht weitermachen.

Und je eher das die Masse erkennt, umso weniger Aufwachkrisen wird es brauchen.

Die Rohkost halte ich hier für ein starkes Gegengift. Eben weil man mal auf der körperlichen Ebene aus der permanenten Unzufriedenheit kommt. Da ist man zumindest auf körperlicher Ebene mal satt und zufrieden, wenn man gut auswählt. Und wenn das zum Dauerzustand wird, dann wird man ganz von selbst "wie gewandelt". Dann spürt man, dass es den ganzen materiellen Überfluss nicht braucht, sondern dass es Liebe braucht, Zuneigung, Zärtlichkeiten, Heilung, heilsame Beziehungen.

Wenn ich nach einen guten Essen richtig gut satt und zufrieden bin, wieso dann nach noch mehr streben?

Deswegen wird das Essen doch immer beschissener, immer künstlicher, immer gehaltloser. Damit die Menschen noch unzufriedener werden und noch mehr nach dem Materiellen streben. Der Verfall der Nahrungsmittelqualität ist doch umgekehrt proportional zum Wirtschaftswachstum. Früher nach dem Krieg, nennen wir das mal Stunde 0, haben die noch sehr viel natürlicher gegessen. Eigene Kartoffeln, Selbstgeschlachtetes, Kohl und andere Gemüse, wenig Zucker und kein Junkfood. Da war das BIP auch noch sehr gering. Je mehr sich die Megamaschine beschleunigte, die Wirtschaft also anwuchs, desto denaturiert wurde die Ernährung.

Und das MUSS so sein. Weil zufriedene Menschen irgendwann merken, dass es mal reicht. Nur der permanent Unzufriedene dreht immer neue Runden, und meint, dann endlich wird es mal besser.

Je größer die körperlich-geistige Unzufriedenheit, desto größer der Antrieb im derzeitigen Wirtschaftssystem, das im Materiellen zu befriedigen.

Die omnivore Rohkost ist hier eine echte Bremse. Und jeder kann sich dieses Gegengift selber im Garten ziehen.

Ist euch schonmal aufgefallen, dass in jeder Doku, jedem Film, jedem Bericht über Zivilisationsmenschen, die Kontakt mit Naturvölkern machen, dieser erste Kontakt nie mit Äpfeln stattfindet? Sondern immer mit Kaugummis, Schokolade, Keksen und anderen Schrottprodukten?

Weil, so meine Theorie, man unterbewusst eben diese Menschen mit runter- und reinziehen möchte. Weil man weiß und spürt, dass nur so die eigene Existenz im System gesichert ist, wenn es wieder neue Kunden gibt. Danisch nannte es das Prinzip der progressiven Kundenwerbung.

Genau das läuft da unterbewusst ab. Weil das System immer defizitär ist, braucht es immer neue Kunden. Und die lockt man am besten mit kostenlosen Häppchen.

Und ich habe in Mittelamerika selbst tief im Dschungel Kioske gefunden, wo man sich mit dem ganzen Müll der Moderne eindecken kann. Und mit dem Müll kommen die Zahnärzte.

So läufts.

Wir können uns doch so teure Kleider zulegen, noch so sehr jeder Mode mitmachen, noch so versuchen, immerau f der Höhe der Mode zu sein... es ist sinnlos. Am Ende ist man nur ausgebrannt und merkt, dass das, was wirklich wichtig war, nirgends mitgekauft werden konnte.

Alles was man braucht, ist Liebe.

John Lennon.

Na ja, ich befürchte ja, dass es noch ein ziemlich heftiger Aufwachprozess werden wird.

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