Nicht besser als Tiere?

27.12.2015 22:16

In den letzten Tagen habe ich mir mal aus Spass die ein oder andere Tierdokumentation bei Youtube angeschaut. Da gibt es ja einige, die wirklich gut sind. Von der BBC zum Beispiel. Zumeist werden aber sehr grauslige Details ausgelassen, die es ja auch gibt. Und die werden dann neben dem eigentlichen Video aufgelistet und weil der Mensch neugierig ist, auch angeklickt. Oft sind die von Privatleuten, die ihre Videos auf Safaris gedreht haben. Dann sieht man Hyänen, die junge Gnus direkt aus dem noch lebendigen Mutterleib reißen, Wildhunde, die ihre Beute lebendig fressen, Krokodile, die den Bauch der Zebras aufreißen, Schimpansen, die andere Affen lebendig zerreißen oder sich gegenseitig mit unglaublicher Brutalität umbringen. Alles Sachen, die man so nicht in den 20.15 Uhr Tierdokumentation zu Gesicht bekommt. Und dann taucht plötzlich, weil es zum Thema passt, Videomaterial aus dem Syrienkrieg oder dem Donbass auf. Ich habe mir das auch mal angeschaut, denn auch das wird nicht im Fernsehen gezeigt, und was soll ich sagen, es war genauso grauslig. Kein Wunder, dass kein Soldat nach dem zweiten WK viel über das gesprochen hat, was er erlebte, und wenn, dann kamen oft die Tränen.

Die Menschen in diesen Videos agieren nicht anders als die Tiere in den Videos. Sie töten einander, kämpfen um Territorien und Ressourcen, greifen an und verteidigen sich, quälen einander, bluten, leiden, sterben. Sie rufen nur irgendwelche religiösen Sprüche, sprechen andere Sprachen und benutzen Waffen und Panzerungen, die sie erst erfinden mussten, weil ihr Körper es nicht hergibt. Ansonsten gibt es keinen Unterschied.

Das alles kann einem zu dem Schluß bringen, dass die Menschen als Teil der Natur eben so sind. Es gibt auch im Grunde keinen Unterschied im Ausmaß der Brutalität und Grausligkeit zu den oben genannten Tieren. Oft hört man ja, der Mensch sei schlimmer wie die Tiere, aber das stimmt so nicht. Er agiert zum Teil schlichtweg genauso schlimm. Der Krieg führende Mensch ist also offenbar nichts weiter als eine Hyäne oder ein Löwe oder ein Schimpanse. Die Beute sind Land, Geld, Wasser, andere Ressourcen, oder Ruhm, Ehre, Pflichtgefühl. Nichts was der Mensch da macht, gibt es nicht auch in der Natur.

Ist der Mensch also nichts weiter als ein Tier mit einem großen Gehirn, dass er vor allem dafür nutzt, sich noch kunstvoller umzubringen? Ein Wesen, dass wie Ameisen in Staaten organisiert ist? Das so brutal wie Schimpansen und Hyänen ist? Auf den ersten Blick kann man das so sehen. Und viele Pessimisten würde mir da zustimmen.

Es gibt aber auch, und das ist das eigentlich beschämende, Tiere auf dieser Welt, die hier etwas rausfallen. Bonobos zum Beispiel. Die sind ja nun mittlerweile berühmt geworden. Streitereien werden durch Sex gelöst, bei Kriegen bewirft man sich mit Scheisse.

Der Mensch aber verhällt sich eher wie die Schimpansen. 

Das alles kann einen sehr hoffnungslos stimmen.

Ich glaube aber, dass da einfach eine Fehlentwicklung vorliegt. Ich glaube, dass der Mensch genetisch eher zu den Bonobos gehört, aber irgendwas in der Vergangenheit dazu führte, dass die Sexualität unterdrückt und regelrecht verstümmelt wurde (siehe Beschneidungsriten in Afrika und naher Osten) und das daher die allgemeinen Gewaltprobleme auf Erden herrühren. Und natürlich denke ich, dass die Kochkost da ebenfalls zu Verzerrungen natürlicher Energien führte, was es uns unmöglich macht, aus diesem Teufelskreis zu entkommen.

Ich schrieb an anderer Stelle schon, dass wenn man sich den Menschen nackt anschaut, er sehr verletzlich und fragil wirkt. Und in keinster Weise bedrohlich, sondern dass alles eher der Sexualität dient. Erst nach dem "Sündenfall", was auch immer das dann war, wurde dieser Körper zunehmend im Inneren (chronische Muskelverhärtungen) und im Äußeren (Schilde, Rüstungen, Helme bis hin zu Raketenabwehrschirme) gepanzert und mit Klauen und Zähnen wiederbewaffnet. Und wenn das einmal losging mit der Gewalt, ist es wie eine ansteckende Krankheit. Mitmachen, sich wehren, oder untergehen.

Und vor diesem HIntergrund ist es auch total logisch, dass es nun Atombomben gibt. Es ist ein Wettrüsten wie es in der Natur überall zu sehen ist. Der Eine erfindet was Neues, erlangt einen Vorteil, der andere muss nachziehen. Krieg als Teil der Natur, würden die Pessimisten sagen.

Aber war es schon immer so?

