Noch ein paar Worte zum Danuvius guggenmosi

12.11.2019 20:49

Es ging ja jetzt durch die Presse, und ich hatte es ja auch schon im Blog, dass man in Bayern eine fossilie Affenart ausgegraben hat, die anscheinend schon aufrecht gehen konnte.

Der Winzling mit einer Größe von etwa einem Meter und einem Gewicht zwischen 18 und 31 kg ist geklettert, hat sich aber offenbar auch aufrecht auf zwei Beinen fortbewegen können - und das Millionen Jahre früher, als man dies bislang angenommen hatte. Das Skelett eines männlichen Danuvius war am besten erhalten. Er hatte lange Arme, aber Füße mit X-Beinen, festes Fußgelenk und S-förmige Wirbelsäule lassen vermuten, dass er auf seinen "Hinterfüßen" gehen konnte. Für Madelaine Böhme von der Universität Tübingen und dem "Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment", die Leiterin des internationalen Teams, handelt es sich um eine "Sternstunde der Paläoanthropologie": "Dass sich der Prozess des aufrechten Gangs in Europa vollzog, erschüttert die Grundfeste der Paläoanthropologie."

www.heise.de/tp/features/Hat-sich-der-aufrechte-Gang-bei-Primaten-im-Allgaeu-vor-12-Millionen-Jahren-entwickelt-4580475.html

Ich bin da garnicht so überrascht, ehrlich gesagt, denn als ich mich hier in meiner Serie über die genetische Anpassung des Menschen mit Ardipithecus ramidus beschäftigt hatte, war ja schon klar, dass es weit ältere Vorfahren geben muss, die schon teilweise aufrecht gingen. Auch suchte man ja bisher diesen Missink Link, der den Übergang zwischen dem Gang auf vier Gliedmaßen und dem aufrechten Gang zeigte, vergebens. Bisher dachte man da eher an die Savannentheorie oder die Wat-Theorie, die besagt, dass sich der aufrechte Gang eher im sumpfigen Gebiet entwickelt hat, was die Affen zwang, im Wasser aufrecht zu gehen.

Dass sich das nun entweder ausschließlich, oder sowohl in Europa, als auch Afrika entwickelte, ist die eigentliche Überraschung. Bisher ist man ja davon ausgegangen, dass sich der aufrechte Gang sehr viel später und dann in Afrika entwickelte. Wie man sieht, und das habe ich wirklich vermutet, nachdem ich mich mit A. ramidus beschäftigt hatte, muss es weit ältere Vorfahren geben, die

a.) zumindest teilweise aufrecht gingen und

b.) innerartliche Aggressionen eher wie die Bonobos lösten. A. ramidus hat ja vergleichsweise kleine Eckzähne bei den Männchen, was darauf schließen lässt, dass die innerartliche Aggression und das Dominanzverhalten abgeschwächt und eher auf Bonoboart gelöst wurde. Was vermuten lässt, dass es eben noch viel ältere Arten geben muss, die dem voraus gingen.

Liebe und Sexualität, Gruppenprobleme liebevoll lösen, dieses Prinzip scheint älter zu sein als die bisher angenommen 4,4 Millionen Jahre, auf die man das Alter von A. ramidus schätze.

Der aufrechte Gang war bislang mit der Evolution des modernen Menschen verbunden worden, der in Afrika entstanden ist, woraus man vielfältige Schlüsse über die damit verbundenen Folgen und die Einzigartigkeit des Menschen ableitete. So gibt es Vermutungen, dass der aufrechte Gang vor 6 Millionen Jahren entstanden sein könnte, der Hominide Ardipithecus ramidus, der vor 4,4 Millionen Jahren lebte, konnte auf zwei Beinen gehen.

Nur hat man eben nie irgendwelche Arten gefunden. In der Evolution des Menschen gibt es vor A. ramidus ja nur noch Orrorin und Sahelanthropus. Die habe ich aber nie wirklich für die Vorfahren des Menschen gehalten, bei A. ramidus aber scheint man das Prinzip Liebe und Kooperation, welches man eben an den kleinen Eckzähnen sieht, und welches auch bei uns gilt, als erstes gefunden zu haben, so dass man wirklich davon ausgehen kann, dass wir mit A. ramidus einen echten Vorfahr des Menschen haben.

