Masaya

06.01.2014 12:02

Nachdem ich gestern den Tipp bekommen habe, dass es in Masaya einen grossen Markt gibt, bin ich heute mit dem Bus gleich nach dem Aufstehen los. Und war ueberwaeltigt. Masaya ist nur 14 km von Granada entfernt und der Markt ist quasi das Herzstueck dieser Stadt. Hier kann man so gut wie alles bekommen. Obst, Gemuese, Fleisch, Fisch, Kleider, Eletronik, Klamotten, Schuhe. Um sich ein Bild zu machen: www.facebook.com/matthias.brautschek.3/media_set?set=a.10202784460162127.1073741830.1519138220&type=1

Ich kanns auch nicht in Worte fassen. Ein Gewuehl aus dunklen Gassen, Menschen, Marktstaenden, fremdartigen Geraeuschen, alles zusammengezurrt durch hektische Betriebsamkeit. Es ist bunt, es ist laut, es ist dreckig, es ist heiss und es stinkt. Mir schwirrt der Kopf vor Eindruecken, zum Teil ekle ich mich etwas, zum Teil nimmt mich das Treiben vollkommen gefangen. Mein Fotoapperat ist im Dauereinsatz. Und doch verpasse ich so viele Motive. Ich frage mich: wie regelt sich dieses Chaos? Wer kauft all den ganzen Kram? Ich irre durch die ganze bunte Welt Lateinamerikas.  

Und das als einziger Weisser weit und breit. Manchmal werde ich angestarrt, manchmal angelacht, manchmal schaut man grimmig. Aber meist geht alles seinen gewohnten Gang. Hier ist man direkt im Leben, verlaesst die gemuetliche Welt des Hostels, den geschuetzten Bereich der Laptop -, Smartphone -, TablettPCbenutzer, die sich auf Mittelklasse-Englisch, egal wo sie herkommen, verstaendigen. Ich bestaune die Vielfalt, das bunte Treiben, die Fuelle, die mich umgibt. Der innere Teil des Marktes ist ueberdacht. Dunkel. Ueberfuellt mit Menschen und Waren, die sich in engen Gassen draengen. Man preist die Waren an, aber nie aufdringlich. Fragt man die Menschen, ob man ein Foto machen darf, so lachen sie meist, stellen sich in Pose und man ist ploetzlich mitten drin im Alltag dieser Leute. Ab und an versuchen Lastentraeger oder Lastenfahrer, sich ihren Weg durch die Gassen zu bahnen. Zumeist kraeftige Burschen jeglichen Alters. Ganze Familien versammeln sich hinter den Ladentheken. Jeder ist am Verkauf beteiligt. Oft lachen einen die Kinder an. Oder die aelteren Marktfrauen feixen sich eins, wenn man sie nicht versteht, oder schon die x-te Kokosnuss austrinkt, weil die hier nur knapp 30 Cent kostet und unendlich lecker ist. Es stapeln sich Tonnen von Bananen. Wer um alles in der Welt kauft das alles? Und diesen ganzen Schuhe! Noch nie hab ich Laeden mit sovielen Schuhen gesehen!! 

Nach zwei Stunden und zwei Kilo verschiedener Erdnuesse, die ich dort gekauft habe, bin ich satt. Es reicht. Ich gehe zum Bus, oder besser, zu diesem Gewuehl aus Oldtimerbussen, aber es ist kein Problem, den Richtigen zu finden. Der Busfahrer, oder der Ticketverkaeufer, der auch immer im Bus mitfaehrt, ruft den Zielort ihres Busses lautstark aus. Es ist fast unmoeglich, den falschen Bus zu nehmen. "Masaya, Masaya, Masaya!" klingt es melodisch auf dem Hinweg, so als ob es dort das Paradies zu finden gibt und jeder ist aufgefordert, in den Bus zu steigen. Bus. Eigentlich ist es mehr ein Grossraumtaxi, dass bei Bedarf an jeder Pumpe haelt. 

