Mittwoch

15.07.2015 23:07

Der Garten wirft derzeit wirklich viel ab. Wir schaffen es gar nicht, alles gleich zu konsumieren. Meine Eltern sind ja noch traditionell und machen dann auch Marmelade, Säfte oder frieren vieles auch ein. Ich persönlich bin nicht so ein Fan des Einfrierens. Aber schon schade, wenn man sieht, was für Tonnen an Kirschen noch auf den Bäumen hängen. Vollkommen ungenutzt. Heute haben wir Zwiebeln raus gemacht. War eine normale Ernte. Insgesamt bin ich aber erstaunt, wie wenig Arbeit man eigentlich aufwenden muss, um einen Großteil seiner Nahrung zu produzieren. Klar, Stare muss man schon mal verscheuchen, oder die Tomaten gießen oder wenn es lange trocken war, auch mal den ganzen Garten.

 

Hier mal eine typische Malzeit derzeit:

 

Die Welt, wenn man es mal genau betrachtet, könnte locker alle ernähren. Und noch etwas Luxus für jeden bereit stellen. Aber leider ist unsere Welt, bzw. die Menschen darauf so drauf, dass einige nicht mehr teilen wollen und statt dessen enorme Ressourcen für sich möchten. Und dies dann auch mit Gewalt durchsetzten. Mit offener oder eben struktureller Gewalt. Das Ergebnis sind unglaubliche Menschenmassen, die sich als Flüchtlinge irgendwo durchschlagen müssen. Eine ähnliche Sichtweise wurde hier geäußert: www.neopresse.com/gesellschaft/anotherview/kommentar-weltenbrand/

 

Den Leserbrief im letzten Blogbeitrag hatte ich auch an Bernd Senf gemailt. Er antwortet, dass er es für eine sehr treffende Einschätzung hält und ich es doch auf alternativen Newsportalen veröffentlichen sollte. Ich habe es dann als Kommentar unter einigen seiner thematisch passenden Videos gepostet. Das hatte er auch vorgeschlagen. Auch wollte er es auf seiner Homepage veröffentlichen, aber dann erst Ende Juli / Anfang August. Aber hat mich doch gefreut, dass ich da so ein Feedback bekommen habe.

 

Ansonsten ist mir heute beim Autofahren bewusst geworden, dass ab letztem Wochenende jeder, der noch von Europa spricht, von Demokratie und Menschenrechte einfach nur noch hohle Phrasen drischt. Man sollte ihn auslachen. Und wenn es dann von ganz oben kommt, vielleicht sogar von den Typen, die das Drama abgezogen haben, dann sollte man sich abwenden. Man merkt es bei sich selber, aber auch bei Schreibern wie denen auf den Nachdenkseiten, oder selbst bei N-TV, dass da etwas zerbrochen ist. Dieses Europa, was ja wirkliche eine grandiose Idee war, um endlich mal Frieden auf diesem Kontinent der unterschiedlichsten Völker zu erreichen, ist kaputt gemacht worden. Und das spürt man auch, wenn man die Entwicklung der letzten Tage und Wochen beobachtet hat.

 

Es gibt ja so Sachen wie „Europark“, „Eurodorf“, „Europartnerstadt“, sogar „Eurokindergarten“ habe ich schon gelesen. Ab jetzt kann man diese Schilder abhängen oder man muss sich fragen, ob es noch gut ist, für dieses Europa der neoliberalen Eliten zu werden. Die Griechen, mal ganz abgesehen von ihren Problemen, die sie ja haben, waren so frech, eine Alternative zum neoliberalen Modell zu präsentieren (wer wissen möchte, wieso das neoklassische / neoliberale Modell Unsinn ist, den verweise in an Bernd Senf, der in seinen Videos dazu sehr gute Erklärungen gibt.). Das Ergebnis war eine Bestrafung, die sogar nicht alternative und konservative Ökonomen z.B. in den USA vollkommen fassungslos zurückließen.

 

Was kommt jetzt? Das ist die große Frage, aber es sieht nicht gut aus. Die dunkle Seite, wie soll man es denn anders nennen, hat die Macht übernommen. Mitmenschlichkeit, Solidarität? Na gut, dass ist vorbei auf staatlicher Ebene. Man kann es nur noch mit Humor nehmen (wobei es ja treffender nicht sein kann. Nachdem die Griechen der neoliberalen Ideologie nicht mehr glaubten und als Ideologie entlarvten, nachdem sie auf das Scheitern in Griechenland verwiesen, wurden sie tatsächlich nun erst richtig gewürgt):

https://pbs.twimg.com/media/B9nC4a-CIAAa4sy.png

 

Alles soll vermarktet werden, selbst das LEBEN. Alles privatisiert, alles dem Markt untergeordnet. Kindheit, Schule, Erziehung, Studium - alles soll wirtschaftsfreundlich und marktkonform organisiert werden. Wir brauchen keine humanistisch gebildeten Menschen, die sich eine eigene Meinung bilden, sondern Arbeitsdrohen, die die Umverteilung von Fleißig nach Reich organisieren. Man braucht sich nur umschauen: selbst Kleinkinder sollten schon drei Sprachen lernen. Wollen wir das?

 

Heute hatte ich kurz TV geschaut. Was lief? Irgendeine Show, wo drei Nackedeis verkuppelt werden sollen. Es dauert nicht mehr lange und wir werden noch ganz andere Shows erleben. Aber so werden die Menschen abgelenkt, statt sich die Zeit zu nehmen und sich mal weiter zu bilden. Mal auf Titten verzichten und sich zwei Stunden einen Vortrag ansehen, der das Wirtschaftssystem erklärt, oder das Geldsystem, politische Hintergründe usw. Aber die Masse lässt sich lieber zu dröhnen.

 

Vorgestern habe ich dieses Video gesehen:

Obwohl es ja lustig sein soll, hat es mich auf irgendeine Weise traurig gemacht. „Ich muss fickbar bleiben!“ - das heisst doch nur, dass man am Markt bestehen muss. Dass das „Produkt Frau“ eben mit ihrer Attraktivität ihren Marktwert im Berufsleben steigert. Ich finde das alles eher deprimierend.

 

Ich suche auch grade nach Möglichkeiten, da auszusteigen und etwas sinnvolles, lebensbejahendes zu erschaffen. Der Garten war dazu nur erst mal der Anfang. Aber ich habe große Mühen, mir vorzustellen, wieder „normal“ Arbeiten zu gehen. Eben weil nur ein Rädchen im Getriebe ist.

 

Hier noch ein sehr lesenswerter Beitrag zum Thema Arbeiten und Lebensfreude: www.nachdenkseiten.de/?p=26801

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