Meine Gedanken zum Aufstieg der Rechten in Europa

14.12.2015 17:13

Wen wundert der Aufstieg eigentlich?

Die etablierten Parteien fallen irgendwann auch bei noch so ehren vielen zwangsläufig der Korruption anheim (das passiert zumeist über einen längeren Zeitraum) und etablieren ein System, dass zwar VORGIBT, dem Allgemeinwohl zu dienen, aber TATSÄCHLICH nur einer kleinen Elite zu immer mehr Wohlstand verhelfen soll. Dies MUSS im Laufe der Zeit, wenn die Politik der Umverteilung immer dramatischere Ausmaße annimmt, zur Spaltung der Gesellschaft führen, denn die Politik muss, eben um der Reichtumvermehrung nicht im Wege zu stehen, eine Politik machen, die eben viele Menschen ins Abseits drängt oder droht, ins Abseits zu drängen.

Das alles kann man natürlich mit Hilfe der Medien noch bis zu einem gewissen Grad beherrschen. Denn die Korruption bleibt nicht nur vor der Politik stehen, sondern durchsetzt irgendwann alle Organe der Öffentlichkeit. Politik, Medien, Gewerkschaften. 

Aber irgendwann kommt es zum Erstarken von Gegenströmungen. Siehe England, Griechenland, Portugal, Spanien (Linke Bewegungen), Frankreich. 

Eine Politik also, die nur mehr dem Machterhalt und dem Wohl einer kleinen Elite dient und sich dabei eines Kampagnenjournalismus und einer breit angelegten Meinungsmache bedient, gepaart mit einer Deutungshoheit, was politisch korrekt ist und was nicht, MUSS also zwangsläufig aufgrund ihrer Widersprüchlichkeit zur Zuspitzung und zu Spaltungserscheinungen in der Bevölkerung führen.  

Die Lösung wäre aus meiner Sicht eine generelle Politik der Integration und des Zusammenführens der verschiedenen Strömungen, der Solidarität und der Wieder-Ausrichtung auf das Gemeinwohl. Nur sehe ich da keinerlei politische Kraft in Europa. Somit entstehen entweder neue Strömungen, oder Teile der Bevölkerung radikalisieren sich. 

Die etablierte, korrumpierte Politik muss sich also entscheiden: entweder wieder mehr Politik für das Gemeinwohl, oder weiter Politik
für die Eliten, dann aber sind die Konsequenzen ein Abdriften der Bevölkerung ins Extreme oder / und sogar die eigene Radikalisierung, um in der Wählergunst zu punkten (siehe dazu als Bsp. auch SPD - Griechenlandbashing, Grüne - Russlandbashing - beides richtet sich entweder gegen progressive neue Strömungen oder pro Elitenagenden). Beides zusammen geht nicht. 

Bei aller moralischer Überheblichkeit übersieht man ebenfalls, dass Faschismus ein Problem ist, dass nach Wilhelm Reich alle Teile der
Bevölkerung befallen kann. 

Warum? Reich geht davon aus, dass die rechtsradikalen Ideologien ihren Anschluss an die latenten Grausamkeit des Einzelnen findet, die verkürzt gesagt, aus einer autoritären Erziehung und repressiven Gesellschaft stammt. (Die Massenpsychologie des Faschismus)
www.youtube.com/watch?v=ncBNd0RVwr0

Es bedarf also, um das zwangsläufige Erstarken der Rechten zu verhindern, genau des Aufgreifens der Politik der neuen linken
Bewegungen. Weniger Austerität, Schluss mit der Umverteilung nach oben, mehr Solidarität und Gemeinwohl. 

Und da, wie schon erwähnt, keine der etablierten Parteien hier die Kraft zu haben scheint, siehe auch dazu den unsäglichen SPD
Parteitag, wird der FN in Frankreich und die Rechten generell in Europa ihre Macht ausbauen können. Und dies im gleichen Ausmaß, wie
die korrumpierte Politik die Daumenschrauben anzieht, die linke progressive Politik unterdrückt und weiterhin Politik mehrheitlich
gegen das Gemeinwohl macht. 