Wir wissen eigentlich nicht viel über das Sexleben der Ur-Menschen. In Halle / Salle im Museum für Vorgeschichte gibt es Steinfiguren, die Frauen darstellen, mit Überbetonung der Brust und des Hinterns. Aber wie diese Menschen gelebt haben, in ihren Gruppen, bleibt uns verschlossen. Wer da mit wem und wann und wie, darüber kann nur spekuliert werden. Die Trobriander, die noch am ehesten einen Hinweis darauf geben, wie es ganz ursprünglich ausgesehen haben mag, sind aber laut Wilhelm Reich schon ein Volk im Übergang. 

Aber sowohl bei den Bonobos als auch bei den Trobriandern findet sich eine sehr ausgeprägte Sexualität. Den Jugendlichen wird Raum gegeben, und der wird ausreichend genutzt, es gibt bei vielen Polynesiern auch ritualisierte Homosexualität zwischen Heranwachsenden und Erwachsenen. Was in Mitteleuropa unter Strafe steht. Ich versuche mal noch, die Quelle dazu zu eruieren.

Aber wenn man mal ohne Scheuklappen und offen an die Sache rangeht, dann muss man schon feststellen, dass der Mensch eigentlich ein liebevolles, zärtliches und verletzliches Wesen ist, dass zur Kooperation gemacht wurde, aber dass irgendwie vom Weg abgekommen ist (und auf diesem Weg weiter fortschreitet - Fortschritt eben.) 

Das Problem: keiner weiß, wie der Mensch wirklich ist. Was wir sehen, selbst wenn man in den Spiegel schaut, sind zumeist Produkte der jeweiligen, zu meist mehr oder weniger sexualunterdrückenden Gesellschaft. Bei den Trobriandern geht das alles noch recht freizügig zu, da sind die Menschen kaum neurotisch, bei den Saudis sind sie so gepanzert, dass sie eine grauslige Form einer patriachalen Religion erfunden haben. Der Rest liegt irgendwo dazwischen. 

Wird sich das mal so schnell ändern?

Natürlich nicht. Deswegen haben "Eingeweihte", also Menschen, die einfach etwas bewusster waren und sich vielleicht ihre Beobachtungsgabe erhalten haben, dass auch in Symboliken verschlüsselt.

Die Zauberflöte, Der Garten der Lüste, Excalibur, bis hin zu Star Wars.

Burger hat das natürlich auch erkannnt, dass der Mensch so wie er is(s)t, eigentlich nicht der wirkliche Mensch ist. Er wollte dann aber wohl die Welt zwangsbeglücken, was grundlegend in die Hose ging. Hinzu kamen Praktiken, wo man eben nicht weiß, ob sie natürlich sind, oder schon wieder Ausdruck einer eigenen Defomation. 

Und deswegen ist es irgendwie schwierig: einerseits sieht man, dass der Mensch so wie er derzeit agiert, kriegerisch, heuchlerisch, ausbeuterisch, zerstörerisch an sich und der Natur, sich selbst und die Lebenswelt verschmutzend, nicht "Gottes Schöpfung" sein kann.

Andererseits wissen wir einfach nicht, wie es anders gehen soll. Es gibt viele Theorien, Überlegungen und Beobachtungen, aber im Grunde wissen wir nicht, wie der Mensch wirklich IST.

Hyänen, Schimpansen und Löwen weinen nicht, weil sie grausliges erlebt haben. Sie haben auch kein schlechtes Gewissen, wenn sie derartiges tun. Wir Menschen haben aber ein Gewissen, müssen erst aufgestachelt und überzeugt werden, in den Krieg zu ziehen. Müssen den anderen erst ent-menschlichen. Und müssen nach dem Krieg mit Schuld leben.

Eibl-Eibelsfeld schrieb in einem seiner Bücher, dass die Krieger nach der Auseinandersetzung bestimmte Speisen nicht essen durften oder sich reinigen mussten. "Du sollst nicht töten!" ist das, was uns unser Gewissen sagt. Der Mensch muss seine tief im Inneren angelegte natürliche Nächstenliebe übergehen und fühlt dies als Schuldgefühle. Im Krieg gibt es keine Sieger.

Das Problem: wie kommt man aus all dem wieder raus? Es gibt keine wirklichen Vorbilder. Beim Essen musste und muss alles neu entdeckt werden, viele Fehler wurden gemacht, es gab und gibt überall Fallen (Stichwort Zuchtfrüchte, Verfügbarkeit). Das alles ist sehr mühsam und man sieht auch, das viele daran scheitern. In der Liebe und Sexualität ist es noch viel komplizierter! Und die Folgen sind dann nicht bloß Blähungen, sondern Beziehungsprobleme, emotionale Verletzungen und Schlimmeres, deswegen muss man da noch vorsichtiger sein. Und so wie man mit gekochten Speisen nicht mehr weiterkommt, so kommt man auch in einem "gekochten" Umfeld an bestimmte Grenzen, was dieses Thema anbelangt.

Also jeder, der da auf eine baldige Trendwende wartet, wird wohl enttäuscht sein. Das Paradies wird wohl noch lange auf sich warten lassen. Wir sind ja grade erst dabei, die Grundlagen zu erarbeiten. 

Nichtsdestotrotz ist es hier wie mit vielen Dingen im Leben: es ist immer besser, das zu tun, was man als richtig erkannt hat, als sich in Rechtfertigungen zu ergehen. Der Held in uns wird uns den Weg weisen! :-D

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