Mittwoch

17.02.2016 19:31

So, zwei Tage hart gearbeitet. Die Fichten wurden geschlägert und wir haben die ganzen Zweige und das Holz beräumt. Da weiß man abends, was man gemacht hat. Aber schon genial: man arbeitet, dann hält mal ein Auto an und man macht einen Schnack mit den Kumpels oder Nachbarn und dann gehts weiter. Und schon erstaunlich, was der Mensch auch mit wenig Hilfsmitteln an Leistung erbringen kann. Mich erstaunt immer, was es eigentlich bedeutet, viele viele Millionen Menschen alleine in Deutschland immer soviel Arbeit zu geben, dass sie ausgelastet sind und somit entsprechend ihr Geld verdienen. Und es wundert eigentlich auch nicht, dass da einige schlichtweg nicht mehr gebraucht werden.

Ich habe das ja gesehen im Büro, wieviel man da an Aufträgen ranschaffen muss, damit die Firma ausgelastet ist. Und darüber hinaus auch noch wachsen muss. Vor diesem Hintergrund ist es auch verständlich, dass immer neue Projekte geplant werden müssen. Straßen, Eisenbahntrassen, Flughäfen (lol), Umbauten, Neubauten usw usw. Es ist auch verständlich, wieso ich 70% der Arbeiten, die heute in Deutschland erledigt werden, für sinnlos und überflüssig halte. Emails, die hin und hergeschrieben werden, große Powerpointpräsentationen, Besprechungen, Planungen, Meetings ... irgendwie muss man die Menschen ja eine Aufgabe geben. Burn-out kommt wahrscheinlich auch daher, weil die Menschen spüren, dass es zum Teil sinnlose Arbeiten sind, die nicht erfüllen. Und dann wird man Energie los. Sprich, man verliert Energie und wird erschöpft. 

Was braucht es zum leben? Ein Dach übern Kopf, gesundes Essen, sauberes Wasser, Heizmaterial, Freundschaften, erfüllte Liebesbeziehungen, Spiritualität, Kunst, Kreativität, echte Heilkunst, etwas zum Tauschen gegen das was man nicht selber hat.

Wer braucht einen Bürojob, wo man nachts um halb 11 noch Emails rausschickt, weil man es bis dahin nicht geschafft hat, zumal die Produktivitätssteigerungen ja nicht in Form von mehr Geld auf dem Konto landet, sondern bei den Arbeitslosen in Monaco und der Schweiz? Und gleichzeit ein Einzelner einsam in einem High-Tech-Traktor, der mehr an ein Monster erinnert, dutzende Hektar Ackerfläche mit Hilfe von chemischen Giften und Hochleistungssaatgut bewirtschaftet, und die Ernte als Biodiesel oder zur Stromerzeugung verwendet wird. 

Ach, wieso musste ich nur zur Rohkost kommen? Wie schlimm ist es, wenn man plötzlich mal nüchtern die Sachlage sieht. Und sich dann fragt: wie passe ich da überhaupt noch rein? Wo ist da mein Platz in diesem Spiel? Wieso musste mich der liebe Gott nur so rebellisch machen?!! :-D

Und dann gibt es noch 5 MILLIARDEN, die nicht annähernd diese produktiven Arbeitsplätze haben. Man stelle sich vor, die würden jetzt auch auf unser Niveau gehoben werden, was ja als Grundlage des Wohlstandes gilt. Dann ist es aus.

Ich mag es, im Norden zu wohnen. Ist zwar rauh, die Winter grau und lang, aber was solls. Als Kind hat es einen ja auch nicht gestört.

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