Und ich denke auch, dass da ebenfalls eine anti-deutsche Haltung mitschwingt. 

Und man bejubelt jetzt zwar, dass der FN nicht gewonnen hat, und dass mehr Wähler mobilisiert wurden. Aber man kann den gewaltigen Aufstieg des FN nicht mehr wegdiskutieren.

Und wenn man mal genau hinschaut: die EU war von Anfang an ein Projekt der Eliten, so schön und lobenswert die Ziele auch waren,
wurde dann aber mehr und mehr zum Instrument der Umverteilung. 

Vielen Millionen Menschen geht es ja jetzt nicht wirklich besser als vorher, Millionen sind ohne Job, oder verdienen als Akademiker
weniger als die Eltern als Angestellte, Portugal entvölkert sich zunehmend, Millionen sind in prekären Beschäftigungsverhältnissen und
sicherer ist die Welt auch nicht geworden. 

Das spüren die Menschen ja... und dann reden die Analysten der Parteien wieder, man müsse die Menschen mehr mitnehmen, sie ernst nehmen und wieder zuhören lernen.

Nur dann bekommen sie gesagt, was nicht passt, nämlich das die Schule mal saniert werden müsste, oder der Sportplatz, dass die  Altenheime mal verbessert werden müssten oder die Kindergärten, dass wir zu wenig Pflegepersonal, zu wenig Lehrer und zu viele  Steuerberater und Einkaufszentren haben und zu viele in Stellen mit Zeitarbeitsverträgen und man würde  wohl auch mal fragen, wieso es eigentlich trotz gestiegener Produktivität und Wirtschaftswachstum jetzt mehr Arme und mehr Superreiche gibt.

Und man würde fragen, was man machen kann, damit die Jugendlichen mal eine Zukunftsperspektive haben und die Alten eine sichere Rente, die zum Leben reicht, und man würde wohl auch fragen, wieso es vielen jetzt schlechter geht und wieso alles so teuer geworden ist nach dem Euro und wieso so viele Firmen und Reiche keine Steuern zahlen und wieso die Deutschen jetzt  alles bestimmen und wieso die Banken gerettet werden und wo denn bitteschön dafür das Geld herkommt, wenn für alles andere nichts da ist. Und wieso man jetzt wieder in den Krieg zieht, wo doch schon alles da unten in Trümmern liegt... 

Damit würde man die Parteien ja mal konfrontieren, wenn die denn mal hinhören und die Leute ernst nehmen würden.

Und dann müssten die korrumpierten Parteien, wenn sie das wirklich mal ernst nehmen, erst mal zugeben, dass das alles zuvorderst eine Folge ihrer Politik war und dass sie mehr oder weniger im Auftrag der Eliten gearbeitet haben, die ihnen durch  Stiftungen, Think Tanks, Gremien und Verbänden das Denken abgenommen haben und dass sie sich das Gehirn mit neoliberalen Ideen haben aufweichen lassen. Und dann müssten sie diese Alltagssorgen ernst nehmen, eine Politik der Mithilfe, der Solidarität, der Umverteilung von oben nach unten, der Ausrichtung auf das Gemeinwohl machen müssen. 

Und genau dazu ist keine der großen korrumpierten Parteien bereit. Nicht mal ansatzweise. Im Gegenteil. Und das muss man  auch verstehen: sie können es auch nicht, eben weil sie korrumpiert wurden. Die haben jetzt eine ganz andere Aufgabe im System  übernommen. 

Tja, und was bleibt dann? Heuchelei und eine in sich zutiefst widersprüchliche Politik, wo jeder merkt, dass es gelogen ist,
geheuchelt, nicht dem Gemeinwohl dient. Fragt Herrn Gabriel...

Das Ergebnis sieht man dann in Frankreich und anderswo.

—————

Zurück