Natur unter Kontrolle bringen

08.07.2016 22:37

Oh Mann, ich liebe Jazz! Höre gerade eine Live-Aufnahme von Miles Davis. "My funny Valentine". Sowas von genial.

Ansonsten habe ich heute ein Foto eine ehemaligen Mitstudentin auf Facebook kommentiert, die zu einer Bringungsaktion von Wildvögeln an der Holländischen Grenze war und, darüber ganz begeistert, Fotos postete. Und da muss ich echt sagen, dass mir diese Art des Naturschutzes zunehmend missfällt. Warum? Wer gibt uns das Recht, da reinzumarschieren, die Altvögel zu verscheuchen, mit den Jungvögeln vor der Kamera zu posieren und die Kleinen zu beringen? Das sind Wildtiere und die sind völlig frei. Und der Mensch kann das wieder nicht ertragen, sondern muss die eben immer irgendwie beringen, markieren, zählen, katalogisieren, besendern, telemetrieren und andersweitig "an die Kette legen". Nur aus edlen Gründen natürlich, man ist ja Naturschützer, aber man merkt gar nicht, dass man aus der Natur einen Freiluftzoo macht. Dito die Jäger, die ja ebenfalls die Wildtiere hegen und pflegen, und aus der Natur einen großen Tierpark machen.

Es geht also immer um die Kontrolle der Natur, um das "an der Spitze stehen" und Entscheidungen treffen, was gut und was schlecht ist. Ich finde das ziemlich arrogant. Man kann es einfach nicht sein und die Natur etwas regeln lassen. Aber das ist eben wieder nur ein Spiegel der inneren Welt, wo man die Energie ja genauso nicht frei fließen lassen kann. Sondern auch im Innenleben wird alles kontrolliert, bewertet, beringt, besendert, telemetriert und katalogisiert. Wie innen, so außen. Und so muss man, da man ja seine innere Natur auch irgendwie bändigen muss, auch die äussere Welt unter Kontrolle halten. Und so wird eben immer wieder, nur in bester Absicht, eingegriffen, aber schlussendlich gehts um die Kontrolle der Natur. Das ist aber so, als ob Flöhe versuchen, den Hund zu kontrollieren, auf dem sie sitzten. Nur das der Mensch über seine Arbeit noch zentnerschwere Papierberge produziert.

Wobei der Naturschutz ja auch irgendwo nur eine bessere ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) ist. Da wurden viele Gesetze aus Brüssel umgesetzt, was nochmal zu einem Einstellungsschub geführt hat, aber komisch, wenn ich mir meine Heimat so ansehe, hat sich da nichts wirklich verändert. Es gibt weder neue Wiesen, noch neue Wälder oder Feldgehölze. Trockenrasen und andere Grünländer wurden nicht geschaffen und die Saale und Elbe sehen immer noch aus, wie sie seit Jahren aussehen. Wo ist da der Gag? Klar, man hat die Flüsse nun sauberer bekommen, es kehren bestimmte Tiere zurück, und die Wälder haben wieder mehr Totholz, aber dem gegenüber steht schon eine Forstindustrie, die nur drauf wartet, da auch wieder Zugriff zu bekommen.

 

In Österreich dito. Was wurden da für Managmentpläne gemacht und dann wurden Projekte angeleiert und gemacht und getan, aber wirkliche Verbesserungen der Natur gab es eigentlich im Vergleich zum Aufwand eher wenig. Im Gegenteil! Durch die Intensivierung der Landwirtschaft (Maisanbau vor allem), wurde sogar viel Grünland umgebrochen.

 

Versteht mich nicht falsch, Naturschutz ist ganz wichtig, aber es fehlt die Durchschlagskraft ähnlich der Deutschen Elf gestern im Spiel gegen Frankreich. Alles schön gespielt, aber du musst eben vorne auch ein Tor rein schiessen. Sonst würds nüscht. Und das ist in der Naturschutzszene auch so. Jeder will der Schlauste sein, man holt sich an der Natur einen runter, schreibt super Berichte, die dann in den Schubladen landen, manchmal gibts Auszeichnungen und dann geht man zum Aldi einkaufen. Wirkliche Erfolge sind eher versteckt. Die gibt es, klar, aber sie sind doch eher marginal.

 

So verschwinden hier die Obstbäume mit alten Obstsorten mehr und mehr von den Straßen und nur ein einsamer Pomologe hat mal an einer Straße welche nachgepflanzt, und dafür wahrscheinlich lange betteln müssen, um es finanziert zu bekommen. Die Ausgleichsmaßnahmen, die man den Windkraftanlagen errichtet hat, Hecken vor allem, funktionieren auch nicht wirklich. Es gibt aber TAUSENDE Straßen und Wege, die nur darauf warten, wieder bepflanzt zu werden und zur Ernährungssicherheit der Bevölkerung beizutragen.

