Mein Veganer Kumpel

20.11.2015 14:20

Ich habe hier in Nerja einen Engländer getroffen, sehr netter Kerl, schon etwas älter, der aber auch unbedingt vegane Rohkost machen möchte. Er versucht das schon seit einigen Jahren, zumeist erfolglos. Und er meinte die Tage immer, dass er froh sei, in einer röhköstlichen Umgebung zu sein. Gestern nun hat er mir aber gestanden, dass er eigentlich nur eine Woche roh war seitdem er hier ist und danach anfing, wieder vegane Pizzen und anderes zu essen. Nun ist das für mich persönlich ja überhaupt nicht relevant, wie jemand isst, solange er sich OK benimmt und so musste ich eher lachen. Wir hatten dann aber noch eine kleine Diskussion, weil ich ihm auch mal im Klartext aufgeklärt habe, dass eine vegane Rohkost eben wirklich sehr oft garnicht erst aus dem Kochtopf herausführt. Wir sprachen über das Fruktose / Glukose Problem, über Omega 3 Fette und natürlich über B12. 

Heute hatten wir bei der Avocadoernte erneut die Gelegenheit, uns zu unterhalten und ich habe ihm einige Beispiele genannt, wo die vegane Rohkost grade für Kinder fast tödlich geendet ist. Da gibt es ja einige traurige Beispiele. Und er erzählte mir dann auch von einer Rohveganerin, deren Kind verstorben sei. Er wusste aber nicht warum, aber alleine meine Schilderungen waren ausreichend, um etwas in ihm zu "triggern". Und so hat er sich zumindest mal entschlossen, B12 zu supplementieren. Besser als nichts zumindestens, zumal es hier auf der Finca einige zu machen scheinen. 

Passend dazu fand ich heute auf Facebook folgende Stellungnahme von Sven Rohark:

Zu den veganen Facebookpostings meine Stellungnahme 

Hiermit möchte ich allen Veganern weltweit mein tiefstes Beileid aussprechen. Ihr wisst nicht was gut ist. Seit nun 25 Jahren praktiziere ich eine Rohkosternährung mit tierischen Produkten. Ich esse Früchte (möglichst wild, wenig gezüchtet), Salat und andere grüne Blätter, Honig, Kokosnüsse, absolut unbehandelte Oliven und tierische Produkte (fettiges Fleisch, Knochenmark, Leber, Niere, Tintenfisch, Muscheln, Eier..). Jetzt auch ohne Gemüse, nur Blattgrün, auch Avocados nur als Ausnahme, kein Salz und andere Gewürze. Immer ohne Mischungen, von einem Produkt so viel wie ich will, erst dann das nächste. Oft nur ein Produkt je Mahlzeit und natürlich alles roh. 

Mein Körperzustand ist so genial, ich habe das Gefühl jetzt eine Grenze erreicht zu haben, es ist keine Steigerung mehr möglich. Meine Geschmackserlebnisse sind orgasmisch. Der Normalmensch kann meinen Körperzustand am ehesten sich vorstellen wenn er 10 - 20 - 30 Tage fastet und volle körperliche Kraft hat. Und mein Geschmackserlebnis wenn er nach einem längeren Fasten wieder das erste Mal isst. Eure Bemühungen mir diese Ernährung schlecht zu reden ist so vergeblich, wie ihr wölltet mir erklären nicht mehr; eine Frau zu lieben, sie zu küssen, Sex zu haben und Orgasmen mit ihr zu erleben oder mich an der Schönheit der Erde zu erfreuen. 

Ja es gibt schlechte Tierhaltung, dass gibt es aber auch in der pflanzlichen Landwirtschaft. Monsanto, tonnenweise Pestizide, Palmenöl, Gentechnik usw. Hören wir deswegen auf Pflanzen zu essen? Und ja man muss ein Tier töten um es zu essen. Für mich ist das ein Teil unseres Lebens, der Natur. Nur mit hochwertiger Nahrung erlebe ich himmlische Genüsse und den perfekten Körperzustand, also freie Weidehaltung, höchste Bioqualität, eigene Himbeeren, Salat, Eier und wilde Nahrung die man so in der Natur sammeln kann. 

Klar gibt es bei mir auch vegane Tage, ich höre da auf meinen Körper. Er sagt mir was und wieviel ich esse. Wenn er Salat will bekommt er Salat, da muss ich diese Blätter essen, tierisch schmeck mir dann gar nicht. Und manchmal anderes herum, oder beides hintereinander usw. Nur so bleibe ich in Harmonie. 

