Nachtrag Avocados

04.11.2015 16:22

Ich möchte heute nochmal kurz auf das "Avocado-Experiment" eingehen, dass ich hier in Südspanien eine Woche lang durchgezogen habe. Was genau ist da passiert und was genau waren die Auswirkungen. Also: als wir hier ankamen, es war am Freitag, der 09.10.2015, hatte ich richtig grosse Lust auf Auvocados. Ich habe diesem Bedürfnis nachgegeben, da ich hier auch sehr gute Avocados, zum Teil noch welche aus der letzten Saison (Avocados können ja bis zu 30 Monaten am Baum hängen), die also superfett waren, gefunden habe. Sie schmeckten köstlich! Wie Kartoffelbrei oder wie Eigelb, ja nach dem. Manche zum Teil richtig schön salzig. 

Ich habe in dieser Zeit wirklich den Instinkt freien Lauf gelassen und soviel gegessen, wie ich wollte. Ganz dem Genuss nach. Nach einigen Tagen dann merkte ich, wie der Stuhlgang immer klebriger wurde, die Konsistenz breiig und Blähungen einsetzten. Auch gab es morgens hektische Darmentleerungen, so als wollte der Körper etwas recht fix wieder loswerden. Die Avocados schmeckten aber immernoch super!!! Dann merkte ich, wie mir im Bett die Arme extrem schnell einschliefen, wenn ich sie hinter den Kopf legte. Als ich auf dem Klo sass, konnte ich mein Geschäft nicht mal richtig beenden, weil meine Beine taub wurden. Darüber hinaus ermüdete meine Beinmuskulatur schnell. Am Ende der Woche dann bekam ich Wassereinlagerungen in den Händen (hatte ich seitdem nicht wieder), so dass ich nicht mehr gut Gitarre spielen konnte und bekam irgendwie ein komisches Gefühl im Brustkorb. 

Ich hatte diese Symptome dann in der Gruppe angesprochen, so nebenbei, weil ich sie eigentlich nicht in Verbindung mit den Avocados gebracht habe und eher auf einen Mangel an tierischen Produkten tippte. Doch Johannes hat dann bestätigt, dass er durch Avocados ebenfalls ähnliche Symptome bekommen hat. Und erst dann gab es wirklich eine Sperre. 

Nach dem Absetzen wurde es recht schnell wieder besser, nur ein Juckreiz am Arsch blieb noch eine Weile. 

Das Problem: würde ich wieder Avocados essen? Na klar! Am liebsten JEDEN TAG! Oder zumindest fast jeden. Und Cherimoyas dito!! Oder mal wieder schöne Datteln. Die fallen ja hier auch von den Palmen! Und da muss man sich natürlich mal die Frage stellen, wie kommt es, dass man trotz negativer Erfahrungen dennoch diese Produkte gerne verzehrt? Ich vermute einfach, dass bestimmte Zucker und bestimmte Fette eine Ausschüttung bestimmter "Glückshormone" verursachen, dass also das Lustzentrum entsprechend stimuliert wird. Nur so ist es überhaupt zu erklären, wieso man mit Rohkost überhaupt Probleme bekommen kann. 

Man merkt dann auch mal, wie fein unser Gehirn justiert ist und wie jede Abweichung von der Natur zur Falle werden kann. 

Und es erklärt auch, wieso es so schwer ist für viele, obwohl sie schon aktiven Karies entwickelt oder andere Probleme haben, von bestimmten Produkten zu lassen. Und selbst wenn man irgendwann, freiwillig oder weil der Körper einen dazu zwingt, davon lässt, bleibt eine Art positive Erinnerung zurück. "War schon schön!". Das alles erinnert mich an das Verhalten ehemaliger Alkoholiker, die an manchen Tagen wehmütig an ihren Rausch zurückdenken. 

Eine Freundin von mir meinte auch auf dem Treffen in Frankreich, wo sie nach einer Zeit der Abstinenz wieder vermehr frische Feigen gegessen hat, dass ihre mentale Klarheit weg ist und sie sich ganz benebelt fühle. Auch diese Erfahrung durfte ich schon machen. 

Und was esse ich derzeit so alles? Das ist schnell aufgezählt: 

(Proteine) Sesam, Mandeln, Chuffas, Kokosnuss, Schwert- und Thunfisch.

(Gemüse) Selleriestange und -knolle, Süsskartoffeln, Weiss- und Rotkohl, Möhren, Rettich, Knoblauch, Rucola, Rote Beete

(Gemüsefrüchte) Gurke, Tomate (sehr selten), Zuccini

Alles mono und nacheinander genossen. Und ja, die himmlischen Phasen stellen sich jetzt viel seltener ein, dafür ist der Genuss irgendwie "nachhaltiger". 

Und es braucht eben wirklich auch etwas Disziplin und Willenskraft, eben NICHT "schwach" zu werden, denn die Früchte sind und bleiben attraktiv. Aber die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen eben auch, dass es nichts bringt, der Versuchung nachzugeben. Und mein Körpergefühl sagt mir einfach, dass ich da grade auf dem richtigen Weg bin. 

—————

Zurück