 

Und hier kommt jetzt der Twist zur Rohkost. Ich glaube, dass der Naturschutz u.a. einfach nur versucht, eine Kulturlandschaft zu erhalten, die aber aufgrund ihrer Unproduktivität nicht mehr zeitgemaß ist. Wenn man sich die Liste der FFH-Lebensraumtypen anschaut, so sind da ja viele Grünlandarten zu finden. Nur, die muss man nutzen und das ist eben irgendwo mittlerweile die Hauptaufgabe der Schäfer (u.a.). Hier wird aber Naturschutz zum Hobby. Diese ganzen wertvollen Biotope entstanden früher einfach durch Nutzung. Die waren quasi das Abfallprodukt einer extensiven Landwirtschaft. Heute aber ist die Landwirtschaft hoch intensiv geworden und wir bezahlen nun die Schäfer nicht mehr für die Fleischproduktion, sondern zur Landschaftspflege, weil sich die Fleischproduktion so nicht mehr lohnt. Nicht mal ansatzweise.

 

Das Gute, man kann das wieder vom Kopf auf die Beine stellen, indem man diese Schäfer unterstützt und dort sein Fleisch kauft! Damit dreht man den Fokus wieder mehr auf das, wie es sein sollte. Erst die Nahrungsproduktion auf guten Flächen und in dessen Kielwasser dann der Erhalt der artenreichen Wiesen. Man muss das also als Konsument auch einfordern! Und sich abwenden vom Massenkonsum, dann lohnt sich auch wieder diese Art der Fleischproduktion und GLEICHZEITIG wird die Kulturlandschaft erhalten. Es braucht also in Deutschland gut 100.000 - 1 Million omnivore Rohköstler und wir könnten alle staatlichen Gelder einsparen, denn dann würde sich der Naturschutz auch so tragen, würde nicht mehr Hobby sein, sondern wäre zielerfüllend und würde von den Konsumenten, die gute Produkte haben möchten, getragen werden.

 

Derzeit gibt es vielleicht 100 omnivore Rohköstler in Deutschland. Vielleicht auch nur 50 oder 30 oder gar nur 20. Wir stehen also ganz oben auf der Roten Liste! Dem gegenüber stehen 80 Millionen Menschen, die sich nicht so ernähren, sondern Produkte aus der Massenproduktion und der industriellen Landwirtschaft konsumieren. Und da die die gleichen Grundsätze anwendet wie die Produktion von Schrauben und anderen Industrieprodukten, kann eine extensive Produktion, die das Leben achtet, da keine Sekunde mithalten und muss quasi permanent subventioniert werden, aber nicht mehr, um primär Fleisch u.a. zu produzieren, sondern um die Biotope zu erhalten. Da steht also etwas ziemlich Kopf und genau deswegen hat der Naturschutz oft ein Argumentionsproblem. Wenn sich das aber tragen würde, weil die so erzeugten Produkte verkauft werden könnten, sähe es anders aus. Dann würden sogar wieder mehr Bauern umstellen. Wie eh schon im Zuge der biologischen Landwirtschaft geschehen.

 

Vegane Rohkost ist da eher kontraproduktiv, weil in dessen Zuge ja keine Tiere mehr gehalten werden.

 

Na zumindest in Frankreich gibt es da Hoffnung, wenn auch, nüchtern betrachtet, wenig. Was Rohkost angeht, siehts ja in Deutschland / Schweiz / Österreich eher düster aus. Da kommt nur noch wenig nach und wenn. 

 

Die Rohkostszene präsentiert sich aber auch nicht besonderns gut. Ich habe mal wieder in verschieben Rohkostforen gelesen und muss sagen, es sieht nicht gut aus. Viele Antworten muten auf jemanden, der gerade ein Buch gelesen hat und anfangen möchte, eher abschreckend an. Das merkt man selber, wenn man mal ne Weile abwesend war und dann mal wieder liest. Das ist einfach oft zu strange. Ich möchte da jetzt keine Beispiele nennen, kann ja jeder selber lesen. Der Thierry scheint da in Frankreich einen anderen Ton anzuschlagen und siehe da... 1.500 Leute kommen zusammen.

 

Das Problem bei uns: es begeistert nicht! Dabei ist Rohkost so etwas Geniales!!! Es macht reich und sexy und wie nebenbei rettet man die Welt! Worauf warten denn alle?!

 

Lasst sie doch mal raus, eure NATUR!!!

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