Alles Liebe und Gute

Sven Rohark (Fragen zum Thema beantwortet mein Buch "Die Rohkostrevolution")

Wir erleben hier wohl auch etwas die Renaissance der Instinktiven Ernährung, denn auch Sven hatte in der Vergangenheit öfters gemischt gegessen. Und so wie ich auch meine Salatphase hatte, weil es eben mit der "normalen" Instinkto einfach nicht gut klappte, so hat wohl auch Sven einige für ihn passende Adaptionen vorgenommen. 

Und vielleicht ist das das Geheimnis, um die Instinktive Rohkost auch wirklich einigermassen gut zu praktizieren und aus der Disbalance heraus zu kommen. Ich bin ja weiterhin der Meinung, dass grade die Zuchtfrüchte super geeignet sind, um sich aus der Balance zu bringen und den Instinkt massiv zu betrügen, so dass dann Zahnschäden, B12-Mängel und anderes am Ende dieses Weges warten. 

Im Umkehrschluss heisst das aber auch, dass mit einigen Adaptionen und ja, auch wieder etwas Disziplin, es möglich erscheint, eine wirklich gute Rohkost auch instinktiv zu praktizieren. 

Die in vielen Blogs dokumentierte Art der Instinktiven Rohkost mit kiloweise Früchten (wo man sich ja eigentlich den Bauch vollhaut, nur, wieso?) und kiloweise Fleisch abends (mal auf diesen Nenner runtergebrochen) erscheint mir weiterhin der helle Wahnsinn, aber gut, muss jeder selber wissen. Aber man kommt eben mit den Früchten schnell in die Verlegenheit, sich vollzufressen, weil die eben keine richtige Sättigung auslösen. Anders als die glukosereichen Produkte. Der Unterschied war sowas von gravierend, als ich dies mal ganz bewusst erlebt habe. 

(...) Ergebnis der Pilotstudie: Fruktose ist im Vergleich zu Glukose weniger gut in der Lage, Sättigungsgefühle hervorzurufen und die Belohnungssysteme im Gehirn zu stimulieren. Die Auswertung der MRTs zeigte, dass sich die beiden Zuckerarten in der Netzwerkaktivierung innerhalb des limbischen Systems mit Hippocampus und Amygdala deutlich unterscheiden – in jener Hirnregion, die Emotionen und Triebe reguliert. Zudem stiegen die Sättigungshormone im Blut nach dem Fruktosekonsum kaum bis wenig an – im Gegensatz zur Glukose, die ein starkes Signal hervorrief.

Das subjektive Sättigungsgefühl war tendenziell ebenfalls weniger von der Einnahme von Fruktose beeinflusst. „Die Studie könnte erste wichtige Hinweise über die fehlenden sättigenden und belohnenden Effekte von Fruktose liefern“, sagen die Erstautorinnen Dr. Bettina Wölnerhanss en und Dr. Anne Christin Meyer-Gerspach. Wieweit dabei der unterschiedliche Insulinspiegel oder andere Einflüsse eine Rolle spielen, müssten weitere Untersuchungen mit mehr Probanden zeigen. Hinweise aus der Forschung mehren sich, dass die isolierte, industriell hergestellte Fruktose – wie sie sich zunehmend in Süßgetränken, Süßigkeiten und Fertigprodukten findet –, dem menschlichen Organismus Probleme bereitet: Sie steht im Verdacht, verschiedene Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Leberverfettung und Gicht zu begünstigen. (Quelle)

Anscheinend ist das auch bei den süssen Früchten oft der Fall, dass es zu einem Überessen führt (also wenn ich mir die Cherimoyaorgien hier so anschaue - lol). Und ich hatte ja in Tautavel auch gemerkt, dass ich trotz Feigenorgie bis der Bauch randvoll war nicht das Gefühl hatte, SATT zu sein. Eine Erfahrung, die ich mit meiner gemüsebasierten Diät eigentlich immer habe. 

Es macht also Sinn, die Rohkost für sich zu adaptieren und nicht einfach zu denken: der Instinkt wirds schon richten. Dafür sind die Fallen und Fallstricke einfach viel zu zahlreich. 

Und für die, die unbedingt Vegane Rohkost machen wollen, na gut, die sollten eben B12 und andere Sachen wie Zink, Omega-3 und andere Hinhaltsstoffe, die sich vornehmlich in tierischen Sachen befinden, supplemieren. Hilft ja nichts. Und ansonsten eben auch schauen, ob sie glukosereich essen, da sonst Rückfälle wie bei meinem veganen Kumpel hier vorprogrammiert sind. 

Und obwohl der nachfolgende Artikel (siehe hier) sich vor allem auf die isolierte Fructose in der Kochkost bezieht, sind einige Probleme leider auch schon bei einer Ernährung mit vielen süssen Früchten aufgetreten. 

So, und zum Schluss noch ein Link auf ein geniales Album der Band Talk Talk, welches mir grade musische Hochgenüsse bereitet! Hoffe, es geht in Deutschland...falls nicht: siehe hier

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