In Nicaragua gehen die Uhren halt doch anders und die Mentalitaet ist schwer in Worte zu fassen. Gestern war ich auf dem Heimweg vom Strand; eigentlich wollte ich eine Bootstour machen, um mir die vorgelagerten Inseln anzuschauen, die sehr schoen sein sollen, aber es war Sonntag und alles war ueberfuellt; als ich an einem Softballspiel vorbei kam. Ich denke, es war Softball, da man von unten geworfen hat, nicht von oben. Keine Ahnung, wer da gegen wen gespeilt hat oder wie der Spielstand war. Ich hab mich aber einfach hingesetzt, nachdem ich durch ein Loch im Zaun gekrochen bin und hab mich zu den paar Hanseln gesellt, die das Spiel anschauen wollten. Ca. 10m links von mir war eine kleine Gruppe von Alkis, aus der einer das Spielgeschehen lautstarkt kommentierte. Wahrscheinlich hat er aber Beleidigungen geschriehen. Neben mir sitzt ploetzlich ein Junge von vllt 18 Jahren. Der lacht ab und an, wenn der Typ, ein staemmiger Kerl mit sehr dunkler Hautfarbe, was rumschreiht. Und schreihen tut er eigentlich die ganze Zeit. Seine Kumpels lachen auch oft, dann geht mal wieder die Schnapsflasche rum.

Ich kann garnicht sagen, ob der den Gegner oder die eigenen Leute sarkastisch kommentierte, denn ploetzlich war Pause und die Spieler in Rot kamen rueber. Scheinbar kannte man sich und man lachte und vermittelte den Eindruck, dass man einander kennt. Einem Spieler muss das Geschreihe aber auf den Keks gegangen sein. Jedenfalls haben er und der Staemmige diskutiert. Aber nicht ungut, obwohl der Spieler, ein eher schmalerer, drahtiger Typ mit heller Haut und in seinen spaeten 20ern schon angepisst wirkte. Na ja, jedenfalls war es dann wohl vorbei, der hat gesagt was es zu sagen gibt, man geht auseinander. Da sagt der Staemmige noch was und ploetzlich ist der Jugendliche neben mir ganz aufgeregt, schupst mich an und sagt: Boxkampf! Und da sitze ich nun, waehrend fuenf, sechs Meter von mir beide Kontrahenten in Stellung gehen und ploetzlich ein Boxkampf startet. Mir war von Anfang an klar, wer gewinnt und so kam es auch. Nach einigen Sekunden hin und her hat der juengere Spieler zwei drei Schwinger losgelassen und der Staemmige ging in Deckung. Das wars dann. Der Drahtige schlaegt noch ein paarmal zu, dann ist der Kampf beendet. Der Dunkle hat eine kleine Platzwunde an der Stirn und eine ziemliche Beule. Der andere setzt sein Basecap wieder richtig rum auf und geht davon. Die andere Leute lachen, reden noch was, wie immer nach solchen Aktionen ... aber die Sache ist offensichtlich geklaert. Der Staemmige leckt seine Wunden, scheint aber weiterhin guter Dinge zu sein, auch wenn er jetzt wohl erstmal nicht mehr rumschreiht. Irgendwie auch ne funktionierende Art, die Dinge zu klaeren. Die Sache war fair, anscheinend war nur Boxen erlaubt und einer hat gewonnen, der andere verloren. Irgendwann gings Spiel dann weiter, der kleine Trupp Alkies hat auch weitergesoffen. Es war ja weiterhin ein schoener Sonntag ... und ich bin dann auch weiter gegangen, nebenan gabs ein Basketballspiel zwischen den Bulls woher auch immer und Andros Gym. Auch hier war bald klar, das die kraeftigen Jungs aus Andros Gym keine grosse Chance gegen die einfach treffsichereren Bulls hatten. Die hatten einen Spieler, der einfach seine Punkte machte, wahrend die Andros meist daneben geworfen haben. Also bin ich da auch weiter.

Alles in allem war es also ein netter Sonntag. Ich hab X Kokosnuesse gesoffen und gefuttert, war am Strand, hab auf dem Spielplatz Klimmziehen geuebt und war abends dann auch dem Glockenturm der Kathedrale. Kostet einen Dollar und kurz vor Sonnenuntergang ist das einfach eine schoene Sache. Die Kirche war voll. Irgendein Fest. Kinder hatten sich als Piraten verkleidet. Der Bischof hellhaeutig, fett und glatzkoepfig. Prima. Wie aus dem Bilderbuch. lol Im Dorm hat man wieder mitten in der Nacht viel zu tun, bevor man ins Bett geht... und ich ueberlege, mir mal wieder richtig mit Bananen vollzufressen. Man koennte das wirklich als Strafe einsetzen, wenn denn die Blaehungen losgehen. Aber das lass ich dann wohl doch lieber...

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