Nur woraus hat sich diese Art entwickelt?

Keiner weiß es. Stichwort Savannentheorie, Wat-Theorie, Wasseraffentheorie.

Wie man nun sieht, gab es aber schon viele Millionen Jahre vorher in Europa zumindest eine Art, die ebenfalls bonoboartig war und sich auf zwei Beinen fortbewegte, zumindest teilweise.

Wenn Danuvius guggenmosi aber bis zu 8 Millionen Jahre früher bereits im Wald lebend aufrecht gehen konnte, also auch 5 Millionen Jahre bevor die Hominiden sich von den anderen Menschenaffen abzweigten, ist die These, dass die Vorfahren der Menschen in Afrika aus den Wäldern in die Savannen auch wegen der Möglichkeit der zweibeinigen Fortbewegung zogen, nicht mehr ganz so schlüssig. Auch der Menschenaffe vor 12 Millionen Jahre hätte bereits seine Arme und Hände zum besseren Werkzeuggebrauch frei gehabt. Jedenfalls wäre, wenn Danuvius guggenmosi aufrecht gehen konnte, die lange gehegte Vermutung, dass der aufrechte Gang eine zentrale Eigenschaft des Menschen ist, widerlegt.

Die Savannentheorie sieht man eh nicht mehr als haltbar an. Aber wer sagt denn, dass sich der aufrechte Gang nicht Millionen Jahre gehalten hat und man dann irgendwann bei A. ramidus in Afrika rauskommt?

Was spricht dagegen, dass die Arten, die schon den aufrechten Gang zumindest teilweise drauf hatten, nicht mit dem schwindenden Regenwald, als es in Europa kühler wurde, nach Afrika zurückgingen und sich da zum Menschen entwickelten?

Wer weiss denn, wie sich da die Individuen jeweils fortgepflanzt und bestimmte Merkmale weitergegeben haben?

Es kann gut sein, dass es bei D. guggermosi losging und sich bis A. ramidus gehalten hat. Und von da aus hat sich dann die Gattung Homo entwickelt.

Aber vielleicht war Danubius guggenmosi eine evolutionäre Sackgasse und ist die Zweibeinigkeit mehrmals entstanden.

Maybe.. maybe not.

Bisher hat sie sich aber nur beim Menschen gezeigt. Und sich dort perfektioniert. Ich war heute wieder auf dem Laufband. Der Mensch ist ein Läufer. Durch und durch.

Möglicherweise haben sich die heutigen Schimpansen und Gorillas aus solchen europäischen Vorfahren entwickelt und den aufrechten Gang wieder evolutionär "vergessen",

Na ja, sowas in der Art hat man ja in einigen Fachartikeln angenommen. Dass sich die großen Menschenaffen erst später an den Regenwald wiederanpassten und dort der Knöchelgang Vorteile bietet. Ich verweise hier auf meine Artikelserie, die ich jetzt mal unter "Best of Tigerkinder" packen werde...

während der moderne Mensch die Zweibeinigkeit von den europäischen Vorfahren geerbt haben könnte.

Warum auch nicht?

Man hat Frühmenschen in Georgien gefunden, der Bereich zwischen Marokko und China, der heute eher wüstenartig ist, war damals ein gigantisches Grasland.

Wo sich der Mensch schlussendlich zum Menschen entwickelte, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.

Aber der Fund im Allgäu ist natürlich schon eine wissenschaftliche Bombe, die da hochgeht und die ein ganzes Weltbild über den Haufen wirft und eben zeigt, dass der aufrechte Gang nicht erst vor 7-8 Millionen Jahren einsetzte, sondern schon viel älter ist.

Man darf gespannt sein, wie das in der Fachliteratur in den kommenden Monaten behandelt wird. Mal Wikipedia beobachten...

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